Interview mit Suff Daddy

„Das lief wie bei all den Entscheidungen ab, die ich dazu getroffen habe: Ganz ohne Konzept.“

Autor: Walter Schilling

 

 

Suff Daddy gehört hierzulande zu den wichtigsten und prägendsten Producer der instrumentalen Hip-Hop-Szene. Schon sehr früh in seiner musikalischen Karriere hat er seine Liebe für reine Hip-Hop-Beats entdeckt, die keinen Rap mehr benötigen. Zwar wird sein Musikstil gerne mal als Electronica oder Neo-soul bezeichnet, doch am Ende bleibt es Hip-Hop. Denn er führt die alte Tradition fort und setzt beim Produzieren von Musik auf Samples, Drums und Synthies. Gerade deswegen haben wir uns im Interview, kurz vor seiner Show im Nürnberger Z-Bau, über seine Samples unterhalten. Wir haben bei einzelnen Songs nachgehakt und wollten wissen, was er selbst eingespielt hat und was nicht. Außerdem sprachen wir über den gemeinsamen Song mit Mayer Hawthorne und über seine zukünftige Live-Band.

In deinem Pressetext heißt es: „[Songs], die so auch aus einer kalifornischen Beatschmiede kommen könnten.“ War das tatsächlich auch dein Ziel oder deine Inspiration? 

Viele meiner favorisierten Beatmaker kommen aus Kalifornien, schließlich ist die Szene aus Los Angeles seit Ewigkeiten ziemlich vital. Aber ich habe den Pressetext nicht geschrieben und würde das auch so selbst nicht sagen. Ich finde auch nicht, dass das eins zu eins nach Kalifornien klingt. Aber es gibt auch deutlich schlechtere Orte, mit denen man assoziiert werden kann. 

 

Du nutzt auf deinem Album wieder viele Samples. Ist das Piano auf Piano Joint auch ein Sample oder hast du es selbst oder jemanden einspielen lassen? 

Das Piano ist tatsächlich ein Sample. Ich habe eine Einzelspur gehabt, auf der nur das Piano zu hören ist. Das habe ich dann für den Song Piano Joint genutzt. Dieser ganze tropische Sound drumherum ist aber dagegen eingespielt. 

 

Wie sieht es mit der Gitarre auf Pagne aus? Ist die auch ein Sample?

Das ist auch tatsächlich ein Sample, die ich deswegen so gut in den Song einbauen konnte, weil ich sie als reine Einzelspur auf meinem Computer hatte. 

 

Birdsongs ist fast ein reines Instrumentalalbum. Einzig der Song Paper Prolamation fällt aus dem Rahmen. Warum hast du dich dafür entschieden, nur einen Song mit einem Vocalkünstler auf dem Album zu platzieren?

Das lief wie bei all den Entscheidungen ab, die ich dazu getroffen habe: Ganz ohne Konzept. Mit Mayer Hawthorne bin ich seit ein paar Jahren in Kontakt. Wir haben uns über meinen Fotografen Robert Winter kennengelernt, der für mich auch alle Cover- und Pressefotos geschossen hat. Mein Manager hat mich dann irgendwann darauf angesprochen, ob ich nicht Mayer etwas schicken will. Ich habe zwar gedacht, dass er dafür wohl viel zu beschäftigt sei, aber habe ihm trotzdem etwas zugeschickt. Vier Tage später hat er mir den fertigen Song zugeschickt! Da war ich natürlich total happy, vor allem weil es so unkompliziert ablief. Der Song tanzt tatsächlich etwas aus der Reihe, gerade da der Rest der Platte super ruhig ist. Aber der Track ist fett, warum also nicht?

Gehst du grundsätzlich ohne ein Konzept an deine Alben ran?

