Interview mit LIA über Flash

„Wenn es passt und gut klingt, dann machen wir es. Ganz einfach.“

Autor: Walter Schilling

 

 

Lia ist wohl eine der umstrittensten Frauen im Deutschrap. Entweder feiert man sie für ihren ausgeprägten Narzissmus oder man hasst sie. Es gibt bei ihr nichts dazwischen. Dies zeigt ihre neuste Videosingle Pusher perfekt, denn die Kommentarfunktion auf YouTube läuft bei der immer gleichen Frage heiß, ob eine Frau sowas darf. Die Geister scheiden sich, wenn Lia Zeilen spuckt wie: „Er denkt an Titten, aber f***t nur seine Hand.“ Da sie diese Reaktion bei Hip-Hop-Heads ständig auslöst, sprachen wir in unserem Interview naturgemäß über die unliebsamen Kommentare. Doch das war nicht das einzige Thema bei unserem Treffen in einem Schnellrestaurant. Anlässlich ihrer neuen EP Flash diskutierten wir nämlich darüber, wie es ist, eine EP ohne Label zu veröffentlichen.

Bei unserem ersten langen Interview vor einem Jahr hast du bereits deinen Release angedeutet. Was ist in der Zwischenzeit, also in den letzten 12 Monaten, bei dir passiert?

Im Grunde genommen war die EP bereits bei unserem ersten Interview fertig. Ich habe in der Zwischenzeit nur ein paar Tracks ausgetauscht. Aber als sie damals fertig war, wusste ich erstmal nicht, wie ich sie genau veröffentlichen soll. Ich habe auch ein paar Gespräche mit diversen Labels geführt, war damit aber nicht ganz zufrieden. Hinzu kommt, dass ich im letztes Jahr mein Studio gewechselt und selbst mit dem Produzieren angefangen habe. Das hat den ganzen Release etwas verzögert. 

 

Deinen neuen Song Pusher aus der Flash EP hast du sogar mitproduziert. Jetzt, wo du das Produzieren für dich entdeckt hast, wirst du auch in Zukunft mehr Beats für dich produzieren?

Definitiv. In den letzten sechs Monaten habe ich hauptsächlich Beats produziert. Ich habe dort viel Zeit und Energie reingesteckt, um besser zu werden. Die Ergebnisse kann man auf Flash aber noch nicht wirklich hören. Dort gibt es nur einen Song, den ich mitproduziert habe, Pusher. Und der ist eher so entstanden, dass ich an dem Beat noch ein wenig weiter gearbeitet habe, nachdem Cycris Visyn das Gerüst gebaut hatte. Beats, die wirklich ich gemacht habe, werden erst bei den nächsten Releases zu hören sein. 

 

Du bist bei keinem Label unter Vertrag. Wie hast du deinen Release gemanagt? 

 

Heutzutage ist das gar nicht mehr so schwer. Man sucht sich eben einen Vertrieb, der deine Musik einfach und unkompliziert in die Stores schafft. Der Nachteil an diesem Weg ist aber, dass ich mich um alles alleine kümmern muss. Nehmen wir zum Beispiel das Video: Mit wem drehe ich das? Wo können wir das machen? Wer bezahlt das? Ich musste mich um das Drumherum kümmern, was eben auch sehr aufwendig ist. Auf der anderen Seite quatscht mir dann keiner rein. Hat eben auch seine Vorteile. 

Kannst du es dir auch in Zukunft vorstellen, deine Musik ohne Label zu veröffentlichen?

Kommt ganz darauf an. Wenn mir ein cooles Label ein gutes Angebot macht, können wir gerne zusammenarbeiten. Aber auch ohne den Support eines großen Labels werde ich Musik machen.

 

Soundtechnisch knüpfst du mit deiner neuen EP Flash an deinen letzten Relase an. Oder siehst du das anders?

Ach was, das kann man schon so sagen. Wir haben den Sound einfach weiterentwickelt und haben geilere Beats gebaut. Teilweise sind die Tracks etwas ausgefallener geworden, aber ich wollte auch an der alten Richtung dranbleiben. 

