Interview mit Caz

„Ich bin nunmal ein introvertierter Mensch, dem die große Aufmerksamkeit nicht so wichtig ist.“

Autor: Walter Schilling

Foto: Screenshot via Youtube

 

 

Caz neues Mixtape 92 / 8 ist ein weiteres Kapitel seines musikalischen Werdegangs, das eine ganz neue Facette zum Vorschein gebracht hat. Während sich Ohne Künstliche Zusätze noch an eine traditionelle Rapformel hielt, die auf Karmasutra nur weiter ausgeführt wurde, steht 92 / 8 für sich. Auf keinem anderen Tape hat er so viel experimentiert wie hier und das Ergebnis lässt sich hören. Autotune trifft langsame, melodische Beats. Doch Stopp! Kennt man sowas nicht auch von diversen „Cloud-Rappern“? Nein, nicht in der Form, in der es Caz macht. Denn er verleiht dem Ganzen die textliche Tiefe und den Sinn, der bis jetzt gefehlt hat!

Bevor wir zu deinem Mixtape kommen, ist mir bei der Recherche etwas aufgefallen: Das Video zu Mickey Mouse Club ist nicht mehr online. Warum?

Ich habe kein Bock mehr auf das peinliche Video. Ein paar Tage nachdem ich das Video gesperrt habe, kam meine Freundin auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich es nicht aus Youtube rausnehmen kann. Komplett unabhängig von mir! Das Video war zu diesem Zeitpunkt aber schon gesperrt. Die denkt genauso wie ich über das Video, indem wir zu viel gewollt haben.

 

Du beginnst dein Album gleich mit der Kritik: „Warum höre ich immer nur Müll, wenn ich rumskipp’? Sag’ mir nicht, dass sowas Kunst ist.“ Welchen „Müll“ meinst du damit genau?

Deutschrap. Ich bin von der Szene kein großer Fan und außer Ssio und Haftbefehl finde ich alles nicht sonderlich ansprechend. Natürlich bis auf Lucky Looks, RIN und Bausa, meine Squad eben. Die finde ich auch vom Herzen gut und wenn die einen scheiß Song machen, würde ich das denen genauso sagen. Es soll auch gar nicht arrogant klingen, aber meine ehrliche Meinung über Deutschrap ist, dass es furchtbar ist. Egal, welchem Album ich eine Chance gebe, beim rumskippen finde ich nie etwas Gutes. Aber jedem seins, jeder darf seine Meinung darüber haben.

 

Welche Alben hast du in letzter Zeit gehört?

Ich höre mehr Singles als Alben, aber das, was ich höre, ist so naja. Nicht meins.

 

Das Mixtape hat einen ganz neuen Style, im Vergleich zu Karmasutra. Deine Beats sind nun langsamer und du nutzt relativ oft Autotune. Wie kam es dazu? 

Ich hatte keinen Spaß mehr daran, die Songs so zu machen, wie ich es früher getan habe. Die Musik, die ich schreibe, mache ich nicht davon abhängig, was die Leute von mir hören wollen, sondern ob mir der Beat gefällt. Die ganzen Beats auf dem Mixtape fand ich allesamt fett, jeden einzelnen. Mein persönlicher Anspruch ist der, dass ich Spaß daran habe und das ist das Wichtigste von allem. Alles andere macht doch keinen Sinn. 

Am Boombap findest du keinen Spaß mehr?

Doch, aber nur, wenn ich einen wirklich fetten Beat gefunden hätte, würde ich ihn nehmen. Es ist nur sehr schwierig geworden, etwas zu finden, das mir gefällt.

 

Auf Karmasutra hattest du noch ein paar Songs, die starke Basslines hatten und hektisch nach vorne gingen. Das gibt es bei 92 / 8 gar nicht.

Dafür aber deepe, ruhige Songs mit starker Bassline. Wie gesagt, ich habe einfach die Beats gepickt, die mir zugesagt haben. Ich bin nicht nach einem gewissen Schema oder ähnlichem vorgegangen, sondern habe einfach keinen fetten Beat gefunden, der in die besagte Richtung gegangen ist. Bei der Produktion habe ich wahnsinnig viele Beats angehört und nur die genommen, die mir in den ersten Sekunden gefallen haben. Die, für die ich mich entschieden habe, sind aber wirklich geil! Ich bin keiner, dem es wichtig ist, einen Banger auf dem Mixtape zu haben und irgendein zugeschnittenes Mixtape produziert. 

 

Ein weiterer Kontrast zu deinen ehemaligen Releases ist, dass es jetzt keine Features auf Mixtape 92 / 8 gibt. Zetka INS oder Lucky waren bisher immer mit von der Partie. Auch RIN ist nicht dabei. Warum diesmal fast alleine? Es gibt dort nur eine Bridge von Bausa, auf dem Song DWMAF.

Bausa habe ich dort nicht einmal als Feature angegeben, um keine Erwartungen zu schüren. Sonst hofft noch irgendjemand auf einen großen Part von Bausa, den es nicht gibt. Er war an dem Tag, als ich den Song aufgenommen habe, spontan bei mir und hat mir bei der besagten Bridge geholfen. Zetka INS macht mittlerweile gar keine Musik mehr, obwohl er ein sehr talentierter Schreiber ist. Deswegen wird es auch keine Tracks mehr von ihm geben. Ich kann ihn aber auch verstehen.

 

Warum macht Zetka INS keine Musik mehr?

