Interview mit Qunstwerk

„Eigentlich ist ein Volkslied doch nichts anderes als ein Evergreen.“

Interview mit Qunstwerk
Interview mit Qunstwerk

Autor: Walter Schilling

 

 

Vor fast genau einem Jahr erlitt die Band Qunstwerk einen äußerst schweren Schicksalsschlag, als ihr Drummer Stefan an seiner Krebserkrankung verstarb. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen macht die sechsköpfige Truppe einfach weiter und wird schon bald ihre neue Single Land in sich aus dem Album Volqslieder veröffentlichen. Dabei klingt dieses Album keineswegs depressiv oder hoffnungslos, sondern hat stets eine wohlwollende Grundstimmung. Denn ihr Ziel ist es, Evergreens zu schreiben, die das Potential haben, die „Volkslieder der Neuzeit“ zu werden. Darum skypten wir mit dem Sänger Ilber und ihrem Bassist Marc am späten Abend, um unter anderem herauszufinden, wie sie zu Genregrenzen stehen.

BB21: Eure erste Single heißt Land in sich. Was hat es genau mit diesem Land in sich drin zu tun?

 

Ilber: Man sehnt sich oftmals im Leben nach einem Rettungsanker, einer Sicherheit. Genau dafür steht eben dieses Land, wobei man diesen Rettungsanker oftmals in sich selbst trägt und gar nicht lange suchen muss. Dass man einfach mal in den Spiegel blickt und sagt: „Ok, der gefällt mir.“ 

 

Marc: Oftmals sieht man auch den Dorn im Auge des anderen, doch den eigenen Balken eben nicht. Es geht auch darum, zu schauen, welche Ressourcen man in sich trägt und nicht einfach nur nach außen schaut. Nicht immer nur auf die anderen schauen, sondern auch mal auf sich selbst.

BB21: Ihr seid eine sechsköpfige Band. Wie produziert ihr eure Songs? Das kann bei so vielen Leuten ja auch mal schnell im Chaos enden, oder?

 

Ilber: Hospo ist bei uns derjenige, der oftmals die Visionen und Ideen zu neuen Songs hat. Dabei hilft ihm Marc, der eben sehr viele Instrumente im Studio einspielen kann. Später schreiben dann Hospo und ich die Songtexte. Das läuft bei uns wie ein Zahnrad, wo alles ineinander greift. Dadurch sind die Songs auch ziemlich schnell fertig, sobald wir die Idee dazu haben.

 

BB21: Ihr spielt wahnsinnig viel live. Ihr selbst sagt, dass ihr schon über 200 gemeinsame Auftritte hattet. Was nervt euch mittlerweile am Tourleben und was feiert ihr nach wie vor?

 

Ilber: Grundsätzlich haben wir schon sehr viel Bock darauf, auf der Bühne zu stehen. Wir sind dort einfach richtige Raketen und es gibt dort nicht eine Minute, in der Ruhe herrscht. Diese Energie spüren natürlich auch die Zuschauer, wodurch wir gerade dort viele neue Fans für uns gewinnen konnten. Den Spaß, den wir haben, kommt beim Publikum an. Wir verstehen uns auch in der Band super, wodurch das eben so einen Charme einer Klassenfahrt hat. Die Arbeit, die im Hintergrund passiert, ist dagegen schon nerviger. Die ganzen organisatorischen und bürokratischen Aufgaben sind tatsächlich anstrengend und da würde ich lieber in der Badewanne chillen, als mich darum zu kümmern.

 

Marc: Auf der Bühne gibt es nichts, worauf ich keinen Bock hätte. Es sind wirklich immer nur die Dinge, die im Hintergrund ablaufen. Manchmal hat man auch mal keinen Bock auf die Proben oder lange Autofahrten zu den Auftritten. Aber deine eigenen Songs dem Publikum präsentieren zu können, macht immer Spaß!

BB21: Wie sehr achtet ihr bereits bei der Produktion darauf, dass eure Songs auch bühnentauglich sind?

 

Ilber: Unsere Songs haben immer eine positive Grundstimmung, was ich für sehr wichtig halte. Niemand hat doch wirklich Bock darauf, jemanden zuzuhören, der nur darüber singt, dass ihn seine Frau verlassen hat. Wir wollen darüber schreiben, was die meisten Menschen erlebt haben und sich darin wiederfinden können. Dann funktioniert auch der Rest.

