Interview mit Bluestaeb

„Ich möchte eben nicht einfach nur irgendwelche Beattapes machen, sondern meinen eigenen Stil finden. Dabei hilft mir die Darbuka sehr.“

Autor: Walter Schilling

 

 

Bluestaeb hat sich bereits einen festen Platz in der deutschen Beatmakerszene erspielen können, die auch durch ihn eine immer größere Fanbase aufweist. Denn vor allem mit seinem letzten Album Rodalquilar konnte er einige Heads von sich überzeugen. Die LP hat nämlich viele entspannende Momente und überträgt den Boombap-Stil der 1990er auf eine sehr moderne Art und Weise in das hier und jetzt. Manche nennen es Neo-Boombap, andere wiederum Oldschool Future. Aber betitelt die Musik wie ihr wollt, am Ende ist es das, was man gerne sowohl alleine als auch in geselliger Runde hört. Ganz nebenbei beliefert er auch noch talentierte Rapper wie JuJu Rogers, Galv oder Juse Ju mit ausgezeichneten Beats, weswegen ich Bluestaeb liebend gerne in seinem Berliner Studio auf ein Interview traf.

In deiner Facebook-Biografie heißt es: „Bluestaeb is one of the key figures of the new generation of up and coming beat producers from Germany.“ Was genau macht dich zu einer Schlüsselfigur der neuen Beatgeneration?

Lass es mich so sagen: Die Beatszene ist hierzulande sehr vernetzt. Ich kann das auch deswegen so gut sagen, weil ich den direkten Vergleich mit Frankreich habe. Jedenfalls verkehre ich schon jahrelang in dem besagten Dunstkreis und bin jetzt auch auf einem Niveau, wo ich an vorderster Front stehen kann, um unsere Beatszene zu representen.   

 

Gerade mit Figub Brazlevič scheinst du eine ganz besondere Beziehung zu haben, der für dich doch sowas wie ein Mentor gewesen ist. 

Ja, total. Er ist auch einer der ersten bekannteren Beatmaker in Deutschland gewesen, den ich kennengelernt habe. Kurz nachdem er nach Berlin gezogen, haben wir uns das erste Mal getroffen. Er hat damals nach jungen, talentierten Produzenten Ausschau gehalten, um sich mit ihnen zu connecten. Ich war einer davon und habe sehr viel von ihm gelernt.

 

Ein weiterer, wichtiger Mensch, der dir Hip-Hop nähergebracht hat, war auch dein Vater. Durch ihn kamst du doch in den Genuss von Madlibs Platte Shades of Blue [Anm. d. Verf.: Das Album gehört zu den Hip-Hop-Jazz-Platten schlechthin].

Ja, mein Vater hat damals das Album geschenkt bekommen. Ich habe zwar auch schon davor Hip-Hop gehört, aber das war richtiger Mainstream. Dementsprechend whack waren meine ersten Beats, die ich selbst gemacht habe. Wobei ich sagen muss, dass ich außerhalb von Hip-Hop deutlich weniger Mainstream-Musik gehört habe, sondern mehr westafrikanische Mucke. Ich habe also nicht nur Mainstream-Musik gehört [lacht]. Jedenfalls hat mich aber das besagte Album total geflasht, weil es Hip-Hop und Jazz auf die beste Art und Weise verbindet. 

Dein Vater hat dann wohl das Album nie wieder gesehen, nachdem du es für dich entdeckt hast.

Nein, ganz so schlimm war es nicht. Wir haben es eher sehr oft gemeinsam gehört. Durch Shades of Blue bin ich dann tiefer in die Marterie gedrungen und habe danach zum Beispiel J Dilla für mich entdeckt. 

 

Lass uns zur Stadt Rodalquilar kommen. Nach ihr hast du sogar dein letztes Album benannt. Was macht die Stadt für dich so besonders?

Stadt ist schon zu viel gesagt, denn das ist viel mehr ein Dorf. Meine Eltern sind auf einer ihrer Reisen nach Nordafrika dort durchgekommen und sind dann einfach eine Weile geblieben, weil es ein Ort ist, den man nicht mehr so schnell verlassen möchte. Es ist für mich sehr schwer, diese Stadt jemandem zu beschreiben, der dort nie gewesen ist. Aber mit ihren Goldminen und der einzigartigen Landschaft ist sie etwas ganz besonderes. Jedenfalls haben meine Eltern dort ein altes Bauernhaus beziehungsweise die Ruine davon gekauft und wieder aufgebaut. Dadurch habe ich dort sehr, sehr viel Zeit verbracht. Wenn ich alle Aufenthalte zusammenzähle, waren es bestimmt vier Jahre. 

 

Rodalquilar ist gleichzeitig auch eine sehr entspannte Platte, bei der man seine Ruhe finden kann. Ist das auch die Art von Musik, die du bevorzugt hörst?

Ich höre eigentlich ganz viel verschiedene Musik. Rodalquilar hat schließlich auch ein paar Songs, die man im Club spielen kann. Aussenstehende würden vielleicht behaupten, dass ich eher ruhige Songs höre, aber ich selber sehe das anders. Es ist eher so, dass ich nur nicht die Tracks höre, wo dir alles um die Ohren fliegt [grinst].

