Interview mit Sandzo

„Man kann beim Skateboarden auch kunstvoll auf die Fresse fallen. Wenn man danach aufsteht und das Skateboarden mit Liebe durchzieht, dann ist das für mich Kunst.“

Autor: Walter Schilling

 

 

Sound trifft Ästhetik. Das ist genau das, was Sandzo ausmacht. Denn schon jetzt hat der 19-Jährige Rapper Videos in Paris oder auch Mailand gedreht. Quasi in den Modemetropolen Europas! In den Videos kann man wunderbar erkennen, dass er sowohl einen guten und eigenen Kleidungsstil hat, als auch eine hervorragende Raptechnik besitzt. Gepaart mit einem besonderen Empfinden für Instrumentals macht ihn das schon jetzt zu einem eindrucksvollem Künstler. Doch dabei hat seine Reise gerade erst begonnen. Deswegen haben wir ein außerordentliches Interview mit dem Rapper aus dem Wedding geführt und sprachen über seine Inspirationen, die Zahl 29 und sein ausgesprochen nices Merch.

Du selbst nennst dich gerne Inspiration, aber was inspiriert dich? Gerade musikalisch.

In Deutschland inspiriert mich fast nichts, da geben mir die Vereinigten Staaten mehr. Aber auch Musik aus London gibt mir sehr viel. Bei mir ist es aber nicht so, dass ich diesen einen Künstler habe, der mir besonders viel Input liefert, sondern dass ich mir von sehr vielen verschiedenen Leuten das Beste nehme. Meine Kunst entsteht also durch viele kleine Puzzlestücke. Dabei spielt es für mich auch keine Rolle, ob die Songs aktuell oder mehrere Jahrzehnte alt sind. Für Kunst haben wir einen wirklich sehr alten Song aus der klassischen Musik gesampelt, auf den ich während einer Autofahrt gestoßen bin. Da sind mir keine Grenzen gesetzt.

 

Produzierst du deine Musik auch mit?

Ich habe zwar viele Ideen dazu, aber kann sie alleine nicht umsetzten und arbeite deswegen auch mit Leuten zusammen, die ihr Handwerk beherrschen. Kunst hat zum Beispiel Ayfa produziert.

 

In diesem Song sagst du unter anderem: „Ich mach’ Kunst“. Lass uns das etwas genauer definieren. Was genau machst du, das unter dem Kunstbegriff fällt?

Der Begriff ist total krass, weil man damit sehr viel rechtfertigen kann, ohne präzise zu werden. Meine eigene Kunst ist momentan noch nicht richtig greifbar, aber grundsätzlich würde ich sagen, dass das alles ist, was man durchziehen kann. Man kann beim Skateboarden auch kunstvoll auf die Fresse fallen. Wenn man danach aufsteht und das Skateboarden mit Liebe durchzieht, dann ist das für mich Kunst. Das kann alles sein und muss nicht unbedingt etwas total Abstraktes sein. Aber das Ganze richtig zu definieren könnte ich ehrlich gesagt nicht.

So erging es schon Picasso, der offen zugab, Kunst nicht definieren zu können. Aber lass uns über Mailand sprechen, wo du auch das Video zu 29 gedreht hast. Hältst du dich dort öfters auf, allein schon wegen den Mode-Boutiquen?

Ich war auch schon vor dem Videodreh in Mailand und musste dort noch ein paar weitere Male hin. Da bin ich eben auch mal mit einem Kamerateam angereist, um das Video für 29 zu drehen. Man darf es sich zwar nicht so vorstellen, dass ich ständig dort abhänge, aber ich habe ein paar Kontakte in Mailand, sonst würde ich darüber nicht rappen. 

 

Auch in Paris? Dort hast du doch auch ein Video gedreht.

In Paris habe ich erst durch den Videoclip die Kontakte geknüpft. Dort war es eben so, dass ich die Stadt nicht einfach verlassen habe, als wäre ich dort nie gewesen, sondern viele Menschen kennengelernt habe, mit denen ich noch heute Kontakt habe. Ich interessiere mich eben nicht nur für Musik, sondern unterhalte mich auch gerne mit Leuten, die ihre eigenen Mode-Brands am Start haben. Deswegen darf man auch gespannt sein, was in Zukunft bei mir passieren wird.

 

Was macht die 29 für dich so besonders, dass du deine EP nach ihr benennst?

