Interview mit Marz

„Mittendrin kamen auch noch die Bixtie Boys ins Spiel.“

Autor: Walter Schilling

 

 

Das Warten hat ein Ende! Denn endlich ist das langersehnte Debütalbum von Marz erhältlich. Hierbei ist ein Langspieler herausgekommen, der auf eine ganz eigene Art und Weise Rap mit Jazz vermischt. Die Arbeit von Kova (Produzent) und der Jazzband Bixtie Boys greift dermaßen gut ineinander, dass man allein durch das Hören gar nicht mehr erkennen kann, wer für was verantwortlich ist. Es ist eine sehr ausgereifte Platte geworden, von einem erwachsenen Rapper, der Hip-Hop noch immer wie am ersten Tag liebt. Durch die Hingabe, mit der hier gearbeitet wurde, ist es auch das beste Album des Jahres, bis jetzt! An jedem noch so kleinen Detail wurde immer wieder und wieder gearbeitet, bis es nahezu perfekt geworden ist.

Ich traf mich mit Marz in Stuttgart, um mit ihm über sein faszinierendes Debütalbum, die Bixtie Boys und den Unterschied zwischen einem Album und einem Mixtape zu sprechen.

BB21: Was macht für dich den Unterschied zwischen einem Mixtape und einem Album aus?

Marz: Darauf gibt es genau zwei Sichtweisen: Die des Künstlers und die der Hörer. Mir wird es dabei wohl wie den meisten anderen Rappern gehen und zwar nimmt man sich für ein Album viel mehr Zeit. Man schaut, dass die Songs ausgereifter sind, dass es einen roten Faden gibt und achtet auf viel mehr Details als beim Mixtape. Natürlich macht das nicht jeder Künstler so, aber so sollte es doch eigentlich sein. Bei meinem Album sind wir aus der Deutschrapblase sogar ausgetreten und haben mit einer ganzen Band zusammengearbeitet, den Bixtie Boys. Durch das gemeinsame Schaffen mit einer Jazzband habe ich einen ganz anderen Input bekommen, das dem Album wiederum sehr geholfen hat. 

 

BB21: Und was sagst du zur Sichtweise des Hörers?

 

Marz: Für die muss ein Album natürlich auch ausgereifter klingen. Er muss sofort hören, dass es ein ganzer Zug ist und nicht nur eine einzelne Lokomotive. Da gehört dann natürlich auch eine vernünftige Promophase mit geilen Videos dazu. Ich habe meine beiden ersten Mixtapes deswegen nicht Alben genannt, weil ich sie verschenkt habe. Mit solchen Langspielern geht die Presse oftmals besser um, wenn man sie Mixtapes nennt. Aber da gab es auch keinen roten Faden. Zumal wir an dem Album auch viel länger gearbeitet haben.

BB21: Wie sah die Arbeitsteilung genau aus, wenn für die Beats sowohl die Bixtie Boys als auch Kova verantwortlich waren? Das sind einige Leute, mit denen man sich absprechen muss.

Marz: Ich habe schon vor einigen Jahren angefangen am Album zu arbeiten. Es waren mit die ersten Beats, auf die ich nach Black N Proud gerappt habe. Langsam sind es immer mehr Tracks geworden, während ich dazwischen an den Mixtapes gearbeitet habe. Mittendrin kamen auch noch die Bixtie Boys ins Spiel, die ich bei einem Auftritt im Bix Club kennengelernt habe.

 

BB21: Dadurch ist aus dem Ein-Rapper-Ein-Produzent-Projekt ein Album mit einer Jazzband geworden.

Marz: Deswegen noch an dieser Stelle Props an Kova, der sein Baby aus der Hand gegeben hat! Wirklich stark, wie frei er von jeglichen Starallüren ist. 

Jedenfalls habe ich die Bixtie Boys auch zum perfekten Zeitpunkt getroffen. Wenn es zum Beispiel ein halbes Jahr später gewesen wäre, wäre das Album nämlich schon fertig gewesen. Jedenfalls kamen sie, eine Woche nachdem wir uns im Bix Club kennengelernt haben, schon zu mir, um in das Album mal reinzuhören. 

 

BB21: Wie weit war das Album zu diesem Zeitpunkt?

Marz: Manche Songs waren quasi fertig und mussten nur noch gemischt werden, anderen fehlte noch das gewisse Etwas. Es gab aber tatsächlich schon zu diesem Zeitpunkt ein paar vorgemasterte Tracks, die ich ein, zwei, drei Labels zugeschickt habe um mich damit vorzustellen. Von denen habe ich aber auch nur Absagen bekommen [lacht].

 

BB21: Jedenfalls haben die Bixtie Boys sofort Bock gehabt, zusammen an deinem Album zu arbeiten?

