Interview mit Tamas

„HipHop ist eben so wie Heavy Metal. Dort hat alles zwar durch Rock angefangen, aber daraus haben sich so viele weitere Genres gebildet, die teilweise komplett für sich stehen.“

Interview mit Tamas
Interview mit Tamas

Autor: Walter Schilling 

Foto: Bastian Harting

 

Als Kool DJ Herc in den 1970ern unbewusst HipHop ins Leben gerufen hat, war ihm bestimmt nicht klar, wie vielfältig dieses Genre fast 40 Jahre später sein wird. Heute gibt es sogar jemanden wie Tamas, der einen Hybrid aus Heavy Metal und dem Südstaatenrap geboren hat. Im Interview erzählt er, dass unter anderem ein Album mit DCVDNS bereits fertig ist und vermutlich noch dieses Jahr erscheinen wird. Außerdem sprachen wir über seine Motivation, Musik zu machen, und seinen ganz persönlichen Struggle. Hierfür hat mich Tamas bei einem der letzten warmen Tage mit einem eisgekühlten Hopfentee begrüßt. 

bb21: Du und DCVDNS habt vor kurzem den Song Struggle veröffentlicht. Wird da noch mehr von euch beiden kommen?

Tamas: Ja, wir haben auch schon ein Album fertig. Wir verstehen uns wirklich sehr gut und kennen uns auch schon seit mehr als zehn Jahren. Ich habe ihn durch MC Bastard kennengelernt, bei dem er sein erstes Album Brille aufgenommen hat. Auf dem Album hatte ich in dem Possesong ein Feature und seitdem wurden es immer mehr gemeinsame Tracks, bis wir uns vor kurzem auf seiner Tour dazu entschlossen haben, ein gemeinsames Album zu machen. 

bb21: Wisst ihr denn schon, wann ihr das Album veröffentlichen werdet?

Tamas: Es ist zwar noch nicht final entschieden, wann es rauskommt, aber ich hoffe noch in diesem Jahr. Dann mal schauen, wie es mit uns anschließend weitergeht. Es sind auch sehr viele Songskizzen übrig geblieben, aber ich möchte Musik auch weiterhin ganz ungezwungen machen, sonst klingt das sehr austauschbar. Schau dir mal Capital Bra an, der rappt zwar sehr gut, traut sich aber schon lange nicht mehr, neue Styles auszuprobieren, weil er mit diesem einen so erfolgreich ist. Ich möchte meine Musik aber nicht von der Angst leiten lassen, mal weniger erfolgreich zu sein, sondern mich ständig aufs Neue herausfordern.

 

bb21: Auf Struggle glänzen du und DCVDNS mit einer sehr guten Raptechnik.

Tamas: Danke dir. Es ist natürlich so, dass man immer einen geilen Song schreiben will und einen hohen Anspruch an sich selbst hat. Aber wenn dann natürlich noch jemand wie DCVDNS auf dem Song ist, dann willst du richtig abliefern. Dadurch schaukelt sich das dann immer weiter hoch, bis dann so ein Song wie Struggle rauskommt.

bb21: In Anlehnung an den Song Struggle: Was ist denn aktuell dein größter Struggle?

Tamas: Schlaf zu finden. Ich habe mittlerweile zwar den Punkt erreicht, an dem ich von der Musik leben kann, dennoch brauche ich es, auch mal richtig anzupacken. Zum einen erdet mich das und zum anderen habe ich auch auf den Lifestyle nicht so viel Lust: Erst um 16 Uhr aufstehen, irgendwann einfach nur einen Song schreiben, rauchen, chillen, fertig. Ich brauche die Action, wodurch ich aber den Schlaf immer wieder vernachlässige. Dann kommt natürlich auch noch der Struggle mit den Cops dazu.

„Schau dir mal Capital Bra an, der rappt zwar sehr gut, traut sich aber schon lange nicht mehr, neue Styles auszuprobieren.“

bb21: Meinst du, dass du auch aufgrund deiner Erscheinung regelmäßig Probleme mit den Cops hast? Du hast zum Beispiel sehr viele Tattoos. 

Tamas: Ja, aber heutzutage haben doch so viele andere Menschen auch Tattoos. Gerade hier in Berlin bin ich damit doch keine Ausnahmeerscheinung. Wenn ich am Alexanderplatz oder am Kotti bin, werde ich fast ständig angehalten und gefragt, ob ich irgendwelche Kügelchen habe und dementsprechend auch durchsucht. Ich bitte dich, wie ein Herointicker lauf ich jetzt auch nicht rum [lacht].

 

bb21: Dein letztes Solo-Album ist jetzt schon zwei Jahre alt. Warum lässt du dir so viel Zeit mit einem Nachfolger?