„Dort haben wir auch die Trauer über den Tod unseres Drummers Stefan verarbeitet und ihm diesen Track gewidmet.“

BB21: Trotzdem habt ihr auch Songs auf eurem neuen Album, die auch eine traurige Atmosphäre haben.

 

Ilber: Ja, der Song Alles gut ist zum Beispiel einer davon. Dort haben wir auch die Trauer über den Tod unseres Drummers Stefan verarbeitet und ihm diesen Track gewidmet. Es war uns sehr wichtig, dass er auf dieser Platte auf diese Weise vertreten ist, denn er war und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Band und wird das auch für immer bleiben. Aber wie schon der Titel selbst sagt: Es ist alles gut. Die Atmosphäre ist zwar traurig, aber nicht negativ. Auch Freudenträne ist ihm gewidmet und diese Songs spielen wir auch tatsächlich mal live. Aber eben da, wo es passt. Vor kurzem hatten wir unser Jahresabschlusskonzert in Ulm, im gleichen Saal, wo auch das letzte Konzert mit Stefan war. Da musste der Song gespielt werden!

 

Marc: Die Songs haben wir aber noch nie auf einem Festival gespielt und werden das auch nicht. Das ist ein ganz persönlicher Song.

 

Ilber: Das ist übrigens auch das Schöne an unseren Konzerten. Wir variieren die Show und passen sie jeder Stadt an. Das macht es auch gerade für die Fans interessant, die uns hinterher reisen.

BB21: Wie habt ihr eure Texte für Volqslieder geschrieben? Helft  ihr euch dabei gegenseitig oder ist das dann ein Stück weit ein Battle?

 

Ilber: Nein, das ist überhaupt gar kein Battle. Wir schreiben die Texte auch fast immer zusammen. Natürlich verkriecht sich dabei jeder in eine andere Ecke, aber eben im gleichen Raum. Am Ende präsentieren wir einfach nur noch unsere Ergebnisse. Klar gibt es dabei Momente, in denen ich Hospo mal helfe oder er mir. Meistens nehmen wir die Songs auch noch am gleichen Tag auf, damit das Gefühl, dass wir beim Schreiben hatten, nicht verloren geht.

 

BB21: Wie ist die Stimmung bei euch während den Aufnahmen? Gerade bei den emotionaleren Songs ist es ja vielleicht nicht immer ganz einfach, eine gute Aufnahme zu kriegen, wenn viele Leute im Studio sind, oder? 

 

Marc: Bei Alles gut waren wir kurz nach seinem Tod im Studio und wollten einfach auch etwas ruhigeres produzieren und plötzlich war der Song fertig. Das ging sehr schnell. Grundsätzlich sind wir auch nie mehr als drei Leute im Studio. Manchmal auch nur zu zweit, weil wir dort auch viel Ruhe brauchen. 

BB21: Euer Album heißt Volqslieder. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist euer Anspruch, Musik für junge und alte Menschen zu machen. Quasi ein Volkslied.

 

Ilber: Eigentlich ist ein Volkslied doch nichts anderes als ein Evergreen. Ein richtiger Klassiker eben. Denn wenn das Volk entscheidet, dass das Lied gut ist, dann ist es auch ein Volkslied [grinst]. Das wollten wir mit der Platte erreichen und das ist uns auch ganz gut geglückt. Wir schreiben eben die Volkslieder der Neuzeit. 

Manchmal erfinden Musik-Journalisten neue Genres, machmal tun es die Künstler selbst wie in eurem Fall. Ihr nennt eure Musik nämlich Hip Soul. Warum Hip Soul?

 

Ilber: Wir haben uns eben dafür entschieden, das zu machen, was wir am besten können. Ich singe, Hospo rappt und die anderen können ihre Instrumente spielen. Mehr oder weniger zumindest [lacht]. Wir haben Rock, Pop, Rap und Reggae Elemente. Musik in dieser Form gab es zuvor noch nie. Mittlerweile werden wir auch als die Hip Souler angekündigt. Wir sind eben nicht die Rapper, aber auch nicht nur die Souler. Es ist auch wirklich schön, wenn man merkt, dass man ein eigenes Genre erschaffen kann. 

 

Die letzten Worte gehören euch! 

 

Marc: Am 16.12.16 kommt unsere neue Single Land in sich raus. Wenn euch das gefallen hat, dann holt euch unser Album, das am 03.03.17 rauskommen wird. Hört rein und entscheidet selbst, ob es euch gefällt.


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