Interview mit Peti Free

„Peti Free ist und bleibt die letzte tighte Gang.“

Interview mit Peti Free
Interview mit Peti Free

Autor: Walter Schilling 

 

 

Peti Free ist die selbsternannte letzte tighte Gang, die keinen Hehl daraus macht, dass sie mit seichtem Poprap nichts anfangen kann. Denn Method Man oder Taktlo$$ pumpen die beiden Kölner lieber als den aktuellen Afro-Trap. Zumal es in ihren Songs auch eher um Wut und Zorn geht als um einen tollen Urlaubstag mit der Freundin. Die zwei Rapper Tuxho und Heliocopta haben nunmal ihre eigenen Vorstellungen von guter Musik und gehen dieser Konsequent nach. So ist ihr neues Werk Schleichwerbung 3 eine sehr düstere Platte geworden, die wir zum Anlass für ein Interview genommen haben, um über ihren HipHop zu sprechen. Hierfür haben wir uns per Videokonferenz zusammengeschaltet. 

bb21: Was hat euch während der Produktion am meisten Spaß gemacht?

Heliocopta: Wenn mir Tuxho einen Beat schickt und ich direkt eine Idee dazu habe, was wir daraus machen können. Dabei spielt es gar keine Rolle, wann ich den bekomme. Ein geiles Instrumental hat auch schon dafür gesorgt, dass ich bis fünf Uhr aufgeblieben bin. 

bb21: Auf eurem Album ist sehr viel Wut zu hören. Wo kommt die her?

Tuxho: Da spielen viele Faktoren zusammen. Das hat auch damit zu tun, wo wir leben, wie wir aussehen und wo wir herkommen. Ich möchte aber hier nicht allzu politisch werden. Für mich ist Rap Competition und ich möchte einfach der Beste sein. Irgendwelche Songs darüber zu machen, wie ich Koks verkaufe, ist nicht meine Art. Das passt nicht zu mir, weil das gar nicht meine Welt ist. Da rappe ich tatsächlich lieber über das, was mich wirklich bewegt, über meine Wut, meinen Zorn, meine Vergangenheit.

bb21: Im Intro lasst ihr euch sehr über die deutsche Rapszene aus. Was genau gefällt euch nicht am Status quo?

Heliocopta: Eigentlich ist es mir ganz egal, wer womit erfolgreich ist. Ich habe selbst vor den Whack-MCs Respekt, denn auch sie struggeln und leben die Musik. Aber was mich wirklich stört, ist, dass so viele einfach nur rappen, aber gar keine Liebe für die HipHop-Kultur haben. So viele kennen weder Ol’ dirty Bastard noch Notorious B.I.G. Für die ist T-Pain der größte HipHop-Bezug, den sie haben. In Amerika studieren die Kids dagegen HipHop und wissen genau, was hier abgeht. Das sorgt dafür, dass ihre Musik so krass ist. Mit Travis Scott kannst du bestimmt stundenlang über Rap quatschen. Ich glaube aber nicht, dass ich mit den heutigen Kids über Eazy E reden könnte. 

 

Tuxho: Vor kurzem waren wir im Studio und ich habe dort davon geschwärmt, dass wir für einen Song fette Scratches geklärt haben. Dort war auch ein sehr junger und moderner Rapper, der aber nicht verstehen konnte, dass ich mich darüber freue. Für ihn hatten Scratches keinen Wert. So jemand hat in meinen Augen HipHop nicht verstanden. Für die ist HipHop auf AutoTune über Kokain zu rappen. In solchen Momenten würde ich mich über eine HipHop-Polizei freuen.

„Taktlo$$ und Kool Savas haben Deutschland doch überhaupt erst gezeigt, dass Rap auch hart sein kann.“

bb21: Ihr nennt euch selbst die letzte tighte Gang. Seid ihr große Fans von Taktlo$$?

Tuxho: Taktlo$$ und Kool Savas haben Deutschland doch überhaupt erst gezeigt, dass Rap auch hart sein kann. Mit poppigen Songs kann ich ehrlich gesagt wenig anfangen und Taktlo$$ ist ein wirklich sehr spezieller Typ. Das was er bei mir auslöst, schafft kein anderer Rapper. Er denkt auch gerne um die Ecke, ist aber trotzdem sehr direkt. Wenn er zum Beispiel jemanden scheiße findet, dann macht er daraus kein Geheimnis. Er ist jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Schau dir einfach nur mal seinen Auftritt bei Viva Supreme an.

bb21: Tuxho, du produzierst eure Instrumentals und rappst auch noch. Wo siehst du dabei deine Stärke?

Tuxho: Meine größte Stärke ist die, dass mir damals niemand gezeigt hat, wie ich Beats machen kann. Das musste ich mir einfach selber beibringen, wodurch ich sehr schnell einen eigenen Stil entwickelt habe. Dazu kommt, dass Heliocopta sehr viel macht. Wenn ich ihm acht Beats schicke, dann hat er in zwei Tagen acht Songs darauf geschrieben. Das pusht mich sehr und sorgt dafür, dass ich immer am Ball bleibe. Dabei habe ich aus einem reinen Mangel an Alternativen damit angefangen, denn ich habe nie einen zuverlässigen Produzenten kennengelernt. Sowas ist für viele talentierte Rapper schon der Tod gewesen. Aber ich habe stattdessen das Heft in die Hand genommen. 

bb21: Was macht für euch die HipHop-Kultur so besonders?

Tuxho: Das HipHop so viele Kulturen in sich vereinen kann und dabei keine Grenzen kennt. Man kann Samples von Rockbands, Reggea Künstlern und und und nehmen. Solange man sich selber nicht begrenzt, ist alles möglich. Das macht unsere Szene so einzigartig. Aber wenn ich nicht rappen würde,  dann wäre ich bestimmt Rocker geworden. 

bb21: Welche Rockbands gefallen dir denn am meisten?

Tuxho: Slipknot finde ich zum Beispiel mega geil. Solche düstere Musik ist großartig und finde sowas deutlich besser als diese ganzen neuen Auto-Tune-Tracks. Die Rapper, die früher straight gerappt haben und heute den Auto-Tune-Film schieben, können mir auch nicht erzählen, dass sie das feiern. Das ist so, als ob dein Homie eine neue Freundin hat, die überhaupt nicht mit seiner alten mithalten kann, aber er die ganze Zeit so tut, als wäre sie viel krasser als seine Ex.

bb21: Die letzten Worte gehören euch!

Heliocopta: Ich kann nur den Leuten empfehlen, an Peti Free dranzubleiben. Schleichwerbung 3 wird bald rauskommen und dann haben wir noch das Album mit Figub Brazlevič, das auch sehr stark wird. Die Platte vereint Nachtisch und Hauptspeise in einer Mahlzeit. Das ist etwas, das von Herzen kommt. Parallel arbeiten wir schon an einem weiteren Tape. Wir sind wirklich sehr fleißig, deswegen lohnt es sich, dranzubleiben. Peti Free ist und bleibt die letzte tighte Gang.


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