Interview mit Came

„Denn es gibt auch einen Grund, warum man so wenig über die Hooligan-Szene weiß.“

Interview mit Came
Interview mit Came

Autor: Walter Schilling

 

 

Die Hooligan-Szene hält sich sehr verborgen und man weiß eigentlich nur wenig über sie. Doch das hat sie nicht davon abgehalten, Einzug in die Rapszene zu finden und so rappt Came für seinen Verein: Union Berlin! Aber ihm geht es um mehr als nur den Verein, er repräsentiert seine ganze Stadt, denn für ihn gibt es kein Ost- oder Westberlin mehr sondern nur die Hauptstadt an der Spree. In seinem Herzen ist Berlin schon lange vereint, was er mit maximaler Authentizität unterstreicht. Came mag nämlich keine Kunstfiguren und rappt lieber über das, was er gesehen und erlebt hat, anstatt sich mit fremden Federn zu schmücken.

bb21: Schon auf deinem ersten Song hast du eine gute Raptechnik. Hast du davor unter einem anderen Namen gerappt?

Came: Nein, aber ich freestyle schon eine lange Zeit und mache das auch ganz gut, zumindest sagen mir das die anderen. Ich habe auch schon Battlekings von Rap am Mittwoch fertig gemacht, möchte an dieser Stelle aber keine Namen nennen. Dadurch wollte ich dann auch mal Songs aufnehmen, hatte aber anfangs Probleme mit dem Schreiben. Es ist dann doch etwas ganz anderes, einen kompletten Track zu schreiben, als einfach mal zu freestylen. 

 

bb21: Dabei hört man auch zum ersten Mal die eigene Stimme auf einem Song. Das klingt anfangs doch meist ganz anders als erwartet.

Came: Ja, das war auch nochmal ganz krass. Auch wie man den Druck auf die Stimme so reinbringt, dass es wirklich fett klingt. Das hört sich im eigenen Kopf manchmal komplett anders an, als in Wirklichkeit. In der Booth in das Mikrofon zu brüllen, ist etwas ganz anderes, als draußen zu brüllen. Das abschätzen zu können, muss man lernen. Das sind eben die Unterschiede zum Freestylen und Aufnehmen. Ich könnte hier stundenlang am Stück freestylen, das ist aber etwas komplett anderes als ein strukturierter Song.

bb21: Warum trägst du immer die Maske?

Came: Ich habe zwar Lust, als Rapper bekannt zu werden, jedoch nicht als Privatperson. Mein Umfeld kennt mich auch als Came, aber die Öffentlichkeit eben nicht. Ich möchte nicht von fremden Menschen im Supermarkt angesprochen werden. Ich habe auch mein eigenes Unternehmen mit Mitarbeitern, das ich nicht mit Rap in Verbindung bringen möchte. Dazu kommt, dass wir bei Union Berlin diese Hauben auch tragen und ich eben Unioner bin! Trotzdem haben mich schon manche an meiner Stimme erkannt und mich darauf angesprochen. Ich stelle es auch meinen Freunden in den Videos frei, die Fresse in die Kamera zu halten oder sich lieber zu maskieren. Deswegen sieht man auch viele von meinen Freunden mit Hauben. Ich muss nicht damit angeben, wen ich alles kenne.

 

bb21: Damit machst du das genaue Gegenteil von dem, was viele andere Rapper in ihren Videos machen. Denn oftmals geht es in den Videos darum, zu zeigen, wen man alles kennt.

Came: Das ist auch ein Grund, warum ich mit dem Rappen angefangen habe. Denn ein großer Teil der Szene besteht aus Blendern. Die Straßenjungs kennen die Straße, weswegen wir wissen, wer sich in welchen Kreisen aufhält. Selbst wenn du aus einer komplett anderen Stadt kommst, kennt man dich um eine Ecke und wir wissen, ob du real bist oder nicht. Man kennt immer irgendeinen! Ich gebe darauf gar nichts, ob man im Video eine neue S-Klasse sieht oder irgendwelche krassen Frauen. Ich bekomme doch mit, dass die Meisten dafür richtig viel Geld hinlegen mussten. Das sind teilweise richtige Knechte, die nur einen Cousin von jemanden kennen, der ihnen das alles klargemacht hat, wofür sie aber eben Kohle liegen gelassen haben und jetzt einen Affen machen. Damit kann man doch nur Kinder beeindrucken, real ist das aber überhaupt nicht. 

bb21: Sind in deinen Videos denn nur deine eigenen Autos zu sehen?

Came: Nein, nicht alle. Die E-Klasse ist von mir, der Audi S5 zum Beispiel dagegen aber von meinem Kumpel. Das sind unsere Autos, von mir und meinen Jungs. So ist das auch mit den Frauen. Das sind Freundinnen von mir. Das ist mir auch wichtig, nicht irgendeine Fake-Welt zu representen und so zu tun, als ob ich den ganzen Tag mit einem Lamborghini fahre, obwohl ich in Wahrheit immer nur mit der Bahn unterwegs bin. Das ist aber für viele Rapper Realität. 

