Felix Krull - Kitsch

Albumkritik / Review

Autor: Walter Schilling

 

 

Mittlerweile veröffentlicht Felix Krull schon seit über fünf Jahren regelmäßig neue Musik und hat bislang die Hip-Hop-Szene noch nicht von sich überzeugen können. Wird ihm das nun mit seinem neuesten Album Kitsch gelingen? 

Die Kunstfigur Felix Krull erinnert zuerst einmal leicht an Kollegah, der es eben auch nicht lassen kann, von diversen Luxusgütern zu sprechen, wie zum Beispiel auf Felix’ Song Schnellibestelli, auf dem er rappt: „Die Karre ist zu teuer, doch ich kauf sie. Zigarren sind auch teuer, doch ich rauch sie.“ Wie sein Vorbild Kollegah nimmt dabei auch Felix den Charakter einer überaus arroganten Person ein und inszeniert sich als Übermensch. Doch schon beim ersten Hören des Albums wird einem der größte Unterschied zwischen Felix und Kollegah auffallen: Die Reimketten. Denn anstatt sich von Reim zu Reim zu hangeln, sieht der Münchner das Ganze deutlich lockerer und hat auf „Woche“ „koche“ parat. Im Song Realtalk reicht auf „Picasso“ sogar „und so“. 

Aber nur, weil er es mit den Reimen nicht so genau nimmt, heißt das ja noch lange nicht, dass gleich alles schlecht ist. Schließlich gab es schon viele tolle Alben, die mehr durch eine unheimlich glaubwürdige Attitüde geglänzt haben als durch die Raptechnik. Aber genau da muss Mister Krull auch noch eine Schippe drauflegen.

„Einem guten Schauspieler merkt man seine Rolle schließlich nicht an.“

 

Denn sowohl auf dem gesamten Album als auch auf seinen Vlogs merkt man, dass er versucht, jemand zu sein, der er nicht ist. Einem guten Schauspieler merkt man seine Rolle schließlich nicht an. Vor allem in diesem Video verspürt man relativ schnell Fremdscham. Das wird - so viel kann man an dieser Stelle verraten - auf Kitsch nicht besser. Auf einem Song ist dieser Fremdschamfakor besonders hoch: BlaBlaBla. Auf eine ausgesprochen peinliche und unlustige Art und Weise rappt er dort schlecht über Frauen. Es steckt dort weder Wortwitz noch irgendeine gesellschaftliche Kritik drin, sondern einfach nur Abneigung gegenüber dem weiblichen Geschlecht. „Wenn du willst, dass ich nett bin, sei einfach leise. Du faselst den ganzen Tag einfach nur scheiße.“ Was an Bars wie diesen so besonders unterhaltsam sein soll, wurde noch nicht geklärt. Genau so wie der Grund für die Verachtung, die Felix Krull gegenüber Frauen hegt. Doch www.lebenshilfe-abc.de liefert eine mögliche Antwort, denn dort heißt es: „Hinter Verachtung können sich große Selbstunsicherheit und Selbstabwertung verbergen. Um sich vor einer möglichen Ablehnung zu schützen, begegnet man dem anderen vorneweg schon gleich mit Verachtung.“ Aha. Aber war bestimmt alles nur Spaß und Felix hat das alles ganz anders gemeint. 

Der einzige Höhepunkt des gesamten Albums ist das Lied Cäsarenwahn, denn nur dort spürt man so etwas wie eine Liebe zum Detail. Vom Stimmeinsatz bis hin zu den Bars ist ein gut durchdachter Song, der gute Unterhaltung bietet - besonders für pubertierende Jungs. Doch leider war es das schon, was das Album an guten Momenten zu bieten hat.


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