Interview mit Füffi

„Wenn dir dein Job Energie raubt, dann brauchst du natürlich einen Ausgleich. Doch das Ziel sollte eher ein Job sein, der dich erfüllt und dir Energie schenkt.“

Interview mit Füffi
Interview mit Füffi

Autor: Walter Schilling

 

 

Es ist natürlich von Vorteil, wenn man als Rapper eine Stimme mit einem hohen Wiedererkennungswert hat. Genau das trifft auf Füffi zu, der leidenschaftlich gern synthetische Beats auseinandernimmt. Während er das auf seiner neuen EP Alles neue Freunde macht, geht es dort inhaltlich um den gesellschaftlichen Druck, der einen dazu bringt, sich ständig selbst optimieren zu müssen. Immer wieder daran zu arbeiten, selbst mal der Chef zu werden, während uns impliziert wird, dass der Zuarbeiter eine wertlose Arbeit hat. Füffi selbst gibt sich mit dieser Situation nicht zufrieden und möchte wieder eine Gesellschaft haben, in der sich jeder um jeden kümmert. Genau darüber und noch über vieles mehr sprachen wir in einem kleinen Park in Berlin Mitte.

bb21: Wie war die Tour im letzten Jahr mit Tom Thaler?

Füffi: Das war die beste Zeit! Seit der Abifahrt habe ich keine so intensive Zeit mehr gehabt. Die Tour war zwar leider nicht durchgehend gut besucht, denn es gab Städte, in denen wir eine kleine Crowd hatten, trotzdem hatten wir unglaublich viel Spaß. Denn wir haben uns einfach davon freigemacht, dass wir auch mal vor sehr wenig Menschen spielen mussten und haben einfach gesoffen.

 

bb21: Du rechnest auf deiner EP mit der Szene der Persönlichkeitsentwicklung ab. Was stört dich expliziert an ihnen? Ist doch cool, wenn Menschen daran interessiert sind, sich zu verbessern.

Füffi: Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen psychologische Hilfe brauchen und sie in Anspruch nehmen. Aber mir geht der Trend der Selbstoptimierung einfach mega auf den Keks. Ich finde nämlich, dass dir viele dieser Trainer suggerieren, dass du ein 100-Prozent-Mensch werden musst, der alles aus sich herausholen muss und total auf sich selbst fokussiert ist. Doch dabei geht das Gemeinschaftsgefühl verloren. Ich möchte nicht in einer narzisstischen Welt leben, in der jeder sich selbst der nächste ist. Denn das gibt Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen, sondern anderen zuarbeiten, das Gefühl, dass sie minderwertig sind. Dann holen sie sich am Ende auch noch einen Lifecoach, nur um in das Hamsterrad einzusteigen. Teamplayer sind sehr wichtig für unsere Gesellschaft, aber sie finden in der Welt der Selbstoptimierung keinen Platz.

bb21: Aber wenn jeder an sich selber denkt, ist doch an alle gedacht.

Füffi: Das ist ein netter Spruch, aber eine Gesellschaft funktioniert, indem man sich gegenseitig hilft und man sich auch für das Wohl seiner Mitmenschen interessiert. Es kann doch auch nicht jeder Chef werden und vieles ist doch schon vor deiner Geburt bestimmt. Wenn du keine Eltern hast, die sich um dich kümmern, dann hast du automatisch einen riesigen Nachteil, dann ist es auch klar, dass diese benachteiligten Menschen überholt werden. Aber das senkt nicht ihren Wert in unserer Gesellschaft. Doch genau das wird ihnen durch den Selbstoptimierungswahn suggeriert.

bb21: Aber ist solch ein Streben nach Optimierung nicht auch förderlich? Wenn die guten Leistungen meines Kollegen mich dazu animieren, noch härter an mir selber zu arbeiten?

Füffi: Nein, überhaupt nicht. Zumal es dabei auch nicht bleibt. Wenn man diese Denkweise verinnerlicht, dann greift das in alle Bereiche über. Man sieht das doch auch in der Politik, wo man sich in immer kleinere Grüppchen verteilt. Immer mehr Nationen wollen raus aus der EU und sich nur noch um ihre eigene Nation kümmern. Das entsteht natürlich nicht allein aus der Optimierung heraus sondern auch, weil es uns grundsätzlich einfach zu gut geht. Man kommt aktuell auch als Egoist sehr weit, weil es aktuell keine großen Krisen mehr gibt und man nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen ist.

 

bb21: Also weil man die Gemeinschaft nicht braucht, hilft man ihr auch nicht?

