Takt32 - Chimera

EP-Kritik / Review

Autor: Walter Schilling

 

 

Auf dem neuesten Werk von Takt32 ist sehr viel Wut, Hass und Abneigung zu hören, was wohl auch den Namen der EP erklären könnte: Chimera. Dabei handelt es sich um ein aggressives, feuerspuckendes Mischwesen aus der griechischen Mythologie. Um in dieser bildlichen Sprache zu bleiben: Takt32 lässt dieses Monster aus sich raus. Auf dem Titeltrack sagt er selbst: „Kenne mich selbst. 1001 Ungeheuer […] Das Monster in mir schon seit Jahren am Schreien“.

 

Dabei ist nicht einmal sonderlich wichtig, was er wortwörtlich in den sechs Songs rappt, die Chimera enthält, sondern wie er es ausspricht. In den Liedern Chimera, Keine Angst, Willkommen in meiner Welt und Nichts mit euch zu tun, hört man in fast jeder Silbe Wut, Groll und Antipathie. Es ist genau diese Atmosphäre, die die EP ausmacht. Silbenzähler und Freunde der Reimakrobatik werden mit Chimera wohl nicht so viel anfangen können. Doch wer schon beim Wort „Imagerap“ das Kotzen bekommt und dagegen eine starke, authentische Stimmungen bevorzugt, wird es lieben. Auch diejenigen, die gerne lustige Punchlines hören, werden versorgt: „Komm’ mir nicht mit Rap sei primitiv. Die größte Zeitung Deutschlands macht genau damit Profit.“ 

Was man Takt32 zugestehen muss, ist, dass er keinen Platz für Fakeness zulässt. Selbst nach mehrmaligem Hören der Lieder wird man nicht an seiner Authentizität zweifeln. Ganz im Gegenteil, denn er ist wirklich angepisst und das bringt er auch rüber. Musikalisch werden sämtliche Lieder vom guten Jumpa untermalt, der für ein zeitgemäßes Soundbild gesorgt hat. Dabei zeigt er unter anderem auf dem Track Keine Angst sein Feingefühl. Denn während Takt32 in der Hook rappt „Kein Gangster, trotzdem halt’ ich Rap die Knarre auf die Brust.“, hört man erstmal eine Waffe, die sich entlädt. Erst einige Takte später fällt der Schuss. Mit vielen kleinen Details wie diesem baut Jumpa auf den Songs eine Spannung auf, die das berüchtigte i-Tüpfelchen bilden. 

Außerdem setzt Takt32 auf der EP seine Gesellschaftskritik fort, die er im Grunde genommen seit jeher ausübt, doch angesichts der politischen Lage in Alles wird gut seinen momentanen Höhepunkt findet. Was diesmal neu und auch originell ist, ist, dass er dafür einen sehr ironischen Song geschrieben hat und Zeilen spuckt wie: „Hakenkreuze an der Wand, Flüchtlingsheime stehen in Brand. Ja, alles wird gut, benutz auf keinen Fall deinen Verstand […] Ja, alles wird gut, auch wenn Waffenexporte boomen. Der Krieg soweit weg, dir wird schon niemand etwas tun“. Es ist ausgesprochen lobenswert, wenn Künstler bereit sind, auf Missstände hinzuweisen. Aktuell gibt es kaum einen Rapper, der das auch musikalisch noch so gut macht wie er und auf Pathos oder Kitsch verzichtet, sondern mit diesen Stilmitteln eher sarkastisch umgeht. 

 

Takt32 hat selbst gesagt: „Gang war nur ein Puzzlestück im großen Mosaik.“ Wir hoffen, dass er weiterhin am Ball bleibt und am Ende auf eine große Diskografie zurückblicken kann, wie es heutzutage ein Busta Rhymes oder Snoop Dogg kann. Doch dafür darf die EP nicht das Finale gewesen sein. 


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