Interview mit Wordsflysch

„Wir haben nicht die Intention, damit etwas krasses zu erreichen.“

Wordsflysch sind mit ihrem Mob zurück! Schon vor zwei Jahren zeigten sie ihr erstes Lebenszeichen im Internet und veröffentlichten ein Video, in dem sie mit einem alten Ford Fiesta der dritten Generation posierten - inklusive Hello Kitty Aufkleber und einem Mann mit Kleid. Merkwürdigerweise kam danach aber nichts mehr von den vier Rappern (Zone, Mundraub, Dekzter und Dissythekid) aus Erfurt. Warum sie so lange Zeit nichts nachlegten, erklärt Mundraub im Interview: „ Wir haben nicht die Intention, damit etwas Krasses zu erreichen.“ Bei ihnen scheint der Spaß an erster Stelle zu stehen und das hört man ihrer Debüt-EP Provinzrüpel an. In den sieben Songs ist so viel Witz enthalten, dass es für Ernsthaftigkeit keinen Platz mehr gibt. Wir trafen uns mit Zone, Mundraub und Dissythekid zum Skypeinterview.

Ich finde euren Bandnamen ganz interessant, der sich von Würzfleisch ableitet. Wie hat sich dieses Wortspiel ergeben?

 

Zone: Bei uns im Osten ist das ein gängiges Mittagessen. 

 

Mundraub: So wie bei euch die Maultaschen [grinst].

 

Zone: Wir wollten Würzfleisch aber nicht als Bandnamen einfach stehen lassen, sondern dem noch einen Schwung geben. Auf den Bandnamen kamen wir, als wir an einem coolen Abend darüber philosophierten.

 

Mundraub: Kennst du Würzfleisch etwa nicht?

 

Nein, das sagt mir gar nichts.

 

Zone: Kennst du Ragout Fin?

 

Jungs, das sagt mir auch nichts.

 

Mundraub: Da hast du auf jeden Fall etwas verpasst. Wenn du es irgendwo findest, solltest du es dir auf jeden Fall gönnen.

 

Dann erklärt mal was das ist! 

 

Zone: Würzfleisch ist Schweinefleisch mit überbackenem Käse in einer übelst geilen Worcestersauce. Das ist richtig sahne! Ragout Fin ist eigentlich das Gleiche wie Würzfleisch, aber dafür wird Kalbfleisch benutzt anstatt Schwein. 

 

Mundraub: Aber wir sind nicht der Imbiss Bronko, Diggah [Anm. d. Verf.: Imbiss Bronko ist der Künstlername eines Berliner Rappers - auch bekannt als King Orgasmus One].

 

Der Song I.F.M.S., der auf eurer EP enthalten ist, wurde schon vor zwei Jahren veröffentlicht. Der Track hat im Untergrund erstmal für Furore gesorgt. Wie habt ihr das damals wahrgenommen? Habt ihr euch gesagt: „Jetzt bleiben wir dran und hauen in zwei Jahren eine EP raus.“

 

Mundraub: Wir waren erstmal so geflasht, dass wir zwei Jahre gewartet haben, ehe wir sieben Tracks produziert haben [lacht].

 

Dissythekid: Von Dranbleiben kann nicht die Rede sein. Wir haben uns viel Zeit gelassen, ehe wir etwas veröffentlicht haben. Nach dem Video zu I.F.M.S. ist erstmal nicht viel passiert. 

 

Warum?

 

Dissythekid: Keine Ahnung. Vielleicht weil wir einfach Hänger sind [lacht]? 

 

Mundraub: Wir haben nicht die Intention, damit etwas krasses zu erreichen. Es ist natürlich cool, wenn die Musik von völlig fremden Menschen gehört wird, aber im Grunde genommen geht es mir darum, meine Freunde damit zu beglücken. Dissy verfolgt andere Ziele und er nimmt die Musik schon deutlich ernster. 

 

 

Dissythekid: Die Tracks lagen auch schon ewig rum, aber wir haben es erst jetzt geschafft, sie zu veröffentlichen. Zwar nur auf Bandcamp, aber das ist doch schonmal fett. Wir werden auch weiterhin Musik machen, weil es uns sehr viel Spaß bereitet.

Ihr macht alle vier auch unabhängig von Wordsflysch Musik. Wie sieht es bei euch beiden, Mundraub und Zone aus? Ihr seid als Duo unter dem Namen RFA unterwegs. Geht ihr dem noch weiterhin nach?

