Interview mit Blokkmonsta

„13 Jahre nach unserer Gründung sind wir immer noch am Start, was man über Optik Records, Bozz Music oder Deluxe Records nicht sagen kann, obwohl wir unglaublich viel Gegenwind bekommen haben.“

Interview mit Blokkmonsta
Interview mit Blokkmonsta

Autor: Walter Schilling

 

 

Blokkmonsta hat diese eine Stimme unter tausend Rappern, die nicht nur jeder Rapfan kennt, sondern auch die Staatsanwaltschaft, das SEK und vor allem auch die BPjM. Gerade für einen Independent-Rapper, der sein Label selbst führt, hätte dieser Gegenwind für die meisten ausgereicht, um zu kapitulieren und sein Label zu schließen. Doch für Blokkmonsta war das gerade erst der Startschuss. Er konnte in Deutschland den Horrorcore etablieren und Hirntot zu einer Marke machen, die nicht nur jedem HipHop-Head ein Begriff ist sondern auch vielen Rockern und anderen Musikliebhabern. Ich will mehr über diesen Rapper mit der unverwechselbaren Stimme wissen und habe ihn deswegen in seinem Studio besucht, um mehr über Hirntot, Waterboarding und seine Fans zu erfahren.

bb21: Dein Markenzeichen ist deine tiefe Stimme. Konntest du schon seit jeher so tief über längere Zeit rappen? Denn in Interviews hört man, dass du außerhalb des Studios mit einer nicht ganz so tiefen Stimme sprichst.

Blokkmonsta: Das ist eine reine Trainingssache. Wie ich mir sie aber genau antrainiert habe, kann ich schon gar nicht mehr sagen. Ich weiß nur, dass ich früher, als ich mich noch Crack B nannte, einmal total blutverschmiert ins Studio kam. Da meinten meine Jungs nur zu mir, dass ich das Monster vom Block sei, weil ich mich mit jedem prügeln würde. Von dieser Aussage inspiriert habe ich dann zum ersten Mal richtig aggro gerappt, war aber noch weit entfernt vom echten Blokkmonsta-Style. 

 

bb21: Wann hast du dann diesen Blokkmonsta-Style entwickelt?

Blokkmonsta: Als ich Uzi kennengelernt habe, denn da habe ich mich dazu entschlossen, mich Blokkmonsta zu nennen und diesen Style zu fahren. Mit tiefer Stimme zu rappen, zu schreien und genau das zu machen, was man heute unter Blokkmonsta versteht. Wenn man sich mal meine komplette Diskografie anhört [Anm. d. Verf.: Was gar nicht so leicht ist, da die meisten seiner Alben   indiziert wurden], wird man feststellen, dass sich meine Stimme von Album zu Album verbessert hat. Mittlerweile kann ich viel besser damit umgehen und auch richtige Melodien einrappen. 

bb21: Wie läuft das bei den Aufnahmen? Musst du nach ein oder zwei Tracks eine Pause einlegen oder kannst du komplett durchrappen?

Blokkmonsta: Anfangs war das auf jeden Fall so, dass ich nicht mehr als zwei Songs ohne Pause rappen konnte. Mittlerweile kann ich aber auch ein komplettes Album am Stück aufnehmen. Das musste ich sogar schon machen, als das SEK [Anm. d. Verf.: Spezialeinsatzkommando der Polizei] mein komplettes Studio auseinandergenommen hat und ich hier nicht mehr aufnehmen konnte. Das war bei dem Album Dämon. Da habe ich dann alles Zuhause vorproduziert und sämtliche Texte geschrieben und bin nur ins Horrorcore-Studio gegangen, um 17 Tracks an nur einem Samstag aufzunehmen. Wobei ich eigentlich nicht einmal den ganzen Tag gebraucht habe sondern nur einen Vormittag [grinst]. 

 

bb21: Und wie ist es auf der Bühne, wenn du mehrere Auftritte innerhalb kürzester Zeit hast wie bei einer Tournee?

Blokkmonsta: Da kann das schonmal kritisch werden. Wobei die Stimme gar nicht mal das Problem ist sondern vielmehr die Maske. Wenn du da oben auf der Bühne stehst, während die Luft immer wärmer und wärmer wird, man sich auf der Bühne verausgabt und alles gibt, dann wird die Maske irgendwann vollkommen nass. Meistens sogar schon nach dem zweiten Song und was passiert, wenn du einen klatschnassen Stoff auf deinem Gesicht hast? 

bb21: Das könnte fast wie beim Waterboarding sein, oder?

