Interview mit Mosenu & Kell

„Bis jetzt hat es nichts zu beanstanden gegeben.“

Autor: Walter Schilling

 

 

 

Der neue „Macht Rap“ Labelsampler steht vor der Tür, weswegen wir uns mit dem erweiterten Kreis der Gang getroffen haben. Doch was bedeutet es konkret, zum „erweiterten Kreis“ dazuzugehören? Das haben wir Kell, jahrelanger Backuprapper von Jaysus, und Mosenu, der die Gang bereits eine lange Zeit kennt, im Interview gefragt. Die beiden Jungs werden auf dem Sampler vertreten sein, obwohl sie nie einen Vertrag bei „Macht Rap“ unterschrieben haben. Wie haben sie es dennoch auf den Langspieler geschafft? Was schätzt Jaysus an diesen beiden talentierten Rappern und warum hat er sie dennoch nicht gesignt? Diesen und vielen weiteren Fragen sind wir im Interview nachgegangen, als wir uns im „Macht Rap“ Büro getroffen haben.

Ihr beiden gehört zum erweiterten Kreis von „Macht Rap“. Was bedeutet das konkret?

 

Mosenu: Wir werden dazugeholt, sobald etwas passiert, wie jetzt bei der Arbeit zum Labelsampler. Ob wir dann irgendwann einen Vertrag bekommen oder nicht, liegt dann letztendlich an uns. Wenn wir abliefern und fleißig bleiben, werden wir den Vertrag früher oder später bekommen! 

 

Kell, du hast Jaysus auf seinen Alben Sünde und Gott liebt die Geduldigen gefeatured. Wie lange gehörst du schon zum erweitertem Kreis?

 

Kell: Es müssten wohl etwa drei Jahre sein und seitdem bin ich häufig hier am Start. Gerade zu Beginn war ich sehr oft hier im Studio, doch dann sind private Dinge wie Arbeit und Ausbildung dazwischengekommen. Deswegen war ich eine gewisse Zeit lang etwas seltener hier. Aber seitdem die Arbeiten zum Labelsampler begonnen haben, bin ich wieder regelmäßig hier. 

 

Mosenu: So ist auch die Arbeit am Labelsampler gedacht: Wir sitzen täglich von 9 Uhr morgens bis Mitternacht hier, schreiben Texte und nehmen Songs auf. 

 

Wie schafft ihr das, dass ihr so viel Zeit im Studio verbringen könnt? Schließlich müsst ihr bestimmt noch euren Jobs nachgehen.

 

Mosenu: Für mich ist das tatsächlich nicht so einfach, weil ich aus Nürtingen [Anm. d. Verf.: Etwa 20km von Stuttgart entfernt und bietet nur einen dürftigen öffentlichen Personennahverkehr an.] komme und keinen Führerschein habe. Für die Arbeiten zum Labelsampler konnte ich mir eine Woche Urlaub nehmen, ansonsten kann ich nur an den Wochenenden hier sein. Aber diese Zeit nutze ich eben, um auch viel schreiben zu können!

Ihr seid auch bei den „Macht Rap“ Feierlichkeiten mit dabei. Ich habe euch zwei auf einem Foto bei der „Macht Rap“ Weihnachtsfeier erkannt.

 

Musenu: Was haben wir an der Weihnachtsfeier gemacht?

 

Kell: Natürlich gefeiert.

 

Mosenu: Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, Alter…

Halb so wild. Lasst uns zu Jaysus kommen, der in den letzten Jahren sehr gute Rapper betreut und quasi ausgebildet hat. Berät er euch und gibt euch Tipps, wie man zum Beispiel bessere Reime setzt oder arbeitet ihr alleine und selbstständig an den Songs?

 

Mosenu: Also wenn es was zu verbessern gibt, wird er bestimmt auch mal etwas vorschlagen, aber bis jetzt hat es nichts zu beanstanden gegeben.

 

Kell, wie kamen die beiden Songs, die du mit Jaysus aufgenommen hast zustande? Hat er dich gefragt, ob du Lust auf einen gemeinsamen Song für seine Alben hast oder kam das eher zufällig?

 

Kell: Bei Gott liebt die Geduldigen hat mir Jay gesagt, dass er mich auf seinem Album haben möchte. Er hat gesehen, dass ich mich in den letzten Jahren stark verbessert habe. Bevor ich ihn kennengelernt habe, habe ich noch ganz anders gerappt. Ich werde von Song zu Song immer besser und das sieht er. 

„Ich habe die Musik halt nie so ernst genommen, dass ich auf die Idee kam, eine ganze EP oder ein Demo einem Label vorzustellen“

Ihr beide verbringt also relativ viel Zeit mit der Musik, aber habt noch immer kein Release veröffentlicht.

 

Mosenu: Ja, aber ich habe schon eine EP fertig. Ich habe die Musik halt nie so ernst genommen, dass ich auf die Idee kam, eine ganze EP oder ein Demo einem Label vorzustellen und mit ihnen ein Produkt zu veröffentlichen. 

 

Wie bist du dann hier gelandet, wenn du Musik nie so ernst genommen hast?

 

Mosenu: Ich habe Jaysus durch Rapsta kennengelernt. Vor ein paar Jahren kamen Jay und Costa [Anm. d. Verf.: Costa ist Labelmanager von „Macht Rap“] zu einem Videodreh von mir vorbei, aber danach haben wir den gemeinsamen Kontakt erstmal verloren. Aber in den letzten Monaten haben Jay und ich uns wieder regelmäßig gesehen und irgendwann habe ich meine EP hier abgegeben. Jetzt bin ich hier [grinst]. Oder was würdest du sagen, Jay [dreht sich zu Jaysus rüber, der sich auch im Raum befindet]?

 

Jaysus: Du bist hier, weil du gut bist. Schon als ich Rapsta entdeckt habe, habe ich auch Mosenu entdeckt. Aber ich konnte damals nicht so viele signen, obwohl ich dich gut fand. Rapsta war einfach schon ein bisschen weiter und deswegen bekam er den Vorzug. Nichtsdestotrotz habe ich Mosenu weiterhin beobachtet und der Sampler ist der geeignete Moment, wo er und Kell sich beweisen können und sich einen Vertrag erkämpfen können. Nichtsdestotrotz hat Mosenus Tape positiv zu allem beigetragen. Aber ich hatte schon davor den Entschluss gefasst, euch zu dem Sampler einzuladen. Ihr gehört einfach zum erweiterten „Macht Rap“ Kreis: Mosenu über Rapsta und Kell als mein jahrelanger Backup. 


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