Interview mit Osiriz33

„Was ich an der Musik liebe: Diese Kunstform geht durch die Ohren. Man sieht nicht, wer das gemacht hat und vorverurteilt den Künstler nicht.“

Interview mit Osiriz33
Interview mit Osiriz33

Autor: Walter Schilling  

 

 

Rap stagniert! Angefangen von den Spotifyplaylisten, wo es nur darum geht, möglichst gleichförmig und angepasst zu klingen. Bis hin zu der Tatsache, dass sich immer weniger Künstler trauen, überhaupt noch etwas Neues auszuprobieren. Dadurch wird die Kritik am Status Quo selbst innerhalb der Szene immer größer. Doch es gibt noch ein paar Rebellen, die sich lieber der Kunst widmen als dem schnellen Konsum und ihre eigene Vision nach vorne bringen. Osiriz33 gehört genau zu jenen, die mit voller Leidenschaft an einer eigenen Legacy arbeiten. Er ist Rapper, Beatproducer, Videoproduzent, Labelchef, Maler und Mode-Designer. Für das Interview haben wir uns via WhatsAppCall verabredet und über Oziriz selber, aber auch über seine Musik und Videos gesprochen.

bb21: Du nennst dich Osiriz33. Wofür steht die 33?

Osiriz33: Ehrlich gesagt hat das eine sehr lange Story und hat einen direkten Bezug zu meiner Heimat Cologne, Chorweiler. C ist der dritte Buchstaben im Alphabet und somit steht die 33 für Cologne Chorweiler. Es gab noch die Chorweiler Clippers, die im Kölner Raum mehr als nur gefürchtet waren, die ebenfalls das CC etabliert haben, aber eben in ihrem eigenen Bezug. 

 

bb21: Du selbst rappst aber auch nicht erst seit kurzem.

Osiriz33: Ja, im Kölner Raum habe ich mir auch schon einen Namen machen können und war immer wieder kurz davor, den großen Durchbruch zu schaffen. Doch um das wirklich durchziehen zu können, war ich leider immer im falschen Umfeld. Chorweiler ist nicht unbedingt die Gegend, in der du mit vielen Menschen aufwächst, die es zu etwas gebracht haben. Es hat mir damals an Vorbildern gefehlt, wodurch ich sehr fehlgeleitet gehandelt habe. 

bb21: Du bist auch Teil der Ghoul Gang. Was hat es mit eurer Crew genau auf sich?

Osiriz33: Ich habe die Crew ins Leben gerufen, um einen eigenen Sound zu kreieren. Das ist zum Beispiel ein ganz anderer Sound als auf meinen Solosongs.

 

bb21: Wie sieht es mit dem Album Ghoul dagegen aus? Das hast du ja schon vor über einem Jahr angekündigt. 

Osiriz33: Das ist nach wie vor auf meiner Festplatte gespeichert und verrottet dort im wahrsten Sinne des Wortes. Es bedeutet mir auch sehr viel und gerade deswegen möchte ich es nicht einfach so veröffentlichen. In diesem Werk steckt zu viel Liebe, als dass ich es einfach irgendwo veröffentliche, wo es nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Die Ebene der Vermarktung von Musik bereitet mir seit über einem Jahr Probleme. Auf der künstlerischen Seite läuft alles perfekt ab: Ghoul ist fertig, dazu ein weiteres RnB/HipHop/Pop Album. Obendrein habe ich auch noch ein Boombap-Album fertig, bei dem der Fokus mehr auf den Lyrics liegt. Aber ich kann das alles nicht rausbringen und das hat nur mit Business-Gründen zu tun. Aber dazu kann ich hier leider nicht ins Detail gehen. Mir werden diesbezüglich einfach immer wieder Steine in den Weg gelegt.

bb21: Findest du keinen Vertrieb, der dir dabei hilft?

Osiriz33: Am Vertrieb liegt es überhaupt nicht. Durch den Song Gin wie Wasser sind viele Leute innerhalb der Musikszene auf mich aufmerksam geworden, wodurch ich einen sehr guten Vertrieb gefunden habe. Sie haben mir sehr viel Vertrauen im Voraus geschenkt und dafür bin ich vor allem Marc Leopoldseder sehr dankbar. Das liegt tatsächlich an komplett anderen Dingen. 

„Ich habe es satt, dass im HipHop Schwule, Lesben, Bisexuelle angefeindet und verfolgt werden!“

bb21: Aber du hast doch schon mehrere Alben, die komplett fertig sind. Warum nicht einfach mal eins veröffentlichen?

