Interview mit Sam Sillah & Steve Jackson

„Gerade, weil wir so gut harmonieren, möchten wir auch nur das Krasseste veröffentlichen.“

Autor: Walter Schilling

 

 

Sam Sillah und Steve Jackson haben in den vergangenen Tagen ihre erste gemeinsame EP veröffentlicht. Die dazugehörigen Videosingles haben die verschiedensten Medien - von 16bars bis hin zu Rapupdate - gepusht. Dafür haben sie keine reißerischen Promomoves gebraucht, sondern lediglich ihre Musik für sich sprechen lassen. Egal, welche Emotion sie auf ihrem acht Songs starken Release zum Ausdruck bringen: Man fühlt sie. Deswegen habe ich mit ihnen geskypet, um sie besser kennenzulernen, da es bislang kaum etwas über die Künstler zu lesen gibt. Ein Duo wie dieses ist auch deswegen so interessant, weil es die Kombination Rapper (Sam Sillah) und Sänger (Steve Jackson) nur selten in Deutschland gibt.

Sam, du warst früher als Big Trip unterwegs, hast aber mittlerweile deinen Künstlernamen abgelegt und rappst nun öffentlich unter deinem bürgerlichen Namen. Warum bist du diesen Schritt gegangen? Der ein oder andere hat bestimmt nicht gecheckt, dass du auch Big Trip bist.

 

Sam: Ich war noch sehr jung, als ich mir damals den Namen Big Trip gegeben habe. Der stand eben dafür, dass ich schon früher viel gereist bin und sehr viel gesehen habe. Aber ehrlich gesagt, wusste ich schon immer, dass wenn ich eines Tages ein gewisses Level erreicht habe, ich mir einen anderen Namen geben werde. Bei Big Trip hält man mich doch zuerst für einen Ami-Rapper. Es ist auch so, dass viele Menschen, auf deren Meinung ich großen Wert lege, mir gesagt haben, dass mein bürgerlicher Name einen großen Wie­der­er­ken­nungs­wert hat. So kam ich dann irgendwann zu dem Entschluss, dass ich unter meinem richtigen Namen rappe.

 

Wo bist du denn bisher hingereist?

 

Sam: Ich bin vor allem oft in Afrika gewesen. In Gambia habe ich auch zwei Jahre gelebt, wo ich auch zur Vorschule gegangen bin. Ansonsten war ich fast jedes Jahr in Afrika.

 

Steve Jackson, bei dir ist eigentlich kaum etwas bekannt. Wie hast du selbst angefangen zu singen? Hast du mal Gesangstunden oder ähnliches genommen?

 

Steve: Ich habe tatsächlich zwei Jahre lang Gesangstunden in der Musikakademie in Köln genommen. Als ich damit angefangen habe, war ich 13 oder 14 Jahre alt. Danach habe ich aber das Singen total schleifen lassen, weil ich voll auf meinem Rapfilm gewesen bin. Erst vor ein paar Jahren habe ich wieder mit dem Singen angefangen, was mir auch viel mehr liegt. 

Wie kam es dazu, dass du dich damals so sehr für Gesang begeistert hast?

 

Steve: Ich habe eine Zeitlang im Heim gelebt und dort gab es einen Gitarristen, der mir auch ein bisschen Gitarre spielen beigebracht hat. Das hat mich dann dermaßen fasziniert, dass ich danach meine Eltern total genervt habe, um in eine Musikschule zu kommen. Irgendwann bin ich dann auf der Popakademie gelandet.

 

Wie habt ihr euch kennengelernt? Ihr kennt euch schon länger, denn die EP ist nicht eure erste Zusammenarbeit. Den ersten gemeinsamen Track habt ihr 2013 veröffentlicht.

 

Sam: Wir haben uns auch kurz vor der Veröffentlichung des ersten Songs auf einer Jam von einem gemeinsamen Freund kennengelernt. Nach und nach haben wir immer mehr Zeit zusammen verbracht. Ehrlich gesagt, haben wir sogar schon ein fertiges Mixtape, das wir aber nicht veröffentlicht haben. 

 

Plant ihr denn überhaupt noch das Mixtape zu veröffentlichen?

 

Sam: Nein, zumindest nicht so, wie wir die Songs ursprünglich gemacht haben. SSSJ-EP ist die Weiterentwicklung des besagten Mixtapes. Drei Songs haben wir aus dem alten Mixtape in die EP gepackt, aber erst, nachdem wir sie auf ein neues Level gebracht haben. Deswegen können wir das Mixtape eigentlich gar nicht mehr rausbringen.

 

Das ist doch eine lobenswerte Herangehensweise. Anstatt ein Mixtape zu veröffentlichen, auf dem es nur ein paar gute Tracks gibt, veröffentlicht ihr eben eine EP.

 

 

Sam: Das ist auch gar nicht unser Anspruch, schlechte LPs zu veröffentlichen. Gerade, weil wir so gut harmonieren, möchten wir auch nur das Krasseste veröffentlichen. Steve ist sehr musikalisch, während ich technisch sehr präzise bin. Dabei haben wir auch noch einen sehr hohen Anspruch und stecken viel Energie rein, um dem auch gerecht zu werden. 

„Wir haben uns [...] kurz vor der Veröffentlichung des ersten Songs auf einer Jam von einem gemeinsamen Freund kennengelernt.“

Wie habt ihr eure Beats für die EP gepickt? Wie lief das im Detail ab?

 

Sam: Irgendwann kamen wir an den Punkt, wo wir gemerkt haben, dass unsere bisherigen Instrumentals nicht genug ausproduziert waren. Ehrlich gesagt, haben wir auch weder die Energie noch den Kopf dazu gehabt, um uns mit unseren Jungs daranzusetzen und gemeinsam dadran weiterzuarbeiten. Stattdessen haben wir uns die Zeit genommen, um zwei, drei Wochen lang Beats im Internet zu picken. Dort haben wir uns dann Instrumentals gekauft, größtenteils aus den USA. Im Nachhinein haben wir auch diese Beats noch leicht nachbearbeitet, aber im Grunde genommen haben wir ausschließlich fertige Beats gepickt. 

 

Wie habt ihr an den Texten geschrieben? Ist das bei euch so, dass ihr sie gemeinsam im Studio schreibt oder macht das bei euch jeder für sich und ist dabei alleine?

 

Sam: Meistens läuft das bei uns immer gleich ab. Nachdem wir einen Beat für uns gefunden haben, überlegen wir uns eine Melodie für die Hook. Das ist auch mehr die Aufgabe von Steven, der meist schnell eine findet. Die Hook selbst schreiben wir dann auch noch gemeinsam, damit der Rahmen stimmt. Die Verses schreiben wir dagegen alleine. Meistens geht dafür jeder nach Hause und nach ein paar Tagen präsentieren wir uns die Texte gegenseitig. Dabei kann es auch passieren, dass wir gegenseitig noch ein oder zwei Zeilen verbessern. 


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