Interview mit JollyJay und HtoO

Über Ear-Sight, Beats on Road und DLTLLY

Autor: Walter Schilling

 

 

 

JollyJay und HtoO von Don’t let the label label you haben mit Ear-Sight ihr eigenes, neues Label gegründet. Passend dazu gehen sie auf YouTube mit ihrem neuen Format Beats on Road online, das die Hip-Hop-Produzenten auf die Straße bringt. In der ersten Staffel spielen Beatmaker wie Figub Brazlevič, Clockwerk oder Digitalluc in der Berliner U-Bahn-Linie U1 ein Live-Set. Dazu gibt es auch noch ein paar besondere Überraschungen wie den Gastbeitrag von Chefket. Die zweite Staffel von Beats on Road ist bereits in Planung und wir dürfen gespannt sein, was sich JollyJay und HtoO dafür ausgedacht haben. Aus diesem Grund traf ich mich mit den beiden Herren auf ein Skypeinterview, um mit ihnen sowohl über das neue Label als auch über das neue Beatformat zu sprechen.

Mit Ear-Sight habt ihr nun ein neues Label gegründet. Seit wann steht die Idee, neben den Live-Battles von DLTLLY auch ein eigenes Label zu führen?

 

JollyJay: Das ging eigentlich Hand in Hand mit der Idee zu Beats on Road, die wiederum zu unserem ursprünglichen Gedanken gehört hat: Eine internationale Hip-Hop-Plattform für Rapper und Beatmaker zu etablieren. Wir werden zwar von vielen als eine Battleplattform gesehen, aber das ändern wir jetzt. Die Musik sollte nicht auf dem Abstellgleis landen. Ursprünglich wollten wir auch alles unter dem Namen DLTLLY laufen lassen, aber in vielen Köpfen steht der Begriff für unsere Battleveranstaltungen.

 

HtoO: Das ist natürlich auch wichtig für diejenigen, die sich mit den Namen auch identifizieren wollen. DLTLLY ist durch die vielen Battles schon sehr vorbelastet. Wir hätten vielleicht vor ein paar Jahren genau das machen sollen, was wir nicht wollen, und zwar alles labeln. Die Battles hätten bestimmte Namen bekommen sollen und so weiter. Aber im Endeffekt ändert sich durch die Bezeichnungen doch gar nichts.

 

Habt ihr im Zuge der Labelgründung auch euer Team erweitert oder kümmert ihr euch zu zweit um Ear-Sight?

 

HtoO: Nein, wir haben auch gar nicht das Budget dafür, um noch weitere Leute dazuzuholen. Bei Beats on Road haben wir beide alles alleine aufgenommen und geschnitten. Bei großen Events haben wir natürlich noch weitere Kameramänner mit dabei, die mit uns zusammenarbeiten, doch momentan ist es einfach ein Liebhaberprojekt. 

 

JollyJay: Wir haben selbst Musik gemacht und gerappt, wodurch wir viele verschiedene Bekanntschaften gemacht haben. So ist DLTLLY überhaupt erst entstanden. Der Schritt mit Ear-Sight und Beats on Road liegt einfach nur auf der Hand. Wir kennen so viele gute, talentierte, junge Musiker, dass es uns nur logisch erschien, jetzt auch noch diesen Schritt zu gehen. Wir haben zwar nicht die Kohle, wie sie ein großes Label hat, um unzählige Menschen anzustellen, die uns unter die Arme greifen, aber was braucht man denn mehr als gute Künstler, die tolle Musik machen und uns für die Videos? 

 

HtoO: Jolly und ich sind ja ursprünglich englische Rapper, doch durch die Battles ist DLTLLY eine sehr deutschsprachige Plattform geworden, die sie eigentlich nie sein sollte. Schon allein unser Name: Don’t let the label label you weist ja darauf hin. Das haben wir jetzt bei Beats on Road geändert und es sehr international gehalten, denn es gibt bei der Musik keine sprachlichen Barrieren. 

Wird die ganze Arbeit an Ear Sight und Beats on Road dafür sorgen, dass es in Zukunft weniger Battles geben wird?

 

JollyJay: Die Battles sind bei uns noch immer die Nummer eins, die uns auch ermöglichen können, in naher Zukunft das Team zu erweitern. Momentan schneiden wir Battlevideos am Fließband, doch wir sind ehrlich gesagt auch an Kurzfilmen und kleinen Dokumentationen interessiert. 

