Interview mit Yaw Herra

„Ich bin mir sicher, dass jeder Rapper dabei schon unzählige Produzenten enttäuscht hat.“

Interview mit Yaw Herra
Interview mit Yaw Herra

Autor: Walter Schilling

 

 

Yaw Herra hat sich in den vergangenen Jahren großen Respekt in der HipHop-Szene erkämpft. Als er noch unter seinem alten Künsternamen KnG auftrat, wurde er von Musikmagazinen als Deutschraps Hoffnung bezeichnet und tourte mit Chefket anschließend durchs Land. Das schaffte er obendrein auch noch völlig independent. Zwischenzeitlich hat er sogar ein eigenes Label gegründet, um seine Musik selbst veröffentlichen zu können. Jetzt aber hat er mit Corn Dawg Records jemanden gefunden, der ihn dabei unterstützt. Zum ersten Mal in seiner Karriere kann sich Yaw vollkommen auf die Musik konzentrieren. Wie die Zusammenarbeit mit dem neuen Label abläuft, was sein neuer Künstlername bedeutet und wie es in Zukunft bei ihm weitergeht, verriet er uns bei einem ausführlichen Skypegespräch.

bb21: Du kommst aus Koblenz. Die Stadt ist jetzt nicht unbedingt als Mekka für Rapper bekannt. Warst du damit eher einer Exot in deinem Freundeskreis?

Yaw Herra: Es gibt hier schon einige Rapper, nur sind sie leider nicht szenerelevant sondern eher unbekannt. Aber hier gibt es auch noch den Rapper Mortel. Zugegeben, eigentlich kommt er aus Trier, aber sein Bruder wohnt hier in Koblenz und er hatte hier auch mal eine Rapcrew. Das ist zumindest ein größerer Name, der auch hier in Koblenz connectet ist. Davon abgesehen gibt es hier auch noch viele gute Rapper. Nur schaffen sie es meistens nicht, sich auch außerhalb der eigenen Stadt einen Namen zu machen. Ich habe zum Beispiel schon sehr früh damit angefangen, auch in fremden Orten aufzutreten. Das hat sich auch schon bei dem Release von Sex, Drugs & Chickenwings bemerkbar gemacht. Ich hatte Bestellungen aus ganz Deutschland. Es war gar nicht so, dass ich mein Mixtape ausschließlich in Koblenz verkauft habe. Die meisten anderen Rapper aus Koblenz schaffen es dagegen oftmals nicht einmal nach Bonn.

bb21: Wie ist die Zusammenarbeit mit deinem neuen Label Corn Dawg Records, das in Berlin ansässig ist? Macht das die Arbeit nicht komplizierter?

Yaw Herra: Nein, überhaupt nicht. Mein Management sitzt zum Glück auch in Berlin und dann können sie vieles direkt untereinander klären. Nur für Promo und Auftritte muss ich dann hin und wieder nach Berlin fahren, womit ich mich aber gut abfinden kann. Dann pendle ich eben für die paar Tage. Erst vor kurzem bin ich morgens nach Berlin und abends wieder heimgefahren. Dann bin ich mal insgesamt 12 Stunden im Zug, aber um Musik zu machen, muss ich nicht nach Berlin ziehen. 

 

bb21: Du machst auch keinen Hehl aus deiner Liebe zum Weed. Was flasht dich daran mehr als an anderen Drogen?

Yaw Herra: Puh, es ist ja jetzt nicht so, dass ich den ganzen Tag nur kiffen würde [lacht]. Nein, ich feier nur sehr gerne. Man muss dabei eben nur darauf achten, dass man die Drogen sehr kontrolliert konsumiert.

 

bb21: Wo fängt da die Grenze an? 

Yaw Herra: Wichtig ist, dass man Ende seinen Kram erledigt hat. Schau mal, ich kiffe zum Beispiel gerne, aber nicht non stop. Das ist auch etwas, das mir an Weed auch sehr gefällt: Ich bin am nächsten Tag nicht total verkatert und kann dadurch noch arbeiten. Außerdem gefällt mir die Stimmung in einer Kifferrunde. Dort herrscht eine viel lockere und gemütlichere Atmosphäre als sonst. Schau es dir doch an, wie es in Amsterdam laufen kann. Dort wird damit ganz locker umgegangen und man behandelt dort Kiffer anders als hier. Dabei ist Amsterdam von mir aus viel näher als Berlin.

 

bb21: Du hast deinen Künstlernamen geändert. Du heißt nicht mehr KnG sonder nun Yaw Herra. Warum?