Blokkmonsta: Ganz genau! In der Kabine bekomme ich Luft durch den Mund und die Nase. Beides wird mit der Maske aber deutlich schwieriger, nicht nur durch den irgendwann feuchten Stoff, schon davor bekommt man dann kleine Fusseln in den Hals, auf die man dann klar kommen muss, ohne direkt einen Hustenkrampf zu bekommen. 

 

bb21: Hast du dir nicht schon mal überlegt, auf der Bühne eine andere Maske anzuziehen? Eine, auf der dein Mund ein Loch hat?

Blokkmonsta: Nein, das wäre dann nicht der Blokkmonsta-Style. Niemals werde ich auf der Bühne eine Drei-Loch-Sturmmaske anziehen. Die finde ich einfach nicht so cool wie meine Maske.

„Was wir mit Ruffiction gemeinsam haben, ist, dass wir viele Fans haben, die eine Zugehörigkeit suchen.“

bb21: Du bist seit 2005 deinem Horrorcore-Style immer treu geblieben und hast dich nie einem Hype angebiedert, sondern bist immer straight deinen eigenen Weg gegangen. Feierst du andere Styles nicht so sehr?

Blokkmonsta: Nein, ganz und gar nicht. Ich finde sogar viele Sachen sehr cool, auch wenn ich dem Horrorcore immer treu geblieben bin. Das eine schließt auch nicht das andere aus. Zumal wir uns auch immer mal anderen Einflüssen geöffnet haben, während wir uns selbst dabei treu geblieben sind wie auf Desperados, auf dem auch Western-Einflüsse zu hören sind. Ich persönlich bin zum Beispiel ein großer Trapfan, was man auf der LP Blokkmonsta auch gut raushören kann. Auto-Tune finde ich auch sehr cool, aber nur in Maßen anstatt in Massen. Denn da frage ich mich schon, was der Künstler dann überhaupt mit seiner eigenen Stimme kann, wenn er ausschließlich Auto-Tune benutzt. Schließlich benutzt man den Effekt eigentlich, um die Vocalspur zu korrigieren, wenn man was verkackt hat. 

 

bb21: Wie ist die Atmosphäre in deinem Studio bei den Aufnahmen? Versuchst du dabei eine besonders düstere Stimmung zu kreieren?

Blokkmonsta: Nein, das ist Blödsinn. Ich stelle mir keine Kerzen hin und verdunkle das Studio, um ein möglichst böses Feeling zu bekommen. Bei den Aufnahmen ist die Stimmung sogar eher lustig. Je böser meine Lines sind, desto heftiger werden sie gefeiert. Hier wird viel gelacht, wenn ich meine Songs aufnehme. Außer wir haben extrem viele Aufnahmen an einem Tag geplant, dann kann es hier auch mal hektisch werden. 

bb21: Wie sind deine Fans drauf? Ruffiction geht zum Beispiel auch in eine harte Richtung, haben aber auch teilweise sehr krasse Fans, die auch Heroin zu den Konzerten nehmen. Sind bei dir dagegen zum Beispiel viele Kampfsportler dabei?

Blokkmonsta: Das, was wir mit Ruffiction gemeinsam haben, ist, dass wir viele Fans haben, die eine Zugehörigkeit suchen. Das sind nicht die coolen Kids, die Nachmittag am Ku’damm abhängen sondern Menschen, die ihr eigenes Ding durchziehen und es ihnen nicht so wichtig ist, was andere sagen, dennoch aber verstanden werden wollen. Dadurch ergibt sich ein Querschnitt aus ganz vielen Gesellschaftsschichten. Vom HipHop-Nerd, der einfach nur auf HipHop-Veranstaltungen geht und einen sehr breitgefächerten Geschmack hat, bis hin zu Leuten, die sonst gar nichts mit Rap anfangen können, aber bei unseren Veranstaltungen am Start sind. Dann gibt es noch unsere Hardcore Fans, die seit dem ersten Tag dabei sind und die man bei fast jedem Auftritt sieht. 

 

bb21: Gab es auch schon mal Schlägereien oder andere Auseinandersetzungen zwischen euren Fans?

Blokkmonsta: Nein, nie. Das denken vielleicht Außenstehende, die uns nur oberflächlich kennen. Aber in Wahrheit ist das alles sehr familiär und sehr friedlich. Wir können mit allen noch nach der Veranstaltung chillen und in einer coolen Atmosphäre Zeit verbringen. 

bb21: Hast du nicht auch mal - bevor du vorbestraft warst - Gedanken gehabt, zur Bundeswehr zu gehen, wo du deine Gewaltfantasien ein Stück weit ausleben könntest?

