Interview mit BEKS

„Twitter nutze ich ab und zu gerne, um mich über irgendwelche YouTuber lustig zu machen.“

Autor: Walter Schilling

 

2008 veröffentliche Beks sein Debütalbum Pop|Rap, in dem die beiden Genres Pop und Rap eine Symbiose eingehen. Die Beats auf diesem Album waren deutlich harmonischer als es in Deutschland zu diesem Zeitpunkt üblich war, weswegen die Bezeichnung Pop|Rap äußerst zutreffend ist. Genau diesen Sound entwickelte er auf dem Nachfolger Weinender Clown konsequent weiter und findet auf seinem letzten Album Nichts den bisherigen Höhepunkt. Auf jedem einzelnen dieser Langspieler spürt man Beks Liebe für Harmonien. Nach Nichts ist es jedoch äußerst still um ihn geworden. So still, dass wir uns fragten, ob er denn überhaupt noch Musik macht. Beks konnte diese Frage, die wir ihm beim Interview in einer Ludwigsburger Bar stellten, nicht ganz beantworten, dafür aber viele andere.

Du scheinst ein großes Interesse am Schreiben zu haben. Du schreibst nicht einfach nur deine Songs, sondern führst auch noch deinen Blog, wo du näher auf deine Songs eingehst.

Schon bei meinem ersten Album Pop|Rap hat es damit angefangen, dass ich viele Mails bekommen habe, wo die Leute mich nach meinen Songtexten gefragt haben. Manche von ihnen haben die Songs auch etwas missverstanden. Es sind dann immer mehr Mails gekommen und irgendwann wurde es zu viel, all diese Nachrichten zu beantworten. Also habe ich mir gedacht, dass ich einzelne Fragen und auch ganze Songs auf bekside.com beantworte. Man muss bedenken, dass das noch vor der Zeit von rapgenius.com war. 

 

Wobei du auf rapgenius.com auch aktiv bist.

Ja, die haben mich irgendwann angeschrieben und mir angeboten, meine Songs direkt bei ihnen zu erklären. Bei meinem letzten Album Nichts war ich dort dann auch sehr aktiv, was damals ein cooles Special zum Album war. Ich kannte zu der Zeit noch keinen Rapper, der so aktiv bei rapgenius.com war wie ich. Zumal ich auch sonst nicht viel schreibe. Auf Facebook bin ich gar nicht aktiv und poste nur etwas zu meiner Musik - sonst nichts! Mich juckt es nicht, irgendwelche Bildchen für ein paar Likes zu posten. Twitter nutze ich ab und zu gerne, um mich über irgendwelche YouTuber lustig zu machen. 

 

Es ist doch tatsächlich bemerkenswert, dass du noch vor der Zeit von rapgenius.com deine Songtexte erklärt hast.

rapgenius.com ist eine Marktlücke gewesen, die ich nicht gesehen habe. Jetzt muss ich wohl weiterhin Musik machen [lacht]. Aber deren Seite ist echt geil. Vor allem mit den verifizierten Accounts, wo Rapper ihre eigenen Songs kommentieren. Das war eine super Idee von denen.

Du hast deine drei veröffentlichten Alben Pop|Rap, Weinender Clown und Nichts als eine Trilogie bezeichnet. War das schon von Anfang an so gedacht? Wann ist dieser Trilogie-Gedanke bei dir entstanden?

Schau mal, schon bevor ich an Pop|Rap gearbeitet habe, habe ich Musik gemacht. Zu der Zeit war ich aber noch auf der Suche nach meinem Sound und bei Pop|Rap habe ich mich dann definiert. Es war ein Konzeptalbum und das müssen gute Alben für mich sein. Es muss ein zusammenhängendes Bild ergeben.Pop|Rap war zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Teil einer Trilogie angedacht, das kam erst später als Pop|Rap so eine große Resonanz erreicht hat. Denn dann hab ich Leute kennengelernt, die für mich sämtliche administrative Aufgaben übernommen haben und sich auch um den Vertrieb et cetera gekümmert haben. So konnte ich mich voll auf die Musik konzentrieren. Wir haben uns auch auf die Zusammenarbeit für drei Alben geeinigt. 

 

Pop|Rap hat dein Team dann auch dazugezählt?

Genau. Sie haben sich dann auch um den Vertrieb von Pop|Rap gekümmert, weswegen sie es dazugezählt haben. Für mich war von da an klar, dass ich zwei weitere Alben veröffentliche, die auch aufeinander aufbauen werden. Letztendlich machen das Alben immer. Pop|Rap, Weinender Clown und Nichts ergeben eine Trilogie, die aber gleichzeitig für sich stehen können. Ähnlich wie bei den Star Wars Filmen. 

 

Ist das Finale der Trilogie Nichts auch als dein letztes Album gedacht? Wenn man dich auf den sozialen Netzwerken verfolgt, könnte man den Eindruck gewinnen, dass du gar keine Musik mehr machst.

