Endlich mehr Frauen im Deutschrap

Jeden Schilling wert! (Kolumne)

Autor: Walter Schilling

 

 

Obwohl sie nur von wenigen Hörern beachtet werden, gibt es sie: Deutsche Female MCs, die eine große Portion Skills und ebenso viel Verständnis für Kunst mitbringen. Daher fällt es ihnen nicht schwer, mit ihren männlichen Kollegen mitzuhalten. Da sie auch aus einer anderen Perspektive rappen, und zwar mit den Augen einer Frau, stellen sie eine wahre Bereicherung für den Hip Hop dar. Darum präsentiere ich euch in dieser Kolumne ein paar Damen, die zwar nicht viele Rapfans kennen, doch die man unbedingt auf dem Schirm haben sollte.

Jeder schreibt und redet über die große Vielfalt im Deutschrap, die es so bisher noch nie gab. Ob nun Marsimoto, K.I.Z., Ssio oder Genetikk: Sie alle haben es geschafft, sich mit komplett verschiedenen Styles zu etablieren. Doch über die Frauen wurde bislang nur wenig geschrieben, weil sie noch vor einigen Jahren selbst im Untergrund eine Seltenheit waren. Mittlerweile gibt es aber einige Femcees, bei denen es gewiss nicht an Dopeness mangelt. Sie sind hungrig, talentiert und teilweise sehr jung, was sich schonmal sehr Erfolg versprechend anhört. Trotzdem sind nur die Wenigsten von ihnen im Mainstream angekommen, doch falls es einige von ihnen schaffen, könnten sie Rap verändern. Denn womöglich sind die fehlenden Rapperinnen auch der Grund für die vielen chauvenistischen Texte. Schließlich ist es auffällig, dass das Testosteron geladenste Musikgenre gleichzeitig das ist, das oftmals am herablassendsten über Frauen spricht. Eine der berühmtesten Deutschrapperinnen wird das wohl auch nicht ändern: Schwesta Ewa, die mit ihrem Debütalbum in die Top 15 der Charts eingestiegen ist und bereits Interviews mit der Bild, Spiegel und Stern führte - quasi den Mainstream-Medien. Sie gehört zu denen, die den Untergrund schon lange hinter sich gelassen haben und über eine große Reichweite verfügen. Obwohl sie zwar keine Alternative zum Chauvinismus aufzeigt - höchstens, indem sie ihn umdreht und Männer beleidigt. Dafür steht sie aber zu sich als Frau und zu ihrer Vergangenheit, was sich viele nicht trauen. Nehmen wir z.B. Kitty Kat, die uns in Songs wie Bitchfresse oder Biatch das Gefühl gibt, dass sie lieber ein Mann sei. Sie steckt wohl bis heute in einer Identitätskrise und ist zutiefst bekümmert darüber, dass noch niemand ihren Penis in den Mund genommen hat.

Antifuchs

Lasst uns aber nun zu den Mädels kommen, die mit den paar Songs, die sie bereits veröffentlicht haben, eine menge Respekt einsackten. Da haben wir Antifuchs an vorderster Front, die sowohl mit ihren Skills als auch mit ihrer Attitüde überzeugt. Sie hat immer die passenden Reime und -ketten parat, die sie mit ihrer unverkennbaren Stimme so betont, dass es immer flowt. Egal, ob es langsame Beats, die mit harten 808-Drums ballern, oder Synthesizer sind, die dich mithilfe der Drums und Snares zum Kopfnicken anfeuern: Sie killt nahezu alles.

LIA

Außerdem ist da noch LIA, die etwa vor zwei Jahren mit ihrem selbstbewussten Song Check mein Foto für viel Wirbel gesorgt hat. Weil sie sich und ihr Aussehen feierte, hat sie einige YouTuber mit dem besagten Track verärgert. Der Hass, der ihr entgegen kam, erinnerte mich ein wenig an die Anfänge von Haftbefehl oder Money Boy. Seit Check mein Foto wurde es leider still um sie, doch vor wenigen Tagen wurde sie bei einem Videodreh gesichtet. Hoffentlich gibt es schon bald neues Material. Wobei natürlich anzumerken ist, dass sie letztes Jahr einen Freetrack gedroppt hat.

