Interview mit Mo-Torres

„Danach war nur noch die Frage, wer diesem Song noch etwas Neues geben kann…“

Interview mit Mo-Torres
Interview mit Mo-Torres

Autor: Walter Schilling 

 

 

Mo-Torres, Rap, Köln und der 1. FC sind nicht voneinander zu trennen. Das weiß man nicht erst seit dem Track Liebe deine Stadt, den der Köllner zusammen mit Cat Ballou und Lukas Podolski produziert hat, sondern spätestens seit seinem vier Jahre alten Debütalbum Ambivalenz. Schon dort konnte der aufmerksame Hörer die große Leidenschaft spüren, die er für seine Heimatstadt übrig hat. Aber während er auf der besagten LP noch eher wie ein Rohdiamant wirkte, scheint er heute deutlich gereifter. Insbesondere das vergangene Jahr war ein ganz besonderes für ihn, in dem er sich auch musikalisch noch einmal steigern konnte. Jung us´m Veedel ist nicht nur zweifellos sein bisher bester Player, auch der Track Liebe deine Stadt gehört zu den emotionalsten Songs seiner Diskografie. Darum telefonierte ich mit Mo-Torres, um mit ihm über Rap, Köln und den 1. FC zu sprechen.

BB21: Du bist seit deinem elften Lebensjahr regelmäßig beim 1.FC Köln im Stadion. Wann kam Hip-Hop bei dir dazu? Das sind bei dir doch die beiden größten Leidenschaften in deinem Leben.

Mo-Torres: Rap höre ich seit The Eminem Show, das damals mein erstes Album war, das ich totgefeiert habe. Als zwei Jahre später Electro Ghetto rauskam, habe ich angefangen, Deutschrap zu hören. Aber selber zu rappen,  damit habe ich 2008 angefangen. Der Halbbruder von meinem Halbbruder hat mich dazu gebracht. Er hat eigentlich schon immer gerappt und auch ein kleines Homestudio gehabt. Irgendwann wollte ich eben auch mal einen Song aufnehmen, der aber rein gar nichts mit meinen musikalischen Ansprüchen von heute zu tun hat [lacht].

BB21: Wie ist das in der Kölner Ultra-Szene selbst? Wird dort viel Deutschrap gehört?

Mo-Torres: Keine Ahnung, das musst du sie schon selbst fragen. Ich bin zwar oft im Stadion, aber in erster Linie um das Spiel und die Atmosphäre zu genießen, nicht um mich dort zu connecten. Deswegen bin ich auch weiter oben, um auch einen besseren analytischen Blick auf das Spielgeschehen zu haben. Die Ultras sind dagegen eher weiter unten im Block, deswegen weiß ich nicht, ob dort jemand meine Musik hört.

BB21: Wie kam Liebe deine Stadt mit Lukas Podolski zustande?

Mo-Torres: Lukas und ich haben tatsächlich den selben Barbier, wodurch der Kontakt überhaupt zustande gekommen ist. Diesen Slogan „Liebe deine Stadt“ hatte Lukas schon lange im Kopf und wollte auch mal unbedingt was in dieser Richtung machen. Jedenfalls haben wir uns beim Barbershop auch getroffen und uns dort ausgetauscht. 

Ich habe anschließend auch die ganzen Strophen geschrieben. Danach war nur noch die Frage, wer diesem Song noch etwas Neues geben kann, eine große Atmosphäre transportieren kann. So kam dann Cat Ballou [Kölner Rockband, die vorwiegend auf Kölsch singt] ins Spiel. Für mich eine der wenigen Musiker, die auf Kölsch singen können, ohne dass es plötzlich ins Schlager geht.

 

BB21: Warum hat Podolski nicht einen ganzen Part auf dem Song gerappt? Hast du für ihn keinen 16er Parat gehabt?

Mo-Torres: Nein, er hat von Anfang an gesagt, dass er das lieber den Profis überlässt. Ich hätte ihn natürlich auch gerne rappen gehört, aber wenn er nicht will? Er weiß schon ganz genau, was er will, da muss ich mir auch keine Mühe machen, um ihn zum Rappen zu überreden.

 

BB21: Lass uns über den Titel selbst sprechen: Liebe deine Stadt. Was unterscheidet quasi einen Lokalpatrioten von einem Nationalsozialisten?

Mo-Torres: [lacht] Das letzte Mal als ich diese beiden Wörter in einem Satz gehört habe, musste ich mir schon an den Kopf fassen. Seine Stadt zu lieben, heißt, sie als Ganzes zu akzeptieren und zu nehmen. Damit sind auch die dreckigen Ecken gemeint, das Muli-Kulturelle und auch die Veedels. Das ist in Köln vielleicht etwas ausgeprägter als in anderen Städten, woran das aber liegt, kann ich dir nicht sagen. Das Ganze jetzt mit Nationalsozialismus zu vergleichen ist doch weit hergeholt. Ich weiß gar nicht, was ich zu diesem Vergleich sagen soll.

„Genau dafür sollte aber Fußball eben nicht stehen.“

BB21: Der 1. FC Köln könnte dieses Jahr dafür sorgen, dass sie zum ersten Mal nach 25 Jahren international spielen. Wie ist da deine Einschätzung, wie diese Saison noch enden wird?

Mo-Torres: Das war bis jetzt richtig geil und international zu spielen ist natürlich unglaublich. Aber da ist in Köln auch niemand böse, wenn es am Ende nur Platz 9 wird. Falls wir jedoch tatsächlich in der Europa League spielen werden, wird die ganze Stadt Kopf stehen! Da wird in Köln doppelt so viel los sein als auf dem Marienplatz, wenn Bayern München Deutscher Meister wird.

BB21: Leipzig gehört zu den erfolgreichsten Aufsteiger aller Zeiten. Ein anderer, tradtitionsloser Verein hat sich auch schon in der Bundesliga etabliert: Hoffenheim. Dagegen wird Hamburg vielleicht dieses Jahr zum ersten Mal absteigen. Wie siehst du den Wandel, den die Bundesliga aktuell erlebt?

Mo-Torres: Diese Entwicklung gefällt natürlich keinem Fußballromantiker, das ist klar. Was mich vor allem an RB Leipzig stört, ist, dass deren Erfolg einzig auf Herrn Mateschitz basiert. Dass dieser Verein auch noch alles überrennt, was sich andere Traditionsvereine jahrelang erarbeitet haben, die schon über 100 Jahre bestehen, ist auch sehr schade. Gleichzeitig zeigt es aber auch, wie Marketingrelevant Fußball geworden ist. Oftmals geht es hierbei eben nur um wirtschaftliche Interessen, wie man auch beim VfL Wolfsburg sehen kann, wo es auch um das Image von Volkswagen geht. Genau dafür sollte aber Fußball eben nicht stehen.

BB21: Wie sehen deine weiteren Pläne aus? Vor über einem halben Jahr kam ja Jung us`m Veedel raus. Was kommt als nächstes?

Mo-Torres: Ich hoffe, dass ich 2017 noch was Neues veröffentlichen kann. Ob es jetzt eine EP oder ein Album wird, kann ich noch nicht sagen. Ich möchte mich da jetzt auch noch nicht einschränken, sondern ganz frei daran arbeiten.

BB21: Die letzten Worte gehören dir!

Mo-Torres: Erstmal bedanke ich mich bei dir für das Interview. Außerdem bin ich auch sehr dankbar für das tolle Jahr 2016 und hoffe, dass 2017 mindestens genauso schön sein wird. Ich wünsch allen Lesern einen tollen Start ins neue Jahr und viele, gesunde Tage!


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