Interview mit Dazzle

„Ich wollte den Vorschuss sofort wieder einspielen, wodurch die Leichtigkeit ein Stück weit verloren ging.“

Interview mit Dazzle
Interview mit Dazzle

Autor: Walter Schilling

Foto: Ferhat Topal

  

 

 

Seine Songs heißen Tourieladies, Party allein oder schlechter Einfluss, denn am liebsten reimt er auf „Erasmus-Jahr“ „Orgasmus, ja“. Auf seinem neuen Album Das wunderbare Leben von David N. paart Dazzle seine Berliner Schnauze mit seiner unbändigen Partyattitüde, wodurch gerade seine Videoclips ausgesprochen humorvoll, manchmal sogar verstörend sind. Dort sind nämlich unter anderem Katzen zu sehen, die einen Hund befriedigen, oder Affen, die einen Hund besteigen. Er ist definitiv frech und provoziert auch gerne. Selbst sein Label dürfte es mit ihm nicht leicht haben, schließlich hat er schon seit über fünf Jahren kein neues Album mehr veröffentlicht. Ob der nächste Langspieler wieder so lange auf sich warten lässt, erfahrt ihr in unserem Interview, das wir in einem Berliner Späti führten.

bb21: Du bezeichnest dich in deiner eigenen Facebookbiografie wie folgt: „Dazzle ist nicht gerade ein Wunschkind.“ Bist du tatsächlich so anstrengend?

Dazzle: Nein, gar nicht. Das war mal wieder so eine Schnapsidee von Filatow, unserem Pressetextschreiber und Regisseur von Beste. Der Pressetext ist auch schon etwas älter und damals war das so, dass ich mir sehr viel Zeit für mein damaliges Album gelassen habe. Das ist aus der Perspektive des Labels natürlich nicht wünschenswert und daher kam dann auch der Pressetext zustande. Ich glaube, den Text nehmen wir bald wieder raus.

bb21: Was nervt dich an Berlin? In Tut mir Leid rappst du über ein Gedankenspiel, diese Stadt zu verlassen. Hast du solche Wünsche des Öfteren?

Dazzle: Ich habe schon in Kamerun, Indien und Marseille gelebt und habe diesem Drang schon oftmals nachgegeben. Was mich an Berlin nervt, ist wohl das Gleiche wie bei allen anderen, die gerne mal weg wollen. Einfach mal dem Alltag entfliehen und sich vom Arbeitsstress lösen. Hin und wieder nervt mich auch einfach mal die deutsche Mentalität an sich.

bb21: Was meinst du mit der deutschen Mentalität?

Dazzle: In südlicheren Ländern ist man viel offener als hier und es werden dort unten auch seltener die Ellenbogen ausgefahren. Aber nicht nur die Mentalität ist hierzulande kälter, sondern auch die Temperaturen an sich [lacht].

 

bb21: Für den WDR hast du auch einen Heimatsong für Leverkusen geschrieben. Wie war das, für eine fremde Stadt sowas zu schreiben?

Dazzle: Es war schon ganz interessant. Ich hatte drei Tage Zeit, die Stadt mit einem Kamerateam zu erkunden, was den Charakter einer Reality Soap hatte. Ständig musste ich in die Kamera sagen, was ich jetzt mache und tun werde. Aber ich durfte dort frei entscheiden, was ich machen möchte und habe dann unter anderem das Stadion besucht. Musikalisch war das aber schon etwas ganz anderes als das, was ich sonst mache. Ich provoziere mit meiner Musik eigentlich sehr gerne, was in diesen Kontext aber nicht gepasst hat. Das war seriösere Musik. War aber auch mal ganz interessant. 

„Es kommen viele schöne Frauen nach Berlin, die sehr leichte Beute sind.“

bb21: In Anlehnung an deinen Song Tourieladies: Reizen dich Touristinnen tatsächlich?

Dazzele: Früher sehr, aber inzwischen habe ich eine Freundin. Jedenfalls ist das wohl der einzige Vorteil der Gentrifizierung. Es kommen viele schöne Frauen nach Berlin, die sehr leichte Beute sind. Wenn du in Kreuzberger bist, kannst du ihnen auch viele Orte zeigen und dann kommt eins zum anderen.

 

bb21: Dein Album heißt Das wunderbare Leben von David N. Ist dieses Leben tatsächlich von Partys und Frauen geprägt, wie man dort zu hören bekommt?

Dazzle: Wahrscheinlich schon. Aber mit diesem Album wollte ich vor allem Musik machen, die man sich zum Vorglühen anhören kann, dass man meine Songs auf YouTube anschaut, anhört und dann zur Party geht. Es soll die Leute zum Schmunzeln bringen. Natürlich mache ich mir auch über ernste Themen Gedanken, aber die finden eben auf Das wunderbare Leben von David N keinen Platz.

bb21: Du hast auf deinem Album viele große Hooks, mit sehr eingängigen Melodien. Mit wem hast du dieses Soundbild kreiert?

Dazzle: Ich habe das Album selbst produziert. Ich habe zuerst alles auf meinem Computer produziert, Hooks geschrieben und so weiter. Als ich dann soweit fertig war, habe ich meine Band darum gebeten, das alles nochmal einzuspielen, sodass wir den Sound, den wir später auf der Bühne spielen werden, auch schon auf der Platte haben. Letztendlich sind das also meine Kompositionen, die später von der Band eingespielt wurden.

bb21: Seit wann machst du deine Mucke mit einer Band?

Dazzle: Kurz nach meinem letzten Album. Das ist ja auch schon sehr lange her, ich glaube sechs Jahre oder so [lacht]. Jedenfalls haben wir anfangs für ein paar Shows zusammengearbeitet, aber irgendwann war das meine feste Band, mit der ich immer zusammengearbeitet habe. Irgendwann war dann auch klar, dass wir Das wunderbare Leben von David N genauso aufnehmen, wie wir es dann später auch live spielen werden. Ob das beim nächsten Album auch so wird, ist unklar. Für Das wunderbare Leben von David N war es aber genau das Richtige.

bb21: Du rappst ja tatsächlich schon eine Weile. Aber zwischen Schlechter Einfluss und dem neuen Album findet man nichts, obwohl dazwischen fünf Jahre liegen. Was hast du in der Zwischenzeit gemacht?

Dazzle: Ich habe nach Schlechter Einfluss einen fetten Vorschuss für das nächste Album bekommen, was mich aber ehrlich gesagt sehr unter Druck gesetzt hat. Ich wollte den Vorschuss sofort wieder einspielen, wodurch die Leichtigkeit ein Stück weit verloren ging. Irgendwann habe ich einen Schlussstrich gezogen und bin einfach mal einen Schritt zurückgetreten. Ich bin verreist und habe mal richtig gechillt. In all den Jahren habe ich nur dann Musik gemacht, wenn ich sie gefühlt habe und nicht, um Verträge einzuhalten. Ich hoffe, dass man diese Leichtigkeit auf meinem Album auch hören kann. Das wunderbare Leben von David N. ist quasi ein best of aus den vergangenen Jahren.

 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Dazzle: Das nächste Album wird nicht mehr so lange auf sich warten lassen und hoffentlich 2018 rauskommen [grinst]. 


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