Interview mit Shkelzen

„Wenn mich die Cops dabei erwischen, stelle ich mich immer blöd“

Shkelzen ist Straße. Während man im Rap darunter Kriminelle oder mittellose  Künstler versteht, ist bei ihm Straßenmusik gemeint. Er hat für sich das Performen in belebten Fußgängerzonen entdeckt um den direkten Kontakt zum Publikum zu haben. Das Stuttgarter Label Rough Rockz ist auf sein Gesangstalent aufmerksam geworden und hat ihn direkt unter Vertrag genommen. Nach dem Interview erfuhr ich von Shkelzen, dass er wieder sehr viel im Studio gewesen sei. Wir können uns wohl in naher Zukunft auf viele neue, eigene Songs von Shkelzen freuen. Doch bis jetzt kann man im Internet nur gecoverte Lieder von ihm finden, die er aber wunderschön interpretiert. Ich traf mich mit Shkelzen nach einem seiner Auftritte in Stuttgart für das Interview. Shkelzen rappt zwar nicht, dafür steckt aber eine tolle Stimme in ihm.

Sowohl bei deinem Auftritt als auch im Internet sind in erster Linie Coversongs von dir zu hören. Schreibst du schon an eigenen Songs? 

Den Song Every, den ich auch auf der Bühne gespielt habe, ist der erste eigene Track von mir. Genau deswegen bin ich froh darüber, Albert [anmerk. d. Verf.: Labelchef von Rough Rockz] und die Jungs getroffen zu haben. Die ermöglichen mir das erst. Ich hatte schon viele Songideen, aber nie die Möglichkeit in einem Studio aufzunehmen und die passenden Beats dafür zu haben. Darum kümmert sich jetzt Albert. 

 

Das ist quasi der Startpunkt.

Genau. Jetzt haben wir den Song vorgestellt, dazu wird ein Video aufgenommen und jetzt bin ich gespannt, wie es weiter geht.

 

Hört sich gut an. Hast du musikalische Vorbilder?

Was die Stimmpower angeht, finde ich, dass James Arthur der Hammer ist. Jessy J wegen ihrer Technik und lyrisch wieder James Arthur. Ich mag sie auch wegen ihrer Geradlinigkeit. 

 

Hörst du auch selber Rap?

Früher mehr als heute. Ich war ein krasser B.O.B. und Kanye West Fan. 

 

Also die, die Popeinflüsse im Rap haben.

Ja, das zu vermischen finde ich sehr interessant. Aber so richtig straighten Rap? Da muss ich überlegen.

 

 

Notorious B.I.G., oder andere aus der älteren Generation?

Oha, klar. Das war die Zeit, in der die Schuldiscos anfingen. Dort lief viel Biggie und auch Tupac. Gerade Tupac: Ein Gott! Es ist aber mittlerweile nicht mehr das, was ich favorisiert höre. Ich finde im Rap wenig Inspiration für meine Musik und höre es heutzutage nur noch um abzuschalten. Wenn ich cool drauf bin und mit meinen Jungs chille, läuft es nebenher. Wobei, vor kurzem habe ich einen Song in Facebook hochgeladen, in dem ich rappe. War mal ganz cool und hat mir da einfach Spaß gemacht. 

 

Du kommst aus Stuttgart, hast aber eine längere Zeit in Berlin gelebt. Was hat dich dort hingezogen?

Ich habe dort ein Jahr just for fun gelebt. Wir, das heißt zwei Freunde und ich, sind immer wieder über das Wochenende nach Berlin gereist. Irgendwann kam dann die Idee auf, dahin zuziehen. Wir haben unsere Jobs gekündigt und sind einfach nach Berlin gefahren. Wir haben uns nicht einmal eine Wohnung gesucht, geschweige denn einen neuen Job gehabt, als wir die alte Arbeit kündigten. Eine Wohnung haben wir glücklicherweise kurz vor knapp finden können. War eine sehr schöne Zeit, in der ich viel Musik gemacht habe.

 

Wie geil. Welche Jobs hattest du in Berlin?

Ich habe auf die Schnelle einen Job gebraucht und deswegen erstmal in einem Callcenter angefangen. Danach war ich in einer Marketingagentur und nebenher habe ich oftmals in Restaurants gejobt, oder in Discos gekellnert. 

 

Dann bist du jetzt fit darin, Cocktails zu mixen?

Natürlich. Wenn irgendjemand was braucht, kommt einfach zu mir! Ich mix euch die Cocktails.

 

Du warst früher viel unterwegs und hast auf den Straßen deine Songs performt. Machst du das noch immer?

