Interview mit Galv

„Man braucht Eier, um seiner Kunst keinen tieferen Sinn zu geben.“

Autor: Walter Schilling

 

 

Galv kickt zusammen mit seinem Produzenten Pierre Sonality das Album of the 3 Moonz raus. Damit bringen die beiden aber nicht nur sich sondern auch den Funk wieder ins Spiel. Natürlich kann man behaupten, dass dieses traditionelle Rapgenre niemals weg war, aber es ist lange her, dass es auf einer so straighten und durchweg guten Art und Weise stattfand. Während Galv die verschiedensten Flows und lustige Punchlines auspackt, sorgt Pierre dafür, dass das Album groovt. Es ist ein wunderschönes Album geworden, weswegen ich mich in Stuttgart City mit Galv getroffen habe. Im Glanz der Sonne sprachen wir auf einer Parkbank über of the 3 Moonz, Probleme mit den Presswerken und wie zum Teufel Galv überhaupt zum Funk kam. Schließlich ist der Bursche noch keine 30 Jahre alt und hat somit die Hochphase des Funks gar nicht miterlebt.

bb21: Lass uns mit der Zeit beginnen, bevor es noch ein Releasedate zu deinem Album gab. Denn der erste Song zu deinem und Pierre Sonalitys Longplayer of the 3 Moonz wurde vor zwei Jahren veröffentlicht. Warum habt ihr euch so viel Zeit gelassen? Zwei Jahre sind schon eine sehr lange Zeit. Natürlich hattet ihr in den zwei Jahren auch andere Projekte, aber warum habt ihr of the 3 Moonz nicht durchgezogen?

Galv: Es ist seit einem Dreivierteljahr fertig. Wenn wir das Album gleich nach dem Ende der Produktion veröffentlicht hätten, also vor einem Dreivierteljahr, wäre es letztendlich nur eine etwas überzogene „Promophase“ gewesen, aber eben nicht so krass, wie es jetzt ist. Das wir nach dem Ende der Produktion noch so lange warten mussten, lag allein am Presswerk. Die sind momentan vollkommen überlastet und kommen mit den Anfragen nicht hinterher. 

 

Ist es gerade so schlimm mit den Presswerken?

Ja, aber wir haben uns bei dem ersten Song Stargate auch gar keine Gedanken über eine Promotion gemacht. Genauso wie später bei Sunblokker haben wir die Tracks dann rausgehauen, als sie fertig waren. Vom Beat bis hin zum fertigen Song mit Video haben wir für Stargate nur acht Stunden gebraucht. Das ist alles in einer Session passiert, deswegen hat der Track auch nur einen Part. Wir wollten die Leute einfach sehen lassen, was wir für eine Session hinter uns hatten. 

Selbst die Leute für die Kamera waren an diesem Tag ready für das Video?

Das war ein Dude! Jimy ist einfach der Mann. Wir haben uns an diesem Tag zum ersten Mal getroffen, aber er hat den Vibe sofort gefühlt. Er ist einfach ein Pro in dem was er macht. Pierre und ich kannten uns zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht so lange und es war erst das dritte Mal, dass ich in Hamburg bei ihm war. Als ich morgens aufgewacht bin, hatte er schon den Beat fast fertig. Ich hab mich dann gleich an die Arbeit gemacht und angefangen den Text zu schreiben. Ein paar Stunden später war schon der Part und die Hook im Kasten. Ich wollte eigentlich noch einen zweiten Part schreiben, aber Pierre wollte sofort ein Video dazu drehen, weil er das so gefeiert hat. „Ich ruf jetzt Jimy an“, hat er nur gesagt. Ich war an dem Tag aber noch voll krank und hab noch nie zuvor ein Video gedreht. Ich habe es für eine totale Schnappsidee gehalten. Obendrein hat es an diesem Tag noch geregnet und wir sind da zwei Stunden in dem Wetter rumgelaufen. Jetzt bin ich natürlich heil froh, dass ich mich habe nötigen lassen. 

 

Warum habt ihr den Song gleich veröffentlicht?

