Interview mit Yung Codi

„Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich den Namen Bad Boy Entertainment dafür nutzen kann, weil die Namensrechte schon bestimmt vergeben waren.“

Interview mit Yung Codi
Interview mit Yung Codi

Autor: Walter Schilling

 

 

Bad Boy Entertainment ist zurück! Fans des sagenumwobenen Labels können sich freuen, dass es wieder melodischen, straighten Rap gibt. Doch an die Stelle von P. Diddy rückt diesmal Yung Codi, der das Label gemeinsam mit drei Rappern, zwei Sängern und einer Boy Group aufbauen wird. Fast so wie einst Puff Daddy, der sich nie zu schade war, Gesang mit Rap zu vermischen. Die Debütsingle des Augsburger fand auch schon großen Anklang und hat auf Anhieb die 100.000 Aufrufe geknackt. Wie es nach dem Song Blasphemie nun weitergehen wird, das erklärte er mir via Skype.

bb21: Du hast aus dem Stand über hunderttausend Klicks mit dem Song Blasphemie erreicht. Hast du mit diesem Erfolg gerechnet?

Yung Codi: Wenn ich ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass mich das schon sehr überrascht hat, weil der Song kaum melodisch ist, sondern eben ein richtiger Rapsong ist. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass dieser Song viel rumkommen wird. Aber plötzlich haben das dann total viele Facebook-Seiten geteilt, auch hiphop.de hat darauf aufmerksam gemacht und von da an war mir klar, dass der Track viele Menschen erreichen wird. 

bb21: Du hast alle deine alten Videos von YouTube runtergenommen, warum?

Yung Codi: Ich rappe schon seit zehn Jahren. Anfangs war das noch totaler Funk, aber im letzten Jahr habe ich dann angefangen Trap zu machen. Jetzt möchte ich wieder zurück zu meinen Ursprüngen und sehr melodischen Rap machen. Trap ist ganz geil, aber ich halte das Alles nur für einen Hype und jeder Trend wird eines Tages sein Ende finden. Ich möchte aber zeitlose Musik schaffen. Deswegen konzentriere ich mich jetzt vollkommen auf meinen neuen Sound und habe meine alten Sachen wieder rausgenommen. Auf Spotify habe ich aber leider meine Zugangsdaten verloren, deswegen ist es nicht so einfach, dort meine Songs runterzunehmen [lacht].

bb21: Du lebst in Augsburg, das alles andere als eine HipHop-Hochburg ist. Fühlt es sich für dich schwer an, sich von dort aus zu connecten?

Yung Codi: Also in Augsburg leben zwar nicht so viele Hip-Hopper wie in Berlin, aber trotzdem geht hier auch was. Ich wohne aber mittlerweile in Günsburg, was nicht weit weg ist von Legoland. Dort ist es noch viel schwieriger Gleichgesinnte zu treffen. Aber zum Glück habe ich zuvor noch in Augsburg gelebt und dort ein paar Produzenten kennengelernt. Denn dort leben echt viele, die das Produzieren draufhaben. Zum Beispiel B-Case, der auch für Kollegah, Farid Band, Fard und noch viele mehr produziert hat. Neben ihm gibt es dort noch viele weitere Produzenten. Wenn man da mal den ein oder anderen kennt, ist es nicht mehr so schwer, sich in Augsburg zu connecten. Wenn man auf einer Hauptschule war, dann ist das gar kein Problem [lacht].

„Das Problem dabei ist aber eher, dass Shindy ein großer Fan von Ma$e ist und sich von ihm hat stark inspirieren lassen.“

bb21: Auf Snapchat und Instagram erreichst du eine Menge Menschen. Auf Facebook dagegen kaum. Wodurch erklärst du dir das?

