Karriererückblick mit Afrob

„Eigentlich müsste ich einen Echo für mein Lebenswerk bekommen [grinst].“

Autor: Walter Schilling

 

 

Wir blicken gemeinsam mit Afrob auf seine 17-jährige Rapkarriere zurück indem wir zum Interview sämtliche Soloalben von ihm mitbrachten. Sechs verschiedene Langspieler, die jeweils ihre eigene Geschichte haben. Jeder einzelne von ihnen kam beim Publikum anders an und hat auch das Leben des Künstlers ein Stück weit beeinflusst. Fast kein anderer Rapper hat so viele Hits wie er veröffentlicht und mit Push ist ihm ein unmöglich geglaubtes Comeback gelungen. Es gibt wohl kaum jemanden, der solch eine bewegte Karriere wie er hat und letztendlich gibt es auch keinen zweiten Rapper wie ihn. Umso interessanter ist es, mit ihm zusammen zurückzuschauen.

Hammer

BB21 legt ihm sein Album Hammer aus dem Jahr 2005 vor.

 

Afrob: Das ist ein cooles Album geworden, das leider wie ein Sampler wirkt. Da fehlt nämlich ein roter Faden. Trotzdem ist Hammer voller geiler Tracks. Geh dazu ab ist zum Beispiel bis heute in jedem meiner Live-Sets dabei. Das ist ein Megahertz Beat! Der hat schon für Nas oder Puffy richtige Hits produziert. Ich habe auch für keinen anderen Beat jemals so viel bezahlt wie für diesen. Ganze 10.000$! Aber es geht noch weiter. Stopp die Party und Zähl mein Geld sind von Needlz, der eine Zeitlang auch der Hausproduzent von G-Unit war. Als ich aber den Beat von ihm gekauft habe, war der noch gar nicht so fame. Für zwei Beats habe ich 2.000$ ausgegeben.

 

BB21: Du hast da schon krasse Summen für deine Beats ausgegeben.

 

Afrob: Blöd wie ich war, habe ich mein ganzes Budget immer dafür ausgegeben, anstatt mir mal irgendwas fettes wie eine Wohnung zu kaufen. Ich habe immer all mein Geld in die Alben reingesteckt.

 

BB21: Zähl mein Geld war einfach der Soundtrack zur Bankenkrise, die wenige Jahre nach dem Release stattfand.

 

Afrob: Ich habe es schon immer gesagt, dass ihr euer Geld nicht zur Bank bringen sollt. Ich habe dazu sogar ein Video gedreht, obwohl Four Music total dagegen war. Aber die haben irgendwann einfach keinen Bock mehr auf mein Gelaber gehabt. Es kennt auch kein Mensch das dazugehörige Cover zur Single. Und zwar ist das eine D-Mark-Münze. Dieser Euro ist einfach haram. 

Made in Germany

BB21 legt ihm sein Album Made in Germany aus dem Jahr 2001 vor.

 

Afrob: Wenn du mich fragst, war das einer der wichtigsten Deutschrapalben aller Zeiten. Ich sag dir auch warum: Es gab nämlich noch nie zuvor solch ein Anti-Rassismus-Album. Natürlich haben Advanced Chemestry dieses Thema auch schon mal angesprochen, aber … [Afrob öffnet das CD-Case von Made in Germany und beginnt zu lachen]. Kein Wunder hatten die Angst [Anm. d. Verf.: Schaut euch dazu einfach mal selbst das Booklet an und denkt daran, dass es zu dieser Zeit noch keine Bushido- oder Azad-Alben gab. Es gab bis Dato noch keinen Gangster-Rap in Deutschland]. Aber mir war schon vor der Veröffentlichung klar, dass ich mit Made in Germany sehr viel riskiere. Das ist ein sehr unangenehmes Thema. Viele haben mich auch deswegen kritisiert, weil sie meinten, dass pro-black automatisch anti-weiß bedeutet. Aber das Album heißt doch schon Made in Germany. Auch deswegen hat es mich sehr enttäuscht, wie manche Menschen das Album wahrgenommen haben. 

