Rin: Deutschraps Antiheld

Der Mittelfinger für jeden Rapper, der sich seinen Fans und der Presse anbiedert.

Rin
Rin

Autor: Walter Schilling

 

 

Rin ist Deutschraps Antiheld, der alles wieder auf Null setzt. Quasi der Mittelfinger für jeden Rapper, der sich seinen Fans und der Presse anbiedert. Nach Eros wird nichts mehr so sein, wie es früher einmal war. Der Bietigheimer verzichtet konsequent darauf, sich der Szene anzupassen und macht stattdessen sein ganz eigenes Ding. Viele Rapper werden ihn wohl hassen, dass er trotzdem erfolgreich geworden ist.

Jede Generation hatte ihren eigenen Heilsbringer, der Rap ein für alle Mal verändert. Zum Beispiel Nas, der mit Illmatic gezeigt hat, dass ein Langspieler nicht mehr als 45 Minuten braucht, um zu eines der besten Alben aller Zeiten zu werden. Kool Savas dagegen hat Straßenrap in Deutschland überhaupt erst möglich gemacht, während Kollegah der feuchte Traum eines jeden Reimkettenfetischists geworden ist. Wie gesagt, jede Generation bringt neue Helden hervor. Doch lasst uns zuerst einen Blick auf 2014 werfen: 

Wer hätte noch vor zwei Jahren gedacht, dass man fast ohne Presse und ohne Box in die Charts einsteigen kann?

Damals hat Kollegah zu King eine unglaublich lange Promophase gehabt. Es gab fast ein halbes Jahr lang unterhaltsame Vlogs, Latenight-Shows, exklusive Songs, etliche Interviews und einige Videoclips zu seinen Songs. King stelle nach dem Release Verkauf- und Streamingrekorde auf, die später fast allesamt nur Kollegah selbst übertraf. Selbst den für unmöglich gehaltenen Verkaufsrekord von Helene Fischer stellte er ein. Was aber viele bei der langen Promotour vergaßen: Kollegah präsentierte auch ein sehr gelungenes Album! Auch wenn es viele Hater nicht wahrhaben wollen: Kollegah hat nunmal die krassesten Reimketten und die verschachteltsten Punchlines. Doch genau darauf achteten viele Rapper gar nicht und kopierten stattdessen einfach nur Kollegahs Promotion. Nun wollte jeder Rapper etliche Interviews geben, zusätzlich auf YouTube einen großen Channel aufbauen und viele lustige Videos über das eigene Leben hochladen. Aber genau dieses Spiel wird Rin, der der King of Rap unserer Generation werden wird, mit Eros ein für alle Mal verändern,. Der Bietigheimer macht sich rar und gibt nur wenige Interviews. Für sein Debütalbum gibt es nicht einmal eine Box! Das einzige was er macht, sind Videoclips zu veröffentlichen, um seinen Fans vor Veröffentlichung einen guten Einblick in das Album zu gewähren. Aber das war es auch schon. Keine Vlogs, kaum Interviews, es geht bei ihm nur um Musik. Also genau das, was viele seiner Kollegen in den letzten Jahren außer Acht ließen, während sie an neuen Promowegen arbeiteten. Selbst bei der Musik legt Rin großen Wert auf Klasse statt Masse. Eros wird ohne Skit und Intro nur 13 Songs haben. Wer hätte noch vor zwei Jahren gedacht, dass man fast ohne Presse und ohne Box in die Charts einsteigen kann? Oder damit gar eine Tournee spielt, wie sie sonst nur Szenegrößen wie Shindy haben? Während seine Kollegen sich lieber mit ihren Frauen ablichten lassen, arbeitete Rin kontinuierlich an seinen Songs, die vor allem dadurch so stark sind, weil er sich voll und ganz auf seinen Vibe konzentriert. Der Bietigheimer transportiert Gefühle. Er verzichtet auf lange Reimketten und fokussiert sich auf das, was er am besten kann: Eine einzigartige Atmosphäre zu kreieren, die er mit eingängigen Melodien verknüpft. 

Wie hoch er damit charten wird, müssen wir noch abwarten. Doch dass Deutschrap nie wieder so sein wird, wie es einmal war, ist schon jetzt sicher.


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