Interview mit Kex Kuhl

„Denn ich war schon immer ganz gut darin, Menschen zu beleidigen. Auch außerhalb vom Hip-Hop.“

Foto: links DJ Andi Tablez; rechts Kex Kuhl

 

Autor: Walter Schilling

 

 

Grundsätzlich ist Rap immer ein Hybrid, der aus Sprechgesang und einer weiteren Musikrichtung besteht. Beim Rapper Kex Kuhl sieht das Ganze aber irgendwie anders aus, denn er selbst ist der Hybrid. Er fühlt sich sowohl im Rock als auch im Rap wohl und lieh seine Stimme bereits einem Crossover-Projekt. Obwohl sein aktuellster Release 5 und 30 eine ganz klare Hip-Hop-EP ist, schimmert hier und da der Rock etwas durch. Beim Interview in der Stuttgarter Innenstadt sprachen wir deswegen über seinen musikalischen Horizont, seine schier unzähligen Battleturnieren und unterhielten uns über die unendliche Frage: Samples oder eingespielte Instrumente?

Dich und deinen DJ Andi Tablez scheint eine besondere Freundschaft zu verbinden. Wenn man dir in den sozialen Netzwerken folgt, sieht man euch fast nie getrennt.

Wir wohnen auch mittlerweile gemeinsam in einer WG. Kennengelernt haben wir uns im Rockerz 33, an einem der letzen Tage des Clubs. Jetzt gibt es ihn ja nicht mehr. Jedenfalls hat mich Sickless Andi vorgestellt und das erste, was er gemacht hat, war, mir meinen Drink auszutrinken. Eigentlich wollte ich ihn für die Aktion hauen, aber er hatte in seinem Rucksack eine Whiskeyflasche versteckt, die er mit mir geteilt hat. Seitdem sind wir Freunde [lacht]. 

 

Ich habe über dich gelesen: „Sogar als Sänger einer Crossover-Band hat [Kex Kuhl] schon erfolgreich seinen musikalischen Horizont erweitert.“ Was ist an deiner Crossover-Zeit dran?

Das stimmt tatsächlich, aber Sänger ist das falsche Wort. Ich habe bei der Band gerappt, zwar anders als ich es heute mache, aber es war trotzdem Rap. Unsere Band hieß Weekend Warriors, doch wir haben sie irgendwann aufgelöst. Der Grund dafür ist wirklich sehr traurig, denn unser Drummer hat sich aufgehängt. Er hat die Band ins Leben gerufen und ohne ihn wollten wir nicht mehr weitermachen, obwohl wir sogar ein Album bereits fertig hatten. Aber nichtsdestotrotz gehe ich jetzt wieder in diese Richtung zurück. Auf meinen neuen Songs sind wieder viele Gitarren zu hören, viel eingespielte Instrumente und sehr viel Geschepper.   

 

Wie ernst habt ihr als Band die Musik genommen? Seid ihr sowas wie eine Schulband gewesen?

Nein, wir hatten Proberäume und es wurden damals auch schon die ersten Leute auf uns aufmerksam. Es hat bereits Gespräche mit Veranstaltern gegeben, die uns auf Festivals buchen wollten. Wir hätten echt viel aus der Band machen können, weil unser Sound auch sehr witzig gewesen ist. Das war aber viele Jahre vor der VBT-Zeit, als ich noch deutlich unbekannter gewesen bin. 

Jetzt, da du selbst das VBT ansprichst, lass uns auch bei diesem Thema bleiben, denn du hast bei sehr vielen verschiedenen Battleturnieren mitgemacht. Was hat dich angespornt, bei so vielen Turnieren teilzunehmen?

Ich wollte 2013 einfach mal auschecken, was bei den Turnieren abgeht und herausfinden, wie weit ich dort kommen würde. 2012 bin ich auf das VBT aufmerksam geworden und habe das echt gefeiert. Weekend, Lance Butters und Doller John haben es dort echt gerissen und ich war schon davor ein großer Fan von Battlerap. Als kleiner Kex Kuhl habe ich auch bei der RBA [Reimliga Battle Arena] mitgemacht, denn ich war schon immer ganz gut darin, Menschen zu beleidigen. Auch außerhalb vom Hip-Hop [lacht]. Also wenn es schon Formate dafür gibt, warum soll ich sie nicht auch nutzen? 

 

Warum hast du dich letztendlich dafür entschieden, bei so vielen verschiedenen Formaten teilzunehmen? Du hast beim VBT [Video Battle Turnier], MOT [Moment of truth], DLTLLY [Don’t let the label label you], Rap am Mittwoch und beim Rap Sparring mitgemacht.

Wie gesagt, es war eine Zeit, in der ich es einfach wissen wollte. Die Leute vom Rap Sparring, aber auch die von DLTLLY, sind zum Beispiel auf mich zugegangen und wollten, dass ich dort teilnehme. Beim MOT fand ich das Format dermaßen geil, dass ich dort unbedingt mitmachen wollte und bin dann schlussendlich auch reingekommen. 

 

Ich finde ebenfalls, dass das MOT ein sehr interessantes Format gewesen ist, aber leider wird es dieses Jahr nicht mehr fortgeführt. Vielleicht gerade weil es so komplex gewesen ist.

Das ist echt schade, denn ich finde auch, dass es ein sehr geiles Format gewesen ist. Aber die Jury hat sich beim zweitem Mal auch nicht mehr so viel Mühe gegeben, wie beim ersten Mal. Anfangs sind sie noch mit ihrer Kritik ins Detail gegangen, später dann nicht mehr so sehr. 

 

Du hast Film studiert. Wo genau? Etwa in Ludwigsburg?

