Interview mit Duzoe

„Ich habe viel Selbsthass, Depressionen, Selbstzweifel, Panikattacken, Existenzängste.“

Interview mit Duzoe
Interview mit Duzoe

Autor: Walter Schilling 

 

Duzoe hat mit Unfollow.Me eine unglaublich ehrliche und düstere EP produziert. Es geht um Selbstzweifel, Depressionen, Existenzängste und viele weitere dunkle Kapitel seines Innenlebens. Davon, wie es sich anfühlt, nie eine Familie gehabt zu haben und immer wieder mit Selbstmordgedanken konfrontiert zu sein. Genauso ehrlich geht es auch in unserem Interview zu, in dem Duzoe darüber spricht, wie es ihm wirklich geht und was ihm aus seinem Tief geholfen hat. Ob er trotz seiner Ehrlichkeit am Mikrofon dennoch Tabuthemen hat oder bereits sein komplettes Inneres nach außen gewendet hat. Über all das sprachen wir via Skypecall von Berlin nach Hamburg.

bb21: Du hast ein sehr starkes Cover. Mit wem hast du das ausgearbeitet?

Duzoe: Ich wollte endlich mal ein Cover haben, auf dem man mich ohne Mütze sieht. Bisher hat man mich immer nur so gesehen und ich wollte mich zu dieser sehr persönlichen EP entsprechend zeigen. Ich war bei den Jungs von Basementplace, bei mir auch den Vertrieb machen und nebenbei auch im Design-Business tätig sind. Dort haben wir dann auch das Foto gemacht. Das weitere Artwork hat MXP produziert. Meine EP hat sehr viele Facetten und um dem gerecht zu werden, wollte ich ein persönliches und düsteres Cover haben, das trotzdem noch ansprechend ist. 

bb21: Du hast schon auf deinem ersten Track Verweise auf Kool Savas, Big L und Fler. Sind das auch die Rapper, die du besonders oft hörst?

Duzoe: Die Anspielung auf Fler war eher amüsant gemeint, weil ich seinen Song Lifestyle der Armen und Gefährlichen sehr lustig finde. Das mit Kool Savas ist so, dass ich oft von vielen verschiedenen Rappern die Line, „Ihr habt lang genug gewartet, dass ein Album erscheint“, gehört habe, dass ich es gar nicht mehr explizit mit ihm verknüpfe. Ich fand es  einfach nur lustig, dass ich eben kein Album veröffentliche. Aber eigentlich höre ich die beiden überhaupt nicht, weil ich nahezu keinen Deutschrap höre. 

 

bb21: Und was ist mit Big L? War das eine Hommage auch an ihn und sein Album Lifestylez ov da Poor & Dangerous oder ging es bei dir rein um Fler? 

Duzoe: Ich muss gestehen, ich wusste bis jetzt gar nicht, dass Big L solch ein Album hat. Du merkst also, ich kann bei dir noch lernen [lacht]. 

bb21: Seitdem ich deine EP gehört habe, frage ich mich, ob du einen gewissen Selbsthass entwickelt hast und deswegen so melancholische Musik machst oder das Leben dich zu sehr enttäuscht hat. Was davon trifft zu?

Duzoe: Mit beidem liegst du richtig. Ich habe viel Selbsthass, Depressionen, Selbstzweifel, Panikattacken, Existenzängste und all diese Emotionen prägen mich sehr. Deswegen habe ich mich auch dazu entschieden, diesen musikalischen Weg zu gehen. Bislang habe ich eher lustige Tracks gemacht, doch es wurde mir langsam zu dumm, immer nur eine Rolle zu bedienen. Ich arbeite auch selbst noch in der Jugendhilfe und sehe dort viele Menschen, die ebenfalls mit all diesen Ängsten leben. Der tägliche Umgang mit ihnen hat mich auch zu diesen Songs inspiriert. 

„Als ich traurig war, entstanden Songs wie Demons, war ich glücklicher, war es dann eher Breaking News.“

bb21: Strengt es dich an, glücklich zu sein?

Duzoe: Das ist von Tag zu Tag anders. Manchmal wache ich auf und alles ist super easy. An einem anderen Tage wünsche ich mir, dass ich einfach nur tot wäre. Das Ganze ist ein auf und ab. Da haben mir Musik und Freunde sehr geholfen, aber diese Züge bekommt man nicht ganz weg. Ich bin nun mal der, der ich bin und das muss ich akzeptieren.

