Interview mit Sam Wernik

„Es wird Zeit, dass die neue Generation ihren Platz schafft und in der Szene was reißt. Das Alte ist doch langsam ausgelutscht.“

Interview mit Sam Wernik
Interview mit Sam Wernik

Autor: Walter Schilling

 

 

Sam Wernik gehört zu der neuen Generation von HipHopern, die die Kultur bereits von ihren Eltern kennen. Für seinen Vater und seine Mutter war deswegen Rap auch nicht irgendein dummer Unsinn aus dem Kinderzimmer sondern eine Leidenschaft, die sie als unterstützungswert empfanden und ihm dabei halfen, der Rapper zu werden, der er heute ist. Nämlich jemand, der sowohl Grandmaster Flash als auch Trap feiert und das in seiner Musik voll auslebt. Dabei hat ihm auch sein Auftritt bei The Voice Kids geholfen, denn so konnte er schon in jungen Jahren vor großem Publikum performen. Deswegen haben wir den Berliner in seiner Heimatstadt in einem kleinen Café getroffen, um ihn näher kennenzulernen.

bb21: Du nennst Dr. Dre als einen deiner größten Einflüsse. Dabei hatte er aber seine große Zeit noch vor deiner Geburt. Warum gerade er?

Sam Wernik: Meine Eltern sind selbst mit HipHop aufgewachsen und dadurch war Rap in meiner Kindheit allgegenwärtig. 2001 von Dr. Dre lief auf fast jeder längeren Autofahrt und so war das der Sound, der mich schon früh sehr stark geprägt hat. Für mich ist es bis heute das perfekte Album. Es gibt keinen anderen Longplayer, der auf so einem hohen Niveau von Anfang bis zum Ende ballert. Für mich ist es das Masterpiece. 

bb21: Ist deine ganze Familie so HipHop-Affin?

Sam Wernik: Ja, das lustige ist, dass es sogar beide Elternteile sind. Die haben mit mir auch viel Grandmaster Flash und so gehört. Sowohl mein Vater als auch meine Mutter haben eine stattliche Vinyl- und CD-Sammlung. Aber mittlerweile sind viele dieser Stücke in Kartons verstaut, weil die so viel Platz wegnehmen. Ich habe einfach sehr viel Glück mit meinen Eltern. 

bb21: Hast du in deiner Jugend auch viel Deutschrap gehört oder waren es dann doch eher die Rapper aus Amerika, die dich begeistert haben?

Sam Wernik: Deutschrap habe ich erst sehr spät für mich entdeckt und erst dann, als ich viel bewusster Musik gehört habe. Vielleicht war ich da 13 oder zwölf Jahre alt. Zuvor waren es ausschließlich die Amis, die ich gehört habe. 

 

bb21: Du hast bisher ganz viele verschiedene musikalische Rapstyles ausprobiert. Womit fühlst du dich am wohlsten?

Sam Wernik: Das kann ich jetzt so noch gar nicht sagen. Ich mag es auch nicht, wenn sich Künstler zu sehr auf eine Schiene festgelegt haben. Warum sollte ich nur Beats, die einen ganz bestimmten Klang haben oder sehr melodisch sind, picken? Warum kann ich nicht an einem Tag Trap feiern und am nächsten Tag Oldschool? Vielleicht sehe ich das in ein paar Jahren anders, aber heute könnte ich mich nicht festlegen. In den letzten Tagen fühle ich mich auf Trap-Beats am wohlsten, aber heißt nicht, dass ich mich darauf festlege. Vor allem kann auch mein Team in jede Richtung produzieren, was ein weiterer Grund dagegen ist, sich auf irgendwas festzulegen. 

„Ich bin aus „The Voice“ als Künstler rausgekommen, musste mir aber auch ein Umfeld kreieren, das mir dabei hilft, bei 100 Prozent zu sein.“

bb21: Du lebst in Berlin, eine Stadt, in der sehr viel passiert. Ist das eher Ablenkung für einen jungen Rapper wie dich oder genau das Richtige, um Kreativität zu sammeln?

