Interview mit T9

„Es ist eben das erste Handy gewesen, das T9 hatte.“

Autor: Walter Schilling

 

 

Das Duo T9 sagt über sich selbst, dass sie kein easy listening sei und beschreibt sich damit haargenau. Statt Musik zu produzieren, die leise im Hintergrund laufen kann und dabei niemanden stört, fordern DoZ9 (Rapper) und Torky (Produzent) ihre Hörer. Dafür sorgt vor allem DoZ9, der ein wahrer Wortakrobat ist und auch auf ihrer neuesten Platte R.I.F.F. jeden Beat spielend bezwingt. Anstatt Hooks zu schreiben, die man sofort mitrappen kann, was mittlerweile selbst im Rap sehr beliebt ist, setzt er eher auf Authentizität und seinen ganz eigenen Rapstil. Torky Tork - der auch für seine ganz besonderen, eigenen Samplequellen bekannt ist - hat es dabei geschafft, die richtige Balance zwischen roughen und smoothen Beats zu finden. Obwohl die Beiden sich eher mit einem zwinkernden Auge als musikalische Avantgarde bezeichnen, steckt da auch viel Wahres dahinter. Schließlich sind die Zwei in dem was sie tun, wahre Meister. Es folgt ein exklusives Interview in einer Berliner Bar.

DoZ9, du rappst in einem Song auf dem Album: „Kritisch hinterfragen, aber nicht alles verbittert sehen.“ Ist das ein stückweit dein Motto, wenn du Nachrichten ließt?

 

DoZ9: Man kann sich ja ganz bewusst den Tag versauen, indem man sich zum Beispiel die Nachrichten anschaut. Man kann solche Dinge aber auch einfach akzeptieren. Nicht nach dem Motto: „Scheiß auf den dritten Weltkrieg, mein Social-Media-Account ist mir wichtiger.“ Man darf weder wegschauen noch sich mit negativer Energie aufladen. Es ist ein Stück weit meine Lebensphilosophie, um mich von dem Stress zu verschonen, der mich schneller alt werden lässt. Vielleicht habe ich auch einfach zu viel The Big Lebowski angeschaut. 

 

Torky: Lebowski hat schon etwas davon, gar nichts mehr mitzubekommen. So ist es definitiv nicht, denn wir bekommen alles mit. Aber deswegen das Leben total verbittert sehen? Das kommt für uns nicht in Frage. Schließlich ist die Gefahr, beim Essen zu ersticken und dadurch zu sterben unheimlich viel größer als bei einem Terroranschlag ums Leben zu kommen. Wahrscheinlich ist die Chance in einem Asylbewerberheim zu verbrennen hundertmal größer als bei einem Terroranschlag zu sterben. 

 

DoZ9: Zumal ich die Zeile nicht einmal auf den Terror bezogen habe, sondern auf die vielen, kleinen Dinge im Leben. Wenn dein Fahrrad geklaut wird, dann ist es halt so. Wenn du den ganzen Tag deswegen angepisst bist, wird es auch nicht wieder zurück kommen. Das ist weniger politisch aufgeladen, als man denkt.

Torky, hast du eigentlich für R.I.F.F.A. versucht deine Beats an DoZ9 zu verchecken, die bis jetzt noch keiner genommen hat?

 

Torky: Was willst du damit sagen [lacht]? Nein, DoZ9 bekommt nur das Beste von mir. Wir haben eigentlich alle Beats auf Teneriffa vor Ort gemacht. Es gab ein paar Loops, die DoZ9 im Vorfeld ganz interessant fand. Aber mehr nicht. Die richtige Arbeit am Album ging erst auf der Insel richtig los. Meistens habe ich einen kleinen Loop gemacht, der vier Takte lang war. Den Rest haben wir dann auch gemeinsam peu à peu ausgearbeitet. Durch diese Arbeitsweise konnte ich nämlich auf DoZ9 eingehen.

 

DoZ9: Auch ich bin nach Teneriffa mit fast nichts gekommen. Ich hatte einen einzigen Text und ansonsten nur ein paar aufgeschriebene Gedanken, die sich nicht einmal gereimt haben. Wir sind in Teneriffa weder am Strand abgehangen, noch haben wir uns die Insel angeschaut oder sonst irgendwas chilliges. Wir haben dort von morgens bis abends einfach nur Musik gemacht. 

 

Torky: Und das obwohl wir die ganze Zeit in Sichtweite zum Meer waren. Es hätte keine fünf Minuten gedauert und wir wären zum Strand gelaufen. Trotzdem sind wir erst am letzten Tag kurz am Meer gewesen, um es wenigstens ein paar Minuten genießen zu können, weil wir die ganze Zeit gearbeitet haben.