 

bb21: Du rappst auf Demons: Ich hatte noch nie eine Familie. Hast du zu deinen Eltern kein gutes Verhältnis?

Duzoe: Meine Eltern haben sich schon sehr früh in meiner Kindheit getrennt, wodurch ein Hin und Her entstanden ist. Der eine spricht schlecht über den anderen und umgekehrt. Dann kam noch eine Stieffamilie hinzu, bei der ich mich aber nie zugehörig gefühlt habe. Ich habe kein schlechtes Verhältnis zu meinen Eltern. Ich liebe meine Mutter, wie ich auch meinen Vater über alles liebe. Aber es fühlte sich nie so wie eine richtige Familie an. Vielleicht war ich auch einfach zu outlaw und wollte mich dem Ganzen nicht anpassen.

bb21: Gab es denn nie mit Freunden so etwas wie einen Familienersatz?

Duzoe: Doch, als ich mit LZA in Bremerhaven gelebt habe. Da hatten wir eine WG, die sich ähnlich wie Familie angefühlt hat. Aber ich kann das ja gar nicht so richtig vergleichen, da ich eben dieses Gefühl nie definieren konnte. 

bb21: Quasi so, als ob man einem Blinden eine Farbe erklären möchte?

Duzoe: Ja, man stellt sich eben etwas vor, weiß aber gar nicht, ob es auch wirklich der Realität entspricht. 

 

bb21: Du bist sowohl hier im Interview als auch auf deiner EP unglaublich ehrlich. Hast du während der Produktion dennoch Tabus gehabt? Dinge, über die du nicht sprechen möchtest?

Duzoe: Also Produktion klingt so, als ob es einen linearen Entstehungsprozess gab. Die Wahrheit ist aber, dass ich mich einfach immer dann hingesetzt habe, um zu schreiben, wenn mir danach war. Als ich traurig war, entstanden eben Songs wie Demons, war ich mal glücklicher, war es dann eher Breaking News. Dabei sind wirklich viele Songs entstanden, wobei die meisten aber immer noch auf meinem Rechner sind, weil einige sehr tief gehen und extrem traurig sind. Es gibt also noch viel persönlichere Tracks, aber da sind mir zu viele Wahrheiten drin, als dass ich mich trauen würde, diese zu veröffentlichen. Also ja, es gibt Dinge, über die ich nicht in der Öffentlichkeit sprechen möchte.

bb21: Du bietest deinen Fans an, dich anzuschreiben, um mit dir offen über ihre Gefühle zu sprechen und dir Sachen anzuvertrauen, die sie sonst niemandem sagen können. Was wird dir denn genau erzählt, ganz ohne Namen oder zu detaillierte Geschichten zu nennen.

Duzoe: Es sind ganz verschiedene Dinge. Manche wollen mir einfach nur sagen, dass sie sich in meinen Songs widerspiegeln können und hoffen, dass es mir gut geht. Andere schreiben mir, dass sie seit einiger Zeit Selbstmordgedanken haben und fragen mich nach Lösungen. Es gibt dazu auch ganz klare Strategien, die man in solchen Situationen anwenden kann. Da helfe ich auch gerne weiter. Ich bekomme auch Nachrichten von Leuten, die in ihrem Freundeskreis Menschen mit Depressionen haben und mich fragen, wie sie ihnen helfen können. Diesen Menschen zu helfen, ist ja auch, wie bereits erwähnt, mein Job. Deswegen biete ich mich ihnen auch hier an. Es gibt dabei keinen roten Faden. Die Leute schreiben mir einfach, was sie denken, und das sollen sie auch ruhig weiterhin machen. Das Schlimmste für einen Menschen ist es, meiner Meinung nach, nicht gehört zu werden. Dementsprechend helfe ich gerne jedem weiter.

bb21: Glaubst du, dass du aufgrund deiner vielen harten Erfahrungen ihnen besser helfen kannst, als wenn du das so nicht erlebt hättest?

Duzoe: Ich glaube schon, dass Menschen, die selbst Depressionen oder andere schlimme Einschränkungen mit sich bringen oder überwunden haben, die besten Sozialpädagogen sind.

 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Duzoe: Ich freue mich und bedanke mich bei jedem, dem meine EP gefällt und sich darin widerspiegeln kann. Ich freue mich sehr über das viele, gute Feedback, das ich zu meiner EP bekommen habe und wünsche mir, dass es allen Menschen gut geht. Selbst der böseste Mensch hat das verdient, seid aber dennoch keine Arschlöcher. 


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