Kendrick Lamar - Good Kid m.A.A.d. City

Das hier, ist nicht einfach nur irgendeine Albumkritik. Es ist die Geschichte, die hinter Good Kid m.A.A.d. City steckt. Wir decken die Story hinter diesem Neuzeitklassiker auf!

 

Autor: Walter Schilling


Dieses sagenhafte Album funktioniert auf mehreren Ebenen. Oberflächlich betrachtet ist es eine Aneinanderreihung von zwölf fetten Tracks. Tiefgründiger besteht es aus ruhigen, fein ausproduzierten Beats, in denen Kendrick Lamars Stimme mit Autotune ummantelt wird. Doch wenn wir genau hinsehen, ist es ein Film, den uns Kendrick Lamar auf Albumlänge geschenkt hat.

Die erste Szene beginnt mit Sherane aka Master Splinter's Daughter - einem Gebet. Wir hören wie eine Gruppe Jesus um die Vergebung ihrer Sünden bittet. Danach geht der Song auch schon los. K.Dot, der Hauptprotagonist dieser Geschichte, fährt zu Sherane. Sie, eine heiße Frau, schön wie Stripperinnen in Atlanta. Eine dermaßen schöne Frau besucht K.Dot selbstredend nicht ohne irgendwelche Hintergedanken, die ihm aber Probleme bereiten könnten. Denn Sherane ist nicht einfach irgendjemand. Nein: „Her favorite cousin Demetrius’s, Family history of gang banging“. 50 Cent hörend fährt er trotz aller Bedenken zu Sherane. Dort angekommen sieht er zwei Kerle in schwarzen Hoodies und ist viel zu eingeschüchtert, um noch an ihrer Tür klopfen zu können. Plötzlich klingelt das Telefon: „I froze as my phone rang“. Zum Glück ist es nur seine Mutter, die Angst um ihren Sohn hat und ihn darum bittet zurückzukommen. Mütter eben, die riechen, wenn Kinder etwas Dummes tun wollen.

Die Szene wechselt. Bitch don’t kill my Vibe gehört wieder Kendrick Lamar. Der Refrain ist einem Gebet entnommen: „I am a sinner who's probably gonna sin again. Lord forgive me, Lord forgive me things I don't understand“. In diesem Song kommen wir auf die verschiedenen Ebenen zurück. Zum einen ist es der perfekte Song, wenn man nachts von einer Party heimkehrt: „I got my drink, I got my music I would share it but today I'm yelling“. Zum anderen ist es eine Kritik an Mainstreamacts: „Tell me a watch and a chain is more believable“. Zeitgleich berichtet er auch über die negativen Aspekte des Berühmtseins: „I can feel the new people around me just want to be famous“. Doch zuallerletzt wohl auch genau das, was sich K.Dot dachte, als er er die zwei Männer in ihren Hoodies sah (Bitch don’t kill my Vibe). Die Szene wechselt wieder zurück zu K.Dot, der von seinen Freunden abgeholt wird und eine Beat CD bekommt, mit der Aufforderung: „Get your freestyles ready“. Dann beginnt Backseat Freestyle. K.Dot rappt auf dem Rücksitz eines weißen Toyotas. Wir haben hier die sorgloseste und fröhlichste Szene des Films. K.Dot rappt frei von Beschwerden und Sorgen.

In The Art of Peer Pressure geht es dagegen deutlich bedenklicher zu. K.Dot ist weiterhin mit seinen Freunden im weißen Toyota unterwegs und man merkt langsam, was Gruppenzwang bedeuten kann. Es beginnt harmlos. Anfänglich kann er zu Gras nicht nein sagen. Später sind es die fremden Gangmitgliedern, denen er gemeinsam mit seinen Kumpels Beine macht. Den traurigen Höhepunkt findet das Spielchen damit, dass K.Dot sich in einem fremden Haus wiederfindet und dabei ist, es auszurauben. Während dem Überfall ist die Polzeisirene zu hören. Trotz zweimonatiger Beobachtung befindet sich jemand in dem Haus, in das sie soeben eingebrochen sind. Hektisch fahren sie davon und schaffen es gerade noch die Polizei abzuhängen. In all dieser Hektik raucht K.Dot ahnungslos einen Blunt, in dem PCP beigefügt worden ist, und hebt komplett ab. In einem fast komatösen Zustand bringen ihn seine Freunde zu seinem Auto zurück und vereinbaren sich später in der Nacht wiederzusehen. K.Dot selber will noch bei Sherane vorbeischauen.