Osiriz33: Dafür wäre das einfach zu schade. Im heutigen digitalen Zeitalter wird viel zu viel Musik veröffentlicht, weswegen das meiste einfach untergeht. Da gehört mehr dazu, als einfach nur etwas online zu stellen. Ich habe auch in den letzten Jahren festgestellt, dass es in der Deutschrapszene grob zehn Menschen gibt, die hinter den Kulissen sehr viel zu sagen haben und viel Power haben. Wenn du aber keinen von ihnen hinter dir hast, verläuft das meiste im Sand. Trotzdem habe ich dieses Jahr Läuft, Fashion Ikone, Mama. Papa., Nur dich und vieles mehr veröffentlicht. Fast jeder meiner Singles hat zwischen 100 und 300 Tausend Aufrufe allein auf YouTube. Vieles was ich bisher erreicht habe, schaffen etliche Künstler nicht mal mit einem Major-Label an ihrer Seite. 

bb21: Zumal deine Videos auch eine sehr gute Qualität haben und auch ein individuelles Konzept dahinter steckt. Dein Name taucht sogar in den Credits der Videoproduktion auf. In wie weit bist du dort involviert?

Osiriz33: Ich liebe es, mich künstlerisch auszudrücken. Ich mache einfach gerne sehr viel, weswegen ich es nicht beim Rappen belassen kann. Ich male zum Beispiel auch. Daher wird es demnächst auch eine Ausstellung mit meinen Bildern geben. Außerdem mixe ich auch die ganzen Songs vorab, schreibe die Konzepte für die Videos und bin auch immer wieder selbst in der Produktion involviert wie bei Jindujun. Bei manchen Songs wie Mama. Papa. habe ich sogar den kompletten Beat selbst produziert. Ich beschäftige mich mittlerweile auch mit der Filmkunst und arbeite mich gerade dort ein [hebt einen Stapel Bücher hoch]. 

bb21: Du hast dich also zu 100% der Kunst gewidmet und gehst da all in?

Osiriz33: Genau. Wenn ich etwas mache, dann richtig. Das Problem in Deutschland und vielleicht auch in anderen Ländern ist, dass man immer erst dann wirklich ernst genommen wird, wenn man auch die passende Ausbildung oder am besten noch ein Studium dazu gemacht hat. Egal, wie diese Leute sich einreden, dass sie liberal und tolerant wären. Am Ende kommt es den meisten doch einfach nur auf den Abschluss und die ethnische Herkunft an. Es spielt meist keine Rolle, wo ich bin, zuerst muss ich alle Leute davon überzeugen, dass ich kein Assi-Kanacke bin. Wenn ich das geschafft habe, muss ich aber noch weiter gehen und sie auch noch davon überzeugen, dass ich Künstler bin und alles selber mache. Aber das ist nicht meine Art. Die Leute sollen sich doch einfach meine Werke anschauen und nur das in ihre Entscheidung einfließen lassen, ob es gut ist oder nicht. Wenn ich den Leuten zeige, dass ich alles in dem Video selbst gemacht habe, dann sind sie viel kritischer als bei Leuten, die das studiert haben oder typisch deutsch aussehen. Auf der anderen Seite ist es das, was ich an der Musik liebe: Diese Kunstform geht durch die Ohren. Man sieht nicht, wer das gemacht hat und vorverurteilt den Künstler nicht.

bb21: Was genau hat es mit High Down auf sich? Auf diesem Channel werden ja sehr viele deiner Videos veröffentlicht.

Osiriz33: Das ist das Label, das ich vor über einem Jahr gegründet habe. Damit möchte ich Talente fördern, die noch nicht so bekannt sind. Wir wollen dort auch sozialkritische Zeichen setzen und uns klar gegen Rassismus und Diskriminierung positionieren. Wir solidarisieren uns mit Homo- und Bi-Sexualität. Auch wenn ich selbst davon nicht betroffen bin, finde ich es nicht in Ordnung, wenn man Menschen aufgrund seiner Sexualität erniedrigt wird. Ich habe es satt, dass im HipHop Schwule, Lesben und Bisexuelle angefeindet und verfolgt werden! Das muss enden. Momentan sind auf dem Label noch Mhulan und Kambo Slice. Die beiden werden auch demnächst ihr Soloalbum veröffentlichen. 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Osiriz33: Shoutouts an alle, die mit uns down sind. Alle Namen zu nennen, würde hier einfach den Rahmen sprengen.


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