Ja und ich liebe es. Vor eineinhalb Jahren habe ich Straßenmusik für mich entdeckt; es ist wie eine Sucht. Es tut mir so gut, auf der Straße zu singen. Anfangs habe ich nur Coversongs gespielt, weil ich davon ausging, dass es mehr Leute lockt. Aber jetzt singe ich auch die Songs, die ich mit Albert schreibe. Dadurch sehe ich sofort, welche Lieder wie beim Publikum ankommen. Every, den ich heute gespielt habe, wurde schon oft angefragt, ob man ihn irgendwo downloaden kann. Da muss ich zwar immer sagen, dass man den Song noch nirgends holen kann, aber innerlich pocht dabei mein Herz und ich denke mir dabei „Ich liebe dich“ (lacht). 

 

 

Auf der Straße hast du ein direktes Feedback, dass du auf diese Weise im Internet nicht hast.

Genau, da sehe ich dann sofort wer stehenbleibt. Bei Every ist es der Idealfall. Es bleiben jung und alt, unabhängig von ihrer Herkunft stehen und hören sich den Song an. Dieses Publikum mit meinen Songs zu erreichen, ist genau mein Ziel. Meine eigenen Lieder kann ich auf der Straße ausprobieren und sehen, ob er auch wirklich gut geschrieben ist und wie er ankommt. 

 

Hast du auf der Straße auch schon negative Erfahrungen gemacht?

Nein, zumindest nicht mit dem Publikum. Die schlechten Erfahrungen mache ich nur mit der Polizei. 

 

Wie legal ist es, auf der Straße zu singen?

Mit einem Verstärker auf der Straße zu singen, ist in Süddeutschland komplett illegal. Wenn mich die Cops dabei erwischen, stelle ich mich immer blöd, nach dem Motto „Wusste ich nicht“. Dann drücken die ein Auge zu, ich warte eine halbe Stunde, fang wieder an. Inzwischen gibt es in Stuttgart Bullen, die mich kennen und einfach weiterlaufen. Die nicken mit dem Kopf und sagen nichts. Bei neuen Polizisten muss ich schnell meine Sachen zusammenpacken und gehen. Ansonsten könnte es teuer werden. 

 

Kann man sich dafür nicht eine Lizenz besorgen?

Lizenzen gibt es nur für die Gitarre oder so. Aber nie mit Verstärker. Ich mache es trotzdem!

 

Hast du schon einmal eine Geldstrafe zahlen müssen?

Nein, bis jetzt hat es auch immer geklappt. Toi toi toi, dass es auch in Zukunft so bleibt. 

 

Du sagst, dass es nur in Süddeutschland verboten ist. Konntest du in Berlin legal mit deinem Verstärker auftreten?

Ich weiß zwar nicht, ob es dort verboten ist, aber es hat noch nie jemand etwas gesagt. In Berlin kannst du stehen wann und wo du willst. Es interessiert einfach kein Schwein. 

 

Wie geht es bei dir weiter?

Durch den Umzug nach Mannheim stand alles etwas still. Aber es gibt schon Songskizzen und viele, viele Songideen. Daran wird in Zukunft weiter gearbeitet. 

 

Warum bist du nach Mannheim gezogen, wenn dein Label in Stuttgart sitzt?

Ich bin nach Mannheim für meine jetzige Ex-Freundin gezogen. Wir waren eine längere Zeit zusammen und bin dann für sie nach Mannheim gezogen. Kurz nach dem Umzug hat sie mir gebeichtet, dass sie mir fremd gegangen ist. Aber ich bin trotzdem glücklich in Mannheim. Mein neuer Job ist ein Traum und ich habe viel Freizeit, die ich für die Musik nutzen kann. Wenn ich zuhause singe, freuen sich alle Nachbarn. Wenn ich mittendrin eine Pause einlege, höre ich die älteren Damen sofort aus ihrem Fenster rufen: „Weiter singen“. 

 

 

Du hast auch einen Dankesbrief in Facebook gepostet, der in deinem Briefkasten war. 

Scheinbar hat man meinen Gesang durch das Treppenhaus gehört und eine Dame aus dem Haus hat sich bei mir für den Gesang bedankt. Das Feedback in meinem Haus ist super!

 

 

Interview geführt von

Walter Schilling

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Kommentare: 1
  • #1

    Rough Rockz (Sonntag, 09 August 2015 18:26)

    Rough Rockz kann man nicht als ein Label bezeichnen. Das ist ne Gruppe von Leuten die weder nen Plan von Musikproduktionen noch vom Musikbusiness haben...