Interview mit Ray Escobar - Esco Esco

„Ich muss schon sagen, dass ich wohl der Rapper in Deutschland bin, der am meisten gehatet wird.“

Interview mit Ray Escobar
Interview mit Ray Escobar

Autor: Walter Schilling

  

 

Ray Escobar löst mit seinem Rapstil schon fast einen Skandal aus. Die Szene scheint zweigeteilt zu sein, wenn es um seine Songs geht, schließlich hat er auf manchen Tracks genauso viele Disslikes wie Likes auf YouTube bekommen. Natürlich ist ihm das auch selbst aufgefallen, wie er bei unserem Skypegespräch erzählt: „Ich [bin] wohl der Rapper in Deutschland, der am meisten gehatet wird.“ Bei anderen Rapheads löst er dagegen große Begeisterung aus. Entweder liebt man ihn oder man hasst ihn. Ray Escobar lässt keinen Spielraum für etwas dazwischen. 

bb21: Über dich gibt es so gut wie keine Informationen. Wo kommst du überhaupt her?

Ray Escobar: Ich komme aus Kassel. Hier gibt es eine kleine Rapszene, die auch langsam überschwappt.

 

bb21: Du hast viele YouTube-Videos veröffentlicht, aber weder ein Mixtape noch eine EP. Findest du Alben überhaupt noch für die heutige Zeit angemessen?

Ray Escobar: Doch, ich finde, dass Alben und Mixtapes nach wie vor relevant sind. Ich selbst streue bislang meine Musik dagegen einfach und baller sie halt raus, ohne gleich dabei eine Box, Album oder EP verkaufen zu wollen. Ich habe eben ein krasses Output und wenn es die Zeit zulässt, dann mache ich immer Musik. Sobald dann ein Song fertig ist, drehen wir aus diesem Impuls auch schon das Video und stellen das recht schnell online. 

bb21: Was liebst du an Trap mehr als an Boombap? Du rappst schließlich gerne über langsame Beats mit den beliebten 808s.

Ray Escobar: Boombap war auch eine geile Zeit, keine Frage. Aber wenn man Bock hat, sich weiterzuentwickeln, dann sollte man Trap machen. Ich feier die Mucke bestimmt schon zehn oder acht Jahre und stehe darauf, Songs aus einem Gefühl zu machen. Ich lege dagegen nicht so viel Wert auf Doppelreime und solche Sachen. Natürlich habe ich eine menge Respekt vor diesen Rappern, aber meins ist das nicht. Mir macht es mehr Spaß, einfach ins Studio zu gehen, etwas zu flexen, sich totzulachen und dann einfach ein Video zu drehen. 

bb21: Wie läuft deine Zusammenarbeit mit Produzenten? Hast du da jemanden, mit dem du enger zusammenarbeitest oder pickst du deine Beats in diversen Internetportalen?

Ray Escobar: Ich höre mir da vieles im Internet an, denn dort gehts nunmal ab. Dort gibt es immer wieder geile Beats zu entdecken. Aber mittlerweile schicken mir auch immer mehr Leute Instrumentals zu, die ich mir anhöre. Ich muss gestehen, dass es sehr schwierig ist, meinen Geschmack zu treffen, weswegen ich mir auch umso mehr Beats anhören muss. Wenn ich aber mit den Produzenten ausführlicher über meine Vorlieben spreche, dann checken die schnell, was ich will, und schicken mir dann auch dementsprechend Beats zu. Bis auf die Freebeats, die ich aus dem Internet habe, sind das alles totale Untergrundproduzenten, mit denen ich in Kontakt stehe. Ich mache also beides: Arbeite mit manchen Produzenten etwas enger und suche aber auch in verschiedenen Internetportalen nach Beats.

 

bb21: Was hat es mit der Pablo Pablo Trap Saga auf sich?

Ray Escobar: Mit dieser Saga hat alles angefangen. Aber du kennst das vielleicht selber: Man hat sich irgendwann für einen Arbeitstitel entschieden, ist dann aber doch zu faul, sich vor der Veröffentlichung irgendeinen richtigen Namen auszudenken und belässt es eben bei diesem Arbeitstitel. Auf Pablo Pablo selbst bin ich deswegen gekommen, weil mein Kollege, mit dem ich die Videos drehe, eben auch Pablo heißt. Aber diese Saga ist mit dem neuen Jahr abgeschlossen. Für das Jahr 2017 probieren wir dagegen etwas Neues aus. 

„Ich lege dagegen nicht so viel Wert auf Doppelreime und solche Sachen.“

bb21: Was hat es mit Burrd auf sich?

Ray Escobar: Wir arbeiten einfach sehr impulsiv. Manchmal auch etwas zu schnell, doch meist sehr intensiv und detailliert. Weil es zu diesem Song so gut gepasst hat, haben wir aus dem Spaß heraus auch einfach noch ein bisschen Merch gemacht. Wer das auch feiert, darf sich gerne ein T-Shirt holen und wenn nicht, auch gut. 

 

bb21: „Wenn sie haten mach ich was richtig“, hast du vor kurzem gepostet. War das nur eine Floskel oder bestätigt dich Hass in deiner Arbeit tatsächlich?

Ray Escobar: Also ich muss schon sagen, dass ich wohl der Rapper in Deutschland bin, der am meisten gehatet wird. Gleichzeitig sind aber meine Supporter krass zusammengewachsen und es werden immer mehr, die mehr Musik von mir hören wollen. Letztendlich wird doch auch meist dann jemand gehatet, wenn er etwas durchstarten möchte. Deswegen habe ich diesen Post einfach mal gemacht.

bb21: Was planst du für dieses Jahr?

Ray Escobar: Ich merke schon, dass immer mehr Leute ein Album oder wenigstens eine EP von mir haben wollen. Aber ich weiß nicht, denn ehrlich gesagt, möchte ich meine Musik weiterhin einfach gleich raushauen. Vielleicht schaffe ich es, auch mal eine kleine Mini-EP zu machen, auf der ein paar Songs drauf sind. Aber ein Album? Sowas ist bei mir ehrlich gesagt nicht in Planung. Für ein solch großes Projekt braucht man auch immer sehr viel Zeit, die ich eben nicht immer habe. Ich möchte mich nicht so lange an einem Projekt aufhalten. Lieber baller ich die Musik gleich raus. 

 

bb21: Schreibst du dann überhaupt noch deine Texte auf oder sind das eher Freestyles die du in der Booth kickst?

Ray Escobar: Ich muss das schon einmal für mich aufschreiben, damit ich den Text mal vor mir habe. Das brauche ich einfach für mich. Das Schreiben selbst läuft aber meistens sehr schnell ab. Ich rappe dann den Text nur noch ein und kurz darauf wird auch schon an dem Video gearbeitet. Das geht bei mir alles sehr schnell, bam, bam, bam. 

 

bb21: Die letzten Worte gehören dir!

Ray Escobar:  Immer schön gucci bleiben. Esco Esco rich, god damn!


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