 

BB21: Womöglich haben da ein paar Menschen auch einfach ihr wahres Gesicht gezeigt.

 

Afrob: Naja. Das ist einfach eine deutsche Befindlichkeit. Ich kann schon ganz gut verstehen, dass man darüber hier nicht so gerne spricht. Die deutsche Gesellschaft hat eben sehr hart daran gearbeitet, wie man mit Menschen umgeht, die von woanders herkommen. Wir machen da auch super Fortschritte und es läuft eigentlich ganz gut. Das heißt aber noch lange nicht, dass es deswegen keinen Rassismus gibt. Das habe ich auf diesem Album thematisiert, aber leider ist das nicht so angekommen, wie ich es mir erhofft habe. 

Rolle mit Hip-Hop

BB21 legt ihm sein Album Rolle mit Hip-Hop aus dem Jahr 1999 vor.

 

Afrob: Ja, ist ein geiles Album. Ein Klassiker. 

 

BB21: Das ist doch auf jeden Fall das hitlastigste Album von dir.

 

Afrob: Nein, finde ich nicht. Jedes andere Album von mir ist besser als das. Rolle mit Hip-Hop ist einfach eine Gefühlssache. Es hat sehr gut in die damalige Zeit gepasst und Reimemonster ist auch ein übertriebener Track. Deswegen hat es für viele auch diesen Kultstatus. Aber handwerklich ist das doch lange nicht so gut wie Push.   

Der Letzte seiner Art

BB21 legt ihm sein Album Der Letzte seiner Art aus dem Jahr 2009 vor.

 

Afrob: Es ist wohl das unerfolgreichste Album von mir. Ich habe dem auch eine Zeit lang selbst Unrecht getan und die Kritik angenommen, dass es eine schlechte Platte sei. Aber das stimmt einfach nicht und ist eine Lüge. Es gibt vielleicht ein paar Sachen, die ich textmäßig anders formulieren würde, aber ansonsten ist das eine hammer Platte. Das Album hat auch einen roten Faden, der sich komplett durchzieht. 

Push

BB21 legt ihm sein Album Push aus dem Jahr 2014 vor.

 

Afrob: Ich muss schon gestehen, dass das Album meine Resurrection [Anm. d. Verf.: Wiederauferstehung] ist. 

 

BB21: Mit diesem Album habe ich schon gar nicht mehr gerechnet.

 

Afrob: Keiner hat damit gerechnet. Viele Leute sind nach dem Konzert zu mir gekommen und haben mir gesagt, dass sie es nicht für möglich gehalten haben, dass ich so zurück kommen kann. Aber ich habe mich einfach mit Rik Marvel zusammengesetzt, der auch ausschlaggebend für den Sound der Platte war. Mit ihm hatte ich auch sehr viel Spaß dabei. Aber weil mit mir auch keiner mehr gerechnet hat, konnte ich vollkommen angstfrei an die Arbeit gehen.

Mutterschiff

BB21 legt ihm sein Album Mutterschiff aus dem Jahr 2016 vor.

 

Afrob: Hier wollte ich auch ein richtiges, künstlerisches Cover schaffen. Diesmal wollte ich nicht einfach wieder meine Fresse zeigen. Wir haben uns auch mal überlegt, dass wir den Albumtitel auf dem Cover dermaßen verstecken, dass man richtig hinschauen muss, um es erkennen zu können. Das Album selbst ist zwar keine einfache Platte, aber ich glaube, dass es sich durchsetzen wird. 

Auf meine Legacy bin ich wirklich stolz. Ich habe immer sehr gewissenhaft gearbeitet, hatte immer gute Beats und viele schöne Songs. Eigentlich müsste ich einen Echo für mein Lebenswerk bekommen [grinst]. 


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