Interview mit CE$

„Letztendlich hat sich alles immer ergeben und geschah eher zufällig, als dass ich es erzwungen habe.“

Autor: Walter Schilling

Foto: Pascal Gasz

 

 

Könnt ihr euch an die modisch gekleideten Deutschrapper aus den 1990ern erinnern? Ich auch nicht! Das liegt vermutlich daran, dass Rapper hierzulande nicht unbedingt für ihre ausgeprägte Stilsicherheit bekannt waren. Weder in den 1990ern noch in den 2000ern. Natürlich gab es ein paar Ausnahmen, doch der überwiegende Teil der Rapper konnte mit seiner Streetwear nicht überzeugen. Doch ein paar wenige Künstler haben das Problem erkannt und es sich zur Aufgabe gemacht, sowohl auditiv als auch visuell zu glänzen! Allen voran CE$, der dies auf eine besonders frische und atemberaubende Art und Weise umsetzt. Sowohl seine Musik als auch sein Kleidungsstil haben einen ausgesprochen großen Wie­der­er­ken­nungs­wert.   

BB21: Lass uns bei deinen Anfängen beginnen. Wie lange arbeitest du schon an deinen Skills, ehe du vor ein paar Monaten angefangen hast, deine ersten Songs auf YouTube zu veröffentlichen?

Ich habe vielleicht vor drei oder vier Jahren angefangen zu rappen und liebe Musik über alles! Als CE$ bin ich zwar erst seit ein paar Monaten am Start, aber ich habe davor schon viele Songs geschrieben. Wirklich ernst ist es erst seit Teufelskreis geworden. Bei diesem Track habe ich sofort gemerkt, dass Rap für mich etwas Ernstes werden kann. Bis jetzt bereitet mir das Ganze auch sehr viel Freude und ich habe großen Spaß daran, zu versuchen, mich im Rap zu etablieren.

 

BB21: Bis jetzt wurden deine Beats ausschließlich von Zen Feriz produziert. Arbeitest du nur mit ihm zusammen?

Er ist der big Bratello der Omerta-Gang. Mit ihm habe ich endlich jemanden gefunden, der meine Vision teilt. Gemeinsam konnten wir den musikalischen Stil entwickeln, den wir jetzt auch raushauen. Es ist einfach krass, dass ich ihn überhaupt kennengelernt habe! 

 

BB21: Dann erzähl doch mal, wie du ihn kennengelernt hast.

[lacht] Das ist eine richtig witzige Geschichte, denn wir haben uns vor knapp einem Jahr über das Internetportal Kleiderkreisel kennengelernt. Ich hatte damals eine exklusive Versace-Jacke, die ich dort verkauft habe. Zen wollte die Jacke und nach ein paar Nachrichten, die wir uns hin und her geschickt haben, hat er mir schon davon erzählt, dass er Musik macht. Langsam kam es dann eben dazu, dass wir zusammen an neuen Liedern gearbeitet haben.

BB21: Anstatt dir Geld für die Jacke zu geben, hat er dir ein paar Beats geschickt?

[lacht] Ne. Aber wir arbeiten schon sehr exklusiv zusammen, wodurch diese Bratello-Geschichte überhaupt erst entstanden ist. Zen ist Bosnier und bei ihm nennt man Brüder Brate, während man bei uns in Italien Fratello sagt. Wir haben quasi die beiden Wörter zusammengefügt, um ein neues entstehen zu lassen. Es ist schon verrückt, wie gut wir uns verstehen und zusammenarbeiten. Vor allem wenn man schaut, wie weit wir es gemeinsam geschafft haben. Es hat natürlich seine Zeit gebraucht, bis wir unseren Stil gefunden haben, aber seit Teufelskreis sind wir endlich soweit. Deswegen war es auch der erste Song, den wir überhaupt veröffentlicht haben. 

 

BB21: Sind die Videoproduktionen bei dir genauso familiär? 