Szenenwechsel. Wieder befinden wir uns in dem Moment von Sherane aka Master Spilnter’s Daughter. K.Dot im Auto parkend, vor dem Haus von Sherane. Die zwei Jungs in den Hoodies sind nach wie vor da. Doch nun wissen wir, dass K.Dot nach einem Raub zu Sherane gefahren ist. 

Die Jungs in den Hoodies gehen sofort auf K.Dot drauf, ziehen ihn aus dem Auto und schlagen auf ihn ein. Sherane hat ihn richtig auflaufen lassen. Daraufhin sieht er nun sein Leben vor seinem inneren Auge an sich vorbeiziehen. 

Die Jungs in den Hoodies gehen sofort auf K.Dot drauf, ziehen ihn aus dem Auto und schlagen auf ihn ein. Sherane hat ihn richtig auflaufen lassen. Daraufhin sieht er nun sein Leben vor seinem inneren Auge an sich vorbeiziehen. 

Good Kid. „The streets sure to release the worst side of my best“. Er ist im Grunde genommen ein guter Junge. Doch die rivalisierenden Gangs, Geldprobleme und seine Freunde bringen ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Wenn es nicht gerade das ist, dann ist es die Polizei, die ihn für einen Gangbanger hält und noch mehr Probleme bereitet, ihn filzt, nach Tattoos untersucht, nichts findet und sich trotzdem sicher ist, dass er ein Gangbanger ist. Probleme, die ihm die m.A.A.d. City bereitet. Er wird sich bewusst, dass alles ein ewiger Teufelskreis ist.

Wie schlimm es K.Dot in dieser Schlägerei wirklich erwischt hat, weiß mach nicht. Schwer genug, dass sich seine Freunde wohl Sorgen machen. Denn wie zuvor vereinbart, treffen sich die Jungs wieder. K.Dot bekommt erst einmal einen Schnaps, um die Schmerzen zu betäuben. Wir sind bei Swimming Pools angekommen. Weiterhin reflektiert sich K.Dot. Ständig und überall ist er von diesem Alkohol umgeben. Egal ob Familie oder Freunde. Genau dieser verdammte Alkohol bringt ihn kein Stück weiter. „All I have in life is my new appetite for failure and I got hunger, pain, that grow insane“. Er hält ihn nur von seiner wahren Berufung ab: Kendrick Lamar!

Betrunken und wütend wollen K.Dots Homies nun Rache. Sie fahren gemeinsam zu Sherane, um dort die Jungs abzufangen. Es kommt zum Schussgefecht und einer von K.Dots Freunden, Dave fällt. Er stirbt in K.Dots Armen. 

Sing abaout me. Am nächsten Tag ruft Daves Bruder K.Dot an. Nach dem tragischen Verlust gibt er K.Dot die Schuld an dessen Tod, da er für etwas gestorben ist, das K.Dot verschuldet hat. Doch er wertschätzt K.Dots Hilfsbereitschaft für Dave während seines Lebens. Besonders dafür, dass er bei ihm geblieben ist, während er starb. Er bittet K.Dot darum, dass - sofern er eines Tages berühmt sein sollte - einen Song darüber schreibt. 

Daraufhin ist K.Dot am Tiefpunkt angelangt, denn es ist ihm alles zu viel geworden. Der Teufelskreis, den das Ghetto mit sich bringt, macht ihn müde. Dieser permanente Kampf ums Überleben. I'm Dying of Thirst: Es ist der Moment, in dem K.Dot zu Kendrick Lamar wird. Er wird das Hamsterrat des Ghettos hinter sich lassen. Von nun an lebt er sein echtes Leben. Real. Kendrick Lamar blickt noch ein letztes Mal zurück. Wann bist du echt? Ist die Frau dann echt, wenn sie sich schminkt, schöne Nägel hat und eine schöne Figur wie Sherane? Oder bist du echt, wenn du ein schnelles Auto hast, viele Frauen und den Ärger suchst wie Dave? Oder bist du dann echt, wenn du es schaffst dich selber zu lieben? Wenn du es schaffst, das Ghetto hinter dir zu lassen…

 

 

Es gibt kaum Alben, die solch ein starkes Storytelling Konzept verfolgt haben. Kendrick Lamar hat sich mit Good Kid m.A.A.d. City unsterblich gemacht.


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Kommentare: 1
  • #1

    MarcelR (Montag, 30 November 2015 10:36)

    Ohne K. wäre HipHop tot. Er ist dem Oldschool Storytelling treu geblieben und hat verdient diesen großen Erfolg geerntet!