Interview mit Jero

„Denn von da an war es sicher, dass ich ihn nie mehr kennenlernen werde.“

Interview mit Jero
Interview mit Jero

Autor: Walter Schilling

 

 

Wenn du auf der Suche nach gechillter Mucke bist oder nach dem Soundtrack deines Feierabends, dann bist du bei Jero genau richtig. Er selbst bezeichnet seine Musik als Couchmucke und möchte damit der Effekthascherei entgegenwirken. Jero, einst als Junior Jero bekannt, meint nämlich, wirklich gute Raps seien nicht einfach nur schnell sondern vor allem detailverliebt. Die Pausen seien viel wichtiger als die Anzahl der Silben. Genau so klingt auch seine EP Musik für den Sommer. 

Anlässlich seines neuen Werks habe ich mich mit Jero in Moabit getroffen, um bei schwarzem Tee über den Sommer, die schlimmsten Modetrends und seinen neuen Künstlernamen zu sprechen.

bb21: Du hast deinen Künstlernamen ein klein wenig verändert und nennst dich nicht mehr Junior Jero sondern nur noch Jero. Warum?

Jero: Das hat mehr als nur einen Grund. Zum einen ist Jero schon einmal deutlich unkomplizierter und einfacher. In der Rapszene nennt mich ohnehin schon fast jeder Jero und lässt das Junior weg. Zum anderen bin ich auch mittlerweile in einem Alter, in dem es schon längst überfällig geworden ist, das Junior wegzulassen. Ich habe mich damals Junior Jero genannt, als ich auch noch wirklich jung war. Dass sich der Jüngste den Titel Junior gibt, hat damals auch gepasst, heute aber nicht mehr.

bb21: Deine EP heißt Musik für den Sommer. Was ist dann Musik für den Winter?

Jero: Eine EP, die so klingt, habe ich tatsächlich schon gemacht. Das wäre die Raubtier EP. Das ist ein sehr melancholisches und düsteres Tape geworden. Die ist auch schon mittlerweile über fünf Jahre alt, aber trotzdem noch sehr modern. Denn auf der Raubtier EP gibt es schon sehr viele 808s und sie ist insgesamt sehr traplastig. Wenn mir heute irgendjemand vorwerfen sollte, dass ich jetzt auch auf den Trapzug aufspringe, weil es gerade angesagt ist, dann kennt er mich einfach nicht. Wer meine Mucke auscheckt, merkt schnell, dass ich damit schon sehr früh angefangen habe. Noch vor dem Hype habe ich mit Dieser Morten an diesem Sound gefeilt. 

bb21: Du machst also gerne sowohl düstere Wintersongs als auch chillige Sommermucke?

Jero: Ja, ich bin auch vom Sternzeichen Zwilling und habe im Winter auch einen komplett anderer Charakter als im Sommer. 

 

bb21: Du beschreibst deinen Stil selbst als Couchmucke. Dem bist du auf Musik für den Sommer auch treu geblieben. Wird das auch in Zukunft so sein? 

Jero: Ich denke schon. Aber ich bin auch kein Musik-Nazi, der immer seinem eigenen Dogma folgt und das nie verlässt. Ich habe auch mal Lust, Songs zu machen, die richtig nach vorne gehen. Doch sonst möchte ich weiterhin Couchmucke machen. Ich kämpfe dafür, diesen Stil zu etablieren. Denn im Deutschrap wird Effekthascherei großgeschrieben und dem möchte ich meinen Sound entgegensetzen. Viele Hörer verwechseln immer schnelle mit guten Raps. Gerade die Anfänger wollen immer unbedingt schnell rappen, aber die richtigen Musiker wissen, dass langsame Mucke viel mehr Skills erfordert. Denn dort musst du auf viel mehr Details achten. Pausen und Betonungen müssen viel bewusster gesetzt werden. Deswegen kämpfe ich dafür, dass gechillte und ruhige Rapsongs endlich im Mainstream ankommen. 

„Seitdem ist in mir die Erkenntnis gereift, dass ich jedes Leid, egal was passiert, aushalten kann.“

bb21: Heißt das im Umkehrschluss, dass du deine Songs hauptsächlich im Sommer produzieren wirst? Du meintest ja, dass die Jahreszeiten dich stark beeinflussen.