Blokkmonsta: Also tatsächlich bin ich nach der Schule zur Bundeswehr gegangen und wollte mich dort direkt zwölf Jahre verpflichten lassen, um Kampftaucher zu werden. Ich habe bei der Musterung sowohl die physischen als auch die psychischen Tests bestanden und habe sogar schon den Vertrag unterschrieben! Eigentlich kommst du dann aus der Nummer nicht mehr raus, aber plötzlich habe ich dann ein Ausbildungsangebot bekommen und da ich noch sehr jung war, durfte ich zuerst die Ausbildung in der IT-Entwicklung antreten. Nach der Ausbildung war ich dann aber schon so alt, dass ich nicht mehr unbedingt zur Bundeswehr gehen musste und habe es dann auch gelassen.

 

bb21: Warum wolltest du wirklich zur Bundeswehr gehen?

Blokkmonsta: Klar hat mich das gereizt, echte Waffen zu bekommen. Zumal ich für mich keine andere Perspektive gesehen habe. Ich wollte auch weg aus Berlin, weg aus Deutschland und dann ab in den Krieg. Im Nachhinein freue ich mich natürlich, dass es nicht so gekommen ist, weil ich mittlerweile auch die Schattenseiten der Bundeswehr kenne. Du kämpfst dort letztendlich nicht, um dein Land zu schützen, sondern als Marionette für ganz andere Interessenten. Deswegen bin ich sehr froh, dass ich die Ausbildung zum Software-Entwickler bei einer Microsoft-Tochterfirma bekomme habe und noch aus dem Vertrag rauskam. 

bb21: Du führst das Label Hirntot schon seit vielen Jahren. Was macht ein Label zu führen einfach und was schwierig?

Blokkmonsta: Einfach ist es vor allem dadurch, dass wir eine Einheit sind. Durch die ganzen Jahre sind wir mittlerweile ein eingespieltes Team, das wie eine Familie zusammenarbeitet. Das ist kein einfaches Mitarbeiterverhältnis, wo man nur so wenig wie möglich macht oder dergleichen sondern wahre Freundschaften. Dadurch können wir an gemeinsamen Visionen arbeiten, für die jeder 100 Prozent gibt. Das macht das natürlich einfach, ein Label wie Hirntot zu führen. Was es aber schwierig macht, ist die Organisation. Mittlerweile haben schon ein paar Kinder bekommen und müssen Familie und Arbeit unter einen Hut bekommen. Das ist nicht mehr wie früher, dass man nach der Schule nur Zeit für Mucke hat. Das dann noch mit mehreren Leuten hinzukriegen, ist manchmal eine große Herausforderung. Trotzdem haben wir es bisher gut gelöst.

 

bb21: Du führst eins der traditionsreichsten Deutschraplabels, eines mit der größten Vergangenheit und den meisten Releases. Heute seid ihr ein fester Bestandteil der Szene und gar nicht mehr wegzudenken. War das für dich schon am Anfang dein Ziel oder absehbar, dass das so ähnlich passiert?

Blokkmonsta: Ehrlich gesagt gar nicht, denn eigentlich wollte ich nur eine Plattform für mich und Uzi, um unsere Musik zu veröffentlichen. Frauenarzt und Manny Marc haben uns vorgestellt und zuerst war die Idee, unsere Musik über ihre Strukturen zu veröffentlichen, doch das hat uns zu lange gedauert, weil die beiden noch auf Tournee waren. Deswegen haben wir selbst gehandelt und Hirntot gegründet. Anfangs haben wir nur sehr kleine Auflagen unserer Platten machen lassen, doch die waren so schnell vergriffen, dass wir unser Hobby ernster genommen haben.

bb21: Die letzen Worte gehören dir! 

Blokkmonsta: Erstmal vielen Dank für das Interview. Hat mich sehr gefreut, denn du machst immer sehr spezielle Interviews. Mein Dank gebührt außerdem noch meinen Fans, denn 13 Jahre nach unserer Gründung sind wir immer noch am Start, was man über Optik Records, Bozz Music oder Deluxe Records nicht sagen kann, obwohl wir unglaublich viel Gegenwind bekommen haben. Der Staat ist gegen uns vorgegangen, die Polizei hat unzählige Durchsuchungen gestartet und unser Studio dabei auch schonmal komplett zerstört. Da ist eine Echokritik nichts dagegen. Auch in Zeiten, in denen wir sehr wenig Geld gemacht haben, unsere Alben indiziert wurden, haben wir trotzdem weitergemacht. Das ist auch eine Ansage an die Szene! Deswegen auch nochmal vielen Dank an unsere Fans, denn ohne ihren Support wäre all das nicht möglich gewesen.


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