 

Mundraub: Wir haben ein Album fertig! 

 

Ja?

 

Mundraub: Es muss nur noch abgemischt werden und dann werden wir es auf Platte pressen lassen! Wir möchten das Album aber nicht großartig bewerben und Perlen vor die Säue werfen. Bis auf Videos werden wir im Internet nicht sonderlich präsent sein, sondern es sehr ruhig um uns halten. 

 

Schon vor eurer EP seid ihr als Band aufgetreten. Was habt ihr dort gespielt, wenn es noch keine Releases von euch gab? Anders gefragt: Wie alt sind die Tracks auf eurer EP, dass ihr damit schon 2013 und 2014 aufgetreten seid?

 

Zone: Die Tracks, die auf der EP sind, haben wir schon damals performt. Wenn wir mal eine längere Show hatten, haben wir auf unsere Solosongs zurückgegriffen. 

 

Dissythekid: Die Songs gib es schon eine Weile.

 

Provinzrübel kann man also als „Best-of“ der letzten zwei Jahre sehen.

 

Dissythekid: Ja, so kann man es sehen.

 

Mundraub: Arg viel besseren Scheiß haben wir nicht gemacht. Wenn du also das schon whack findest… [lacht].

 

Werdet ihr jetzt alle wieder getrennte Wege gehen? Muss man weitere zwei Jahre auf den Nachfolger von Provinzrüpel warten?

 

Dissythekid: Hoffen wir mal nicht. 

 

 

Zone: Wir haben es uns als Ziel gesetzt, daran weiter zu arbeiten und auch die Organisation besser zu gestalten. Nebenher wird es auch noch weiterhin Soloreleases von uns geben, aber wir wollen kontinuierlich an Wordsflysch arbeiten. 

Wie darf man sich die Aufnahmen von Provinzrüpel vorstellen? Habt ihr euch nur Dateien hin und hergeschickt oder waren es gemeinsame Studiosessions? Bei vier Rappern wird es vermutlich auch mal schwierig, dass alle die Zeit finden, um gemeinsam in das Studio zu gehen.

 

Dissythekid: Wir haben es trotzdem geschafft, alle Songs gemeinsam aufzunehmen.

 

Mundraub: Was viele nicht wissen: Wir haben fast jeden Track in einem anderen Studio aufgenommen. Einmal sind wir nach Hamburg gefahren, weil Dissy dort Connections zu einem Label hatte, die uns kostenlos Songs aufnehmen ließen. Ein Lied haben wir im Zughafen aufgenommen, wo auch Clueso herkommt, bei Nas D. Er hat uns ebenfalls keine Kosten in Rechnung gestellt, weil wir einfach broke sind. 

 

Dissythekid: Deswegen hat es auch so lange gedauert, bis die EP fertig war. Es haben uns die Möglichkeiten gefehlt, weil wir uns darum nicht bemüht haben. 

 

 

Mundraub: Mittlerweile haben wir die Möglichkeit, bei mir aufzunehmen, wodurch es deutlich einfacher ist, an Tracks zu arbeiten. 

Also können wir uns in naher Zukunft auf ein weiteres Release von euch freuen?

 

Zone: Es kommt auf die Definition von „naher Zukunft“ an. Es ist schwer vorherzusagen, wann wir das nächste Release veröffentlichen werden. 

 

Die letzten Worte gehören euch!

 

Mundraub: Ich möchte an dieser Stelle Sonne Ra grüßen. 

 

Dissythekid: Ich grüße die Erfurter Szene und Dekzter, der heute nicht hier ist. Schreib, dass er müffelt. 

 

Mundraub: Lass uns aber mal dir ein paar Fragen stellen: Auf welche Musik stehst du?

 

Ich höre privat hauptsächlich Rap und habe vor 14 Jahren mit Samy Deluxe angefangen. In all den ganzen Jahren ist es zu einer stattlichen CD-Sammlung geworden. 

 

Mundraub: Dann hast du etwa zu der Zeit angefangen Rap zu hören, als es diesen Hamburg/Berlin Konflikt gab. 

 

Ja genau. Aber mich hat das nie gejuckt, weil ich auch kein Hamburger bin. Ich habe mich nie angegriffen gefühlt, wenn jemand die Hamburger Rapszene gedisst hat, nur weil ich die dortige Rapszene gefeiert habe. 

 

 

 

Autor: Walter Schilling

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