Füffi: Genau. Das hast du doch auch beim Rap. Früher in der Krisenzeit von 2009 haben sich Rapper viel mehr gegenseitig gepusht, als sie es jetzt tun. Damals gab es einen viel größeren Zusammenhalt in der Szene, als es heute der Fall ist. 

„Früher in der Krisenzeit von 2009 haben sich Rapper viel mehr gegenseitig gepusht, als sie es jetzt tun.“

bb21: Es gehen auch immer weniger Menschen in Vereine oder treten Parteien bei. Auch Gewerkschaften haben aktuell große Probleme, ihre Mitgliederzahlen überhaupt zu halten. Da geht es gar nicht um Wachstum sondern nur darum, dass man nicht weiter schrumpft.

Füffi: Ein Start Up ist doch auch nicht viel mehr als ein kleiner Zusammenschluss von Arbeitern, die nicht mehr in einer großen Firma arbeiten möchte sondern lieber im Kleinen für sich und die eigenen Ziele schaffen. Grundsätzlich ist das auch nicht verkehrt, aber wenn das überhand nimmt, dann kommen wir in eine prekäre gesellschaftliche Situation.

bb21: Auf dem Song Worklifebalance rappst du über die Balance zwischen Beruf und Freizeit. Wie sieht die bei dir denn aus?

Füffi: Ich habe gekündigt, um mich voll und ganz auf die Musik konzentrieren zu können, von daher sah das wohl in der Vergangenheit schwieriger aus [lacht]. Die Idee zu dem Song kam, weil das Thema in meinem ehemaligen Arbeitsumfeld voll wichtig war. Aber das hat mich total gestresst, denn wenn dir immer wieder jemand sagt, du arbeitest zu viel und brauchst einen Ausgleich, hatte ich das Gefühl, ich müsse jetzt sofort was machen. 

 

bb21: Nach dem Motto: Meditiere jetzt sofort!

Füffi: Genau, außerdem ist eine Worklifebalance doch nur dann wichtig, wenn dir dein Job Energie raubt. Denn dann brauchst du natürlich einen Ausgleich und eine Beschäftigung, die dir Energie gibt. Das Ziel sollte doch eher ein Job sein, der dich erfüllt und dir Energie schenkt. Dann kommst du in deinem Beruf auch viel weiter. Deswegen halte ich nicht viel von dieser Balance.

bb21: Gehört zum Künstlerdasein auch eine große Aufopferungsbereitschaft dazu?

Füffi: Als Künstler muss man immer viel zurückstecken. Aber egal, ob Künstler, Freigeist oder Querdenker. Das sind alles anstrengende Persönlichkeiten, die kaum einer mag, weswegen sie automatisch mit viel mehr Ablehnung konfrontiert werden als andere Teile der Gesellschaft. Wenn du dich dann noch obendrein deinem Talent komplett widmest, dann wirst du andere Bereiche zwangsläufig vernachlässigen und sie ein Stück weit aufopfern. Da wird es dann auch interessant, wie viel Verständnis deine Freunde und dein Partner dafür haben oder ob du am Ende dadurch auch langjährige Begleiter irgendwann verlierst. Deswegen gehört da eine sehr hohe Aufopferungsbereitschaft dazu. Aber wie hoch sie sein muss, muss jeder für sich entscheiden. Ich für meinen Teil würde nie auf Leute scheißen, die mich supporten. 

bb21: Wie ergänzt dein Job als Grafiker deine Leidenschaft zum Rap?

Füffi: Gar nicht, deswegen habe ich ihn auch gekündigt.

 

bb21: Der Sound der Platte ist sehr stringent. Hast du da mit einem Produzenten zusammengearbeitet?

Füffi: Ich arbeite immer mit Yunis zusammen, der mittlerweile auch hier in Berlin lebt. In Amerika checken auch sehr viele seinen Sound, wo er auch Festivals spielt und auf anderen Veranstaltungen gebucht wird. In Deutschland tritt er lustigerweise dagegen überhaupt nicht auf. Jedenfalls ist er einfach unglaublich krass. Immer wenn ich denke, der Beat ist schon zu heftig, macht er ihn einfach noch krasser. Yunis ist einfach ein Genie.

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Füffi: Miese Grüße an die helfenden Elfen. Beste Stickergang ever. Am 13.5. kommt meine EP Alles neue Freunde. Ich freue mich über jeden einzelnen Hörer und Supporter. Außerdem haben wir dazu auch eine kleine Website gemacht, die dir beim Aufräumen deiner Playlist behilflich sein wird: https://www.allesneuefreunde.de/ Am 24.05. findet eine große Party von uns in der Grießmühle statt, bei der der Eintritt frei ist.


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