Wenn man es so sieht, kann man das denken. Aber so lief es bei mir in der Vergangenheit schon immer ab. Das hat nichts zu bedeuten, denn wenn ich etwas auf Facebook poste, hat es immer etwas mit Musik zu tun. Meine Inaktivität bedeutet nicht, dass ich keine neuen Songs mache, aber auch nicht, dass ich ein neues Album veröffentlichen werde. Es hat einfach nichts zu bedeuten! Ich mag es nicht, wenn Rapper irgendwelche Bilder posten, die mit ihrer Musik nichts zu tun haben. Mir ist zwar klar, warum sie es tun, was aber nicht heißt, dass es mir gefällt. Diejenigen, die mir folgen, sollen es nur wegen meiner Musik machen und nicht, weil ich lustige Bilder poste.

 

Arbeitest du denn momentan an einem neuen Album?

Ich plane momentan gar nichts. Ich arbeite zwar an Musik, aber das mache ich immer. Ich weiß noch nicht, was aus diesen Songs wird. Manche werden wohl nie das Tageslicht zu Gesicht bekommen, wieder andere gebe ich dann an Musiker weiter. Wenn die Songs stimmig sind und ich ein Album daraus machen kann, dann werde ich eins veröffentlichen. Aber nur dann, wenn es etwas besonderes ist. Ich kann nicht einfach irgendwelche Songs nehmen und behaupten, dass es mein neues Album sei. Ich bin da einfach zu freaky drauf und kann deswegen weder sagen, dass etwas kommen wird, noch dass nichts kommt. Lassen wir uns da einfach überraschen.

„Wenn ich die Möglichkeit bekommen würde, regelmäßiger Musik machen zu können, würde bestimmt ein neues Album von mir rauskommen.“

Im letzten Beitrag auf deiner Homepage hast du von Kompromissen gesprochen, die du bei deiner Musik eingegangen bist. Welche Kompromisse hast du denn konkret gemacht?

Es sind keine künstlerischen Kompromisse gewesen. Damit sind die gemeint, die ich zum Beispiel bei Pop|Rap gemacht habe. Ich hätte damals alles hinschmeißen können und hätte mich voll auf die Musik konzentrieren können. Aber mir hätte niemals jemand garantieren können, dass es mit der Musik klappt. Es sind auch schon so viele Leute gescheitert, dass ich mich deswegen dafür entschieden habe, zu studieren. Mein Kopf sagt mir auch immer noch, dass diese Entscheidung vernünftig gewesen ist, wobei mein Herz gerne mehr Musik gemacht hätte. In einem schwachen Moment hinterfrage ich die Entscheidung, die ich damals getroffen habe, aber es ist schon gut so, wie es gekommen ist.

 

Wenn du sagst, dass dein Herz für die Musik schlägt, dann muss es dich doch in den Fingern jucken, wieder neue Musik machen und sie zu veröffentlichen. Ein neues Album zu produzieren et cetera. 

Ehrlich gesagt würde ich auch gerne mehr Musik machen und ich verspüre auch einen richtigen Drang dazu, Tracks zu produzieren. Aber aus verschiedenen Gründen komme ich nicht richtig dazu. Das erste was ich für ein neues Album brauchen würde, wäre ein Studio. Ich habe aber keins. Früher habe ich bei meinen Eltern ein Zimmer gehabt, das ich zu einem Studio umgebaut hatte. Jetzt, wo ich umgezogen bin, wohne ich aber in einer Gegend, in der ich abends nicht mehr so laut sein kann, um aufzunehmen. In einer normalen Wohngegend geht das meistens auch gar nicht. Also brauch ich extra ein Studioraum, der aber nicht zu weit weg sein darf, um nach Feierabend die Zeit dort verbringen zu können. Nach so einem geeigneten Raum suche ich schon seit über zwei Jahren, aber finde einfach nichts passendes. Es dürfen auch keine Räume sein, wo nebenan irgendwelche Bands proben. Denn die sind meistens so laut, dass ich gar keine Songs mehr aufnehmen kann. 

Es ist sehr schwierig geeignete Studioräume in Stuttgart zu finden. Trotzdem ist mein Veröffentlichungszyklus gar nicht mal so schlecht, denn ich bringe im Schnitt alle zwei Jahre ein neues Album raus. Aber natürlich würde ich gerne viel mehr Musik machen.

Wie kann man sich deine aktuelle Lage vorstellen? Arbeitest du momentan nur an Songskizzen?

Grundsätzlich kann ich Songs aufnehmen und produzieren, weil ich das Equipment dafür habe. Ich kann in meiner Wohnung aber nur schlecht aufnehmen oder Tracks abmischen. 

 

Arbeitest du denn auch aktuell an neuer Musik?

Ja klar. Wenn irgendjemand bei seinen Tracks Hilfe braucht, dann arbeite ich da auch mit. Manche Songideen summe ich noch immer in mein Handy rein und arbeite zuhause daran weiter. Auch mit dem Schreiben von Songtexten habe ich nie aufgehört. Egal, ob auf Papier oder mit dem Handy, ich schreibe überall. 

 

Wir dürfen also gespannt bleiben, ob jemals neue Musik von dir veröffentlicht wird.

Ich habe viel Musik in petto, die für viele Alben reichen würde. Die einzige Frage ist, ob ich sie veröffentliche. Wenn ich die Möglichkeit bekommen würde, regelmäßiger Musik machen zu können, würde bestimmt ein neues Album von mir rauskommen. 


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