Mundart-Rap

Jeden Schilling wert! (Kolumne)

Mundart-Rap
Mundart-Rap

Autor: Walter Schilling

 

Deutsch ist nicht gleich Deutsch. Das fällt einem bei einer Reise durch deutschsprachige Regionen schnell auf. Schließlich wird in Köln anders gesprochen als in München, da es unzählige Dialekte gibt. Allerdings waren diese noch vor ein paar Jahren im Rap eine Seltenheit und wenig akzeptiert. Doch genau das ändert sich dieser Tage. Bestes Beispiel ist der Mundart-Rap aus Österreich, der im Moment so angesagt ist wie nie zuvor. Auch die Straßenrapper kommunizieren in ihrem eigenen Straßenslang. Es folg eine Ode an die Sprachvielfalt.

Mundart ist die Sprache einer Gemeinschaft, die in einer bestimmten Region gesprochen wird und sich von der Standardsprache in vielerlei Hinsicht unterscheidet. Obwohl sie selten verschriftlicht wird, hört man sie ständig.

Die Rede ist natürlich von Dialekten. Wenn wir von Mundart-Rap reden, ist häufig die österreichische Szene gemeint. Doch das Wort beschreibt jeden Rap, der im Dialekt vorgetragen wird. Unabhängig davon, ob es sich um Fränkisch, Bairisch, Schwäbisch oder Wienerisch handelt, es ist immer Mundart-Rap. 

Welchen dieser ganzen Dialekte man nun bevorzugt, liegt am Geschmack, der sich im Laufe der Jahrhunderte ändern kann. Während zu Zeiten Martin Luthers Sächsisch zu den beliebtesten Dialekten Deutschlands gehört hat, ist er im 21. Jahrhundert eher verpönt. Folgerichtig erfreuen sich die sächsischen Rapper keiner großen Beliebtheit. Doch ob es sich nun um schwäbische, hessische oder thüringische Mundart handelt, eins verbindet sie alle: Das Kulturgut, das sie in sich tragen. Denn sie sorgt sowohl für eine regionale Identität als auch für ein zusätzliches Gemeinschaftsgefühl. Damit kann man auch ein Stückweit den Erfolg von MC Bruddaals Song Du bisch mei Number One erklären. In diesem Song rappt er auf Schwäbisch über die Vorzüge von Stuttgart und wie man an den Klickzahlen erkennen kann, schien dieser Song einigen Schwaben zu gefallen. Kein anderer Song von MC Bruddaal wurde so oft angehört wie dieser. Manch ein Mundart-Rapper hat es sogar geschafft, die regionalen Grenzen zu überschreiten und geht mit seinem provinzbezogenen Dialekt auf Deutschlandtournee, so wie der Österreicher Crack Ignaz, der sowohl in seiner Heimatstadt Salzburg als auch in Chemnitz, Stuttgart, Köln oder Hamburg auftritt. Rapper wie er bringen den Kids und Jugendlichen die regionalen Sprachvarianten näher und halten sie auf diese Weise mit am Leben. In Zeiten, in denen es schicker ist, Englisch zu sprechen anstatt einen Dialekt, ist Crack Ignaz ein toller Gegentrend. Schließlich kann man es nur gutheißen, wenn sich mehr Menschen für Mundart interessieren und beherrschen. Denn den Wechsel zwischen den Sprachvariationen in den Griff zu kriegen, fördert auch die Auffassungsgabe und das abstrakte Denken. Es gibt nichts, was dagegen spricht, wenn sich die Jugendlichen mit Mundart beschäftigen. Zumal Mundart-Rap nicht nur hierzulande praktiziert wird, sondern bereits in Übersee von den Underground-Kingz verwendet wird. Obwohl viele ihrer Fans sie aufgrund ihres texanischen Dialekts nicht immer verstehen. Doch es gibt auch Musiker, auf der anderen Seite des Atlantiks, die die Sprachvariationen auf eine neue Art und Weise nutzen, wie Iggy Azalea. Um bei den Fans von US-Rap besser anzukommen, rappt die Australierin auf amerikanischem Englisch.

Zu guter Letzt dürfen wir einen bestimmen Stil nicht außer Acht lassen: Die Jugendsprache der Migrantenkinder. Da wären Rapper wie Haftbefehl, Celo & Abdi oder Nimo, die Jugendlichen in ihrer Ausdrucksform bestätigen. Wodurch es stärker als eigene Kommunikationsform begriffen wird und mittlerweile gänzlich unabhängig von der Herkunft ist. Schon Norbert Dittmar, Professor für Linguistik, sagte: „Deutsche Jugendliche übernehmen vermehrt die Aussprache und Satzbildung ausländischer Jugendlicher und benutzen auch häufig Worte aus dem Türkischen oder Arabischen. Dabei handelt es sich um eine dauerhafte Veränderung, weil die Jugendlichen diese Sprache verinnerlichen und auch als Erwachsene sprechen werden.“

Somit ist dialektaler Rap, egal welcher, eine authentische und persönliche Kunst. Auf diese Weise kann ein Mundartrapper mit seiner Sprache mehr über sich preisgeben als es ein ganzer Song vermag.

Wenn man Rap als Spiegel der Gesellschaft betrachtet, muss man alle Arten des Mundart-Raps zumindest akzeptieren.

Songs zum Thema Mundart

MC Bruddaal - Du bisch mei Number One

Crack Ignaz - König der Alpen

Kellerkommando - Mein Nachbar

U.G.K. - It's Supposed To Bubble

Iggy Azalea - Work

Haftbefehl feat. V.A. - Chabos wissen wer der Babo ist (Remix)

Autor: Walter Schilling


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