Interview mit King Keil

„So einzigartig hat über das Thema noch nie jemand auf einem ganzen Album gerappt.“

King Keil Interview - Big Bong Theorie
King Keil Interview - Big Bong Theorie

Autor: Walter Schilling

 

 

 

Seine Diskografie liest sich fast wie ein Marihuanaroman: Tha Greentape, Der Dopebaron oder jetzt das neueste Werk Big Bong Theorie. King Keil macht keinen großen Hehl daraus, dass er ein leidenschaftlicher Kiffer ist. Man trifft ihn auf Hanfmessen oder im Headshop und selbst traditionelle Hanfzeitschriften wie grow! berichten über ihn. Vermutlich findet man THC bereits in seinen Chromosomen. Während man sonst dem Thema eher ein oder zwei Songs widmet, hat er auf Albumlänge nur diesen einen Inhalt: Weed. Auch in unserem Interview ging es vorzugsweise darum, aber nicht ausschließlich. Denn neben Gras sprachen wir bei unserem Telefonat auch über traditionellen Rap und Comics.

BB21: Du hast dich dazu entschieden, Big Bong Theorie mit traditioneller Rap-Musik zu unterlegen. Warum genau Boombap ohne 808’s und Auto-Tune?

King Keil: Ich werde nach Big Bong Theorie eine kleine EP mit dem Namen Blütenstaub veröffentlichen, die dann auch in Richtung Trap gehen wird. Aber auf Big Bong Theorie habe ich ganz bewusst darauf verzichtet, weil ich ein ganz klassisches Rap-Album machen wollte. Aktuell gibt es ja schon viele 808-Songs. Natürlich habe ich auch Bock darauf, aber nicht auf diesem Album. Ich wollte diese Sounds nicht miteinander vermischen. 

 

BB21: Auf fast jedem deiner Alben hast du dir ein Feature mit einem Ami-Rapper aus der alten Schule abgecheckt. Diesmal Planet Asia. Ist das auch ein Stück weit ein Muss für dich?

King Keil: Ja, das sind Kindheitsträume, die ich mir erfülle. Auf Big Bong Theorie habe ich nur einen einzigen Song mit einem Ami-Feature platziert, weil die Leute in der Vergangenheit öfters gemeckert haben, dass ich so viele Ami-Features habe. Deswegen wollte ich auch für meine Fans ein Album veröffentlichen, auf dem es nur ganz wenige Features gibt und eben ein richtiges Soloalbum ist. Jetzt also nur Killah Priest und Planet Asia auf einem Track. Mit Priest, der auch ein Rapper ist, der immer Bock hat zu rappen, bin ich ja schon eine lange Zeit befreundet. Als ich ihm den Beat geschickt habe, war auch Planet Asia bei ihm, der dann auch einen 16er darauf gespittet hat. Ist echt geil geworden!

BB21: In FFM History und Haschplattensound widmest du dich Frankfurt und zeigst dort viel Liebe für die Stadt. Was macht sie für dich so besonders?

King Keil: Frankfurt hat schon seit jeher den rohesten Straßensound in Deutschland. Dort wird Rap auch schon seit vielen Generationen gelebt. Dort gibt es sowohl junge Rapper wie Celo & Abdi und Haftbefehl, aber auch ältere wie Azad oder Tone. Deswegen ist die Stadt - neben Hamburg und Berlin - auch Deutschlands Flaggschiff was guten Rap betrifft. Auch der hessische Slang ist etwas ganz eigenes. Wenn man sich mal die alten Alben von Tone oder mir anhört, wo dieser Slang gut zu hören ist, erzeugt das einen ganz eigenen, tollen Charme. 

 

BB21: In deinem Pressetext zu Big Bong Theorie steht: „Das erste komplett aus Weed-Rap bestehende Deutschrap Album ist da.“ Wie unterscheiden sich deine Kiffersongs auf BBT zu den deiner Kollegen? Es gibt ja schon diverse Kiffersongs in Deutschland.