Jero: Ich werde auch im Winter Mucke machen. Nur wird sich dann eine andere Facette der Couchmucke offenbaren. Das wird eine sehr jazzige Nummer. Der Name steht auch schon fest: New Jazz Zitty. Inspiriert vom Film New Jack Citty mit Wesley Snipes, denn das Haus in dem ich lebe, ähnelt dem Haus, in dem der Film spielt. Hinter dem Tape steckt auch ein großes Konzept, aber darüber sprechen wir vielleicht besser an einem anderen Tag.

bb21: Wie lange hast du an der Musik für den Sommer gearbeitet?

Jero: Der älteste Song ist Gar kein Ding mit BRKN. Den haben wir schon letztes Jahr veröffentlicht, ich bin ja komplett independent. Dadurch kann ich auf so einer EP einfach die Songs der letzten Monate draufpacken. Zumal Gar kein Ding auch wirklich was für den Sommer ist. Dass ich ihn schon im Winter rausgehauen habe, kam auch nicht so gut an. Sommerhits muss man im Sommer veröffentlichen. 

 

bb21: Welcher Trend ist für dich die größte Plage des Sommers 2017?

Jero: Ganz klar die Levis T-Shirts. Daran erkennt man auch gut, wer Mitläufer ist und wer nicht. Also wer sich das gute Stück jetzt noch kauft, hat definitiv keine Seele. Unindividueller kann man sich doch gar nicht anziehen. Ich trage selber eigentlich auch gerne Levis, aber Mode war doch noch nie so unmodisch. Ich meine, solange Levis mich nicht dafür bezahlt, trage ich doch nicht einfach nur ihr Logo durch die Gegend. Jeder Trend ist irgendwann mal ausgelutscht und bei Levis T-Shirts ist dieser Moment auf jeden Fall gekommen. 

bb21: Du hast dem Görli auch einen Song gewidmet. Was macht den Park für dich so besonders? Es gibt ja genug andere Parks, denen du einen Song hättest widmen können.

Jero: Darauf wurde ich schon öfter angesprochen, weil ich ja in Moabit lebe. Aber ich finde diesen Regionalstolz ein bisschen Pubertär. Schließlich treffe ich mich auch mit Freunden aus anderen Stadtteilen wie Kreuzberg, Neukölln oder Charlottenburg und da ist der Görli ein guter Ort dafür. Denn das ist ein universeller Treffpunkt, an dem Leute aus allen Teilen Berlins abhängen. Außerdem ist der Görli schon fast eines der Wahrzeichen der Stadt, ähnlich wie der Fernsehturm, denn den Görli kennt jeder! Wenn ich aber über den Unionspark in Moabit rappen würde, dann haben doch schon die Jungs aus Charlottenburg keinen Plan mehr, über was ich rappe, obwohl der Park nur zwei Kilometer von ihnen weg ist.

bb21: Bist du eher der Typ, der Berlin im Sommer verlässt oder verbringst du diese Zeit lieber hier?

Jero: Der Sommer ist die beste und schönste Zeit in Berlin. Gleichzeitig ist es auch die Phase, wo die Flüge, um Berlin zu verlassen, am teuersten sind. Dementsprechend genieße ich den Sommer lieber in Berlin und verbringe den Winter an anderen Orten, zum Beispiel in Mexiko oder Kenia. 

 

bb21: Wann hast du Prodigy kennengelernt? Du hast ja an seinem Todestag ein Foto mit ihm veröffentlicht.

Jero: Bei seinem Auftritt im Haubentaucher. Ich bin auch ein krasser Fan von ihm. Seine Flows und die Atmosphäre, die er auf seinen Songs rüberbringt, sind genau mein Ding. Auch seine Soloalben habe ich rauf und runter gehört. Prodigy ist auf jeden Fall der Rapper, den ich am meisten gehört habe. Ich hätte auch gerne weiterhin noch neue Mucke von ihm gehabt. 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Jero: Über Musik reden ist wie über Mathematik zu tanzen. Hört euch einfach meine EP Musik für den Sommer selbst an und macht euch davon selbst einen Eindruck. Lasst die Musik für sich sprechen!


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