Interview mit 40 CRWNS

„Ich würde niemals eine Frau umbringen, aber manchmal hat man sowas im Kopf.“

 

Autor: Walter Schilling

 

Jung, hungrig, aber trotzdem glücklich: So sieht das Leben des gerade mal zwan­zig­jäh­rigen Stuttgarter Rappers aus. 40 CRWNS verbreitet positive Vibes nicht nur mit seinen Songs, sondern teilt  sie auch durch Fotos und Videos auf den sozialen Netzwerken. Er gehört zu der Sorte Mensch, die das Leben scheinbar in vollen Zügen genießen. Gerade sein aktuellstes Werk Amour Discotheque widmet sich hauptsächlich den positiven Gefühlen. Wir trafen uns deswegen mit dem Lebemann 40 CRWNS auf ein persönliches Interview in seiner Heimatstadt, um ihn näher kennenzulernen und zu erfahren, wie er an seinen Songs arbeitet, was er vom „Keep-it-real“-Gedanken im Rap hält und was sein Problem mit Lehrern ist.

Lass uns mit einer tiefgründigen und wertvollen Frage beginnen: Wirst du eigentlich von Bombay Sapphire gesponsert? Der Gin erscheint bei dir ja immer wieder.

Nein, aber es ist mein Lieblingsgetränk, deswegen represente ich es auch gerne. Aber vielleicht sponsorn sie mich eines Tages [lacht].

 

Nachdem ich mir Amour Discotheque ausgiebig angehört habe, schätze ich dich als einen Anfang 20 Jahre alten Burschen ein, der seine Wochenenden dafür nutzt, um ausgiebig zu feiern. Stimmt das so?

Kann man schon so sagen. Am Wochenende gehe ich gerne feiern, aber wirklich nur dann. Aber so oft gehe ich gar nicht weg. Ich verbringe mehr Zeit in meinem Homestudio, wo ich meine Demos aufnehme. Damit gehe ich dann nach Waiblingen ins A7 Tonstudio und nehme dort meine Parts nochmal gescheit auf.  

 

Deine EP hast du komplett mit den Produzenten Cubeats produziert, die auch schon Beats für Drake und Meek Mill gemacht haben. 

Genau. Die haben mir damals nicht einmal gesagt, dass Meek Mill und Drake einen ihrer Beats gepickt haben. Ich habe das erst über Facebook erfahren. Aber die Cubeats sind da sehr bodenständig und freuen sich eher innerlich, statt sich wie Starproduzenten feiern zu lassen. Ich finde es geil, dass sie auch für die Amerikaner produzieren!

 

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen dir und den Cubeats vorstellen?

 

Normalerweise nehme ich aus dem Internet einen Beat und schreibe meinen Part dadrauf. Danach schicke ich den Cubeats meinen Accapella-Part und die bauen darunter dann den eigentlichen Beat. Das klingt jetzt erstmal sehr unromantisch - no homo - aber so war es einfach. 

Das ist aber eine besondere Vorgehensweise, dass zuerst der Text geschrieben wird und danach der Beat produziert wird. 

Ja, normalerweise macht man es ja andersrum, aber ich glaube nicht, dass man als Hörer einen Unterschied merkt.

 

Wie hast du die Cubeats kennengelernt?

Über das Tonstudio A7, in dem die Cubeats auch regelmäßig sind. Dort hat ein Mitarbeiter denen meine Sachen vorgespielt und anschließend haben sie sich bei mir gemeldet. Sie sagten, sie hätten Lust mit mir zusammenzuarbeiten und da habe ich gleich zugesagt! So haben wir uns dann an die Arbeit an Amour Discotheque gemacht. Ich habe mit den Cubeats meine gesamte EP produziert, was auch mein erster richtiger Release ist. Davor habe ich auf YouTube ein paar Videos veröffentlicht, aber die würde ich so nicht wieder rausbringen. Jeder fängt mal klein an und das waren eben meine ersten veröffentlichten Songs. Aber ich gehe zu niemanden und sage ihm, dass er sich diese Lieder unbedingt anhören muss. 

 

Spielst du dann mit dem Gedanken, sie wieder von YouTube rauszunehmen?

 

Nein, das würde ich nicht machen. Wäre doch auch schade, wo es sich schon so viele Leute angehört haben. Aber ich glaube, dass es vielen Rappern so geht, dass sie ihre alten Songs nicht mehr mögen. Selbst bei Amour Discotheque denke ich mir mittlerweile, dass ich heute vieles anders gemacht hätte. Manche meiner Songs mag ich schon nach drei Wochen, nicht mehr.

„Ich selber möchte Texte schreiben, die auch meine Mutter hören kann, ohne dass sie sich dabei denkt, was ist aus ihm geworden.“

Hast du deswegen auch auf Facebook schon angekündigt, dass dein Mixtape in die Richtung von Killer gehen wird?

Genau. Ich glaube sogar, dass du der einzige bist, der meinen Post richtig gecheckt hat. Die meisten haben scheinbar nicht verstanden, dass ich nur sagen wollte, dass mein Mixtape in diese Richtung gehen wird. 

 

Du hast dich vor kurzem auch über die Reichweiteneinschränkung auf Facebook beschwert. Macht dir das zu schaffen?

