Interview mit Dalia

„Was ich wirklich brauche, ist der Nervenkitzel.“

Interview mit Dalia
Interview mit Dalia

Autor: Walter Schilling

Foto: Gisela Gürtler

 

 

Bei Dalia treffen orientalische Klänge auf amerikanischen RnB, wodurch ein Sound entsteht, den es so in Deutschland noch nie zuvor gab. In der YouTube-Kommentarspalte wird schon wie wild darüber diskutiert, ob man solche Einflüsse kombinieren darf. Aber Dalia tut das einfach, anstatt viel darüber nachzudenken, was den Hörgewohnheiten der deutschen Musikszene entspricht und sich dem anzupassen. Lieber singt die Berlinerin darüber, dass sie sich nach einem Mann an ihrer Seite sehnt, der stark ist und bei dem sie sich sicher fühlt. Um mehr über diese einzigartige Künstlerin zu erfahren, haben wir uns bei ihr im Studio getroffen, um dort sowohl über ihre bisherigen Singles Habibi und Binafsajii zu sprechen, als auch über die Bösen Onkelz und ihren orientalischen Einflüssen.  

bb21: Deutschsprachiger RnB ist hierzulande nach wie vor noch sehr klein und findet im Mainstream kaum statt. Was glaubst du, woran das liegt?

Dalia: Ich habe mir über meinen Sound wirklich sehr viele Gedanken gemacht, dabei habe ich aber immer wieder festgestellt, dass wir in Deutschland nicht einmal so weit sind wie die USA vor 20 Jahren. Denn dort gab es schon in den 1990er jemanden wie Aaliyah, während es in unserer Republik nie etwas vergleichbares gab. Aber anstatt lange darüber nachzudenken, was bislang erfolgreich war und was nicht, habe ich einfach angefangen, an Songs zu arbeiten. Ich habe auch damit gerechnet, dass es einige Menschen geben wird, die den Sound nicht verstehen, aber die können sich langsam herantasten und sich später darin wohlfühlen. 

bb21: Deine Songs haben orientalische Einflüsse. Ist das auch die Musik, mit der du aufgewachsen bist?

Dalia: Tatsächlich ist das die Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Meine Eltern sind Araber und diese Musik hat mich immer umgeben. Aber ich habe das eher nebenbei gehört, wenn ich Zeit mit meinen Eltern verbracht habe oder mal durch das Wohnzimmer gelaufen bin, während der Fernseher lief. Das war nicht der Sound, den ich fortwährend in meiner Jugend gehört habe. Was ich für mich entdeckt habe, sind die orientalischen Phrasierungen [Anm. d. Verf.: Phrasierung bezeichnet die Gestaltung der Töne innerhalb einer musikalischen Phrase hinsichtlich Lautstärke, Rhythmik, Artikulation und Pausensetzung]. Dadurch kann man nämlich Emotionen viel besser transportieren. Mittlerweile höre ich auch mehr orientalische Musik als in meiner Jugend, weil man dort so unglaublich gut Gefühle rüberbringen kann. Früher habe ich aber lieber RnB aus den USA gehört.

bb21: Im Pressetext zu Binafsajii heißt es, dass die Farbe von Liebe lila sei. Ist das wirklich so?

Dalia: Für viele Menschen ist das doch wirklich so. Egal, ob wir über Männer oder Frauen sprechen, etliche von ihnen sind total materialistisch und Geld geht für sie über alles. Das ist aber nicht auf mich bezogen, sondern auf das, was ich sehe. Auch in der Musik wird darüber ständig gesprochen und auch in den Videos sieht man unzählige Statussymbole. Leider ist das so und das erlebt man tagtäglich. In meiner Musik möchte ich aber dagegen die Seite in mir hervorheben, die sich durch solche Oberflächlichkeiten nicht blenden lässt. Selbst ist die Frau! Natürlich habe ich auch dicke Autos in meinen Videos, aber die spielen nicht die Hauptrolle.

„Dabei habe ich aber immer wieder festgestellt, dass wir in Deutschland nicht einmal so weit sind wie die USA vor 20 Jahren.“

bb21: Bei vielen Straßenrappern hört man raus, dass sie sich nach einem geregelten Leben sehnen und die Straße hinter sich lassen möchten. Du dagegen singst sogar, dass du auf der Suche nach einem Gangster seist. Fühlst du dich dort wohler als im bürgerlichen Milieu?

