Interview mit David Floyd

„Ich verzichte […] nicht bewusst auf Geld, sondern verzichte auf das Streben danach!“

 

David Floyds Gesicht kennt man nicht. Zumindest nicht aus seinen Videos, von Fotos, Konzerten oder vom Cover seiner Debüt-EP Plastikwelt. Der Newcomer aus Köln tut das aber nicht aus Kalkül oder wegen eines Marketingtricks, sondern aus einer Lebenseinstellung heraus. Wie vielleicht der Name von Plastikwelt vermuten lässt, verzichtet er auf eben diese Künstlichkeit oder wie er selber sagt: „Keine oberflächlichen Spielchen mitspielen.“ Dieser Musiker möchte seine Lieder in den Mittelpunkt stellen und nicht sich. Wie man rappen kann, ohne sein Gesicht zu zeigen, zeigt David Floyd in Sturzflug gekonnt. Er tut es aber anders als seine Rapkollegen vor ihm. Wenn du das Video zu dem Song noch nicht kennst, hörst du es dir am besten sofort an, ehe du weiterliest. BB21 führte mit David Floyd ein Telefoninterview.

Warum versteckst du überhaupt dein Gesicht?

Es ist lustig, dass es als verstecken wahrgenommen wird. Aber ich zeige es einfach nicht. Es mag in der heutigen Selfie-Generation für Irritation sorgen, aber ich möchte nicht die ganze Zeit mein Gesicht in die Kamera halten. Die meisten, die das so zelebrieren, finde ich unsympathisch. Natürlich wollen auch viele das Gesicht des Künstlers sehen, um näher an ihm dran zu sein, aber ich versuche meiner Musik ein Gesicht zu geben, ohne dass man wirklich weiß, wer dahinter steckt. Ob ich im Supermarkt erkannt werde oder nicht, ist mir egal. Ich möchte lediglich keine oberflächlichen Spielchen mitspielen. In meinen Augen malt die Musik selbst die Bilder und Gesichter. Ich persönlich mag es Kopfhörer aufzusetzen und gute Musik zu hören. Da ist es mir egal, wer sie gemacht hat.


Du machst dann letztendlich genau das, was du selbst gerne hättest oder dir wünschst! Du verzichtest bei dir auf das Drumherum und konzentrierst dich nur auf die Musik.

Genau, wobei ich mir das von keinem Musiker explizit wünsche oder sage, dass man es grundsätzlich so machen muss. Ich gehe erstmal von mir als Hörer und Musikkonsument aus und ich brauche kein Gesicht zur Musik. Die Entscheidung, mein Gesicht zu verbergen, ist eine reine Bauchentscheidung gewesen. Vielleicht ändert es sich einmal und ich will letztendlich gar kein Mysterium daraus machen. Aber schon allein durch das Verbergen verändert sich auch die Videosprache. Weg von der Hampelei vor der Kamera und hin zur Erschaffung echter Bilder. Gerade im Rap steht doch der Künstler in seinen Musikvideos stark im Vordergrund.

Hat dein Job bei dieser Entscheidung auch eine Rolle mitgespielt? Fürchtest du vielleicht negative Konsequenten, wenn sich auf der Arbeit rumspricht, dass du Rapper bist?

Nein, null. Ich bin in keiner Berufswelt, in der es jemanden stören könnte, dass ich rappe. Ich kann schon anteilig von der Musik leben, weil ich dort noch andere Dinge tue - außer David Floyd. Ich schreibe Texte für Musiker und nebenher gibt es noch andere Jobs. Aber ich arbeite in keinem Büro, in dem es heißen würde: „Oh Gott. Er rappt“. Ich könnte auch mein Gesicht zeigen. Ich bin nicht entstellt. Weißt du was ich meine? Mich nicht zu zeigen, gehört zu meiner Kunst ein stückweit dazu. 


Wie kann man sich Liveauftritte von dir vorstellen? Wirst du hinter einer Leinwand auftreten? Gibt es da schon Überlegungen?

