Interview mit TOON

„Inhaltlich werde ich mich von den Frauen etwas entfernen und mehr über die Straße erzählen.“

Autor: Walter Schilling

 

 

TOON kann singen, rappen und produzieren. Er ist ein wahres Musiktalent und setzt seine Stimme stets gefühlvoll ein, sodass er beim Hörer tiefe Emotionen hervorrufen kann. Doch das ist nicht alles, was er zu bieten hat. Denn obendrein zeigt er sich als ein ausgesprochen guter Lyriker, der weiß, wie man mit Sprache umgeht. 

Auf seinem letzten Release KNGHRZ waren Frauen das Thema schlechthin, was aber nicht immer so bleiben wird. Denn in unserem Interview kündigte Toon an: „Inhaltlich werde ich mich von den Frauen etwas entfernen und mehr über die Straße erzählen.“ Im „Macht Rap“ Büro sprachen wir folglich auch darüber, wie es zu dieser Veränderung kam.

Wenn man sich deine letzte EP KNGHRZ so anhört, könnte man denken, dass Frauen die Hauptrolle oder zumindest ein wesentlicher Bestandteil deines Lebens sind. Verbringst du mit ihnen tatsächlich so viel Zeit?

Was heißt schon viel Zeit? Frauen sind ein Thema, über das ich sehr gerne schreibe. Schon seit meiner Kindheit verbringe ich viel Zeit mit Frauen und bin mit meiner Cousine groß geworden. Und bei der ein oder anderen Dame komme ich auch gut an, aber vor allem schreibe ich gerne über sie.

 

Hast du auch einen Freundeskreis, der hauptsächlich aus Frauen besteht?

Nein, gar nicht. Was das angeht ist meine Clique komplett durchgemischt und die Frauen, die dazugehören, sind meist schon vergeben. Aber im Großen und Ganzen muss ich schon sagen, dass ich mit den Boys down bin. 

 

Wo lernst du die Frauen, über die du deine Texte schreibst, meist kennen? Bist du jemand, der im Club beziehungsweise im Nachtleben Frauen anspricht?

Mit der Zeit ist mir aufgefallen, dass ich gar nicht so der Typ bin, der viele Frauen anbaggert. Meistens ergibt sich sowas irgendwie, weil man irgendwo ist und irgendjemanden kennt. Oftmals sind das kuriose Zufälle und natürlich habe ich auch mal Frauen angequatscht, aber ich bin niemand, der es darauf anlegt. Ich bin niemand, der im Club unbedingt eine Nummer abchecken möchte oder so. 

 

Du sprichst also tatsächlich selten Frauen an?

Ja, eher selten. Ich werde oftmals von Frauen angesprochen. Dass das eine komplett fremde Frau macht, ist aber eher selten. Aber wenn man sich flüchtig kennt, kommen sie gerne auch auf mich zu. 

 

Also machen Frauen bei dir meist den ersten Schritt?

Manchmal kleben die schon, ohne arrogant und ekelhaft rüberzukommen. 

Nein, darum soll es auch gar nicht gehen. Aber du bist ein erwachsener Mann, der sich darüber bestimmt Gedanken macht. Aber lass uns nun zurück zu deiner Musik kommen. Im Song In nur einer Nacht sagst du: „Kosenamen klingen tot und künstlich.“ Bist du kein Freund davon?

Doch, bin ich. Aber nur, wenn es auch ehrlich und aufrichtig gemeint ist. Wenn man eine längere Beziehung führt, ist sowas doch wunderschön. Aber wenn eine Frau mich schon nach der ersten Nacht Schatz oder so nennt, dann kann ich das nicht ernst nehmen. Denn dann ist es von ihr nicht so gemeint, wie ich mir das eigentlich vorstelle. Da gehört auch eine emotionale Bindung dazu. 

 

Produzierst du eigentlich auch deine Musik mit? Ich meine, in deinen Songs stecken sehr viele Arrangements, die mit den Texten verknüpft sind. Ich kann deswegen nur schwer glauben, dass du einen fertigen Beat pickst und einfach darauf losschreibst und danach einsingst, ohne dass etwas geändert werden muss.