Marz: Ja, wir haben uns kurz darauf zu einer gemeinsamen Session verabredet. Wir wollten zusammen dafür sorgen, dass der Hörer nicht mehr unterscheiden kann, was eingespielt ist und was reine Samples sind. Aber vielleicht ist es dadurch umso interessanter in den Credits zu lesen, wer für was verantwortlich ist [grinst]. Das Ergebnis ist, dass es auf dem Album Songs gibt, in denen die Bixtie Boys gar nichts gemacht haben. Auf anderen Liedern haben wir dagegen nochmal alles neu eingespielt. 

 

BB21: Wolltest du ein paar Samples auch deswegen nicht nutzen und lieber einspielen, weil du dir nicht sicher warst, ob du sie überhaupt für das Album nutzen darfst? Hattest du da vielleicht auch Angst vor rechtlichen Konsequenzen?

 

Marz: Ich mache Rap und das basiert auf Samples. Damit muss man einfach Leben können. Mir ging es anfangs vor allem darum, eine weitere Meinung zum Album zu bekommen. Wir haben zum Beispiel bei einem Song über ein neues Arrangement nachgedacht und über diese Dinge habe ich mit den Bixtie Boys gesprochen. Die Jungs haben mir auch beim Beats picken geholfen, als es um die letzten beiden Beats ging.

„Den einzigen Tipp, den ich an dieser Stelle also geben kann, ist, dass man nie faul sein darf.“

BB21: Das heißt, dass die Bixtie Boys voll und ganz im Projekt involviert waren. Sowohl handwerklich als auch beratend.

Marz: Unser Ziel ist es auch, eines Tages als Band durch das Land zu touren. Es ist natürlich erst einmal auch finanziell eine große Herausforderung, als eine sechsköpfige Band - zu der auch unser DJ gehört - aufzutreten. Aber auch das werden wir noch hinbekommen. Wir gehen jetzt den ersten Schritt in diese Richtung und werden von nun an mindestens zu dritt auftreten: Kontrabass, DJ und ich. Der Kontrabass ist von allen Instrumenten jenes, das am einfachsten live umzusetzenist. 

 

BB21: Die Bixtie Boys sind auch in den bisherigen Videosingles zu I Love 2 hate zu sehen.

Marz: Mir ist es wichtig, dass in den Videos nicht irgendwelche Random-Typen mitspielen, sondern Leute aus meinem Umfeld beziehungsweise diejenigen, die am Album mitgearbeitet haben. Da ist es natürlich klar, dass die Bixtie Boys dort zu sehen sind. Wobei es recht schwierig gewesen ist, alle Leute, die direkt oder indirekt am Album mitgearbeitet haben, auf einem Platz zu versammeln. Der Mischer kommt zwar hier aus Stuttgart, wohnt aber mittlerweile in Berlin. Heiko, der für das Mastern zuständig war, kommt zwar auch aus Stuttgart, wohnt aber in Hamburg. Lakmann kommt aus Witten und Rakete aus dem Weltall [lacht]. Dadurch ist es gar nicht so leicht gewesen, die Drehtage zu organisieren. Oftmals sind diese Drehtage dermaßen stressig, dass ich gar keine Zeit für meine Gäste habe, die oftmals einen sehr weiten Weg hinter sich haben. Deswegen an dieser Stelle nochmal vielen Dank an alle, die so viel Zeit und Energie hier reingesteckt haben, auch wenn nur Marz draufsteht.

 

BB21: Du hast sehr viele Skits auf deinem Album, die auch sehr gut zu den jeweiligen Songs passen. Wie hast du sie gesammelt, gefunden und selektiert?

 

Marz: Ohne Idee, einfach nur nach passenden Skits zu suchen, macht keinen Sinn. Das ist so, als würde ein DJ ohne Plan nach Cuts suchen. Der wird auch nie fündig werden. Den einzigen Tipp, den ich an dieser Stelle also geben kann, ist, dass man nie faul sein darf. Wenn man mal eine gute Idee hat, dann muss man sie sofort ins Handy tippen. Denn 20 Minuten später hat man sie nämlich vergessen. Man darf auch gerne dafür das Aufnahmegerät nutzen: Jeder so wie er will. Hauptsache man speichert seine Ideen.

BB21: Hast du tatsächlich keine Entourage wie es im gleichnamigen Song auf dem Album heißt?

Marz: Das lustige daran ist, dass Lakmann, der die Hook eingerappt hat, die größte Entourage hat, die ich kenne. Der reist ja immer gleich mit seiner Wittener Crew an, wobei das auch alles Leute sind, die auf der Bühne was zu tun haben. Genau das zeugt auch vom großen Herz, das Lakman besitzt! Er hat eben sehr viel Liebe übrig.

Aber einmal sind wir tatsächlich nur zu zweit auf einen Gig gefahren, zu dem Lakmann nur von seinem DJ begleitet wurde. Daran denke ich auch immer, wenn ich den Song höre. Wobei ich jetzt gar nicht sagen kann, ob das vor oder nach dem Track passiert ist. 