Yaw Herra: Yaw ist ein traditioneller, gha­na­ischer Name. Dort trägt man den Namen des Tages, an dem man geboren wurde. Da ich an einem Donnerstag geboren wurde, heiße ich ich Nana Yaw. Da ich aber Nana ein wenig feminin finde, habe ich diesen Teil ausgelassen [lacht]. KnG ist auch ein total unpersönlicher Name. Ich habe ihn mir mit 16 ausgesucht und bin damals nicht davon ausgegangen, dass ich so lange dran bleiben werde.

bb21: Deine EP heißt Stimme der Unvernunft. Hörst du selbst oft auf diese Stimme?

Yaw Herra: Jeder nimmt doch diese Stimme wahr. Aber gerade in seiner Jugend lässt man sich doch von ihr gerne verleiten. Jetzt bin ich aber schon 26 Jahre alt und merke einen Wandel. Weniger an mir sondern vor allem an meinen Freunden. Sie werden deutlich vernünftiger. Viele leben schon mit ihrer Freundin zusammen, manche haben sogar Kinder. Leute, mit denen man früher ständig auf Achse war, werden langsam sesshaft.

„Schau mal, ich kiffe zum Beispiel gerne, aber nicht non stop.“

bb21: Du bist aber dagegen immer noch ständig unterwegs?

Yaw Herra: Auf jeden Fall! Auf was ich mittlerweile verzichte sind lediglich die Großraumdiscos. Dort sind mir einfach viel zu viele Stresser unterwegs. 

 

bb21: Aber ehrlich gesagt geht es mir mittlerweile auch so. Ich bin auch 26 Jahre alt und bei meinem letzten Besuch habe ich mich nur gefragt, was ich früher daran so toll fand.

Yaw Herra: Ständig tritt dir jemand auf die Füße oder rempelt dich an. Das hat nicht einmal was mit meiner Hautfarbe zu tun, dort gibt es eben viele, die Stress suchen. Aber ich will doch einfach nur eine gute Atmosphäre genießen. 

bb21: Wie verlief die Produktion bei Stimme der Unvernunft ab? Hast du die Beats im Internet gepickt?

Yaw Herra: Wenn dir die Produzenten einen Beat schicken, geht das meistens mit einer gewissen Erwartungshaltung einher. Sie investieren schließlich auch viel Zeit, damit am Ende der Beat gepickt wird. Ich bin mir sicher, dass jeder Rapper dabei schon unzählige Produzenten enttäuscht hat. Wahrscheinlich nicht einmal mit Absicht. Schließlich hängt man sich als Rapper total rein, um ein krasses Album abzuliefern. Letzteres mache ich auch, dabei möchte ich aber niemanden runterziehen.

bb21: Wie meisterst du dann diesen Spagat?

Yaw Herra: Im Internet gibt es unzählige dope Beats, auf die ich schreiben kann. Wenn ich dann meinen Text fertig habe, gehe ich erst zu einem Produzenten und besuche ihn mit einer der besagten Beatskizzen und meinen Lyrics. Erst dann wird der Song richtig produziert. Auf diese Weise kann ich mich von jeglicher Erwartungshaltung lösen und ganz unbeschwert Musik machen. 

 

bb21: Auf Stimme der Unvernunft zeigst du sehr viele verschiedene Styles. Dort gibt es melodische Songs, rhythmische Boombap-Tracks, aber auch Trap. Wolltest du mal alle Styles auspacken und schauen, was gut ankommt? Ist die EP sowas wie ein Experiment? Was war deine Intention?

Yaw Herra: Ehrlich gesagt, habe ich mir gar nicht so viel dabei gedacht und hatte für Stimme der Unvernunft überhaupt kein Konzept. Das einzige, was für mein nächstes Projekt unbedingt besser werden muss, ist ein stimmigeres Soundbild. Das ist mir hier jetzt nicht so gut gelungen, aber ich möchte eben auch nicht zehnmal den gleichen Song machen. Es ist mir einfach sehr wichtig, dass meine Alben abwechslungsreich sind. Wenn du dir mein letztes Tape Sex, Drugs und Chickenwings anhörst, merkst du sofort, dass ich dort nicht auf jedem Song den gleichen Style kicke. Ich mag diese Alben nicht, auf denen in den ersten vier Songs immer das Gleiche erzählt wird. Dann fass ich doch alles auf einem Song zusammen und habe dafür weniger Songs, dafür aber bessere.

bb21: Man musste sich bei dir zwei Jahre lang auf ein neues Tape gedulden. Wird es beim nächsten Mal wieder so lange dauern?

Yaw Herra: Nein, das wird nicht wieder so lange dauern! In den zwei Jahren ist einfach sehr viel um die Musik herum passiert, was mich davon abgehalten hat, neue Songs zu schreiben. Aber da ist jetzt alles geklärt und ich kann direkt wieder weitermachen!

 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Yaw Herra: Hört euch Stimme der Unvernunft an. Unvernünftig, aber trotzdem Love Peace und Harmony!


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