HAIYTI aka Robbery

Haiyti aka Robbery ist auf der einen Seite wohl der ungeschliffenste Diamant unter den Femcees, auf der anderen Seite aber eine große Konstante. Ihr Horrorcor-Rap macht schon jetzt richtig Stimmung, ohne aufwendiges Mastering oder Produktion hinter sich zu haben. Wenn man sie mit den richtigen Leuten in ein Studio einsperrt, könnte etwas unglaubliches entstehen. Die große Konstante unter den Untergrundkünstlern ist sie auch deswegen, weil sie in den letzten zwölf Monaten womöglich mehr Videos veröffentlicht hat als Money Boy.

SXTN

Nicht zu vergessen ist ein Rapduo aus Berlin, das im Grunde genommen nur einen einzigen Song mit dem dazugehörigem Video gebraucht hat, um die benötigte Aufmerksamkeit zu kriegen: SXTN. Die beiden Mädels haben seitdem einen Fuß in der Türe. Doch es bleibt abzuwarten, ob sie mit ihrer angekündigten EP nachlegen können. 


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Interview mit Antifuchs

Antifuchs konnte dieses Jahr mit ihrer EP Willkommen im Fuxxxbau für viel Wirbel sorgen. Vor ein paar Tagen ist eine neue Videoauskopplung aus der besagten EP veröffentlicht worden, Antiheld, die eine andere Seite ihrer Skills unterstreicht, nämlich auf langsame Beats rappen zu können. Ob es nun ein wahnsinnig schneller Beat wie bei Neongold ist oder ein langsamer, Anti hat ihre Hausaufgaben gemacht, rappt technisch auf hohem Niveau und kann scheinbar auf jedem Beat rappen. Im Moment bekommen meist nur die Frauen im Rap Aufmerksamkeit, die auch bereit sind, ihre weiblichen Kurven zur Schau zu stellen (egal, ob nun in den USA oder in Deutschland). Doch vielleicht schafft es Antifuchs, ein großes Publikum anzuziehen, ohne sich auszuziehen. Das wird ihr Debütalbum, an dem sie gerade arbeitet, zeigen müssen. BB21 führte ein Interview mit ihr via Skype. 

Interview mit LIA

Zuerst das Studio, danach das Internet und irgendwann die Bühne rocken. Im Jahr 2015 ist das die Realität der meisten Newcomer, da das Internet vielen Künstlern ermöglicht, sich eine Fanbase aufzubauen, ehe sie beginnen, das Publikum live zu unterhalten. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist es für Künstler mittlerweile sehr einfach, die Technik, die nötig ist um Songs zu produzieren, im eigenen Schlafzimmer aufzubauen. Zum anderen ist die Zeit der Jams vorbei.

Vergiss die Realness

Dieser Teil von „Jeden Schilling wert!“ befasst sich tatsächlich mit den Vorzügen der fehlenden Realness. Denn beim genaueren betrachten hat es sie nie in diesem Maße gegeben, wie sie propagiert worden ist. Schon die ersten aller Rapcrews, stellte sich als eine Castingband heraus, während große und wichtige Hip-Hopper ihren Namen verkauft haben. Obendrein verfügen auch viele Hörer gar nicht über die Möglichkeit, um ein Fake-Image zu durchschauen. Wer verbringt schon seine Freizeit mit den Künstlern? Aus dem Keep-it-real-Gedanken wurde schon sehr früh eine Neiddebatte zwischen Untergrund und Mainstream, die am Ende niemandem so recht geholfen hat und trotzdem immer noch ausgetragen wird.

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