 

Dann lasst uns über Beats on Road detaillierter sprechen. In der Pressemitteilung dazu heißt es, dass ihr die Leute zu ihrem Glück „zwingt“. „Die Leute können mit den Künstlern interagieren, sie ignorieren, oder leise vor sich hin genießen“ Wie haben die U-Bahninsassen darauf reagiert?

 

HtoO: Das wirklich interessante daran ist ja, dass es auch immer in der gleichen Location stattgefunden hat: In der U1. Das einmalige daran sind die Bahninsassen selbst, weil es immer andere Menschen sind, die anders reagieren und handeln. Im ersten Teil ist zum Beispiel recht wenig passiert, was sich aber mit den jeweiligen Episoden immer steigert. 

 

JollyJay: Man konnte es nie wirklich voraussehen, wie die Menschen darauf reagieren. Mal filmt ein älterer Herr uns mit seinem Handy, mal tanzen junge Frauen zu der Musik. Ideal wäre es natürlich, wenn wir eines Tages vier GoPros hätten und auf die Kameras verzichten könnten. Dadurch würden die Leute nicht gleich das Gefühl bekommen, dass sie gefilmt werden und sich deswegen zurückhalten.

„Wir wollen kein typisches Label schaffen, schließlich sind wir Don’t let the label label you.“

Ich hätte darauf getippt, dass euch viele Bahninsassen ignoriert hätten, weil sie auf ihr Ziel fokussiert sind und die Musik, die ihr dort spielt, kaum zur Kenntnis nehmen.

 

JollyJay: Es gibt doch auch Artikel über einen berühmten Violisten in Washington, dessen Musik von niemanden wahrgenommen wird, obwohl er vor Ort ein unglaublich schwieriges Stück gespielt hat. Aber so ist das nunmal bei Musik in der Stadt. 

 

HtoO: Berlin ist aber auch eine Stadt, in der die Menschen es gewohnt sind, dass in der U-Bahn was passiert. Leute spielen dort für Kleingeld auf ihren Instrumenten oder nehmen sogar ihre Boombox mit und feiern in der Bahn. 

 

JollyJay: Wahrscheinlich sind die Berliner da auch so abgehärtet, dass ich denke, dass es eher die Touristen waren, die auf unser Konzept eingegangen sind. Egal ob Aus- oder Inländer. Für die ist es noch eher etwas besonderes als für die Berliner selbst. 

 

Nach der Vinyl-Compilation von Beats on road ist bei euch das Album von Rino Mandingo geplant, den ihr wohl auch auf eurem Label gesignt habt.

 

JollyJay: Gesignt ist das falsche Wort, denn wir haben nicht vor, mit Musikern exklusiv zu arbeiten. Wir wollen mit Ear-Sight unserem Umfeld eine Plattform bieten und diejenigen, die wir feiern, damit supporten. 

 

HtoO: Wir wollen kein typisches Label schaffen, schließlich sind wir Don’t let the label label you. Die Musiker sollen ihre künstlerische Freiheit genießen und wir supporten dann einfach die Album, die wir cool finden. Nach diesem Motto haben wir schon von Anfang an gearbeitet, was wir bei Ear-Sight genauso fortsetzen werden. Bei Beats on Road wird das im Detail so aussehen, dass jeder der dort mitmacht - wobei das kein muss ist - einen Track für eine Compilation beisteuern wird, die wir dann regelmäßig veröffentlichen werden.

Das heißt, ihr werdet das jetzt wie zum Beispiel bei Rino Mandingo so machen, dass ihr die Musik von Künstlern aus eurem Umfeld veröffentlicht, weil ihr sie feiert. Vereinbart ihr dann alles auch per Handschlag und verzichtet auf Verträge?

 

JollyJay: Wir werden die Details vertraglich bestimmt festlegen, aber wir wollen kein exklusives Label sein. Schließlich ist das doch auch ein veraltetes Muster. Nehmen wir doch Digitalluc, der auch auf verschiedenen Labels seine Musik released hat. Warum sollte man sich auch auf eine Sache reduzieren, wenn es allen Beteiligten hilft, mehrgleisig zu fahren. 

 

HtoO: Lass es mich ganz simpel he­r­un­ter­bre­chen: Wir haben auf Youtube und Facebook zusammen über 30.000 Subscriber, die wir auch dafür nutzen können, um unsere Leute zu supporten.  

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