Es hat keine Kalkulation gebraucht. Natürlich hätte man den Song erstmal zurückhalten können, aber zu diesem Zeitpunkt haben weder Pierre noch ich einen Gedanken an das Business verschwendet. Wir haben den Song gefühlt und rausgehauen, was das Beste war, was wir hätten machen können. Das Video rotiert seitdem konstant und wird noch immer angehört. 

 

Erst durch das Video hat euch manch einer auf dem Schirm, oder?

Ja, auch deswegen waren Leute auf dem Konzert. Ich gehe ja nicht erst dann zu Auftritten, wenn ich ein Album habe. Ich spiele ständig Konzerte und versuche, aus den Shows alles rauszuholen. Aber das alles erklärt wohl ganz gut, warum zwischen dem ersten veröffentlichten Song und dem Album so viel Zeit liegt.

„Das Weltall lässt dir wahnsinnige Freiheiten“

Wie verlief die Arbeit zwischen dir und Pierre Sonality ab? Ihr beide lebt quasi am jeweils anderen Ende von Deutschland.

Das ist der nächste Punkt, warum das so lange gedauert hat. Sobald ich Zeit dafür hatte, bin ich hochgefahren. Denn auf dem Album ist alles zusammen entstanden, es wurde nichts über das Internet verschickt. Jeder Song ist in einem Rutsch entstanden und das merkt man auch, wenn man sich das Album durchhört. Ich bin so oft nach Hamburg gefahren, wie ich nur konnte. Aber ich habe eben auch noch andere Projekte. Doch trotzdem habe ich  es geschafft, in den vergangenen zwei Jahren einmal im Monat hochzufahren. 

 

Wie lange habt ihr dann tatsächlich am Album gearbeitet?

Wenn man die tatsächlichen Arbeitstage zählt, hat das Album weniger als einen Monat gebraucht. Wir haben auch bestimmt mehr als doppelt so viele Tracks produziert, wie auf dem Album zu hören sind. Dadurch steht schon das nächste Projekt in den Startlöchern. Aber wenn wir nicht die Zeit dazwischen hätten, wäre das Album auch nie das geworden, was es ist. 

 

Durch andere Projekte bekommt man schließlich auch neuen Input.

Ganz genau. Wir waren auch sehr experimentell, so viel wie ein Subgenre es eben zulässt. Hier und da sind wir schon durchgedreht und ich weiß, dass es nicht so gekommen wäre, wenn Pierre sich dabei zu Tode gelangweilt hätte, weil er nonstop im gleichen Produktionsstil gearbeitet hätte. Auch für mich war es gut, dass ich dazwischen auch mal mit anderen Produzenten gearbeitet habe. Ich halte unsere Arbeitsweise für sehr gesund.

 

Dann lass uns inhaltlich zu deinem Album kommen. Denn du rappst immer wieder gerne über den Weltraum. Ist dabei deine Liebe für Star Wars oder die für Star Trek größer? Wer beeinflusst deine Kunst stärker?

Auf jeden Fall Star Wars. Es ist vielleicht auch krass, sowas zu sagen, aber das Universum war auch der erste gemeinsame Nenner zwischen Pierre und mir [lacht]. Das Weltall lässt dir wahnsinnige Freiheiten, zumal of the 3 Moonz kein Konzeptalbum ist. Es hat sich einfach so ergeben und vieles davon ist Schwachsinn. Aber ich mag es, wenn Songs auch mal schwachsinnig sind, denn ich bin ein großer Befürworter von diesem Stil. Man braucht Eier, um seiner Kunst keinen tieferen Sinn zu geben. 

 

Wie ist dein Verhältnis zu Star Trek?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich Star Trek kaum kenne. Star Wars ist dagegen der erste große Einfluss überhaupt gewesen. Als Episode I rauskam, durfte ich als Kind endlich ins Kino gehen! Meine Freunde hatten obendrein noch die alten Episoden als Video daheim gehabt. Da konnte ich mir das ganze Zeug schon sehr früh reinpfeifen. Ich feier das noch bis heute abartig. Aber ich habe auch nur die dümmsten Sprüche, die mir eingefallen sind, aufgenommen. Es sind nicht einmal viele Sprüche auf dem Album gelandet, vielleicht vier Stück.