Er hat grundsätzlich einfach keinen Bock mehr dadrauf. Vielleicht hat er auch sein Interesse verloren oder keine Zeit mehr dafür. Und Bausa hat viel zu viel mit seinem eigenen Zeug zu tun, als dass wir genug Zeit hatten, um einen gemeinsamen Song aufzunehmen. Als RIN bei mir war, hat es sich mit der Musik einfach nicht ergeben und es ist kein Song entstanden. Ich wollte für 92 / 8 auch nicht auf Featureparts warten, sondern es dann abschließen, wenn ich finde, dass es fertig ist. Das ist jetzt der Fall. Kein Feature für Spastis [lacht] [Anm. d. Verf.: Albumtitel von Al-Gear]. Nein, es hat sich einfach nicht ergeben.

 

Musstest du bei deinen letzten EP’s auf Featureparts warten?

Nein, es hat sich dort viel schneller ergeben. Diesmal leider nicht. Findest du, dass Lucky auf 92 / 8 gepasst hätte?

 

Schwierig…

Eben. Bei RIN auf jeden Fall. Aber mit ihm würde ich eh gerne ein ganzes Tape zusammen machen, weil da bestimmt etwas sehr geiles rauskommen würde. Es soll bei dem Mixtape nicht darum gehen, Songs mit meinen Freunden zu machen. Auf Ohne Künstliche Zusätze gibt es den Song DREIERR mit ZETKA INS und RIN, den wir nur drauf gepackt haben, um ein gemeinsames Lied auf der EP zu haben - obwohl es der schlechteste Track ist, den ich je gehört habe. Das will ich in Zukunft nicht mehr machen. 92 / 8 ist mein erstes Release, auf dem es keine Lückenfüller gibt! 

Das Soundbild hat sich zwar geändert, die Themen sind aber immer noch die gleichen: Freundschaft und Weed. Bleibt dir mehr Zeit zum Reflektieren, wenn du nicht mehr feiern und saufen gehst? 

Ja, definitiv. Die letzten drei, vier Jahre waren dadurch ein totaler Umschwung. Es war gar nicht mal so einfach, diese neue Einstellung beziehungsweise Denkweise in den Alltag zu integrieren und über mich nachzudenken und zu reflektieren. Aber es hat sich gelohnt.

 

Das ist alles mit dem Verzicht auf Partys einhergegangen? 

Das eine kam durch das andere. Es ist aber nicht so, dass ich es komplett verteufel, schließlich gehen die meisten meiner Freunde gerne feiern. Ich habe einfach meinen Frieden damit gefunden, dort nicht dabei sein zu müssen. Trotzdem kann ich den Leuten ihren Spaß gönnen, ohne das Gefühl zu haben, dass ich etwas verpassen würde. 

 

Deine letzte EP Karmasutra hast du noch als CD verkauft. Warum gibt es dein neues Mixtape nur digital?

Weil ich einfach kein Bock habe, mir darüber Gedanken machen zu müssen. Auf diese Weise Musik zu veröffentlichen, ist viel einfacher und stressfreier. Ich hatte bei der ganzen Entstehung des Releases nur Spaß und musste mir keine Sorgen darüber machen. Musik hat mir noch nie so viel Spaß bereitet wie jetzt. Ich habe mich mit dem Mischen richtig auseinandergesetzt und es komplett selbst gemacht. Dieses Mixtape ist einfach nur ein Experiment, bei dem ich mit Tönen und Effekten gespielt habe. Ich habe dort auch viel mit meiner Stimme gespielt und geschaut, ob der jeweilige Effekt besser kommt, wenn ich schreie oder doch leise rappe. Ich habe keine Lust gehabt, mich mit dem anderen Kram auseinanderzusetzen, sondern wollte einfach nur fette Musik machen! Wenn es sich mal ergeben sollte, dass es jemand anderes für mich macht, gebe ich die Aufgabe wirklich gerne ab. So wichtig ist mir das Geld dann auch wieder nicht.

Hegst du den Wunsch nach Veränderungen, was dieses Thema angeht? Ein Label könnte dir dabei doch zum Beispiel helfen.

Gar nicht, sonst hätte sich schon etwas geändert. Ich hätte die Möglichkeiten, dass sich dort etwas tut, wenn es mir denn wirklich wichtig wäre. Ist es aber nicht. Auch wenn es wie ein Klischee klingt, mir ist es wichtig, dass ich den Hörern mit meiner Musik helfen kann und ihnen etwas mitgeben kann. Wenn mir die Leute das schreiben, ist es viel geiler als das bisschen Geld, das ich für CD-Verkäufe bekomme. Auch die Freude, die mir meine Fans bereiten, kann man mit Geld gar nicht aufwiegen. Natürlich macht es einen auch glücklich, wenn man sich schöne Dinge kaufen kann. Es ist aber nicht die gleiche Freude, die mir meine Fans bereiten.

 

Sind das wildfremde Menschen, die dir schreiben?

Ja, ich kenne sie auch beim Namen und schreibe auch mit ihnen und sie kennen mich nur über meine Musik. Das sind nicht nur Leute aus Bietigheim, sondern zum Beispiel auch aus Bremen.

 

Wann wird man dich zum ersten Mal auf der Bühne stehen sehen?

Gute Frage. Aber was soll ich darauf sagen? Wenn die Zeit gekommen ist [grinst]. Das juckt mich bis jetzt auch gar nicht. Es liegt gar nicht dadran, dass es keine Anfragen gibt - auch Red Bull hat schon für einen kleinen Auftritt angefragt - aber ein Auftritt turnt mich gar nicht. Ich weiß, dass viele davon träumen, vor ihrem eigenen Publikum aufzutreten. Ich aber nicht. Der Tag wird bestimmt kommen, irgendwann. Ich bin nunmal ein introvertierter Mensch, dem die große Aufmerksamkeit nicht so wichtig ist.

 

Die letzten Worte gehören dir:

Holt euch das Mixtape kostenlos auf www.cazmachtmusik.de und hört es euch unvoreingenommen an!


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