Nein, ich habe in Stuttgart an der Merz Akademie studiert. Ich bin ja von Augsburg weggezogen, weil mir die Stadt zu klein und erdrückend gewesen ist. Da ziehe ich doch nicht ins kleine Ludwigsburg um. Natürlich war die Merz Akademie etwas anstrengender, weil es eine Privatschule ist und deswegen teurer als die Filmakademie in Ludwigsburg. 

Warum ist dann aber trotz deiner Kenntnisse im Videobereich nie dein Name in den Credits zu lesen sondern nur fremde? Bei Circa 60 Bars steht zum Beispiel Cada Clips. Arbeitest du am Video zu deinen Singles nicht mit?

Doch natürlich, aber die Kamera führe ich ja nicht selbst, weswegen die anderem Namen zu lesen sind. Und wofür sollte ich dann noch meinen eigenen Namen mit angeben? Trotzdem ist so gut wie alles aus meiner Feder, selbst die Regie. Ich mache sogar das Artwork selbst, weil ich die Dinge, die ich selbst machen kann, nur ungern aus meiner Hand gebe.

 

Werden dadurch deine Videodrehs chaotisch? Schließlich bist du Regie und Darsteller in einem.

Nein, sie enden dadurch genau so, wie ich sie haben will. Mein großes Plus ist natürlich auch, dass ich nicht mit vier verschiedenen Leuten kommunizieren muss. Nach dem Motto: „Du musst den Schnitt etwas anders machen und du noch die Farbe“. Das mache ich eben alles selbst. Dafür habe ich aber das Problem, wann ich mir die Zeit für all das nehmen soll.

 

Wie kam das berühmte Compliments-Battle mit Johnny Rakete zustande? Wer ist da auf wen zugegangen?

Big Chief hatte noch einen gut bei mir und er wollte, dass ich unbedingt einmal ein Battle bei DLTLLY abliefere. Langsam kam es dann zustande, dass ich gegen Rakete antreten sollte, gegen den ich aber nicht battlen wollte. Er ist ein guter Freund und ich empfinde sehr viel Liebe für ihn, weswegen irgendwann die Idee kam, ein Compliments-Battle zu führen. Den Text dafür konnte ich auch sehr schnell schreiben, schließlich ist es für mich einfacher ihm Komplimente zu geben, als ihn zu batteln.

 

Ist es für dich grundsätzlich schwierig Freunde zu batteln?

Ich sehe das Batteln schon sportlich und habe ja bereits sehr früh mit Freestyle-Battles angefangen. Wobei ich an dieser Stelle erwähnen muss, dass ich im Freestyle echt schlecht bin. Trotzdem fällt es mir schwer, einen Freund zu battlen, gerade wenn ich es auch noch ernst rüber bringen muss. Ich habe ohnehin Probleme dabei, während eines Battles ernst zu bleiben und nicht ständig über meine eigenen Punchlines zu lachen. Wenn ich einen meiner Freunde battlen müsste, würde es dadurch keiner ernst nehmen können.

Bist du eigentlich auch ein Punchlineschreiber, der über den Tag hinweg seine Punchlines in das Handy tippt? Nehmen wir zum Beispiel deine letzte EP 5und30. Hast du dafür einfach nur die besten Punchlines aus deinem Handy genommen und sie zu den jeweiligen Songs zusammengefügt?

So allgemein kann ich das nicht sagen, denn das ist von Track zu Track anders. Natürlich ist mein Handy voller Punchlines, aber ich schreibe keine Songs ohne einen Beat zu haben. Für mein neues Tape bin ich ebenfalls im Studio und arbeite zusammen mit den Musikern an meinen Beats. Ich möchte dafür sehr viele Instrumente eingespielt haben.

 

Aber jetzt darf man endlich legal sampeln, tob dich doch dort aus.

Ach was, ich sampel nur Moses Pelham [lacht]. Aber um auf die Frage nochmal zurückzukommen: Meine Themensongs schreibe ich ganz frei, meist ohne die Punchlines aus meinem Handy. Für die Punchlinesongs check ich dagegen zuerst mein Handy aus und baller die Lines einfach raus. So wie zum Beispiel beim Song Circa 60 Bars.

 

Lass uns ein bisschen Realtalk zu deinem Song Ausgehen führen! Ein Film, den man sich mit seinem Date anschaut, braucht nur einen guten Anfang, zu mehr wird man ohnehin nicht kommen, oder?

Das stimmt auf jeden Fall! Der Film darf natürlich grundsätzlich nicht zu langweilig sein, weil man sonst die Zeit damit verbringt, sich einen anderen Film auszusuchen. Was auch passieren kann, ist, dass der Film so langweilig ist, dass sie ihr Handy auspackt und damit anstatt mit dir die Zeit verbringt. Welchen Film ich deswegen an dieser Stelle empfehlen kann, ist Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt mit einer Flasche Wodka [lacht]. Aber natürlich ist der Anfang sehr wichtig, denn ich muss ehrlich gesagt gestehen, dass ich mit einer Frau, die ich gedatet habe, nie bis zum Ende gekommen bin. Ist auch nicht so wild, den Film kann ich schließlich alleine weiterschauen [lacht].

 

Du und eRRdeKa habt den Kollabotrack Süd/Nord. Habt ihr euch durch eure gemeinsame Zeit in Augsburg kennengelernt oder kam der Kontakt tatsächlich über das Internet zustande?

Natürlich haben wir uns schon in Augsburg kennengelernt, so groß ist die Stadt doch auch nicht. Ich habe seinen Song Ich bin Gott damals gehört und fand ihn mega geil! So habe ich mich dann mit ihm connectet und wir haben anfangs auch vor gehabt, eine gemeinsame EP zu machen, wozu es aber nie gekommen ist. Aber wir sind nach wie vor in Kontakt.

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