 

Gehört zu dieser Weiterentwicklung auch Auto-Tune dazu? 

Ja, wir haben am Song Flash viel herumgespielt. Ursprünglich habe ich alle Parts ganz normal eingerappt, aber Gökhan [Anm. d. Verf.: Gökhan Güler, u. a. bekannt durch seine Arbeiten am Album von Raf 3.0 Hoch 3], der auf meiner EP auch viel gemastert hat, hat vorgeschlagen, mal Auto-Tune auf dem Song einzusetzen. Die Version ist so cool geworden, dass wir es dabei gelassen haben. 

 

Hat dich Flash wiederum dazu inspiriert Auto-Tune auf der Hook von Pusher zu benutzen? 

Nein, Flash ist der neuste Track auf der EP. Da war Pusher schon lange fertig. Ich mache mir da gar keine Gedanken darüber, dass auf der EP unbedingt ein Auto-Tune-Song darauf sein muss oder so. Wenn es passt und gut klingt, dann machen wir es. Ganz einfach.

 

Die Geschichte mit den Hatern, scheint sich bei dir etwas zu ändern. Früher war das ja ganz krass. Auf deinem Song Dope hat jetzt aber lediglich ein Fanboy von Spongebozz geschrieben: „Lass es sein“. Fühlst du dich dadurch akzeptierter in der Szene?

 

Dass ich zu diesem Song überwiegend positives Feedback bekommen habe, liegt auch dadran, dass er auf meiner Facebook-Seite veröffentlicht wurde. Im Gegensatz zu anderen Tracks habe ich ihn nicht auf einer neutralen Plattform veröffentlicht. So geht es ja allen Musikern, dass wenn sie Songs auf ihrem eigenen Channel releasen, dann das Feedback fast durchweg positiv ist. 

„Auf der anderen Seite quatscht mir dann keiner rein.“

Deinen Hatern hast du auf der EP wieder einen Track gewidmet. Du rappst dort zum Beispiel: „Ich mache es für die Hater“. Sind sie tatsächlich eine große Motivation?

Definitiv. Ich kann das auch nur schwer erklären. Sagen wir mal so: Ich werde immer wieder damit konfrontiert, wodurch in mir das Bedürfnis wächst, dass ich es denen erst recht zeigen will. Aber Hater 2.0 klingt doch eher entspannt und überhaupt nicht ernst oder sogar aggressiv. Da muss man dann auch nicht alles so fürchterlich ernst nehmen, was ich rappe. 

 

Du hättest stattdessen auch einen Beat mit einem Pianosample picken können [lacht].

Und dabei fragen, warum alle so Böse zu mir sind [lacht]. Bevor ich das mache, höre ich mit der Musik auf. 

 

In unserem letzten Interview hast du mir erzählt, dass du einen ganz normalen Bürojob hast, dem du aber inzwischen nicht mehr nachgehst. Hat die Musik bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt?

 

Meinen alten Job konnte ich ganz gut mit der Musik zusammenbringen. Daran lag es gar nicht. Ich hatte dort schon früh Feierabend und konnte nachmittags viel Zeit im Studio verbringen. Der Grund, warum ich dort gekündigt habe, war mehr ein Mix aus vielen verschiedenen anderen Dingen. Ich habe zum Beispiel gar keinen Bock mehr gehabt, im Büro zu arbeiten. Jeder, der das mal gemacht hat, weiß, was das für eine Arbeit ist. Mit was für Leuten man dort auch zu tun hat. Da hatte ich irgendwann keine Lust mehr darauf. Jetzt, nach der Kündigung, gibt mir das Ganze aber tatsächlich einen neuen Ansporn. Ich gebe jetzt nochmal Vollgas für die Musik! Doch es ist jetzt nicht so, dass ich keinen Job mehr habe und nur im Studio bin. Es ist eher ein Tapetenwechsel gewesen.


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