Interview mit John Known

„Das wäre bestimmt ein cooler Marketing-Move gewesen, aber musikalisch hätte ich so noch nicht dahinterstehen können.“

Interview mit John Known
Interview mit John Known

Autor: Walter Schilling

 

 

Nur wenige Newcomer können von sich behaupten, schon vor ihrem Debütalbum mit Samy Deluxe oder Figub Brazlevič zusammengearbeitet zu haben. Mit der Debüt-EP sogar international zu charten - und zwar auch in Japan - können noch viel weniger vermutlich sogar niemand von sich sagen. Auch wenn es nur die iTunes-Charts sind, ist Platz 91 im tiefsten Osten Asiens bemerkenswert. Das spricht vor allem für John Knowns Vibe, denn der ist dreckig, roh und unkonventionell. Doch natürlich gab es auch Kritik dafür, denn nicht jeder Hörer konnte diese Atmosphäre fühlen. So sprachen wir via Skype auch über Kritiker-Kommentare in YouTube, seine Fans in Asien und Cheech & Chong.

bb21: Hörst du selbst auch so viel Boombap, wie du darauf rappst?

John Known: Ich bin damit aufgewachsen. Ich konnte mich in meiner Kindheit mit dem HipHop, der zu der damaligen Zeit existiert hat, nicht sonderlich anfreunden. Umso glücklicher war ich mit einem Tape, das mir meine Cousins schenkten. Später habe ich vor allem durch das Internet sehr viel diggen können. Ich bin eben ein richtiges Kind der 1990er, auch wenn ich gerade mal Anfang 20 bin [lacht]. Von dort aus bin ich immer tiefer in die Materie gegangen und wollte dann auch wissen, woher die Samples kommen.

bb21: Du hast also schon von Anfang an ältere Mucke gehört und hast dann noch ältere Platten gediggt, anstatt mal was neues zu hören?

John Known: So ähnlich. Aber ich hab aber auch irgendwann mal Soundcloud und die dortige Remix-Kultur für mich entdeckt. Das war aber noch zu einer Zeit, in der Soundcloud noch cool war.

 

bb21: Hast du mitbekommen, dass Soundcloud fast die Hälfte ihrer Berliner Mitarbeiter gekündigt haben?

John Known: Nein, ich dachte, dass es ihnen jetzt auch voll gut geht, wo sie doch mittlerweile Werbung schalten und sich endlich mit den Labels einigen konnten. Aber daran sieht man auch, dass ich mittlerweile gar nicht mehr so viel Musik wie früher höre. Das hat sich stark verändert seitdem ich selbst welche mache. 

bb21: Wie hast du Figub Brazlevič, mit dem du gemeinsam die EP produziert hast, kennengelernt?

John Known: Das war auf einer Open Mic Session vor ein paar Jahren. Ich kam überhaupt nicht darauf klar, was für fette Bretter Figub dort gedroppt hat. Das waren die heftigsten Beats! Ich wusste gar nicht, wer der Typ ist und war damals auf einem kleinen Techno Ausflug, doch diese Beats haben mich wieder zurück zum HipHop gebracht. Das ist genau der Scheiß, den ich brauche! Zu geil, dass ich jetzt auf seine Beats rappe.

„Dann muss ich mir auch nicht ständig irgendeinen Postapokalyptischen Namen zu der Platte ausdenken.“

bb21: Warum hat das mit deiner Debüt-EP so lange gedauert? Vor zwei Jahren warst du mit einem Part auf dem Samy Deluxe Mixtape Gute alte Zeit am Start. Das wäre doch auch schon ein guter Zeitpunkt gewesen oder?

John Known: Das wäre bestimmt ein cooler Marketing-Move gewesen, aber musikalisch hätte ich so noch nicht dahinterstehen können. Samy ist auf eins meiner Demo-Tapes gestoßen, aber mein Sound war noch nicht richtig ausgereift. Ich habe zu diesem Zeitpunkt gerade erst mit Figub angefangen zusammenzuarbeiten, da wollten wir lieber erstmal weiter daran arbeiten, als es halbherzig gleich zu releasen. Die Mucke sollte schon so werden, wie ich sie mir auch vorstelle, und kein Kompromiss werden. 

bb21: Im Intro gibt es Cheech & Chong und Cypress Hill Referenzen. Sehnst du dich auch ein Stück weit nach dieser Zeit?

John Known: Die Zeile rappt zwar Jero, aber mit ihr kann ich mich super identifizieren. Das hat aber nichts mit der Zeit zu tun, als diese Sachen rauskamen, sondern mehr mit dem Humor von Cheech & Chong an sich. Ich feier auch Dave Chappelle und How High mega. Damit reflektiere ich meine Jugend: Kiffend Cheech & Chong anschauen, wie sie die Hundescheiße rauchen. Und Cypress Hill habe ich echt hart gesuchtet. Das ist hohes Kulturgut.

bb21: Du hast auch Kritik für das Mix & Master geerntet. Wird sich das beim nächsten Tape ändern?

John Known: Puh, ich bin einfach erstmal sehr dankbar dafür, dass  Figub das Ganze hinbekommen hat. Ansonsten glaube ich, dass das nicht alleine am Master liegt, sondern auch daran, dass ich nicht immer ganz deutlich gerappt habe. Aber ich selbst höre da alles glasklar, schließlich habe ich die Songs auch geschrieben [lacht]. Wenn man zu oft darüber hört, dann kann man auch schon mal taub für sowas werden. Trotzdem gab es in der Kommentarspalte einige Hörer, die genau das gefeiert haben. Denen das Dreckige zusagt. Das haben uns auch die Amis voraus. Bei denen muss nicht immer alles perfekt klingen. Es darf auch mal roh sein, solange der Vibe stimmt. 

 

bb21: Deine EP heißt Staffel eins, Episode eins. Wird es auch noch eine Episode zwei geben?

John Known: Ja, natürlich. Am Ende wird dann das Staffelfinale in einer teuren, limitierten Special-Box geben [lacht]. Unser eigentliches Konzept ist das, dass wir unsere EPs quasi in dieser Serie rausbringen. Die EPs sind ja immer Momentaufnahmen meiner Lebenssituation. Da passt es doch ganz gut, das als Serie zu releasen. Dann muss ich mir auch nicht ständig irgendeinen Postapokalyptischen Namen zu der Platte ausdenken. 

bb21: Du bist mit der EP in Japan gechartet. Wie konnte das passieren? Hast du dort Promo gemacht?

John Known: Ich habe gar keine Ahnung, wie das passieren konnte. Zwar habe ich Kontakt zu einem japanischen Produzenten, aber der alleine kann dafür nicht verantwortlich sein. Vielleicht hat er aber dort ein Feuer entfacht und uns etliche neue Fans beschert. Aber letztendlich wird es an Figubs Beats und meinem internationalem Flow liegen. 

bb21: Wo bist du lieber? Im Studio oder auf der Bühne?

John Known: Am liebsten würde ich meine neuen Songs sofort auf der Bühne rappen. Gerade bin ich aber noch auf der Suche nach einem neuen Studio, um mir da etwas festes zu klären. Vor allem wenn der Vibe stimmt, liebe ich es im Studio zu sein. 

 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

John Known: Addet mich auf allen sozialen Plattformen: John Known ist der Name [lacht]. Außerdem geht ganz viel Liebe an die Crack&Snack Filmproduktion. Die Jungs haben es richtig drauf!


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