Ja, da bin ich ganz anders als zum Beispiel Dexter. Der hat ja zu jedem Album ein eigenes Konzept, sowas mach ich aber nie. Ich bin dagegen eher jemand, der einfach arbeitet und am Ende schaut, was dabei rausgekommen ist und zusammenpasst. Das ist genau mein Ding. Auf ein Konzeptalbum habe ich ehrlich gesagt gar keine Lust, sonst hätte ich wohl schon längst eins gemacht. 

 

Du arbeitest grundsätzlich eher selten mit anderen Vocalkünstlern zusammen, aber dagegen regelmäßig mit weiteren Produzenten. Du hast zusammen mit Torky Tork ein ganzes Album produziert. Mit Dexter und Brenk Sinatra habt ihr sogar zwei Alben und drei EP’s veröffentlicht. Warum ziehst du das Arbeiten mit Produzenten vor?

Früher habe ich auch mehr mit Rappern zusammengearbeitet und finde das auch noch immer cool. Ich höre auch nach wie vor gerne Rap, muss ihn aber nicht auch noch selbst produzieren. Instrumentale Musik zu machen, finde ich dagegen spannender, oder auch mal mit Sängern zu arbeiten. Das kickt mich momentan einfach mehr. Außerdem bin ich einfach faul. Für einen Rapsong muss ich mich mit einem Rapper kurzschließen und was weiß ich noch alles. Irgendwie habe ich nie Bock darauf. 

 

Aber diese Arbeit bleibt dir bei einem Sänger doch auch nicht erspart.

Ja, aber bei der Nummer mit Mayer Hawthorne war es auch sehr unkompliziert. Der hat mir das einfach geschickt! Er hat mir weder ja noch nein gesagt, sondern sich einfach an die Arbeit gemacht. Das ist doch perfekt. Mit einem anderen Produzenten zu arbeiten ist natürlich auch anstrengender als alleine, aber dadurch erlange ich neue Sichtweisen und Input. Doch jetzt, wo ich all die Jahre an Kollaborationsprojekten gearbeitet habe, habe ich wieder richtig Bock auf ein Soloalbum gehabt. Einfach wieder bei mir im Studio sitzen und nur das machen, worauf ich Lust habe.

„Ich höre auch nach wie vor gerne Rap, muss ihn aber nicht auch noch selbst produzieren.“

Du hast quasi den ganzen Input, den du in den letzten Jahren durch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Produzenten hattest, freigelassen.

Ja, aber auch das, was liegen geblieben ist und ich nicht machen konnte. In den letzten Jahren hatte ich eben viel Abwechslung.

 

Ich habe einen interessanten Post von dir in Facebook gefunden: „I earn half of the money while I’m high, the other half while I’m drunk.“ Gerade angesichts deines Namens kann man sich fragen: Küsst dich die Muse vorzugsweise während eines Rauschs?

Ja, die eine Hälfte meines Geldes verdiene ich durch das Produzieren, dabei bin ich high. Ich stehe einfach darauf, Musik zu machen und dabei etwas zu rauchen. Die andere Hälfte verdiene ich dagegen beim DJ-ing, wo ich eben gerne trinke. Aber so ernst sollte man den Post nicht nehmen, weil ich auch nüchtern Musik mache. Songs dagegen zu produzieren, wenn ich getrunken habe, geht dagegen überhaupt nicht. Dabei verliere ich schnell die Konzentration.

 

Du hast angekündigt, dass du diesen Winter mit einer ganzen Liveband auf der Bühne stehen wirst. Mit welchen Musikern wirst du auftreten?

Ich möchte etwa 20 bis 30 meiner eigenen Lieblingssongs auf der Bühne mit einer Band spielen. Aber in einer Liveversion. Doch arg viel kann ich dir darüber gar nicht erzählen, denn wir stellen gerade erst die Band zusammen.

Ein paar Musiker wirst du bestimmt schon in deiner Band haben, oder?