 

Für was genau steht R.I.F.F.A? Ist es einfach nur wegen der Insel Teneriffa, auf der ihr euer Album produziert habt, oder gibt es da eine tiefgreifende Bedeutung?

 

Torky: Natürlich hat das eine tiefe Bedeutung, aber die verraten wir an dieser Stelle nicht. Das müssen die Leute schon selbst herausfinden. Das ist ähnlich wie bei O.F.D.M.-Gang wo man sich auch um die genaue Bedeutung streitet. 

„Für das, was es ist, ist es gut.“

Was fasziniert euch an dem Nokia 3510, dass es euer Plattencover geworden ist? Liegt es an dem Text on 9 keys, also dem T9?

 

Torky: Ja, es ist eben das erste Handy gewesen, das T9 hatte. Das haben wir auch schon auf unserem ersten Cover gehabt und das haben wir jetzt fortgeführt. Außerdem schreibt DoZ9 seine Texte wie mit T9, also wie von selbst. Ich meine, er hat das ganze Album in nur fünf Tagen geschrieben. 

 

DoZ9: Eigentlich wollten wir in der Zeit eine Doppel-LP schaffen, was sich aber als ein utopisches Ziel herausgestellt hat, wenn man einen qualitativen Anspruch hat. Ich wäre wirklich gerne noch eine zweite Woche in Teneriffa geblieben, aber nicht, um noch mehr Texte zu schreiben, sondern um die Insel auch mal zu erkunden und am Strand zu chillen. Damit ich es auch vernünftig genießen kann, dass ich dort gewesen bin. Aber so erging es uns auch schon beim ersten Album. Auch dort haben wir in kurzer Zeit ein ganzes Album geschrieben und wollten die Zeit vor Ort am Ende auch noch genießen, was wir leider nicht machen konnten.

 

Wo seid ihr bei eurem ersten Album gewesen?

 

Doz9: Da waren wir in Brandenburg im Wald und haben dort an T9 gearbeitet. Dafür haben wir uns extra ein Häuschen gemietet, um ungestört produzieren zu können. Kurz nachdem wir aber fertig waren, kam der Vermieter mit seiner Familie vorbei, um dort auch noch ein paar Tage Urlaub zu machen. Es war zwar ein großes Haus, aber dafür dann doch zu klein. Deswegen sind wir dann gleich gegangen. 

 

Torky: Auf Teneriffa war diesmal auch der Fotograf Robert Winter dabei, mit dem wir vor Ort die Videos gedreht haben. Außerdem hat er sich auch noch um das Artwork gekümmert und dort ein paar Blogs gedreht. Robert hat uns aber auch bekocht und ist einkaufen gewesen, sodass wir die ganze Zeit ungestört Musik machen konnten. 

 

DoZ9: Er war auch total wichtig für unsere Motivation. Immer wenn man mal gefrustet war oder die Stimmung unten war, hat er sie wieder hochgeholt. Die Motivation eines Robert Winters ist einfach un***kbar. Schließlich sind wir auch mit einem gewissen Druck dort runter geflogen, denn die Platte musste dort fertig werden. 

Lasst uns nun über euren Pressetext sprechen. Dort heißt es: „Berühmt werden sie damit nicht mehr“. Wollt ihr das überhaupt?

 

DoZ9: Dieser Satz klingt auf der einen Seite sehr lustig, beinhaltet auf der anderen Seite aber eben auch einen Fakt. Berühmt werden wir damit eben nicht mehr, aber wichtig ist uns das aber auch nicht. Das spiegelt eher unser Standing wider: Wir machen coole Musik, aber wir werden damit nicht durchstarten. Den Pressetext haben übrigens Torky und ich gemeinsam geschrieben.

 

Torky: Ein paar Freunde haben mal folgenden Spruch von einem A&R an den Kopf geworfen bekommen: „Für das, was es ist, ist es gut.“ Das ist das gleiche Niveau wie unser Pressetext [lacht]. Man will etwas nettes sagen, aber eigentlich kann man es weglassen. Es ist ein nein, das sich wie ein ja anhören soll. 

 

In eurem Pressetext kann man auch folgenden Satz lesen: „Es heißt, die Avantgarde sei ihrer Zeit voraus. Sie tut sich schwer damit, verstanden zu werden.“ Fühlt ihr euch missverstanden wie einst Galieo?

 

DoZ9: Dieser Satz ist eben genauso sinnentleert wie der vorherige. Wir bekommen eben selten zu hören, dass unsere Musik scheiße sei, sind damit aber nicht besonders erfolgreich. Ich glaube eben, dass wir eher was für die Nerds machen, als für den normalen Raphörer. Letzterer kann mit uns wohl eher wenig anfangen. Schließlich ist das eben kein easy listening. 

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