Oha, dafür ist Pascal Gasz zuständig, der auch schon sowas wie mein kleiner Bruder ist. Er ist ein fester Teil der Omerta-Gang und für das Visuelle zuständig. Ich bin sehr froh darüber, dass ich ihn an meiner Seite habe, denn er hat nicht nur einen besonderen Touch für Mode, sondern weiß auch noch, wie es beim Zuschauer ankommen muss. Er hat einfach ein gutes Auge für Ästhetik! Das ist nämlich leider etwas, das im Deutschrap sehr gerne vernachlässigt wird. Hierzulande wird zwar immer viel Wert auf gute Punchlines und tolle Reime gelegt, das Visuelle bleibt dafür aber oftmals auf der Strecke. Ich finde aber, dass man als Rapper sich auf sich selbst konzentrieren sollte, anstatt andere Mütter zu f***en. Aber trotzdem großen Respekt an diejenigen, die die Hörer mit diesem Stil unterhalten können! Mir persönlich sind einfach meine Bratellos und die Mode am wichtigsten. 

„Vielleicht eröffnet sich mir noch ein Weg, auf dem ich alles zersägen kann.“

BB21: Arbeiten eigentlich du, Pascal und Zen ausschließlich miteinander?

Es ist nicht so, dass wir uns für die einzigen halten, die etwas draufhaben und deswegen mit niemandem anderen arbeiten. Aber wir kennen uns einfach schon sehr lange und wissen, was der andere möchte. Wir sind Brothers, die Bratello-Gang. Deswegen gibt es für uns nur das hier! Nichts anderes als Kunst.

 

BB21: Du und RAF wurden bereits zusammen gesichtet. Arbeitet ihr mittlerweile an gemeinsamen Songs?

Ich bin damals in Berlin gewesen, um Marvin Game zu besuchen - an dieser Stelle shout outs an die IMMER.READY-Crew - weil er und seine Leute eine der ersten waren, die unseren Style gecheckt haben. Zufälligerweise war an diesem Wochenende auch RAF in der Stadt, bei dem ich mich einfach persönlich für seinen Support bedanken wollte. Wir haben uns aber nur unterhalten und keine Musik gemacht. Ich habe für die Berliner sehr viel Love und bin total glücklich darüber, dass sie meinen Style checken!

BB21: Mit RAF hast du dich wahrscheinlich sehr viel über Mode unterhalten, oder? Er hat schließlich auch sein eigenes Modelabel.

Natürlich. Das ist auch das Problem, dass wir Italiener haben. Wir achten da einfach zu sehr darauf [lacht]. Aber so endet es auch oftmals mit meinen Freunden. Es ist so wie ich in All in sage und zwar, dass meine Jungs und ich eine sehr große Modeaffinität haben. Wir geben uns dabei gegenseitig sehr viel Input. 

 

BB21: Bist du eigentlich auch mit italienischer Musik aufgewachsen wie zum Beispiel Jovanotti? Ist das etwas, das dich inspiriert hat? 

Ehrlich gesagt ganz wenig. Einen Eros Ramazzotti oder Luciano Pavarotti habe ich nie gepumpt. Vor kurzem habe ich aber angefangen italienischen Rap zu hören, aber den ganz neuen Stuff. Die haben schon geilen Trap am Start, der mich ein wenig inspiriert. In meiner Kindheit habe ich aber eher die Klassiker gehört. Mein Vater hat viel Michael Jackson, Elvis Presley und Deep Purple gehört, die er mir eben auch nahegelegt hat. Bis heute gefällt mir an diesen Künstlern, wie sehr sie auf der Bühne durchgedreht sind. Diese Energie möchte ich später auch in meinen Shows haben. 

 

BB21: Bislang hast du zu fast jedem Song, den du veröffentlicht hast, auch ein Video gedreht. Wirst du es auch in Zukunft so halten?

Das ist genau das, was unsere Omerta-Gang ausmacht. Wir versuchen, das auch in Zukunft so zu halten, aber wie es ganz genau wird, kann ich jetzt natürlich noch nicht sagen. Letztendlich hat sich alles immer ergeben und geschah eher zufällig, als dass ich es erzwungen habe. Aber genau das gefällt mir momentan [grinst]. Vielleicht eröffnet sich mir noch ein Weg, auf dem ich alles zersägen kann. Schließlich habe ich Hunger! 


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