Dalia: Das ist schwer zu sagen. Was ich wirklich brauche, ist der Nervenkitzel. Ich möchte einen starken Mann an meiner Seite haben und bei dem ich mich sicher fühle. Einen Mann, mit dem man eben Pferde stehlen kann. Vielleicht verherrliche ich in meinen Liedern auch ein wenig diese Bonnie und Clyde Romantik, aber das ist etwas, nachdem sich viele Frauen schon mal gesehnt haben. 

bb21: Wie und wann hast du angefangen zu singen und das Musizieren für dich entdeckt?

Dalia: Das alles hat durch das Theater angefangen. Ich habe nämlich in einem Stück von den Bösen Onkelz mitgespielt [lacht]. Das passt eigentlich gar nicht zu mir, aber dort habe ich die Musik für mich entdeckt. Durch dieses Theaterstück habe ich auch die einzelnen Bandmitglieder kennengelernt. Dort haben wir deren Lieder interpretiert und vor größerem Publikum vorgetragen. Seitdem singe ich auch sehr gerne vor Zuschauern und habe dann auch in Schulaufführungen oder auf Volksbühnen mitgemacht. Sich der Angst stellen und vor fremdem Publikum singen, das gibt mir unfassbar viel und dadurch beweise ich mir etwas, jedesmal. Sich der Furcht zu stellen, sehe ich ein Stück weit als Herausforderung.

 

bb21: Bist du grundsätzlich eher extrovertiert?

Dalia: Nein, überhaupt nicht. Mir ist es auch sehr schnell unangenehm, wenn ich zu viel Aufmerksamkeit bekomme. Wenn alle Augen im Raum auf mich gerichtet sind, bekomme ich auch schnell Schweißausbrüche. Bei der Musik ist das aber irgendwie anders. Dort habe ich sowas wie eine Künstlerfigur in mir entdeckt, die damit professionell umgeht.

bb21: Du arbeitest eng mit Samurai Sounds zusammen. Wie läuft eure Zusammenarbeit ab?

Dalia: Ich lasse mich dabei voll auf Samurai ein, während er sich voll auf mich einlässt. Denn nur so entstehen gute Songs. Es gibt auch Momente, in denen wir aneinander vorbei arbeiten, kriegen uns aber meist auch wieder schnell ein und versuchen herauszufinden, was der ander gerade denkt und ergänzen uns dann wieder. Er übersteigt auch ständig meine Erwartungen und ist im Studio immer zu 100 Prozent bei der Sache. Ich zähle auf mein Team und sie genauso auf mich.

bb21: Blokkmonsta managt dich und ist total von dir überzeugt. Wie kam das zustande?

Dalia: Das war ein richtiger Zufall, denn wir waren gemeinsam auf einer Releaseparty und ich war total von seiner Maske abgeschreckt. Ich habe auch anfangs total abstand gehalten, doch irgendwie kamen wir im Laufe des Abends dann doch ins Gespräch und er hat mir daraufhin seine unveröffentlichten Songs gezeigt. Später haben wir uns dann auch im Studio getroffen, wo ich ihm dann meine Skills am Mikrofon zeigen konnte. Mittlerweile ist er auch sowas wie ein Mentor für mich geworden, vor allem da wir auf einer guten Vertrauensbasis arbeiten.

 

bb21: Hast du mit anderen Leuten aus der Musikbranche andere Erfahrungen gemacht?

Dalia: Ja, für viele bin ich ja direkt das junge, naive Mädchen, das Musik machen möchte. Die sind dann nicht nur auf die Musik, sondern auf viele andere Sachen aus. So professionell wie Blokkmonsta arbeitet, tun es nicht viele.

bb21: Was planst du für 2018? 

Dalia: Wir werden natürlich weiterhin Songs und Videos veröffentlichen. Wie wir das aber im Detail machen werden, das muss ich mir noch genau überlegen. Es gibt aber schon einige fertige Songs. Ich freue mich auch total auf die kommende Zeit und mal schauen, wo uns das hinführt. Außerdem noch mal vielen lieben Dank für das tolle Interview. 


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