King Keil: Na klar. Es gibt hier auch echt coole Weed-Rapper, die ich feier. Herzog ist wohl aktuell der bekannteste Weed-Rapper in Deutschland, wobei er - wie eigentlich auch alle anderen - auch über viele weitere Themen rappt. Gerade Herzog rappt zum Beispiel auch viel über MDMA oder Meskalin. Ssio dagegen rappt auch viel über Frauen. Big Bong Theorie ist aber wirklich ein reines Weed-Rapalbum geworden. Es gibt nur den Song FFM History, der mehr auf Frankfurt bezogen ist als auf Weed. Ansonsten geht es auf diesem Album nur um Weed, Bongs, Grassorten und so weiter. So einzigartig hat über das Thema noch nie jemand auf einem ganzen Album gerappt.

 

BB21: Wie wirst du denn dann in Zukunft an deine Weed-Songs rangehen, wenn du das Thema schon dermaßen ausgereizt hast?

King Keil: Es passiert ja auch viel in der Szene, weswegen es da nie langweilig wird. Jetzt kommt ja langsam die Vaporizer und das Dabben nach Deutschland. Auf der Hanfmesse in Wien habe ich letztens sogar einen Sublimator geraucht. Dabei überspringen die Kräuter beim Heißmachen einen Aggregatzustand. Das kann man sich vorstellen wie Bongrauchen mit einem Vaporizer. Deswegen wird es auch immer etwas Neues geben, über das ich rappen kann. Schau dir doch auch mal Cypress Hill an. Die rappen schon fast 30 Jahre lang nur über Gras und trotzdem ist jeder ihrer Songs anders. So wie Kanye West noch immer an The Life of Pablo arbeitet, arbeite ich nach wie vor an dem perfekten Weed-Album.

 

BB21: Nachdem ich dein Album gehört habe, stellt sich mir schon die Frage: Wie viel Kohle gibst du im Monat für Weed aus? Da kommt doch einiges bei dir zusammen.

King Keil: Ich rauche im Schnitt zwischen drei bis vier Gramm am Tag. Da kommen schon ein paar Euros zusammen. Aber ich habe auch viele Sponsoren, die mich da unterstützen. Aber so wie andere Leute einen Whisky-Schrank haben, sammle ich meine Grassorten. Im Schnitt sind bei mir so 12 oder 13 verschiedene Sorten da, die auch geschmacklich immer sehr nice sein müssen. 

„Das Beste wäre doch, wenn Leute kleine Cannabisclubs eröffnen und dort das Weed genießen.“

BB21: Hast du an dieser Stelle auch einen Tipp an die Züchter?

King Keil: Wichtig ist, dass ihr zwei Wochen bevor ihr eure Blüten erntet, die ganzen Pflanzen nochmal ausspült. Sonst habt ihr am Ende noch irgendwelche Düngerreste an der Pflanze.  

 

BB21: Soll Weed deiner Meinung nach in Deutschland illegal bleiben?

King Keil: Kush Daddy Kane hat mal eine lustige Line gerappt: „Wenn Cannabis legal wird, hat er keinen Job mehr.“ [lacht] Auf der anderen Seite ist das natürlich schon sehr gut, wenn es entkriminalisiert wird, weil dadurch der Scheiß, den man manchmal auf der Straße kriegt, wegkommt. Außerdem ist das auch ein echt krasser finanzieller Aufwand, den man doch für etwas Besseres ausgeben kann. Vielleicht Hanfplantagen für Krebspatienten. Aber wenn man sich anschaut, wie teuer Gras in Holland ist, dann weiß ich nicht, ob ich das möchte. Die schlagen schon eine enorme Steuer auf Hanf drauf, die mir viel zu hoch ist. 17 oder 18 Euro für ein Gramm gutes Kush? Das ist doch unverschämt! Das Beste wäre doch, wenn Leute kleine Cannabisclubs eröffnen und dort das Weed genießen. Das wird dann auch in irgendeinem Save eingesperrt, sodass man da nicht mehr einfach ran kommt. 

