Interview mit Eros66

„Das Problem ist, dass keiner mehr Fan, sondern jeder selbst Rapper sein will.“

Interview mit Eros66
Interview mit Eros66

Autor: Walter Schilling

 

 

Saarbrücken ist nicht unbedingt als Rap-Hochburg bekannt, trotzdem hat die Stadt mit Genetikk und DCVNDS wichtige und bedeutende Rapper hervorgebracht. Eros66 ist der nächste Musiker aus Saarlands Hauptstadt, der auf jeden Fall das Talent besitzt, schon bald das neue große Ding zu werden. Zwar hat Eros66 bislang nur wenige Songs veröffentlicht, doch auf jedem von ihnen offenbart er ein hervorragendes Gefühl für Flows und den Takt. Gleichzeitig hat er mit Calvin Clay einen Produzenten gefunden, der moderne und zeitgenössische Beats auf hohem Niveau bastelt. Grund genug um den Eros66 genauer kennenzulernen, weswegen ich ihm ein paar Fragen via E-Mail zugeschickt habe, die er mir hier beantwortet hat.

bb21: Warum die 66? Dreimal die Sechs hätte ja sogar etwas satanisches, die lässt du aber weg.

Eros66: Die 66 hat natürlich nichts mit irgendwelchen satanischen Dingen zu tuen. Auch wenn die Zahl so mysteriös erscheint, sind es letztendlich doch nur die zwei ersten Ziffern der Postleitzahl meiner Stadt Saarbrücken. Es dient eigentlich nur dazu, dass man meine Sachen im Internet leichter findet. Hätte ich mich nur Eros genannt, wäre die Suche recht schwierig geworden, weil es ja den italienischen Sänger gibt und sich ein paar Bordelle so nennen.

bb21: Du kommst aus Saarbrücken. Vor ein paar Jahren ging dort raptechnisch noch nichts. Jetzt bist du aber nach Genetikk und DCVDNS der dritte, talentierte Rapper aus der Stadt. Wirst du der Letzte sein oder ist die dortige Rapszene so groß, dass das erst der Anfang ist?

Eros66: Danke erstmal für das Kompliment. Also die Rapszene hier ist mittlerweile echt sehr groß. Das Problem dabei ist - was wohl in ganz Deutschland der Fall ist -  dass keiner mehr Fan, sondern jeder selbst Rapper sein will. Aber 90 Prozent davon beherrschen diese Fähigkeit einfach nicht. No hate, aber man sollte es einfach merken, wenn man nicht den Draht zur Musik findet. Allerdings gibt es auch Leute, die ihre Sache echt gut machen und ich denke von denen wird man auch noch hören. 66Ganggang Grüße an alle meine Fratellos.

bb21: Ist bald auch eine EP geplant?

Eros66: Im Moment veröffentlichen wir Video für Video. Am Ende des Jahres wird dann ein Mixtape kommen, auf dem alle Auskopplungen vorhanden sind. Darauf wird es noch ein oder zwei Bonussongs geben. 2018 ist dann aber Größeres geplant. Wir sind sogar schon in ein paar Gesprächen, aber mehr möchte ich dazu nicht sagen.

„Der Teufel soll nur das Symbol für das sein, was dir auf deinem Weg nach oben schaden möchte: Drogen, falsche Frauen, Geld oder auch Neid, Hass und das sogenannte Auge“

bb21: Wie produzierst du die Songs? Hast du einen Produzenten, mit dem du enger arbeitest oder pickst du eher Beats in diversen Foren?

Eros66: Ich und mein Produzent Calvin Clay sind ein eingespieltes Team. Alles was wir machen, bleibt auch in unserem Arbeitsbereich. Ich denke, das macht auch unseren eigenen Sound aus. Ich bin auch kein großer Fan vom Beat picken. Ich muss dabei sein und selbst mitentscheiden, wie der Aufbau wird. Jede Snare, Kick oder HiHat muss passen. Außerdem ist Calvin einer der Freshesten seiner Zeit!

bb21: Im Song Denaro sprichst du deine Kindheit an. Wie verlief sie?

Eros66: Meine Kindheit war Klasse . Ups und Downs gehören dazu und ich denke, dass sowas jeder schon erlebt hat. Natürlich spielt die Gegend und dein Umfeld eine große Rolle und leider ist unser Stadtteil auch sehr runtergekommen. Viele Sachen bringen einen hier aus der Bahn. Aber im Großen und Ganzen macht das einen nur schneller erwachsen. Wenn ich mich heute mit 23 anschaue und dann die anderen in meinem Alter, fühle ich mich wirklich alt.

bb21: Auch Teufel und Dämonen sind ein immer wiederkehrendes Thema bei dir. Bist du jemand, der öfters mit seinem Gewissen ringt? Bereust du vielleicht auch manche Taten von dir?

Eros66: Mit dem Gewissen ringe ich eigentlich nicht. Ich bin mir in meinem Handeln immer sehr sicher. Der Teufel soll nur das Symbol für das sein, was dir auf deinem Weg nach oben schaden möchte: Drogen, falsche Frauen, Geld oder auch Neid, Hass und das sogenannte Auge [Anm. d. Red.: Damit meint Eros einen Aberglauben, der besagt, dass in bösen Blicken schädliche Kraft steckt].

bb21: Hältst du dich mittlerweile aus brenzligen Situationen raus?

Eros66: Ich distanziere mich von jedem Stress. Das ist überhaupt nicht meine Art. Erst wenn es gar nicht mehr anders geht, und man wirklich keinen gemeinsamen Nenner findet, werden entsprechende Wege eingeleitet. Wenn man mir aber respektvoll gegenübertritt, bin ich der netteste Mensch der Welt.

bb21: In den sozialen Netzwerken bist du gar nicht so übertrieben aktiv. Man findet dort keine Dinge von dir, die nichts mit der Musik zu tun haben. Findest du es affig, wenn Rapper ihr komplettes Leben vermarkten und preisgeben?

Eros66: Nein, das finde ich überhaupt nicht affig. Ich finde aber, dass man als Neuling zuallererst mit seiner Musik überzeugen muss. Von sich selbst kann man dann später erzählen. Abgesehen davon spreche ich auch viel in meiner Musik über mich. Die Zeilen sind nicht einfach nur Worte, sondern Momente aus meinem Leben. 


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