Jazz-Rap

Jeden Schilling Wert! (Kolumne)

Autor: Walter Schilling

Foto: Kevin Simpson

 

 

 

Die Symbiose zwischen Rap und Jazz existiert fast so lange wie Rap selbst. Denn schon die ersten DJ’s in der Bronx unterlegten ihre Raps mit Jazz-Breaks. Aber wirklich zum Rollen kam dieser Stein erst durch MC Guru und DJ Premier, die auch als das Duo Gang Starr bekannt sind. Mit ihrer Kombination aus Jazzsamples und Rap konnten sie mit dieser Art von Musik zum ersten Mal die Charts dominieren und ein großes Publikum für sich gewinnen - und zwar international! Bis heute noch versuchen viele talentierte Musiker diesem Subgenre etwas neues hinzuzufügen.

Der Legende zufolge war die allererste Jazz-Rap-Platte von der recht unbekannten Band Cargo, die aber wieder schnell in Vergessenheit geriet. Vielleicht konnten sie auch nie wirklich jemanden mit ihrer Musik begeistern. Das schaffte jedoch Gang Starr und kurz danach war Jazz nicht mehr von Rap zu trennen. De La Soul oder gerade A Tribe Called Quest  haben sehr erfolgreiche Hip-Hop-Platten veröffentlicht, in denen Jazz ein wichtiger Bestandteil war. Natürlich haben all diese genannten Künstler - mit Ausnahme von Cargo - wohl nie explizit Jazz-Rap machen wollen, sondern suchten viel mehr neue und frische Samples und wurden im Jazz fündig. Diese Herangehensweise könnte der ausschlaggebende Grund für den Erfolg von A Tribe Called Quest und De La Soul gewesen sein. Denn nach ihnen ist lange Zeit niemand mehr so erfolgreich mit dieser Art von Musik gewesen. Nicht einmal dann, als richtige Jazz-Ikonen wie Miles Davis sich an die Fusion von Jazz und Rap gemacht haben. Aber genau das ändert sich momentan bzw. hat sich schon geändert. Denn Kendrick Lamar ist mit To Pimp A Butterfly eine Platte gelungen, die weltweit eine gigantische Resonanz erreichte. Aber auch Chance the Rapper und Anderson .Paak haben es mit ihren Jazz-Einflüssen sowohl in den Feuilleton als auch in den Mainstream geschafft. Wir reden hier auch wirklich von einem internationalen Phänomen, denn sowohl deutsche als auch amerikanische Hip-Hop-Magazine feiern diese Künstler unabhängig voneinander. Wobei an dieser Stelle natürlich gesagt werden muss, dass die Rapper hierzulande noch nicht wirklich tief in diese Materie eingedrungen sind. Das könnte natürlich daran liegen, dass Jazz in Deutschland nie wirklich populär gewesen ist - erst recht nicht so groß wie in Amerika. Da ist es irgendwie ganz natürlich, dass es auch eher die Musiker von der anderen Seite des Ozeans sind, die sich dieser musikalischen Ausrichtung widmen.

 

„Das könnte natürlich daran liegen, dass Jazz in Deutschland nie wirklich populär gewesen ist - erst recht nicht so groß wie in Amerika. “

 

Wobei es aber schon seit jeher ein paar deutsche Querulanten gab, die mit Jazz-Rap um die Ecke kamen. Allen voran die Jazzkantine, die aber eher einer Alt-Herren-Truppe ähnelt, die regelmäßig eine Senioren-Kaffeefahrt unterhält, als richtigen Vollblutmusikern, mit dem gewissen Händchen für Klänge. Der Prouduzent Superior oder auch der Rapper Eloquent konnten dagegen wirklich gelungene Jazz-Rap-Platten veröffentlichen. Trotzdem ist die Szene nach wie vor sehr klein. Doch das könnte sich noch in diesem Herbst ändern. Denn der Stuttgarter Rapper Marz hat bereits ein neues waschechtes Jazz-Rap-Album veröffentlicht. Hieran haben neben seinem Produzenten Kova auch noch die vierköpfige Jazzband Bixtie Boys gearbeitet. Mit Love 2 hate ist womöglich auch die melodischste Platte aus diesem Subgenre überhaupt entstanden: zumindest hierzulande. Nina Fiva Sonnenberg könnte dem sogar noch einen draufsetzten, denn sie veröffentlichte ein Album mit der Band JRBB, die aus ganzen 40(!) Musikern besteht. Dort wird sie ihre alten Songs neu interpretieren. 

 

 

Dieser Herbst könnte sich als eine sehr bedeutsame Jahreszeit für das kleine Subgenre Jazz-Rap herausstellen, denn vielleicht können Marz, Nina oder Chance the Rapper dafür sorgen, dass diese Szene nochmal einen großen Schub an Vitalität gewinnt.

 


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