Ich bin am 29. Dezember geboren und seitdem hat die Zahl mich ständig begleitet. Sie war in wichtigen Momenten plötzlich zu sehen und hat mir schon sehr viel Glück gebracht. Das hat mir schon gereicht, um meine EP 29 zu nennen.

 

Wie gut kann eigentlich Berlin in Sachen Mode im internationalen Vergleich deiner Meinung nach mithalten? 

Berlin ist was Mode angeht schon weit vorne. Aber die richtig krassen Marken  kommen oftmals eher aus Paris. Es gibt aber auch in Mailand Marken, die man sonst nirgendwo anders findet. So hat jede Metropole etwas einzigartiges, auch Berlin. Viele Designer wollen doch unbedingt hier in Berlin bleiben, weil der Vibe sie gecatcht hat. 

 

In wie fern hast du an deinem eigenen Merch mitgearbeitet?

Schon lange bevor ich das Logo entworfen habe, ist es in meinem Kopf geschwirrt. Eines Nachts habe ich mich also drangesetzt, um endlich an diesem Entwurf zu arbeiten. Das hat wiederum mein großer Bruder gesehen, der von dem Logo vollkommen überzeugt war und mir dabei geholfen hat, Pullis und Shirts damit zu bedrucken. Das war noch lange bevor es mit der Mucke begonnen hat. 

„Das ist auch der springende Punkt, der mich von den anderen Rappern unterscheidet: Ich trage die Klamotten, weil sie mir gefallen.“

Aktuell ist es das Einzige, das deine Fans kaufen können, um dich zu supporten und etwas physisches als Gegenleistung bekommen.

Schön, dass du das sagst. Ich wollte nämlich meinen Fans auch etwas bieten, gerade weil sie meine Mucke nicht in die Tasche oder ins Regal stecken können. Deswegen haben wir sehr viel Herz in das Merch gesteckt, damit wir es so hochwertig halten können. Das sind keine billig T-Shirts oder Pullovers, sondern gute und schöne Kleidungsstücke. 

 

Die erste Auflage Merch, die du angeboten hast, war auch unglaublich schnell ausverkauft.

Ja, damit habe ich selber gar nicht gerechnet. Das lag vor allem an dem Rücken, den mir meine Fans gegeben haben. Egal ob hier oder aus Paris: Die Leute feiern meinen Style und darüber bin ich sehr froh. Die erste Auflage war auch nicht so groß, aber dass sie quasi sofort weg war, hat mich sehr überrascht. Ich habe das auch erst durch einen Fan gemerkt, der mich angeschrieben hat. Er meinte, dass er unbedingt einen Pullover haben möchte, woraufhin ich ihn auf meine Website verwiesen habe. Nach kurzem hin und her habe ich dann langsam gemerkt, dass das Merch komplett weg ist. Da hat sich aber mein Bruder schnell darum gekümmert, dass wir wieder was am Start haben.

 

Greift dir dein Bruder öfters unter die Arme?

Ja, er ist mir dabei eine große Hilfe. Ohne ihn hätte ich niemals die ganzen Kontakte in so kurzer Zeit geknüpft. Das hätte bestimmt ein oder zwei Jahre länger gedauert. 

 

Deutschrap wird immer Modebewusster. Gerade wenn man es mit den 1990ern oder 2000ern vergleicht, in denen Modetrends oftmals blind von den Amis kopiert wurden. Wie nimmst du diesen Trend wahr? Schließlich gab es noch nie so viele Modelabels, die von Rappern geführt wurden wie heute.

Ich finde es immer noch traurig, was Deutschrap hier abliefert. Das Meiste was in den Videos zu sehen ist, sind Klamotten, die ich schon oft bei anderen Rappern gesehen habe. Da wird bis heute noch jedem Trend hinterhergelaufen, um den Kids zu imponieren. Früher konnte keiner verstehen, warum ich die Schuhe von Raf Simons so geil finde, aber heute will sie jeder tragen. Das ist auch der springende Punkt, der mich von den anderen Rappern unterscheidet: Ich trage die Klamotten, weil sie mir gefallen. Egal, wie sie aussehen, oder was es für einen Hype um die Marke gibt. 

Womöglich fehlen den Kids auch die richtigen Vorbilder.

Das stimmt und ich würde mich freuen, wenn ich eins davon sein könnte.

 

Die letzten Worte gehören dir!

2016 wird psycho! Ich arbeite schon wieder an neuer Mucke und wahrscheinlich kommt noch dieses Jahr mein nächstes Mixtape raus.


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