 

Die Reichweite kann man auf Facebook doch mittlerweile komplett vergessen. Die schränken die Reichweite einfach zu sehr ein, vor allem wenn man einen YouTube-Link postet und erst recht bei iTunes-Links. Die wollen, dass man für die Reichweite Geld bezahlt, was ich auch irgendwie verstehen kann. Wenn ich eine neue Single rausbringe, bezahl ich da auch mal etwas dafür. Aber ich schätze, dass das wohl jeder so macht. 

Auf manche Rapper werde ich tatsächlich durch bezahlte Beiträge aufmerksam.

Ich werde leider auch auf sie aufmerksam. Rapper, die ich gar nicht mitbekommen möchte! So einen MC Bilal will ich gar nicht sehen, aber jeden Tag sehe ich ihn auf meiner Pinnwand. Der macht mich einfach aggressiv. Normalerweise hate ich niemanden, aber der nervt mich richtig. Ständig sehe ich irgendein Video von ihm, in dem er über irgendeine Ex-Freundin rappt. Der muss echt viele davon haben.

 

Lass uns über die Leute reden, die auf „Science Fiction“ gemeint sind. Dort rappst du über Menschen, die deiner Meinung nach nicht echt sind.

Ja, damit ist vor allem die Rapszene gemeint. Es gibt viele Rapper, die ein komplettes Fake-Image aufbauen und davon bin ich kein Fan. Es muss ja nicht immer alles echt sein, aber manche Rapper erfinden sich ein komplettes Image. Ich will nicht wie ein Backpack-Rapper klingen, aber Rap muss authentisch sein. Den Unterschied kann man meiner Meinung nach auch raushören. 

 

Ab wann ist es denn zu viel Fake und wann noch in Ordnung?

Das ist schwierig zu beantworten. Aber nehmen wir zum Beispiel Kollegah, der in einem Song darüber rappt, dass er bei jemandem einbricht und am Ende noch eine Müller Milch aus dem Kühlschrank klaut. Genau kenne ich die Line nicht, aber das kann ja jeder im Internet nachschauen. Die Line ist zwar lustig gemeint, aber das ist zu übertrieben und dann kann ich ihn mir auch nicht mehr anhören. 

 

Ich finde nicht, dass Rap unbedingt real sein muss.

So denken ja viele und es gibt auch einige Fake-Rapper, die sehr erfolgreich sind. Auf der anderen Seite ist Rick Ross auch kein authentischer Rapper, der aber trotzdem geile Musik macht. Aber bei den Amis versteht man nicht immer jedes Wort, weswegen man einfacher über vieles hinwegsehen kann. 

 

Du erwähnst oftmals deine Probleme, die du mit Lehrern hattest. Sowohl auf der EP Amour Discotheque als auch auf dem Song Straße hast du eine Line gegen Lehrer. Erzähl mal ein bisschen mehr darüber.

 

Die Line auf Straße war echt ein bisschen asozial, aber da hat mich auch der Laskah dazu verleitet. Ich feier es zwar, wenn andere asoziale Songs schreiben, aber ich mach das selber eigentlich nicht gerne. Ich selber möchte Texte schreiben, die auch meine Mutter hören kann, ohne dass sie sich dabei denkt, was ist aus ihm geworden. So blöd wie sich das auch anhört, aber alles andere wäre mir unangenehm.

Auf deinem Song Killer rappst du über eine alte Liebe, wirst über sie aber nie ganz konkret.

Das liegt dadran, dass es dazu auch nicht die eine Frau gibt, sondern eine Ansammlung meiner Erfahrungen ist. Ich habe eine neue Geschichte aus meinen Erlebnissen geformt. Ich würde niemals eine Frau umbringen, aber manchmal hat man sowas im Kopf. 

 

Liebe kann eben sowohl das Schönste als auch das Schlimmste sein.

Am Anfang einer Beziehung ist es wunderschön, aber wenn die Beziehung beendet ist, ist Liebe totaler U***ck. Da muss ich wieder Songs schreiben, um damit klar zu kommen [lacht]. Nein, so schlimm ist das noch nicht bei mir. Aber in solchen Momenten ist Texte zu schreiben eine tolle Ablenkung. So habe ich auch angefangen zu texten. Früher habe ich nur deepe Sachen geschrieben, aber nie veröffentlicht. Das war einfach nur für mich selbst. Aber aktuell schreibe ich gar keine deepen Texte mehr, weil ich in letzter Zeit so gut gelaunt bin. Da setze ich mich nicht krampfhaft hin und versuche eine traurige Stimmung zu bekommen. 

Meine EP Amour Discotheque habe ich noch letztes Jahr im Sommer geschrieben,vielleicht klang die EP gerade deswegen so besonders glücklich. Die meisten Songs habe ich sogar noch in Spanien geschrieben, als ich dort Urlaub gemacht habe. Ich war auch vor kurzem wieder dort, um mein neues Mixtape zu schreiben. Dazu muss ich sagen, dass ich die Schreibphase am meisten mag. Videos drehen mag ich dagegen deutlich weniger. Eigentlich könnte mir sogar alles andere, bis auf das Schreiben, erspart bleiben. 

 

Dann könntest du dich doch ausschließlich auf das Schreiben konzentrieren und Songs für andere Künstler schreiben.

 

Das mache ich sogar tatsächlich, aber eher für Sänger. Wenn ich noch mehr Anfragen bekommen würde, würde ich auch mehr fremde Songs schreiben.


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