Sam Wernik: Ich habe eine gesunde Balance für mich gefunden. Ich brauche natürlich auch Ablenkung und kann nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Musik machen. Da muss man auch mal rauskommen und was anderes erleben, wodurch man auch seine Kreativität steigert. Deswegen versuche ich auch, nicht ausschließlich im Studio zu sein und diese Mischung gelingt mir auch ganz gut. 

bb21: Würdest du dich selbst als jemanden beschreiben, der sehr diszipliniert ist?

Sam Wernik: Eigentlich bin ich ein total fauler Typ und hänge auch viel rum. Aber sobald es um Musik geht, werde ich zum Arbeitstier. Da erkenne ich mich teilweise selber nicht wieder, weil ich auf einmal total zielstrebig und fleißig bin. 

 

bb21: Du hast bei „The Voice Kids“ mitgemacht und bist damals bis ins Finale gekommen. Würdest du rückblickend sagen, dass dir das bei deinem musikalischen Werdegang weitergeholfen hat?

Sam Wernik: Auf jeden Fall. Ich habe dort sehr viel bezüglich meiner Live-Performance gelernt. Seitdem ist das für mich kein Ding mehr, auf einer Bühne zu stehen. Ich könnte von jetzt auf gleich zur Stage, abliefern und mich dabei vollkommen sicher fühlen. Die Auftritte von damals haben mir sehr viel Sicherheit gegeben. Das waren auch zwei Monate, in denen ich großartige Menschen kennengelernt und tolle Kontakte geknüpft habe. Zumal sich die Redaktion von „The Voice Kids“ bei mir gemeldet hat und ich mich gar nicht aufgedrängt habe, um dort mitzumachen. Trotzdem habe ich es bis ins Finale geschafft und konnte dort meine Fußabdrücke hinterlassen. Danach habe ich aber erst mal zwei Jahre gewartet, ehe ich wieder mit neuer Musik kam. Nach so einer Castingshow sind alle Augen auf dich gerichtet und die Zuschauer wollen wissen, ob du einfach nur ein guter Sänger oder ein richtiger Künstler bist. Ich bin aus „The Voice“ als Künstler rausgekommen, musste mir aber auch ein Umfeld kreieren, das mir dabei hilft, bei 100 Prozent zu sein. Da bin ich zwar noch nicht ganz angekommen, aber auf einem guten Weg dahin.

bb21: Unterscheidet sich der Privatmensch Samuel Wernik extrem von dem Sam Wernik, der sich in den sozialen Netzwerken präsentiert?

Sam Wernik: Nein, überhaupt nicht. Ich möchte auch gar kein Imagerapper werden, der sich da irgendwas aufbaut, mit dem er sich selber gar nicht identifizieren kann. Ich möchte einfach mich präsentieren und wenn die Leute das feiern, ist es umso cooler. Wenn nicht, bin ich dabei wenigstens Ich geblieben.

bb21: Du hast unter einem deiner Instagram-Posts geschrieben, dass du keinen Alkohol trinken würdest. Warum? 

Sam Wernik: Mir schmeckt Alkohol einfach nicht. Der Geschmack erinnert mich meist eher an Medizin als an etwas Leckeres. Ich kann damit echt gar nichts anfangen. Auch der Rausch, der dadurch entsteht, ist gar nicht meins. Er verändert die Menschen auf eine Art und Weise, die mich eher verschreckt. Ich gehe zwar gerne abends weg, aber dort trinke ich nie etwas, kann aber die Party trotzdem genießen, solange die Menschen, die krass auf Alkohol sind, mir nicht zu sehr auf die Eier gehen.

 

bb21: Was ist noch für das Jahr 2018 geplant?

Sam Wernik: In diesem Sommer wird es auf jeden Fall noch zwei Videosingles geben und im Herbst oder im Winter wird dann noch eine EP erscheinen. Ein Mixtape kann ich auf jeden Fall ausschließen, das schaffe ich nicht mehr. 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Sam Wernik: Es wird Zeit, dass die neue Generation ihren Platz schafft und in der Szene was reißt. Das Alte ist doch langsam ausgelutscht und das Neue muss jetzt mal übernehmen. Für letzteres stehe eben ich. Deswegen seid gespannt!


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