Yung Codi: Ich persönlich bin einfach kein großer Fan von Facebook. Ich verbringe auch privat meine Zeit lieber auf anderen Social-Media-Plattformen. Deswegen poste ich dort nur selten etwas, wodurch ich dort bislang keine Community aufbauen konnte. Das liegt vor allem an den Menschen selbst, die sich in Facebook tummeln. Dort wird unglaublich viel gehatet, ganz egal wer du bist und was du geleistet hast. Mein Video wurde dort zum Beispiel von einer Seite geteilt und in den Kommentaren wurde ich nur schlecht gemacht. Daraufhin habe ich mir mal die anderen Beiträge angeschaut und habe gesehen, dass dort aus Prinzip gehatet wird. Das ist ganz normal bei denen. Und da ich auf sowas keinen Bock habe, baue ich mir meine Community lieber woanders auf. 

bb21: Hältst du Plattformen wie Instagram und Snapchat denn für zukunftsfähig?

Yung Codi: Ja! Ich glaube, dass eher Facebook irgendwann mal ausstirbt, ehe es Instagram oder Snapchat werden. 

 

bb21: Aber dafür gibt es doch viel zu viele Hater. Solange die Hater auf Facebook abgehen können, wird es immer genug Content in Facebook geben.

Yung Codi: [lacht] Ok, dann lass es mich anders sagen: Ich glaube, dass Rapper bald auf andere Plattformen wechseln und Facebook nicht mehr nutzen werden. Bestimmt werden auch dort die Tourdaten und Albuminformationen veröffentlicht, aber mehr dann auch nicht. Liveübertragungen werden doch schon jetzt lieber auf Instagram geführt.

bb21: Ich habe mir natürlich auch die YouTube-Kommentare zu Blasphemie durchgelesen und dort werfen dir einige User vor, dass du Shindy biten würdest. Wie stehst du selbst zu diesen Anschuldigungen?

Yung Codi: Ich weiß, dass das viele Rapper sagen, aber ich meine das wirklich ernst: Ich höre absolut kein Deutschrap. Und zwar schon seit dem aller ersten JBG. Solche Lieder wie Was du Liebe nennst von Bausa, an denen man gar nicht vorbeikommen kann, die höre ich mir schon an. Aber das wars auch. Gerade die Mucke von Shindy und Bushido gefällt mir überhaupt nicht. Das Problem dabei ist aber eher, dass Shindy ein großer Fan von Ma$e ist und sich von ihm hat stark inspirieren lassen. Von ihm hat er seine Aussprache und seinen Flow. Ich habe mich auch von Ma$e inspirieren lassen und so liegt es natürlich auf der Hand, dass zwei Rapper, die sich vom gleichen Künstler inspirieren ließen, Ähnlichkeiten aufweisen. 

bb21: Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Yung Codi: Heute habe ich die letzte Studio-Session. Kevin Dennis und KZAK werden vorbeikommen und dann nehmen wir den letzten Song auf. Nächste Woche ist die Abgabe für das Mastering und danach wird das Ganze ins Presswerk gehen. Nach meinem Album stehen dann auch schon die Projekte meiner Signings an. Ob ich im kommenden Jahr vielleicht noch ein zweites Album veröffentlichen werde, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

bb21: Wie hast du dir die Namensrechte zu deinem Label Bad Boy Germany Entertainment gesichert? Musstest du mit P. Diddy in Kontakt treten?

Yung Codi: Ehrlich gesagt war das sehr einfach. Ich habe dieses Konzept gehabt, ein Label aufzubauen, wie es einst Puff Diddy tat. Aber ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich den Namen Bad Boy Entertainment dafür nutzen kann, weil die Namensrechte schon bestimmt vergeben waren. Das waren sie aber nicht und so konnte ich mir die Namensrechte ohne Umwege sichern. 

 

bb21: Die letzten Worte gehören dir`! 

Yung Codi: Grüße gehen an die gesamte Bad Boy Family raus: KZAK und Kevin Dennis. Wer mein Album vorbestellen möchte, kann das gerne tun. Wem dagegen meine Musik nicht gefällt, der soll sich einfach von meiner Mucke distanzieren. Danke für das Interview.


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