 

BB21: Während der Promo zu deinem letzten Album Dopebaron platzte dir irgendwann ein Stück weit der Kragen, weil du von vielen Hip-Hop-Medien kaum Beachtung bekommen hast. Dazu hast du einen ausführlichen Facebookpost veröffentlicht. Auf Big Bong Theorie widmest du dem noch ein paar Zeilen, aber von der damaligen Wut ist nichts mehr zu hören. Stehst du mittlerweile darüber?

King Keil: Da haben ein paar Medien ihren Support zugesichert, aber am Ende dann doch lieber über den Freund eines Freundes, der einen Rapper kennt, berichtet. Die behaupten zwar, dass mein Video nicht gut genug für sie wäre, um es über ihren Kanäle zu verbreiten, aber die verbreiten teilweise richtig schlechtes Zeug, auf dem 3 Standbilder zu sehen sind. Mein besagtes Video hatte über 160 Schnitte! Sowas regt mich dann auf, wenn über Rapper berichtet wird, die zwar schlecht rappen, aber mit irgendwelchen guten Rappern befreundet sind. 

BB21: Fandest du, dass Dopebaron nicht den verdienten Respekt bekam?

King Keil: Es gab zu diesem Album nicht eine einzige Review. Schau mal, ich mache meinen Shit komplett independent und mache einfach qualitativ hochwertige Musik. Ich stecke dort viel Zeit, Energie und auch manchmal Geld hinein. Es gab doch zuvor auch noch keinen deutschen Rapper, der so viele Ami-Features wie ich hatte. Da ist es doch traurig, dass ich nur deswegen nicht bei vielen Portalen stattfinde, weil ich nicht auf dem Label XY gesignt bin. Dass mir irgendwann der Kragen platz, ist doch legitim. Aber trotzdem würde ich auf keinem Song irgendeinen Journalisten dissen. 

 

BB21: Aber genau das passiert momentan immer wieder. Aktuellstes Beispiel ist gerade Sido, der Falk Schacht disst.

King Keil: So wie es Rapper gibt, die sich viel zu ernst nehmen, gibt es auch Journalisten, die sich ganz wichtig fühlen. Ich finde es auch komisch, wenn Journalisten ihre ganz eigene Facebook-Fanpage haben. Es geht doch um die Community und das Portal. Da ist es irgendwie merkwürdig, wenn der Journalist ein größerer Star ist als der Rapper. Es gibt natürlich auch krasse Typen wie zum Beispiel Tim Westwood. Aber der twittert auch nicht ständig über Rapper, die er schlecht findet, sondern supportet einfach das, was er liebt. Das ist schon eine ganz andere Herangehensweise. 

 

BB21: Bist du eigentlich auch so ein großer Comic-Fan, wie es den Anschein macht? Du hast nämlich schon viele Comic-Videos veröffentlicht.

King Keil: Ich bin tatsächlich ein krankhafter Comic-Nerd. Wobei ich das mittlerweile gut im Griff habe und nur noch knapp 100 Hefte von Spawn besitze. Ich schreibe auch die Storyboards zu den Videos selbst. Jedenfalls hat mich das Video zu House of Flying Daggers von Reakwon total geflasht. Das hat mich dazu inspiriert, auch mal ein Comic-Video zu machen. Mit den drei Songs Dopebaron, Takeover und Kopf des Kartells habe ich zusammen ein elf-minütiges Comic-Video. Ich kenne auch niemanden in Deutschland, der so geile Comic-Videos wie ich veröffentlicht. Baba Saad hat ja mal zum Beispiel auch sowas veröffentlicht. Aber ohne ihn diskreditieren zu wollen: Das war furchtbar.

 

BB21: Die letzten Worte gehören dir!

King Keil: Am 28.10. kommt mein Album Big Bong Theorie raus. Das ist reiner Weed-Rap auf 18 Songs verteilt. Checkt das Album aus und danke für das Interview.


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