„Wenn [Miami Yacin] in seinen Tracks darüber rappt, dass er Kiloweise Koks tickt, aber ich höre, dass er sich nie einen Flug nach Miami leisten konnte, dann stimmt doch was nicht.“

bb21: Stört es dich, wenn Rapper eine Kunstfigur darstellen?

Came: Ich verstehe es nicht, wenn Rapper sich nie schlagen und es auch nie tun würden, in ihren Tracks aber so tun als ob sie die krassesten Kämpfer wären. Ich gehe ja noch mit, wenn man etwas übertreibt, damit es lustiger wird oder dergleichen. Aber Realness ist mir schon wirklich sehr wichtig. Es gibt viele Rapper, die wirklich gute Musik machen wie zum Beispiel Maiami Yacine, aber ich kann mir seine Mucke nicht geben. Wenn er in seinen Tracks darüber rappt, dass er Kiloweise Koks tickt, aber ich höre, dass er sich nie einen Flug nach Miami leisten konnte, dann stimmt doch was nicht. Ein Kilo kostet 32.000 bis 38.000 Euro, wer sich das kaufen kann, kann sich auf jeden Fall eine Reise nach Miami leisten. 

 

bb21: Du representest auch immer wieder Berlin. Was macht das für dich so wichtig?

Came: Ich bin Unioner, aber ich will nicht einfach nur Mucke für den Verein machen. Ich bin vor allem ein Berliner.

bb21: Wenn man kein Fußball-Fan ist und sich damit gar nicht beschäftigt, würde man gar nicht so schnell checken, dass du zu Union Berlin gehörst. 

Came: Unioner wissen auf jeden Fall sofort Bescheid. Allein auch schon durch die Drehorte checken das viele. Aber ich will das auch gar nicht so hoch hängen, weil ich mich vor allem als Berliner sehe. Ich komme zwar aus Ostberlin, aber ich unterteile die Stadt gar nicht mehr in Ost und West. Ich bin zwar in Köpenick aufgewachsen, das hält mich aber nicht davon ab, in Kreuzberg abzuhängen. Dort kenne ich mich bestimmt besser aus als manch ein West-Berliner. 

bb21: Geht es am Ende des Tages für dich also hauptsächlich um Berlin?

Came: Ja, die Stadt ist für mich auch sehr wichtig. Egal ob du nach Köpenick, Charlottenburg oder Spandau gehst: Überall gibt es krasse Leute. Natürlich spielt Union Berlin in meinem Leben eine große Rolle, aber ich bin nicht nur Unioner, sondern auch ein Berliner. 

 

bb21: Im Video zu Weil wir anders sind ist zu sehen, wie du einen Typen über den Balkon hängst. Habt ihr dafür noch irgendwelche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen?

Came: Schöne Grüße erstmal an Marcus Staiger, der uns dabei geholfen hat. Denn ursprünglich wollten Blokkmonster und ich unseren Kumpel einfach darüber hängen, ganz ohne Gurt oder dergleichen. Der wiegt auch nicht viel, 50 Kilo etwa. Das habe ich uns schon zugetraut, aber als Staiger davon Wind bekommen hat, wollte er lieber mal dabei sein und unseren Freund festgurten. Das Seil haben wir dann unter seine Jogginghose geführt, sodass man das im Video nicht sehen konnte. 

bb21: Kam dann nicht irgendwann die Polizei?

Came: Nein, das hat uns auch überrascht. Der hing dort ja nicht nur zwei, drei Minuten, sondern deutlich länger. Vor allem haben wir auch sehr laut gebrüllt. Vor allem Blokkmonsta ist da richtig abgegangen. Die Nachbarn haben einfach nur die Fenster zu gemacht und wollten damit nichts zu tun haben. Das war wie in den alten Kreuzberger-Zeiten und hat gezeigt, dass sich Kreuzberg nicht komplett verändert hat. 

bb21: Du nennst dich selber Hooligan. Was genau macht einen Hooligan aus? Viele haben davon ihre eigene Vorstellung, doch was dort wirklich abgeht, wissen nur wenige.

Came: Das stimmt, denn es gibt auch einen Grund, warum man so wenig über die Hooligan-Szene weiß. Sie ist sehr verschlossen, ein paar Einzelne reden vielleicht mal, aber das Meiste bleibt im Verborgenen. In diversen Dokumentationen werden wir so dargestellt, dass wir uns vor den Spielen, fernab vom Stadion zum Kämpfen mit den Kampfsportlern der gegnerischen Mannschaft treffen. Aber sowas wäre natürlich illegal [grinst]. 

 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Came: Danke für das Interview und schaut gerne bei mir im Shop vorbei: www.came-store.de Wir haben jetzt ganz neues Merch bekommen und ich freue mich über jeden Support.


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