Interview mit Johnny Rakete

„Ich habe auf der Uni so viele richtig dumme Menschen kennengelernt, die genau das machen und dort deswegen sehr erfolgreich sind.“

Johnny Rakete Interview - Peng Peng
Johnny Rakete Interview - Peng Peng

Autor: Walter Schilling

Foto: Timo Milbredt 

 

 

Johnny Rakete macht seine Songs für Musik-Liebhaber, denn er geht an seine Projekte stets mit einem großen Maß an Detailverspieltheit und Hingabe ran. Das erklärt auch, warum er schon seit über drei Jahren Mucke veröffentlicht, doch nie in Massen. Bisher sind nämlich nur vier Tapes von ihm erschienen, von denen keiner eine längere Spieldauer als eine halbe Stunde hat. Dafür sind sie aber ausgesprochen originell und haben einen ganz eigenen Charakter. Er gehört eben zu einer fast ausgestorbenen Sorte von Rappern, die nur dann Tracks veröffentlicht, wenn sie auch voll und ganz dahinter stehen können. Frei nach dem Mott: Lieber eine geile EP als ein schlechtes Album. Anlässlich seines Mini-Mixtapes Peng Peng skypten wir mit dem Fürther. 

BB21: Dein Mini-Mixtape hat fünf Songs, jeder davon wurde von einem anderen Produzenten gemacht. Das war das reinstes Beat picken, oder?

Johnny Rakete: Es ist eben ein Mixtape [lacht]. Ich habe bislang hauptsächlich mit Hawk One oder Meister Lampe gearbeitet, was aber nicht heißt, dass mir nicht auch andere Produzenten mal Beats zuschicken. Ich bin auch mit vielen anderen Beatmakern befreundet und dadurch komme ich eben auch mal in den Genuss von anderen Instrumentals. Da wollte ich es mir nicht nehmen lassen, auch mal solch ein Mixtape zu veröffentlichen.

 

BB21: Du hast in der Vergangenheit mal gesagt: „Ein Rapper, ein Produzent. Ich finde es immer schön, wenn man ein Album durchhören kann und es einen einheitlichen Sound abbildet. Das ist bei mehreren Produzenten ja viel schwieriger.“ Was denkst du heute darüber, da du auf Peng Peng mit fünf verschiedenen Produzenten gearbeitet hast?

Johnny Rakete: Man könnte natürlich sagen, dass der rote Faden auf Peng Peng Boombap ist, denn das haben dort ja alle Songs gemeinsam. Aber letztendlich sind das alles auch Songs, die ich einfach rausgeschossen habe, deswegen auch der Titel. Ich habe mir auch viele Gedanken darüber gemacht, wie das da draußen ankommen wird. Das ist ja schon ein ganz anderer Release als der Vorgänger Das Leben das Universum und der ganze Rest. Aber letztendlich entscheidet das der Hörer doch sowieso für sich und daher habe ich Peng Peng einfach veröffentlicht. 

BB21: Im Pressetext zu Peng Peng EP heißt es: „Eine neue VÖ steht in der Pipe. Ein Mixtape. Fünf Songs. Fünf Produzenten. Eine Rakete.“ War das womöglich eine kryptische Ankündigung auf ein längeres Mixtape oder war das einfach nur auf dein Mini-Mixtape bezogen?

Johnny Rakete: Nein, das sollte keine kryptische Ankündigung werden und bezieht sich einfach nur auf Peng Peng. Aber tatsächlich arbeite ich gerade mit jemanden an einem neuen Projekt. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen. Wer mich schon länger verfolgt, kann sich eigentlich schon denken, was das wird. 

 

BB21: Vor 2013 kam deine erste EP raus und seit dem kommt jedes Jahr eine neue EP von dir raus. Warum so wenig? Nimmst du dir fürs Rappen nicht so viel Zeit?

Johnny Rakete: Das könnte man fast denken [lacht]. Es gibt ja viele Rapper, die jedes Jahr ein neues Album und dazwischen noch ein Mixtape veröffentlichen. Ich schreibe aber meine Texte auf eine Art und Weise, die es gar nicht zulässt so viel Musik zu veröffentlichen. Ich nehme mir nämlich dafür sehr viel Zeit und arbeite dabei an vielen Details und überarbeite die Texte mehrmals. Ich schreibe auch nur dann, wenn ich in der Stimmung dafür bin. Dadurch passiert es, dass ich mal einen Songtext in einer Stunde geschrieben habe, manchmal braucht sowas dann aber auch mal einen ganzen Monat. Der liegt dann auf dem Tisch und wird immer mal wieder vorgeholt.