Bislang haben wir es anders gelöst. Durch Kleidung, Vermummung, Licht und Nebel. Ich spiele auch immer mit einer kleinen Band auf der Bühne, die aber immer gut zu sehen sind. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass sie komplett im Dunkeln sitzen. Ich bin dagegen eher schemenhaft zu erkennen. Was schon allein durch Lichteinstellungen einfach umzusetzen ist. 


Du arbeitest mit Kleidung, Vermummung, Licht und Nebel. Aber ohne Maske oder Leinwand.

Nein, keine Maske! Die Leinwand ist grundsätzlich ganz interessant und ich werde es bestimmt mal ausprobieren. Aber es soll auch kein Schatten- oder Puppentheater werden. Mal schauen.


In deiner Biografie heißt es: „Ich bin auch eher Musiker als Rapper.“ Macht man als Rapper keine Musik? Beißt sich das? Macht man entweder Musik oder Rap? 

Das ist eine berechtigte Frage. Es mag vielleicht ein Vorurteil sein, aber ich habe beobachtet, dass 90% der Rapper nicht sonderlich musikalisch sind. Die wenigsten machen ihre eigenen Beats. Sie schreiben einfach nur auf die Instrumentals, die sie bekommen haben, und sind wirklich nur Rapper. Haben aber von Arrangements wenig Ahnung. Mir fehlt dort oftmals das Aufregende, dass z.B. mal ein besonderes Intro gespielt wird oder ein überraschender dritter Part. Weg vom Track hin zum Song.

Zitat aus dem Song Euer Geld: „Euer Geld ist meine Freiheit“. Warum erlangst du Freiheit durch das Geld von anderen? Wie ist diese Zeile genau gemeint?

Ich verstehe das wie folgt: Wir leben in einer Gesellschaft, in der es immer schneller vorwärts gehen muss. Die meisten sehnen sich nach einem gut struk­tu­rierten Einkommen, das nie zu wenig sein sollte. Damit wollen sie sich materielle Güter und Sicherheiten kaufen. Wenn man davon etwas zurücktritt - man kann sich dem auch nicht ganz verschließen - erlangt man eine neue Form der Freiheit. Genug Geld zu verdienen bindet den Menschen sowohl zeitlich als auch psychisch. Man verbraucht dafür viel Energie. Wenn man in Deutschland nicht auf das große Geld aus ist, stattdessen auf kleineren Füßen steht, hat man trotzdem noch super viel. Selbst unsere Hartz-VI-Empfänger haben noch mehr als 80 Prozent der restlichen Weltbevölkerung. Unsere Lebenszeit ist begrenzt, die sollte man so nutzen wie man es selber mag. Dieses klischeehafte „dem Traum folgen“ eben, was auch immer es für einen persönlich ist. Wenn man etwas tut, das man liebt, dafür aber auf Geld verzichtet, kann es mit dem richtigen Mindset Freiheit bedeuten. 


Anders gesagt: Dein Verzicht auf das Geld sorgt für deine Freiheit.

Das Wort „Verzicht“ auf Geld ist da ganz schwierig. Ich verzichte schließlich nicht bewusst auf Geld, sondern verzichte auf das Streben danach bzw. es als den Mittelpunkt zu sehen. Manche führen ihr Leben so, aber es ist auch nichts verwerfliches daran.  



Interview geführt von

Walter Schilling

Artikel teilen & verbreiten:

Das könnte dich auch interessieren:

Interview mit Nynjoe

Vor etwa sechs Jahren erlebte Nynjoe mit seiner Crew Rohdiamant, die aus ihm und Grantill bestand, einen kleinen Hype, indem sie von der hiesigen Rap- bzw. Musikszene als das nächste, mögliche große Ding gehandelt wurden. Obwohl es auch Kritik gab, waren sie in aller Munde. Zeitgleich war es auch der Moment, in dem sich Rohdiamant auflöste. Frei nach dem Motto: Wenns am schönsten ist, soll man gehen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0