 

BB21: Bei unserem letzten Interview hast du gesagt, dass Kamp eins der besten Deutschrapalben aller Zeiten veröffentlicht hat. Stand zu diesem Zeitpunkt schon euer Feature fest?

Marz: Nein, ich erfülle mir gerade einfach den ein oder anderen Traum. Vom Feature mit Kamp bis hin zum Album mit einer ganzen Band, das sogar auf Vinyl gepresst wurde. Das ist schon sehr krass.

 

BB21: Last but not least möchte ich mit dir auch über den VfB sprechen. Letztes Mal hatten wir ja sogar ein großes Fußball-Interview geführt. Wie nimmst du als Fan die Saison in der zweiten Liga wahr?

Marz: Ich werde das sehr oft gefragt, was natürlich klar ist. Alle assoziieren mich mit dem VfB und fragen mich dementsprechend was zum Abstieg. Aber der war halt echt verdient. Die größte Angst ist doch immer die, dass man zu unrecht absteigt. Fünf rote Karten kassierst, die keine waren und so weiter. Ich habe aber schon lange keine Mannschaft mehr gesehen, die sich so aufgegeben hat wie der VfB [lacht]. Dadurch konnte man sich auch schon mental auf den Abstieg vorbereiten [grinst]. Aber ich habe einfach Bock auf den VfB und mache deswegen alles mit. Ich habe ihn schon in der Champions-League spielen sehen und begleite die Mannschaft jetzt auch in der zweiten Liga. 

 

BB21: Die letzten Worte gehören dir!

 

Marz: Hört euch das Album an und wenn es euch gefällt, kommt zu den Live Shows. Mir macht es sehr viel Spaß, die Songs auf der Bühne zu performen, denn dafür mache ich Musik. Natürlich ist es sehr schön, eine Vinyl zu haben, aber Live steht trotzdem nochmal darüber. 

Das könnte dir auch gefallen:

DJ Eule & DJ s.R. - Hardcore Rap Shit ft. Lakmann & R.U.F.F.K.I.D.D. (Video)

Zack, da ist sie: Die erste Videosingle des zweiten Familienwappens von DJ Eule und DJ s.R. Dafür haben sie niemand geringeres als den guten alten Lakmann und R.U.F.F.K.I.D.D, ihrem 58-Muzik-Kollegen eingeladen. Durch die Graffitis, Cuts und Bars ohne Ende entsteht eine richtige Hip-Hop-Romantik. Eine Ode an die Kultur.

T9 - Joe Gerner (Video)

Wer von euch kennt Joe Gerner? Er ist der Dienstälteste Schauspieler bei GZSZ, dessen unbändiger Hass auf die Familie Zimmermann bereits die ein oder andere Schandtat ausführen ließ. Ist der Song also eine Hommage an Joe Gerner? An den Hass? Vielleicht aber auch an das Leben selbst, das eben sowohl gute als auch schlechte Zeiten für jeden von uns bereit hält. 

Interview mit T9

Das Duo T9 sagt über sich selbst, dass sie kein easy listening sei und beschreibt sich damit haargenau. Statt Musik zu produzieren, die leise im Hintergrund laufen kann und dabei niemanden stört, fordern DoZ9 (Rapper) und Torky (Produzent) ihre Hörer. Dafür sorgt vor allem DoZ9, der ein wahrer Wortakrobat ist und auch auf ihrer neuesten Platte R.I.F.F. jeden Beat spielend bezwingt. 


Das könnte dir auch gefallen:

DJ Eule & DJ s.R. - Hardcore Rap Shit ft. Lakmann & R.U.F.F.K.I.D.D. (Video)

Zack, da ist sie: Die erste Videosingle des zweiten Familienwappens von DJ Eule und DJ s.R. Dafür haben sie niemand geringeres als den guten alten Lakmann und R.U.F.F.K.I.D.D, ihrem 58-Muzik-Kollegen eingeladen. Durch die Graffitis, Cuts und Bars ohne Ende entsteht eine richtige Hip-Hop-Romantik. Eine Ode an die Kultur.

T9 - Joe Gerner (Video)

Wer von euch kennt Joe Gerner? Er ist der Dienstälteste Schauspieler bei GZSZ, dessen unbändiger Hass auf die Familie Zimmermann bereits die ein oder andere Schandtat ausführen ließ. Ist der Song also eine Hommage an Joe Gerner? An den Hass? Vielleicht aber auch an das Leben selbst, das eben sowohl gute als auch schlechte Zeiten für jeden von uns bereit hält. 

Interview mit T9

Das Duo T9 sagt über sich selbst, dass sie kein easy listening sei und beschreibt sich damit haargenau. Statt Musik zu produzieren, die leise im Hintergrund laufen kann und dabei niemanden stört, fordern DoZ9 (Rapper) und Torky (Produzent) ihre Hörer. Dafür sorgt vor allem DoZ9, der ein wahrer Wortakrobat ist und auch auf ihrer neuesten Platte R.I.F.F. jeden Beat spielend bezwingt. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0