Schau mal, ich arbeite dabei mit meinem Musical Director zusammen, der einige Künstler kennt. Wir überlegen uns gerade, wer die besten Musiker für diese Show denn sein könnten. Die Show wird etwa so aussehen, dass ich Bass am Synthesizer spiele, meinen Synth-Lead. Dazu wird mich ein Keyboarder, ein Gitarrist und ein Drummer begleiten. Natürlich wird auch noch ein bisschen Musik aus dem Computer kommen. Ich habe einfach Bock mit anderen Künstlern auf der Bühne zu improvisieren wie bei einer echten Jam. Das wird kein starres Gerüst haben und die Beats werden nicht zwangsläufig so klingen wie auf der Platte. Die Zuschauer sollen die Songs zwar wiederkennen, aber wir können dort auch mal aus einer Up-Tempo-Nummer einen gechillten Song machen. So stelle ich mir das Ganze etwa vor. In ein paar Monaten kann ich dazu schon mehr sagen. 

 

Du führst deine Social-Media-Kanäle auf Englisch und hast auch schon Interviews mit amerikanischen Magazinen und Blogs geführt. Wie international ist eigentlich deine Fanbase?

Natürlich kommt der Hauptteil aus Deutschland, aber laut meiner Soundcloudstatistik kommen gleich danach die USA. Ich finde das ganz geil, aber eigentlich habe ich dort fast nie aufgelegt. Gut, ich war letzte Woche in New York und hatte dort einen Gig. Aber der war schon sehr klein. Ansonsten sind es Menschen aus aller Welt wie Japan oder Australien. Gerade diese Länder haben auch eine starke Hip-Hop-Szene und dort werde ich auch gehört. Aber Deutschland ist natürlich das Fundament!


Interview mit Superior

Superior ist ein Produzent aus Heilbronn, der durch seinen Neo-Boombap-Soul bekannt geworden ist. Obwohl er in Deutschland lebt und aufgewachsen ist, genießt er in den USA eine größere Hörerzahl als in Deutschland. Im August ist seine Vinyl Scenes erschienen, die ein reines Produzentenalbum darstellt. Es gibt nur einen einzigen Rapsong - eingerappt von Declaime - auf allen anderen Tracks spricht der Beat für sich. Superior war ein Hip-Hop Fan der ersten Stunde.

Interview mit Rin

Es war der 3. Juli 2015, der Rins Leben ein für alle Mal veränderte. Zu diesem Zeitpunkt rappte er noch im tiefsten Untergrund Bietigheim-Bissingens, in dem er heute noch aktiv ist. Am besagten Tag veröffentlichte er das SplitvideoLjubav/Beichtstuhl, das heute etwas über 10.000 Klicks aufweist, doch in der Rapszene trotzdem großen Anklang fand. Plötzlich hatten ihn die Szene-Größen auf dem Schirm wie Casper, Falk Schacht, Live From Earth, LGoony oder Young Hurn, die den Track teilten oder kommentierten. Keine zwei Stunden nach der Veröffentlichung hatte Rin schon einen Top-Produzenten am Start, der mit ihm zusammenarbeiten wollte. Doch erst einmal zurück zum Anfang: Started from the Bottom. 

Beats Made in Germany

In den vergangenen Jahrzehnten sind Beats „made in Germany“ immer beliebter geworden. Anfang der Nul­ler­jah­re sind Rapper wie Samy Deluxe, Kool Savas oder Azad noch in die USA gereist, um vor Ort Instrumentals der dortigen Produzenten zu picken. Doch mittlerweile hat sich das gedreht, denn Drake, Meek Mill oder Nicki Minaj kommen heutzutage auf der Suche nach neuen, frischen Beatmakern nach Deutschland. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Len (Montag, 18 Juli 2016 13:51)

    Hey Leute bin gerade über DLTLLY auf euch gekommen und feier die Seite auf den ersten Blick, super Sache! Bei dem Interview wäre es allerdings echt hilfreich gewesen, wenn ihr Fragen & Antwort irgendwie ersichtlich trennt, durch 'nen Absatz oder Bolt :)