 

Die du aber auf das ganze Album verteilt hast. Nachdem man sich of the 3 Moonz am Stück durchgehört hat, könnte man denken, dass du ein großer Star Wars Fan bist.

[lacht]. Weil ich die vier essentiellen Messages aus Star Wars reingepackt habe [lacht]. Aber ich habe auch ein paar Dinge erfunden, wie den Phonkphazer.

Was hast du eigentlich mit Funk zu tun? Du bist in einem Jahrzehnt groß geworden, in dem der Funk seinen Zenit schon lange hinter sich hatte. 

Stimmt, es ist auch etwas, was in meinem Elternhaus nicht vorkam. Meine Eltern hören viel Jazz, Klassik und noch Liedermacherzeug.

 

Was für Liedermacherzeug?

Sowas wie Helge Schneider. Nicht, dass es jemanden zweites wie ihn gibt, schließlich ist er einzigartig. Aber ich meine diese Multiinstrumentalisten, die sich nicht auf ein Genre beschränken. Das gibt es hierzulande nicht so oft, ist aber in Italien ganz groß. Da mein Vater eben Italiener ist, habe ich sowas viel in meiner Kindheit gehört. Musiker wie Branduardi oder Fabrizio De André haben alle möglichen Musikstile immer und immer wieder benutzt und haben so ganz krasse Lieder gemacht, die man nicht einem speziellen Genre zuordnen kann.   

 

Wie hast du dann den Funk für dich entdeckt?

Erstmal durch Hip-Hop und durch ihn habe ich wiederum das richtige, funkige Zeug entdeckt. Gerade durch Cypress Hill habe ich den Funk für mich entdeckt. Deren Album Black Sunday habe ich schon durch meine große Schwester kennengelernt und dort den Funk zum ersten Mal gespürt. Dann gibt es noch Jovanotti, ein italienischer Liedermacher, der aber eine Zeit lang straighten Rap gemacht hat. Das ist DER Typ! Er hat schon mit 16 Jahren in Italien Rapplatten auf englisch veröffentlicht. Weil die Italiener aber nicht auf englisch stehen, wissen wohl die meisten von ihnen gar nicht, was Jovanotti für einen Background hat. Erst auf seinem Album Lorenzo 1994 hat er angefangen, auf italienisch zu rappen, was bis heute zu meinen größten Einflüssen gehört.

Dich hat unter anderem italienischer Rap auf den Funkfilm gebracht?

Ja, das Album hat meine Schwester damals von meinem Vater bekommen. Dort ist richtig funkiger und jazziger Shit drauf. Die Platte musst du dir auch mal unbedingt reinpfeifen, dort geht es ab! Breakbeats, Cuts, Jazz, Samples, Funk mit Rap kombiniert. Einfach nur krass. Als ich das Album entdeckt habe, war ich erst sieben Jahre. Später mit zwölf ging es dann für mich erst richtig los. Da habe ich Toni L oder auch Torch entdeckt.

 

Wenn du ihn schon selbst erwähnst: Du hast einen Featurepart auf deinem Album von Toni L. Wie hast du ihn dafür gewinnen können? Schließlich macht er mittlerweile sehr selten neue Songs.

Und trotzdem ist er tight wie eh und je! Toni L ist ein Master, der niemals wack sein kann. Wir beide kennen uns schon eine Weile, wahrscheinlich schon fast die Hälfte meines Lebens, wie auch die gesamte Heidelberger Possie.

 

War der gemeinsame Song dann einfach nur folgerichtig?

Lass es mich so sagen: Ich mache den Shit jetzt auf einem Level, wo sie auch Bock auf einen gemeinsamen Song haben. Ich habe eine sehr gute Wahrnehmung und habe deswegen in Zeiten, in denen es nicht gepasst hat, auch nie nach einem Feature gefragt. Aber als wir den Song fertig hatten, meinte Nase, mein DJ, dass Toni L auf Phonkphazer unbedingt mit drauf muss. Eine Woche nachdem ich Toni den Song geschickt habe, habe ich schon seinen Part gehabt. 


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