Interview mit Antifuchs

„Ich würde es einfach auf die natürliche Dopeness schieben“

Antifuchs konnte dieses Jahr mit ihrer EP Willkommen im Fuxxxbau für viel Wirbel sorgen. Vor ein paar Tagen ist eine neue Videoauskopplung aus der besagten EP veröffentlicht worden, Antiheld, die eine andere Seite ihrer Skills unterstreicht, nämlich auf langsame Beats rappen zu können. Ob es nun ein wahnsinnig schneller Beat wie bei Neongold ist oder ein langsamer, Anti hat ihre Hausaufgaben gemacht, rappt technisch auf hohem Niveau und kann scheinbar auf jedem Beat rappen. Im Moment bekommen meist nur die Frauen im Rap Aufmerksamkeit, die auch bereit sind, ihre weiblichen Kurven zur Schau zu stellen (egal, ob nun in den USA oder in Deutschland). Doch vielleicht schafft es Antifuchs, ein großes Publikum anzuziehen, ohne sich auszuziehen. Das wird ihr Debütalbum, an dem sie gerade arbeitet, zeigen müssen. BB21 führte ein Interview mit ihr via Skype. 

Für deine EP Willkommen im Fuxxxbau bekamst du sehr viel Lob und Anerkennung. Sowohl von Rappern als auch von Journalisten, quasi alle, die sich intensiv mit Musik beschäftigen. Ahzumjot war vor einigen Jahren in einer ähnlichen Situation und wurde für seine Debüt EP hoch gelobt. Sein Album hat aber dann kaum jemanden interessiert. Wie gehst du mit dem Druck um?

Das ist eine gute Frage. Ein Album ist für mich auch tatsächlich etwas ganz Neues. Die Arbeit an meinem Album ist eine ganz andere als an meiner EP gewesen. Ich persönlich freue mich darüber, dass es eine Erwartungshaltung gegenüber meiner Musik überhaupt gibt. Ob ich ihr gerecht werde? Mal schauen. Ich habe an mich selbst stets hohe Erwartungen und versuche mein Bestes zu geben. Aber der Druck ist tatsächlich, gerade durch das positive Feedback, da.


Wie weit bist du mit deinem Album?

Viel will ich gar nicht verraten. Ich möchte mir dazu so viel Zeit lassen wie möglich. Je mehr ich verrate, desto größer wird nur der Druck. Es sind einige Beats gepickt und ich habe viele Tracks geschrieben. Es läuft.


Wie wirkt sich der Druck in Kombination mit der Ungewissheit, die das Album mit sich bringt, bei dir aus? 

Das Frustrierendste sind dabei die Tage, an denen nichts bei rumkommt. Damit kann ich ganz schlecht umgehen. Aber ansonsten: So viel wie geht! Jeden Tag ein bisschen. 


Auf deinem Song Neongold hast du den Neongelb Flow von KKS 1:1 imitiert. Wie hast du dir den Flow angeeignet? Jahre lang Neongelb nachgerappt?

Oh Gott, nein. Es kam sehr spontan. Wir hatten den Beat, die Idee, dann habe ich geschrieben und es hat sich einfach geil angehört. Neongold haben wir als letzten Song produziert und dafür am wenigsten Zeit gebraucht. Es lief einfach [lacht].

Hattest du den Flow bereits drauf, als du den Text im Studio geschrieben hast?

Ich habe den Song Neongold zuhause geschrieben, weil ich grundsätzlich lieber daheim schreibe. Aber ich hatte den Song schon im Hinterkopf gehabt und es war ganz gewollt eine Hommage an KKS’s Neongelb. 


Du hast den Flow von Neongelb 1:1 drauf. Er ist weder zu schnell, noch zu langsam. Quasi perfekt. Da stelle ich es mir schwierig vor, dass du deinen Song kurz geschrieben hast, daraufhin ans Mikrofon getreten bist und den Song tadellos rappen konntest. 

Ganz so lief es auch nicht ab. Ich habe den Song ein paarmal daheim geübt, schließlich ist es auch ein echt schneller Flow. Aber ich würde es einfach auf die natürliche Dopeness schieben. Es lief einfach. Zumal ich nicht erst seit vorgestern rappe. Ich habe mir meine Skills über die Jahre hinweg aneignen können und setzte sie nur noch am Mic um.


Werden auf deinem baldigen Album wieder alle Beats von Rooq produziert sein?

Ja, das werden wir so beibehalten. 


Dann könnte man Antifuchs fast als Duo ansehen. Schließlich arbeitest du nur mit einem Produzenten.

Rein theoretisch schon. Die Idee von Antifuchs habe ich mit Rooq zusammen weiterentwickelt. Seine Beats passen auch immer supergut zu meiner Stimme. Ich picke mir aber natürlich auch die richtigen Beats [lacht]. Es harmoniert zwischen uns super gut. Ich mache schon länger Musik und jemand wie Rooq hat mir dabei immer gefehlt. Jemand der das, was in meinem Kopf herrscht, in Töne umwandelt.


Du sagst, dass du schon länger rappst. Kann man sich deine Schulzeit so vorstellen, dass du während dem Unterricht Songtexte geschrieben hast, statt im Unterricht aufzupassen?

So kann man sich das ein bisschen vorstellen. Ich war ein durchschnittlicher Schüler, habe mein Abitur gemacht und studiert. Aber ich war oftmals abgelenkt. Nicht nur durch Rap. Ich habe auch getanzt und war daran interessiert, alle Bereiche der Hip-Hop-Kultur kennenzulernen. Rap hat sich dabei aber am stärksten entwickelt. 

Du hast einen Verlagsdeal bei Indipendenza unterschrieben, was heißt, dass du die nächste Zeit nur über diesen Verlag released. Warum hast du dich für Indipendenza entschieden?

Ich habe Ronny Boldt [Anm. d. Verf.: Manager und Mitgründer von Indipendenza] persönlich kennengelernt und wir waren sofort auf einer Wellenlänge. Wir sind ganz gute Partner für die Zukunft und ich glaube, dass wir etwas feines zusammenzaubern können. 


Zitat aus einem deiner Interviews: „Weibliche Künstler konnten mich irgendwie nur im Ami-Rap voll überzeugen. In Deutschland hab ich hier und da gute Tracks gehört, aber auf Dauer hat bisher keine meinen eigenen Hörer-Ansprüchen genügt. Die Themen sprachen mich zu einem großen Teil auch einfach nicht an.“

Glaubst du, dass das auch mit ein Grund dafür ist, warum Rapperinnen hierzulande kaum Aufmerksamkeit bekommen? Weil sie Hörer grundsätzlich nicht auf Dauer für sich gewinnen können? 

Ich glaube, dass hierzulande viele Rapperinnen es sich viel zu leicht nehmen, oder es gar nicht ernst meinen mit dem Rappen. Aus meiner Neugier heraus höre ich immer wieder junge, neue Künstlerinnen an und bekomme meist das Gefühl, dass sie Rap nicht richtig ernst nehmen, sondern auf die Schippe nehmen wollen. Ich glaube nicht, dass der Raphörer so etwas gerne hört. Es gibt auch Rapperinnen, die ihre Arbeit gut machen. Aber die Meisten sprechen mich nicht an.


Interview geführt von

Walter Schilling

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