„Man könnte natürlich sagen, dass der rote Faden auf Peng Peng Boombap ist, denn das haben dort ja alle Songs gemeinsam.“

BB21: Wie war eigentlich dein Praktikum bei Puls? Du hast darüber selbst gesagt, dass es für dich das erste Mal war, dass du ein geregeltes Leben geführt hast.

Johnny Rakete: Ja, ich musste sonst noch nie zuvor so ein geregeltes Leben führen. Nach der Schule ging es ja gleich mit der Uni los und dort war es jetzt auch nie wirklich stressig für mich. Zumindest nicht in meinem Studium, was aber auch an mir liegen könnte [lacht]. Schon seit der Schulzeit mache ich mir selbst wenig Stress und habe deswegen eben auch nie dieses 9 to 5 erlebt und wollte mir mit diesem Praktikum auch beweisen, dass ich das kann. Es war sehr interessant dort einzutauchen, aber letztendlich fühle ich mich nur noch mehr bestätigt, davon Abstand zu nehmen. Ich habe nämlich in diesen drei Monaten keine Mucke machen können, weil man nach so einem Arbeitstag einfach nur noch chillen möchte.

 

BB21: Hast du auch mal neben der Schule oder der Uni gejobt?

Johnny Rakete: Nein, wenn man es so sehen möchte, ist jetzt Rap mein kleiner Nebenjob, der mir ein bisschen Kohle einbringt. Davon abgesehen bin ich einfach ein sehr sparsamer Mensch. Ein oder zwei Mal im Jahr gehe ich mir mal ein paar neue Klamotten holen, aber ich brauche nicht ständig irgendwelche neuen Sneaker und kaufe mir auch nicht immer wieder neue Computer-Games. Von daher komme ich auch ganz gut mit wenig Geld klar.

BB21: Das Praktikum hast du in München gemacht, wobei du aus Fürth kommst. Wie war das in einer Stadt aufzuwachsen, in der es eigentlich keine große Rapszene gibt?

Johnny Rakete: Durch das Internet hat es mich eigentlich nie besonders eingeschränkt. Früher musste man ja wirklich zu Konzerten gehen und hoffen, dass du von Leuten aus der Szene entdeckt wirst. Womöglich waren Leute von Magazinen oder von Labels vor Ort. Aber heute kann man seine Lieder auf Soundcloud hochladen und wenn es fett ist, werden früher oder später auch schon die ersten Blogger darauf aufmerksam, die den Stein ins Rollen bringen. Außerdem hat sich in den letzten Jahren auch viel in Fürth getan. Denn sowohl die Rapszene selbst als auch das Drumherum wächst hier.

 

BB21: Du hast vor kurzem in einem Facebook-Post geschrieben, dass du auf die Uni keinen allzu großen Wert legst, weil man dort mehr auswendig lernt, als eigenständig Aufgaben zu lösen oder zu diskutieren. Findest du, dass unser Studiensystem mangelhaft ist?

Johnny Rakete: So eine pauschale Frage ist schwierig. Da haben sich schon ganz andere Leute als ich den Kopf darüber zerbrochen. Leute, die das System auch wirklich kennen. Deswegen kann ich auch nur für mich persönlich reden und nicht über das ganze System. Womit ich aber tatsächlich ein großes Problem habe, ist, dass es viel zu oft nur darum geht, irgendetwas auswendig zu lernen und genau das wiederzugeben. Nicht einmal in einem anderen Wortlaut, denn vielen Professoren ist es sogar wichtig, dass man sie zitiert. Wenn nicht, werden Punkte abgezogen. Ich habe auf der Uni so viele richtig dumme Menschen kennengelernt, die genau das machen und dort deswegen sehr erfolgreich sind. Aber schlau sind sie eben nicht.

 

BB21: Die letzten Worte gehören dir! 

Johnny Rakete: Puh, für irgendwelche schlauen Sätze, habe ich schon viel zu viel geraucht [grinst]. 


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