 

Du hast acht Jahre lang Djembé und Darbuka gespielt. In wie fern fließen diese Instrumente in deine Produktionen mit ein?

Mittlerweile sehr bewusst, aber als ich angefangen habe Beats zu produzieren, eher unterbewusst. Früher hat es mir insofern geholfen, dass ich schon sehr früh ein Gefühl für Rhythmen hatte. Die Darbuka hat zwar ganz andere Rhythmen, mit einer ganz anderen Komplexität, aber durch sie bekam ich ein gutes Gespür dafür. Heutzutage versuche ich aber genau die Rhythmen, die ich damals gelernt habe, in meine Beats einfließen zu lassen. Ich möchte eben nicht einfach nur irgendwelche Beattapes machen, sondern meinen eigenen Stil finden. Dabei hilft mir die Darbuka sehr. Nicht einmal unbedingt das Instrument selber, sondern viel mehr ihre eigenen Rhythmen.

„Mich sowas zu fragen, ist sehr gefährlich, weil ich dann erst mal so richtig drauf los haten kann [lacht].“

Vor knapp einem Jahr hast du den Wunsch geäußert, dass du mehr mit englischsprachigen Rappern zusammenarbeiten möchtest. Wie sieht es in der Zwischenzeit aus?

Sagen wir mal so: Ich habe aufgehört, mit deutschsprachigen Künstlern zu arbeiten [lacht]. Ehrlich gesagt sehe ich mich einfach nicht mehr als Rapproduzent, sondern mehr als Beatmaker, der auf dem Weg ist, Musiker zu werden. Ich habe nicht mehr so großes Interesse daran, Leuten einfach nur meine Beats zu schicken. Das gibt mir einfach nichts. Mit JuJu Rogers, der ja ein englischsprachiger Rapper ist, bin ich gerade dabei, eine EP zu produzieren. Wir arbeiten auch sehr eng zusammen und feilen gemeinsam an den Tracks. Das ist genau das, worauf ich Bock habe! Manchen Rappern, von deren Skills ich total geflasht bin, schicke ich hin und wieder tatsächlich einfach nur einen Beat. Aber das sind Leute, wo ich mir ganz sicher bin, dass es fett wird.

 

Du bist nach Paris gezogen. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt?

Das hat sehr viele Gründe. Zum einen bin ich auf ein französisches Gymnasium gegangen, auf das mich meine Mutter damals geschickt hat. Früher habe ich sie für diese Entscheidung gehasst, aber heute liebe ich sie dafür. Französisch so gut zu sprechen, ist ein großer Vorteil, für den ich sehr dankbar bin. Dadurch ist es für mich sehr einfach, in Frankreich zu leben. Obendrein ist meine Freundin Französin.

 

Da weht also der Wind her.

[grinst] Das sagen viele, aber letztendlich war es einer von vielen Gründen, dorthin zu ziehen. Schließlich haben wir uns hier in Berlin kennengelernt und gemeinsam beschlossen nach Paris zu ziehen. Ehrlich gesagt hatte ich auch die Schnauze voll von Berlin. Ich habe hier doch fast mein ganzes Leben verbracht.

 

Dadurch bist du von einer Metropole in die nächste gezogen.

Ja, aber etwas anderes ist für mich auch unvorstellbar. Ich bin dafür viel zu sehr ein Großstadtkind, als dass ich in eine kleinere Stadt als Berlin hätte umziehen können. Wobei ich auch gerne auf dem Land bin, um Urlaub zu machen beziehungsweise dort fokussiert an neuen Musikprojekten arbeite.

Was steht als nächstes bei dir an? Woran arbeitest du gerade?

Wie bereits gesagt, arbeite ich gerade an der EP mit JuJu, die wahrscheinlich auch der nächste Release sein wird. Wenn das fertig ist, werde ich wieder an meinem Soloalbum arbeiten, das auch schon relativ weit ist. Ehrlich gesagt habe ich dort schon einige Songs fertig, es aber hinter das Projekt mit JuJu gestellt, weil es für mich kein Sinn gemacht hat, an zwei verschiedenen Releases gleichzeitig zu arbeiten. Auf meinem eigenen Album habe ich auch mit vielen verschiedenen Musikern gearbeitet wie einem Saxophonisten, Pianisten, Gitarristen und einen Bassisten. Es wird also sehr, sehr musikalisch. 

 

Die letzten Worte gehören dir!

Mich sowas zu fragen, ist sehr gefährlich, weil ich dann erst mal so richtig drauf los haten kann [lacht]. Aber meine Musik spricht für sich. Hört euch einfach den Song Fuckin’ up mit mir und S. Fidelity an.

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Kommentare: 1
  • #1

    ist programm (Sonntag, 28 August 2016 23:20)

    sich selbst als schlüsselfigur zu betitel, interessant.
    an selbstbewusstsein scheint nicht zu mangeln.