Interview mit Apol

„Ein Modehype [kann] dir deine Identität rauben.“

Interview mit Apol
Interview mit Apol

Autor: Walter Schilling

 

 

Momentan ist Apol noch ein Geheimtipp. Das wird sich aber wahrscheinlich schon sehr bald ändern, denn dafür ist er einfach zu talentiert. Der Albaner, der in der Nähe von Nürnberg aufgewachsen ist, schafft es allein durch seine Flows und Skills zu überzeugen, ganz ohne Label, Hype oder Effekthascherei. Es geht bei ihm in erster Linie um das, was er mit dem Mikrofon kann, fast so wie in guten alten Jam-Zeiten. Dennoch sind seine Songs ein Momentum der Gegenwart und beileibe keine Ode an die Vergangenheit. Deswegen habe ich mich mit Apol in Berlin Mitte verabredet, um hier im Park, bei wohligen 28 Grad, über ihn und seine Musik zu sprechen.

bb21: Ist Apol auch dein richtiger Name oder lehnt er sich vielleicht an den griechischen Gott des Lichts an oder an etwas komplett anderes?

Apol: Weder noch. Das ist ein Akronym für „alles passt oder läuft“. Es gibt dazu auch die passende Single mit dem gleichen Namen. Aber mein echter Name ist Selmon.

 

bb21: 2016 hast du noch eine EP veröffentlicht. Mittlerweile veröffentlichst du aber nur noch Singles. Braucht man 2018 noch EP oder Alben als Untergrundkünstler oder ist sowas nur noch für Mainstream und Majorrapper interessant?

Apol: Das kann man nicht allgemeingültig sagen, aber ein Album braucht unglaublich viel Zeit und da sollte dann schon auch etwas bei rumkommen. Jeder hat natürlich seine ganz individuellen Ansprüche daran, aber ich möchte mit meinem Album Top 10 gehen. Es war schon als Kind mein Traum mit meinem Debütalbum so hoch zu charten. Heute arbeite ich daran und bin mir sicher, dass wir das erreichen werden. Jetzt werde ich aber erst einmal das Mixtape DIGGIDUWAIST rausbringen, das meine bisherigen Singles zu einem Longplayer bündelt und packe dann noch ein paar exklusive Lieder obendrauf. Nach diesem Mixtape werde ich aber noch dieses Jahr weitere Hits veröffentlichen.

bb21: 2018 sind Singles also viel wichtiger geworden als Alben?

Apol: Das Wichtigste ist raushauen. Die Leute wollen Musik hören und das muss man ihnen einfach geben. Mike Tyson sagte einst: „I f**k you till you love me.“ Genau diesem Prinzip folge ich. Für ein Album brauchst du erstmal Leute, die sich das anhören wollen. Von einem großen Künstler hört man sich natürlich die Alben an, weil man gespannt darauf wartet, was er für neue Songs hat. Aber bei einem Newcomer hat man doch mittlerweile gar keine Zeit mehr, die Songs wirken zu lassen. Wenn dir der erste Song nicht gefällt, checken viele schon nicht mehr den zweiten. 

 

bb21: So ein Album kann also etwas sein, in das man viel Energie reinsteckt, am Ende aber niemand wertschätzt.

Apol: Ach, lieber am Ende Single für Single pushen. Wenn sie dadurch dann jeden Monat etwas neues um die Ohren kriegen, haben alle doch was davon. Es ist 2018 und ich bin ein independent Artist, der niemandem Rechenschaft schuldet. Lasst mich doch diese Situation auskosten. Ich kann ohne Druck einfach machen, was gibt es besseres? Meine Jungs kochen ununterbrochen fette Beats, da muss ich drauf jumpen. 

bb21: Du rappst auf Rrugav auch auf albanisch. Hörst du selber auch albanischen Rap?

Apol: Natürlich höre ich auch albanischen Rap! Aber nicht nur Rap, ich höre verschiedenste albanische Musik. Ich arbeite mittlerweile auch schon mit Produzenten aus dem Kosovo zusammen, die zum Beispiel MC Kresha produzieren. Das wird auf dem nächsten Mixtape dann auch drauf sein. Ich werde da aber auch in Zukunft öfters albanisch rappen.

 

bb21: Aber der Kosovo ist doch ein so kleines Land. Wie willst du da denn eine große Tournee spielen?

Apol: Das unterschätzen viele, aber durch die Touristen ist während dem Sommer unheimlich viel los. Die guten Künstler spielen dort fast täglich den ganzen Sommer durch. Die Albaner haben dort auch ihren ganz eigenen Vibe, wodurch die Musik komplett eigen ist. Das ist zu krass dort. Das ist ein Land voller Talente! Man hört auch mittlerweile in vielen Shisha-Cafés in Berlin albanische Musik. Keiner versteht dort auch nur ein Wort, trotzdem feiern die das. Das ist krass.