Ich produziere Songs auch mal selber. Auf der EP waren es drei oder vier Beats, die ich gemacht habe - in Zusammenarbeit mit anderen Produzenten. Diese Arrangements, die du genannt hast, sind mir auch sehr wichtig. Ich bin ein Fan davon, wenn sie für Spannung sorgen können.

 

Vor kurzem habe ich Remoe getroffen, der mir in einem persönlichen Gespräch zugesteckt hat, dass er ein großer Fan von dir ist. Fühlst du dich darin bestätigt, wenn andere Künstler dich feiern? Jetzt speziell bei ihm?

Ich glaube, dass jeder Künstler es feiert, wenn dir ein anderer Künstler Probs gibt. Es freut mich natürlich, dass er das so sieht. Ich bin mit Remoe auch befreundet und ich feier ihn genauso. Ich mag das, was er macht. Er ist auch der einzige Künstler, der in eine ähnliche musikalische Richtung geht wie ich damals mit KNGHRZ. Doch mittlerweile hat sich mein Style geändert und ist sehr weit weg von KNGHRZ. Inhaltlich werde ich mich von den Frauen etwas entfernen und mehr über die Straße erzählen. Das heißt jetzt nicht, dass es nie wieder Lovesongs von mir geben wird, sondern dass ich thematisch zu meinem Ursprung zurückkehre. 

 

Warum diese Veränderung? War dir die Resonanz von KNGHRZ nicht groß genug?

Nein, es geht dabei mehr um meinen persönlichen Geschmack. Ich habe auch viel mit dem Label darüber gesprochen und mir viele Gedanken gemacht, wie meine Musik in Zukunft klingen soll. Ich wollte jetzt etwas anderes als das machen, was ich mit KNGHRZ gemacht habe. Außerdem sollte es etwas sein, das es so in Deutschland noch nie gab. Das Ergebnis ist das, was ich jetzt gerade mache.

„Nachdem ich so viele Texte darüber geschrieben habe, habe ich einen Tapetenwechsel gebraucht.“

Du hast im letzten Jahr des öfteren ein Mixtape angekündigt. Jetzt steht aber euer Labelsampler vor der Tür, weswegen ich davon ausgehe, dass dein Release so schnell nicht veröffentlicht wird. Lag es auch an deinem Output, dass du noch immer nichts nach KNGHRZ rausgehauen hast?

Irgendwann wird das Mixtape noch rauskommen, nur kann ich nicht sagen, wann es passieren wird. Die Songs sind schon fertig, aber nachdem ich meinen Style so erneuert habe, war es schwierig für mich, die alten Sachen noch zu veröffentlichen. Und wie du sagst, jetzt ist auch noch der Sampler dazwischengekommen, weswegen ich gar nicht mehr sagen kann, wann mein Mixtape noch raus kommt. Aber es wird auf jeden Fall irgendwann veröffentlicht werden. 

 

Wie kam es konkret dazu, dass du keine Liebeslieder mehr schreiben möchtest?

Das Thema hat mich irgendwann gelangweilt. Nachdem ich so viele Texte darüber geschrieben habe, habe ich einen Tapetenwechsel gebraucht. Es war auch ein schleichender Prozess und ist nicht von heute auf morgen passiert, sondern ist nach vielen Überlegungen passiert. 

 

In einem Interview hast du mal darüber gesprochen, dass du deine EP in Köln statt im „Macht Rap“-Studio aufgenommen hast. Ist das immer noch so, dass du dort deine Songs aufnimmst statt hier im Studio?

Nein, ich habe hier schon viele Songs aufgenommen. Der Kölner, mit dem ich mein Album aufgenommen habe, ist Bizzy Mo und mit ihm habe ich schon über sieben oder acht Jahre lang Musik gemacht. Dann wollte ich natürlich auch meine EP mit ihm zusammen machen. Ich werde auch mit Sicherheit wieder nach Köln fahren und mit ihm weiter Musik produzieren, aber meinen neuen Style werde ich jetzt erstmal hier weiter angehen. 


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