Interview mit Jumpa

„Deswegen habe ich lieber mit den Jungs zusammengearbeitet, mit denen ich schon in der Vergangenheit Tracks gemacht habe und die in den Sound passen.“

Autor: Walter Schilling

 

 

 

Jumpa ist wohl das vielversprechendste Produzententalent, das Deutschland zu bieten hat. Er ist gerade mal 20 Jahre jung und produziert an den neuen Alben von „Goldrappern“ wie Farid Bang oder Nazar mit. Gleichzeitig arbeitet er mit verschiedenen Untergrundmusikern wie Takt32, Remoe oder Chima Ede an einer neuen Soundästhetik, die eine neue musikalische Ära einläuten könnte. Deswegen lag der Titel seiner Debüt-EP Neo auch so nahe, da das lateinische Wort so viel wie neu bedeutet. Schließlich bringt er mit seiner Musik tatsächlich frischen Wind in die Deutschrapszene. In unserem Skypeinterview klärt Jumpa auf, wie er das Musizieren gelernt hat, warum er sich genau für diese Featuregäste entschieden hat und was es mit Nomen Est Omen auf sich hat.

Lass uns mal darüber reden, wie du musikalisch groß geworden bist. Haben dich deine Eltern in die Musikschule geschickt?

Nein, gar nicht. Mein bester Freund hat damals, als ich noch 13 Jahre alt war, angefangen Beats zu produzieren. Sein Bruder hatte nämlich die nötigen Programme auf seinem Rechner. Obwohl ich zu der Zeit noch total unmusikalisch war, haben wir trotzdem angefangen Beats zu produzieren. Irgendwann habe ich dann auch bei mir zuhause produziert und dabei hat mir meine Mutter etwas geholfen. Sie hat lange Jahre in einer Band gespielt und war deutlich musikalischer als ich damals. Ich habe aber nie eine klassische Musikausbildung gemacht.

 

Du hast aber immer wieder Musikinstrumente auf deinen Beats. Sind das Samples aus fremden Songs, hast du sie eingespielt oder lässt du sie einspielen? 

Auf meiner EP habe ich alles selbst eingespielt. Teilweise klingen sie zwar wie Samples, aber das habe ich dann so beabsichtigt. Ab und zu hole ich mir mal jemanden dazu, der eine Gitarre oder so einspielt, aber das meiste mache ich selbst. Ich kann auch gar keine Noten lesen und spiele die Instrumente nach meinem Gehör, das sich über all die Jahre immer verbessert hat. Zugegeben, drei Monate lang bin ich mal zum Keyboardunterricht gegangen, aber das war auf dem Niveau von Alle meine Entchen. 

 

Cool, dadurch hast du deinen eigenen Stil gefunden. Aber lass uns nun zu deiner EP kommen, die quasi einen Doppelnamen trägt. Zum einen No­men Est Omen, was auf deutsch übersetzt „der Name deutet schon darauf hin“ bedeutet, als auch Neo. Deswegen die Frage: Auf was genau deutet der Name hin?

Der Sound meiner EP ist sehr futuristisch, weswegen ich Neo sehr passend fand. Das bedeutet so etwas wie „neu“ oder „frisch“. Als ich darüber mal mit Takt32 gesprochen habe, hat er gemeint, dass Neo auch für Nomen Est Omen stehen könnte. Die Idee fand ich sehr nice! 

Habt ihr dafür in den Suchmaschinen gewildert?

Nein, als Neo feststand, kam der Vorschlag von Takt32 wie aus der Pistole geschossen. Wir haben über den Namen der EP lange nachgedacht, aber irgendwann kam dann der Abgabetermin, wo wir uns für einen Namen entscheiden mussten. Aber zum Glück haben wir den noch am letzten Tag gefunden. Ich selber bin auch nicht so gut in Latein bewandert. In meiner Schule konnte ich mich damals zwischen Latein und Französisch entscheiden und habe mich ganz klar für Französisch entschieden! 

 

Deine EP ist tatsächlich eine Momentaufnahme der New School. War das auch von Anfang an das Konzept deiner EP?

Anfangs habe ich mir noch überlegt, ob ich ein Release mit großen und bekannten Rappern machen möchte. Aber da kann es passieren, dass du denen dafür ewig hinterherrennen musst und wahrscheinlich bekommst du nur irgendwelche C-Parts, die übrig geblieben sind. Dann hast du am Ende zwar eine EP mit coolen Rappern, aber keine guten Songs. Deswegen habe ich lieber mit den Jungs zusammengearbeitet, mit denen ich schon in der Vergangenheit Tracks gemacht habe und die in den Sound passen. 

 

Auf deiner EP ist auch der erste Song zu finden, auf dem der neue Style von TOON zu hören ist. Wusstest du schon von Anfang an, dass er keinen Song wie auf KNGHRZ schreiben wird?

Anhand des Beats, den er gewählt hat, habe ich es schon erahnt. Da war mir schon klar, dass kein deeper Liebessong dabei rauskommen wird. Ehrlich gesagt, war das auch der Song, dem ich am längsten hinterherrennen musste. Bestimmt drei oder vier Monate. Aber das Warten hat sich definitiv gelohnt! Damit hat er mich positiv überrascht. Ist ein geiler Song geworden. 

 

Wie verlief die Arbeit an deiner EP genau ab? Hast du die Beats produziert und dann den jeweiligen Künstlern zugeschickt und sie um Parts gebeten? Auf deiner EP sind auch viele Musiker aus Stuttgart dabei, während du selbst aber in Berlin lebst.

Ich habe für die EP einen Ordner angelegt mit Beats, die dafür passen würden. Bis auf Takt32 und Remoe habe ich allen diese Instrumentals geschickt und die konnten sich dann selber aussuchen, welchen sie picken werden. Mit Takt32 und Remoe war ich dagegen im Studio und wir haben die jeweiligen Songs gemeinsam produziert. 

„Ich habe aber nie eine klassische Musikausbildung gemacht.“

Mit Takt32 hast du bereits viel zusammengearbeitet. Die Arbeiten an eurem gemeinsamen Song Über dem Meer liefen wohl am routiniertesten ab, oder?

Wir sind fast immer gemeinsam im Studio. Manchmal gebe ich ihm auch nur die Beats und komme nach, wenn er seinen Text dazu geschrieben hat, um ihn gemeinsam aufzunehmen. Aber oft ist es so, dass einer von uns eine Idee hat und wir dann gemeinsam daran arbeiten. Ich an den Beats, während er parallel dazu schreibt. Ab und zu nehmen wir sogar noch am selben Tag den Song auf und überarbeiten es in den nächsten Studiosessions. 

 

Lass uns noch zu einem anderen Gast auf deiner EP kommen: Jean Cyrille. Er hat sogar mehrere Bars in eurem gemeinsamen Song, die er auf französisch rappt. Verstehst du, was er dort rappt oder hätte er dir dort etwas unterjubeln können?

Das hätte er auf jeden Fall machen können. Ich habe zwar drei Jahre lang Französischunterricht in der Schule gehabt, doch so gut ist das nicht mehr. Aber Takt32 kann dagegen relativ gut französisch sprechen und hat ja in den Song reingehört. Er hat mir zumindest nichts davon erzählt, dass Jean Cyrille dort irgendeine Sc***ße rappt [lacht].


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