Tamas: Es war nicht so, dass ich in der Zeit nichts gemacht habe. Ich war wirklich sehr viel unterwegs und habe viel live gespielt und war auf mehreren Tourneen dabei. Ich hätte auch gerne in dieser Zeit noch ein weiteres Metal-Album produziert, aber ich kam nie in die Stimmung, solche Songs zu schreiben. Ich bin eben nicht der Rapper, der dann aufgesetzt irgendwelche Tracks schreibt, die er gar nicht fühlt. Meine Alben müssen hart und in die Fresse sein. Wenn ich aber diese Wut nicht in mir habe, dann kann ich auch keine neuen Songs schreiben. Deswegen habe ich in den letzten zwei Jahren eher Featureparts geschrieben oder mich der Zombiez-Gang angeschlossen und mit ihnen neue Songs geschrieben. 

bb21: In deinen Songs ist an sich viel von deinen Kämpfen und deinem Struggle zu hören. Aber wann hast du deine erholsamen und friedlichen Momente?

Tamas: Wenn ich schlafe [lacht]. Aber auch wenn ich mit meinen Freunden bin oder das, was alle kennen: Mit der Mama mal was essen gehen oder mit seiner Freundin die Zeit verbringen. Das sind die erholsamen und schönen Momente des Lebens. Wenn man weiß, dass man das Handy auch mal auslassen kann, weil man keine Nachrichten erwartet und sich die Zeit für ein Buch nehmen kann. Oder einfach im Bett einen Falk-Schacht-Podcast hören [lacht].

bb21: Hörst du seinen Podcast mit Jule Wasabi regelmäßig?

Tamas: Also paar mal habe ich schon reingehört. Gerade, wenn ich weiß, dass sie über mich oder die Zombiez gesprochen haben. Aber wegen Jule kann ich den Podcast nicht wirklich hören. Wenn sie das ließt, wird sie bestimmt behaupten, dass ich sie nur nicht mag, weil sie eine Frau sei, aber das stimmt nicht. Ich finde sie einfach nicht kompetent und obendrein noch unsympathisch. 

 

bb21: Sie wird tatsächlich in der Szene immer wieder für ihre Kompetenz kritisiert.

Tamas: Sie ist eben sehr eingeschränkt in ihrer Denkweise bezüglich der HipHop-Kultur und mag viele moderne Strömungen gar nicht. Aber das ist eben so wie im Heavy Metal. Dort hat alles zwar durch Rock angefangen, aber daraus haben sich so viele weitere Genres gebildet, die teilweise komplett für sich stehen. Musik ist eben etwas lebendiges und Künstler werden immer wieder alte Denkmuster aufbrechen und etwas Neues machen. Egal ob im HipHop oder im Rock. Leider schauen wir in Deutschland nur zu oft in andere Länder und kopieren manchmal einfach blind Trends aus Frankreich oder Nordafrika.

bb21: In der Doku „Wieso hassen Rapper die Polizei“ kamst du nicht unbedingt vorteilhaft weg. Wie siehst du die Produktion rückblickend?

Tamas: Ich bin mit denen drei bis vier Stunden durch den Wedding gelaufen und vieles aus diesem Gespräch wurde aus dem Kontext gerissen. Obendrein habe ich fast zwei Stunden mit den Polizisten gesprochen. Daraus haben die dann genau die paar Minuten genommen, mit denen sie mich wie den größten Trottel aussehen lassen konnten. Zum Glück wissen da draußen auch ein paar Menschen, dass dort vieles aus dem Kontext gerissen wurde und ich bei weitem nicht der Trottel bin, den die Journalisten aus mir machen wollten. Vor allem erzähle ich denen, die schlechten Erfahrungen, die ich mit der Polizei hatte und die nehmen dann die Kindergartengeschichten, um mich als jemanden darzustellen, der grundlos wütend ist.

bb21: Was waren denn die schlechten Erfahrungen, die du mit der Polizei gemacht hast?

Tamas: Schau mal, du kannst nicht alles mit Gesprächen lösen. Das hört sich in der Theorie zwar gut an, aber wenn jemand mit dem Messer auf dich losgeht, musst du dich wehren. Da kannst du nicht zuerst die Polizei anrufen und warten, bis sie kommt. Wenn die Polizei aber dann dazukommt, dann sind viele von ihnen mit der Situation total überfordert und hauen einfach mal auf alle Leute drauf, die da sind, und fragen erst danach, was überhaupt los war. Ich weiß, deren Job ist nicht einfach, aber umso wichtiger ist es, dass sie gut ausgebildet werden. Aber weil die so händeringend nach Verstärkung suchen, kann man heutzutage doch schon mit einem Hauptschulabschluss Polizist werden. Da ist es doch logisch, dass die Polizei immer schlechter wird! Die sind es doch, die in unserer Gesellschaft deeskalierend wirken sollen und mit gutem Beispiel vorangehen müssen, anstatt Spaß dabei zu haben, auf Menschen einzuprügeln.

 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Tamas: Seid friedlich und helft euren Mitmenschen. Viele Schlägereien bereue ich heute. Gerade wenn jemand mal am Boden lag und man dann einfach wegging. Ich meine, ich bin nunmal auch nicht der Schwächste und kann auch gut einstecken, aber das alles wird man früher oder später sehr bereuen. 


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