„Mit SaruBeatz und Lil´A arbeite ich sehr eng zusammen und mittlerweile sind sie zu engen Freunden geworden.“

bb21: Was hat dich nach Berlin verschlagen? Du kommst doch eigentlich eher aus dem Süden Deutschlands. 

Apol: Ja, das stimmt. Aus Herzogenaurach um genau zu sein, was in der Nähe von Nürnberg ist. Dort bin ich aufgewachsen und habe schon sehr früh angefangen Mucke zu machen und bin dann immer häufiger zu verschiedenen Jams in Deutschland gereist. Dabei habe ich auch angefangen richtig Mucke zu machen und habe erste Tapes veröffentlicht, die auf lokaler Ebende große Welle gemacht haben. 

Anfangs bin ich noch viel zwischen Herzogenaurach und Berlin gependelt und habe in dieser Zeit viele Fotografen, Beat- und Video-Produzenten  kennengelernt, weswegen es dann einfach Sinn gemacht hat, nach Berlin zu ziehen, anstatt ständig hin und her zu pendeln. Es hat sich einfach ein richtiger Kreis entwickelt, mit lauter Jungs, die das gleiche Ziel verfolgen und zwar mit der Mucke durchstarten zu wollen!

 

bb21: Quasi den richtigen Oldschool-Style.

Apol: [lacht] Genau, ich habe meine Dues gepayed und vereine die Old- und die Newschool in mir [grinst].

bb21: Wie wichtig ist Mode für einen Rapper?

Apol: Schwierige Frage. Also ich kann da nur für mich sprechen und kann dir nur sagen, dass ich seit meinem 14. Lebensjahr nicht mehr den Style gewechselt habe. Ich bin schon damals in Jogginganzügen umhergelaufen und mach das noch immer. Früher wurde ich dafür noch ausgelacht, dass sehe asozial aus, doch heute läuft fast jeder so rum. Nur sind heute die Anzüge teurer geworden und obendrein bekomme ich sie noch gesponsert. Jetzt habe ich mehr Anzüge als ich tragen kann [lacht]. Aber ich würde Klamotten auch nicht überbewerten, letztendlich geht es dabei um dich und deine Persönlichkeit. Leider sorgen aber manchmal Hypes dafür, dass man sich seiner Identität beraubt fühlt. 

 

bb21: Wie meinst du das genau? Wie kann ein Hype dafür sorgen, dass du dich deiner Identität beraubt fühlst?

Apol: Schau mal, ich trage doch gerade meinen Geldbeutel um den Hals.

bb21: Richtig, das tun aber auch viele andere in der HipHop-Szene.

Apol: Genau das ist das Problem. Ich habe das schon vor Jahren gemacht, weil ich unglaublich oft mein Geld verloren habe. Deswegen habe ich irgendwann angefangen, mir meinen Geldbeutel um den Hals zu hängen, weil er in der Hosentasche auch stört und ich ihn deswegen nur selten bei mir hatte.

 

bb21: Dass das mittlerweile auch viele andere in der Szene machen, hat dich dann also gestört?

Apol: Richtig. Ich habe dann sogar eine zeitlang damit aufgehört, ihn mir um den Hals zu hängen, weil das schon zu viele gemacht haben. Genau das meine ich damit, wenn ich sage, dass ein Modehype dir deine Identität rauben kann. 

bb21: Lass uns wieder zurück zur Musik kommen. Wie laufen deine Produktionen ab? Du arbeitest mit verschiedenen Beat-Produzenten zusammen. Triffst du dich mit ihnen dann im Studio, um gemeinsam an den Songs zu arbeiten?

Apol: Mit SaruBeatz und Lil´A arbeite ich sehr eng zusammen und mittlerweile sind sie zu engen Freunden geworden, mit denen ich sehr engen Kontakt pflege. Wir halten das Ganze sehr familiär und arbeiten gerade daran, uns ein gemeinsames Studio aufzubauen, in dem wir unsere Vibes gemeinsam catchen können. 

 

bb21: Was planst du sonst noch für das Jahr 2018?

Apol: Also schon nach ein paar Wochen nachdem das Mixtape rauskommen wird, werden schon die Singles veröffentlicht, die das nächste Mixtape einläuten wird.

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Apol: Shotouts erst mal an die Gang. Die Jungs wissen Bescheid! Ansonsten checkt meinen Shit aus. Die einen werden früher darauf kommen, die anderen später. Es gibts kein „Vathun“!


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